Staatsoperette Dresden

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Staatsoperette Dresden 2016

Die Staatsoperette Dresden ist das einzige selbstständige Operettentheater Deutschlands. Es wurde in 1946 mit einem ersten Vorläufer in Leuben gegründet und befindet sich seit 2016 auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Mitte im Stadtteil Wilsdruffer Vorstadt. Neben Operetten stehen auch Spielopern und Musicals auf dem Spielplan.

Geschichte des Hauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leubener Gasthof um 1900
Staatsoperette in Leuben bis 2016
Zuschauerraum in Leuben, 2003

Die Staatsoperette Dresden blickt mit ihren Vorgängern auf 235 Jahre Tradition als musikalisches Volkstheater in Dresden zurück. Aufwendige und repräsentative Theaterbauten wie das Albert-Theater, das Central-Theater und das Residenztheater begründeten in Dresden eine Tradition, die bis heute fortwirkt. Zeitweilig wurden Operetten in allen drei Häusern gleichzeitig und regelmäßig gespielt.

Die Gründung des Operettentheaters an seinem bis 2016 beibehaltenen Standort ist eine Folge der Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Dabei wurden große Teile der Innenstadt zerstört, während in den Vorstädten schon bald nach Kriegsende wieder kleine Theatergruppen entstanden. In Dresden-Leuben gründete Georg Wörtge eine solche Gruppe im unzerstört gebliebenen „Feenpalast“, der sich aus einem Gasthof in den 1920er Jahren zu einem Ballhaus mit einem großen Saal für fast 1.000 Personen entwickelt hatte.

Hier wurden zunächst kleine Stücke im ehemaligen Gastraum aufgeführt, während der große Saal umgebaut wurde und eine größere Bühne, einen Orchestergraben sowie Bühnentechnik aus den Trümmern des Central-Theaters in der Waisenhausstraße bekam. Am 18. August 1947 wurde im neuen „Apollo-Theater“, dem ersten fertiggestellten Theaterumbau in Sachsen, Shakespeares Ein Sommernachtstraum aufgeführt, noch im selben Jahr (am 2. Oktober) auch Franz Lehárs Die lustige Witwe, am 31. Dezember 1947 folgte Paul Abrahams Die Blume von Hawaii. Für ein vielfältiges Programm sorgte eine enge Kooperation mit der „Constantia“, dem heutigen Theater Junge Generation in Dresden-Cotta. Operetten bildeten jedoch einen Schwerpunkt, weshalb das Haus ab 1950 „Staatliches Operettentheater“ (gelegentlich auch „Staatliches Operettentheater Dresden“) hieß und seit 1967 den Namen „Staatsoperette Dresden“ trägt. Träger des Theaters ist seit 1990 – entgegen dem nunmehr irreführenden Namen – allerdings die Stadt Dresden und nicht der Staat.

Das in der DDR sehr beliebte Gesangsquartett Die vier Brummers begann hier seine Karriere. Intendant Otto Bochmann hatte dazu die Anregung gegeben: Mit der Giftspritze, einer kabarettistischen Spielzeitabschlussveranstaltung, starteten 1950 Wolfgang Roeder (seit 1949 am Haus, zunächst Bühnentechniker, dann Charakterkomiker), Erich Weber (seit 1945 Chorsänger und Solist), Eberhard Keyn (Solotänzer und Akkordeonspieler) und Johannes Frenzel (ebenfalls Chorsänger) ihre eigene Karriere. Namensgebung und offizielle Gründung erfolgten bei einer privaten Veranstaltung zum Jahreswechsel 1950/51. Ab 1952 waren sie regelmäßig eigenständig im Rundfunk, ab Mai 1953 im Fernsehen zu hören bzw. zu sehen. 1955 verließen die vier Ensemblemitglieder, die sie bis dahin waren, endgültig das damalige Staatliche Operettentheater und waren nur noch als die „Vier Brummers“ bis zu deren Auflösung 1977 unterwegs.[1]

Von Anfang an bis in die 1970er Jahre hinein prägte allerdings ein Gesicht des Hauses eine ganze Generation von Sängerdarstellern: Georg Wörtge, der als eine Art „Ausnahmekünstler“ durch seine Gestaltung und sein Auftreten auch eine historische Linie von den Operettentheatern vor 1945 bis zur Staatsoperette der 1970er Jahre verkörperte.[2]

Jüngere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Spielzeit 2003/04 ist Wolfgang Schaller Intendant, und seit der Spielzeit 2013/14 ist Andreas Schüller Chefdirigent des Hauses.

Kulturgeschichtlich setzt sich die Staatsoperette Dresden mit der Verantwortung gegenüber einem Genre auseinander, das im 20. Jahrhundert unter fragwürdigen Ideologien litt, verharmlost wurde und über das bis heute Vor- und Fehlurteile im Umlauf sind. Dies geschieht in Rekonstruktionen (wie beispielsweise der Instrumentation von Abrahams Viktoria und ihr Husar) und Wiederaufführung vergessener oder verdrängter Werke. Regelmäßig stattfindende Tagungen schaffen hierfür Grundlagen, sie bringen Wissenschaftler, Theaterleute und Medienvertreter in den Dialog.

Besondere Aufmerksamkeit erfährt das Werk von Johann Strauss. Neben seinen bekannten Bühnenwerken wie den Operetten Die Fledermaus, Wiener Blut, Eine Nacht in Venedig oder Der Zigeunerbaron führte die Staatsoperette Dresden seit 2004 auch selten gespielte Strauss-Werke auf: Der Carneval in Rom mit über 50 Aufführungen in Dresden und auf Gastspielen, die Politsatire Das Spitzentuch der Königin mit annähernd ebenso vielen Aufführungen, der an Jacques Offenbach orientierte Prinz Methusalem und 2015 Cagliostro in Wien. Seit 2011 präsentiert das Johann-Strauss-Festival Dresden alljährlich das weltweit einmalige Johann-Strauss-Repertoire der Staatsoperette Dresden, ergänzt um bedeutende Werke des Genres.

Sowohl die Strauss-Raritäten als auch die deutschen Offenbach-Fassungen wurden auf Tonträgern eingespielt und sind beim deutschen Klassik-Label CPO erschienen. Das Projekt Radiomusiken entstand seit 2005 in Kooperation mit MDR Figaro und seit 2008 auch mit Deutschlandradio Kultur.

Gastspiele führen das Ensemble seit 2003 regelmäßig in Städte wie Essen, Köln, Hamburg, München, Fürth, Linz oder Winterthur.

Staatsoperette im Kraftwerk Mitte Ende 2016
Eingang von der Theatergasse
Der Bühnenbereich für die Staatsoperette im Neubau

Finanzierung und Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als der Name vermuten lässt und im Gegensatz zu Einrichtungen wie dem Staatsschauspiel Dresden oder den Staatlichen Kunstsammlungen wird die Staatsoperette nicht durch den Freistaat Sachsen, sondern seit 1990 finanziell durch die Stadt Dresden getragen.

Die Staatsoperette litt wie viele andere Kultureinrichtungen Dresdens nach 1990 zunehmend am knappen Haushalt der Stadt. Ein möglicher Umzug der Operette, eventuell in einen Neubau am Wiener Platz war zwischen 2002 - der aus haushaltspolitischen Gründen vorgeschlagenen und durch den Stadtrat abgelehnten Schließung - und 2012 - dem endgültigen Baubeschluss für einen Neubau - eines der in diesen Jahren meistdiskutierten kommunalpolitischen Themen in Dresden.

Auf Grund der abgelehnten Schließung brachte bereits 2005 der damalige Oberbürgermeister Ingolf Roßberg einen Neubau am Wiener Platz ins Gespräch, da für die nötigen Ersatzinvestitionen am damaligen Standort in Leuben bereits ein Neubau an einem Standort im Stadtzentrum finanzierbar gewesen wäre. Diesem Vorstoß folgte der Stadtrat zunächst nicht, allerdings gab es dazu auch keine ernsthafte Alternative.

Die durch die Entschuldung der Stadt seit 2006 erheblich verbesserte finanzielle Situation Dresdens sowie ein weitreichender Einkommensverzicht der Belegschaft der Staatsoperette seit 2009, mitgetragen von den jeweiligen Gewerkschaften, sowie ein umfassendes (und auch finanziell bedeutendes) bürgerschaftliches Engagement bildeten dabei die Grundlage für diese völlige Änderung der noch bis 2002 hingenommenen kommunalpolitischen Ausrichtung eines „Auslaufmodells“ für dieses Theater.[3]

Im Juli 2012 wurde schließlich nach jahrelangen Debatten der Neubau des Operettentheaters im Gebiet des ehemaligen Kraftwerks Mitte beschlossen, wenige Wochen später die entsprechenden Bauverträge. Baubeginn mit dem Aushub der Baugrube für diesen Neubau war mit dem „ersten Spatenstich“ am 11. April 2014, am 8. Juli 2014 erfolgte die festliche Grundsteinlegung.[4] Die Fertigstellung wurde für Dezember 2016 vertraglich vereinbart, dies wurde auch so eingehalten.

Die Eröffnung der Staatsoperette fand mit einem Festakt vor geladenen Gästen am 16. Dezember 2016 statt, wobei am gleichen Tag bereits in einer Matinee die Leistungen der am Bau Beteiligten gewürdigt wurden. Tags darauf fand die Premiere von Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach statt. Die zweite Eröffnungspremiere war am 22. Dezember 2016 mit Wonderful Town von Leonard Bernstein. Vom 30. Dezember 2016 an wird eine Eröffnungsgala präsentiert. Ab Januar 2017 sind Wiederaufnahmepremieren vorgesehen.[5]

Förderforum der Staatsoperette Dresden e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Förderforum entstand aus zwei voneinander unabhängigen Gründungen, einem Förderverein der Staatsoperette aus 2003 und dem schon in den 1990er Jahren entstandenen Operettenforum, was bis zu deren beider Fusion Träger der Bälle der Staatsoperette war, jedoch Anfang der 2000er Jahre sich als nicht mehr tragfähig erwies.

Heute (2016) gilt die Satzung mit folgender Formulierung:
„Der Zweck des Vereins ist die Förderung der Staatsoperette Dresden. Angesichts der Bedeutung der Landeshauptstadt Dresden als Kunst- und Kulturstandort verfolgt der Verein auch das Ziel, in allen Schichten der Bevölkerung das vorhandene kulturelle Verständnis für die Staatsoperette Dresden durch aktive Beteiligung zu fördern und zu sichern.“ (Auszug aus der Satzung des Förderforum der Staatsoperette Dresden e. V.)

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Intendanten
1947–1949 Günther Sauer
1949–1950 Hans Pitra
1950–1954 Otto Bochmann
1954–1958 Peter Bejach
1958–1977 Fritz Steiner
1978–1987 Reinhold Stövesand
1987–1988 Manfred Müller-Kuhl
1988–1990 Jürgen Eggert
1990–1994 Elke Schneider
1994–1995 Jürgen Eggert
1995–2003 Fritz Wendrich
seit 2003 Wolfgang Schaller
  • Musikalische Leiter
1947–1950 Musikalischer Oberleiter der Deutschen Volksbühne Wilhelm Licht
1950–1960 Musikdirektor Joachim Michael Niggl
1960–1966 Musikalischer Oberleiter Siegfried Franze
1966–1968 Musikalischer Oberleiter Hans-Hendrik Wehding
1976–1988 Musikalischer Oberleiter Manfred Grafe
1988–1990 Musikalischer Oberleiter, 1990–1995 Chefdirigent Volker Münch
1995–2003 Chefdirigent Volker M. Plangg
2003–2013 Chefdirigent Ernst Theis
seit 2013 Chefdirigent Andreas Schüller

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 50 Jahre Staatsoperette Dresden – 225 Jahre musikalisches Volkstheater in Dresden. Hg. von Peter Gunold. Weimar: Läzer 1997.
  • Legenden. 60 Jahre Staatsoperette Dresden. Die jüngsten 10 Jahre. Hg v. Wolfgang Schaller. Dresden 2007.
  • Wolfgang Schaller (Hrsg.): Operette unterm Hakenkreuz. Zwischen hoffähiger Kunst und "Entartung". Beiträge einer Tagung der Staatsoperette Dresden. Berlin: Metropol 2007.
  • 1947 - 2012 / Vom Feenpalast ins Kraftwerk Mitte / 65 Jahre Staatsoperette Dresden Hg. v. Wolfgang Schaller, September 2012.
  • Andreas Schwarze: Metropole des Vergnügens. Musikalisches Volkstheater in Dresden von 1844 bis heute. Dresden: Saxophon 2016. ISBN 978-3-943444-59-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Staatsoperette Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Gunold (hrsg.): 50 Jahre Staatsoperette Dresden - 225 Jahre musikalisches Volkstheater in Dresden. Verlag und Galerie Buchkunst Läzer, Weimar, 1997. S. 105, 106. Ohne ISBN.
  2. Andreas Schwarze: Metropole des Vergnügens - Musikalisches Volkstheater in Dresden von 1844 bis heute Dresden: SAXO'Phon 2016. ISBN 978-3-943444-59-9. S. 76–85.
  3. Strauss-Matinee mit dem Urgroßneffen, gemeint ist Dr. Eduard Strauss, Ur-Großneffe von Johann Strauss (Sohn). In Sächsische Zeitung, 6. Jan. 2014, S. 14, Internetfassung, abgerufen am 6. Jan. 2014.
  4. Eine Webcam dokumentierte 2014 bis 2016 den Baufortschritt alle zwei Minuten online
  5. Staatsoperette Dresden (Hrsg.): Spielplan Eröffnungsspielzeit 2016/17. S. 49

Koordinaten: 51° 3′ 10″ N, 13° 43′ 22″ O