Staatskalender

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Staatskalender, Staatshandbuch oder Staatsadressbuch ist ein amtliches Adressbuch, das die hierarchische Gliederung der staatlichen Behörden wiedergibt und über die Namen und Funktionen der höheren Behördenmitglieder, Beamten und anderen Staatsangestellten Auskunft gibt.

Bezeichnung und Inhalt[Bearbeiten]

Die Staatshandbücher enthalten neben einem Namensverzeichnis der Beamten insbesondere die amtliche Darstellung des Hof- und Staatswesens eines Staates unter Anführung aller höheren Staats- und Hofbeamten und genealogischer und statistischer Notizen. Außerdem enthalten sie die namentlichen Angaben der lebenden Familienglieder des regierenden Hauses eines Staates und auch sonstige statistische Notizen über Land, Volk und Administration.

Trägt eine solche Publikation die Bezeichnung „Kalender“, weist dies auf ein jährliches Erscheinen hin.

Im deutschen Sprachraum wurden früher verbreitet Staatskalender publiziert. Theodor Storms Gedichte „Vom Staatskalender“ (1856) zeigen ihre soziale Bedeutung im Obrigkeitsstaat auf: Und es will sich doch nicht schicken, / Daß man so mit jeder geht, / Seit Papa im Staatskalender / In der dritten Klasse steht.

Einzelne Staatskalender[Bearbeiten]

Als Vorläufer der Staatshandbücher gilt der französische »Almanach royal« (1679 von dem Buchhändler Laurent Houry in Paris gegründet, seit 1853 »Almanach Impérial«). Im 18. Jahrhundert erschienen ähnliche Almanache nach und nach in allen europäischen Staaten und in den verschiedenen Gebieten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Die ersten Staatshandbücher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren: das »Namensregister für die vereinigten Niederlande« (1700), der »Preußisch-brandenburgische Staatskalender« (seit 1704), der »Regensburger Komitialkalender« (seit 1720), der »Kursächsische Staatskalender« (seit 1728), der »Mecklenburg-Schwerinsche Staatskalender« (seit 1776). Weitere Beispiele sind der Hochfürstlich-Hessen-Darmstädtischer Staats- und Adreßkalender und Hochfürstlich-Hessen-Casselischer Staats- und Adreß-Calender [1].

In England erschien seit 1730 der »Royal calendar«. Auch der »Gothaische Genealogische Hofkalender nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuch« ist hier zu nennen. Seit 1885 erschien das »Staats-, Hof- und Kommunalhandbuch des Reichs und der Einzelstaaten« von Kürschner.

Später wurden für die meisten europäischen Staaten amtliche Staatshandbücher herausgegeben, z. B. für Preußen das »Handbuch über den königlich preußischen Hof und Staat«; ein »Handbuch für das Deutsche Reich« gab das Reichsamt des Innern seit 1876 heraus. In England erschien seit 1864 »The Statesman's Year-book« (herausgegeben. von J. S. Keltie).

In der Gegenwart wird die Bezeichnung „Staatskalender“ für Verzeichnisse dieser Art nur noch im Fürstentum Liechtenstein und in der Schweiz verwendet, wo sowohl die Landes- bzw. Bundesregierung wie auch die Kantone jährlich einen Staatskalender herausgeben.

In Österreich erfüllt diese Funktion der jährlich erscheinende Österreichische Amtskalender, der Bund, Länder, Gemeinden und zahlreiche andere öffentliche Körperschaften umfasst.

Ein dem Staatskalender entsprechendes Werk bildet das Annuario Pontificio des Vatikans, ein Verzeichnis über die Behörden des Vatikans, aber auch über alle Würdenträger und Kongregationen der Weltkirche.

Staatliches Kalendersystem[Bearbeiten]

Als „Staatskalender“ bezeichnet man bisweilen auch ein staatlich verordnetes oder behördlich verwendetes Kalendersystem.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Staatskalender im Internet:

  • aktuell:
  • Österreich:
  • Schweiz:
  • historisch:
  • Allgemeiner Überblick :
  • Deutschland:
  • Österreich:
  • Schweiz:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausgaben 1774 auf Google-Books