Staatsexamen

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Ein Staatsexamen (Plural Staatsexamina; von lateinisch examenVerhör‘ oder ‚Untersuchung‘; kurz Stex oder StEx), synonym auch Staatsprüfung, ist eine von einer deutschen staatlichen Behörde (Prüfungsamt) veranstaltete Prüfung. Die Brockhaus Enzyklopädie definiert das Staatsexamen bzw. die Staatsprüfung als eine „von staatlichen Prüfungsausschüssen abgenommene Prüfung für den Eintritt in einen staatlichen oder staatlich überwachten Beruf.“[1] Diese bildet in der Regel den Abschluss von Studiengängen an einer deutschen Hochschule und/oder einer anderen unter staatlicher Aufsicht stehenden Institution.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatsexamen eröffnet den Zugang zu bestimmten, vom deutschen Staat regulierten Berufen. Der Begriff wird in Deutschland etwa für eine entsprechende Abschlussprüfung der Philologen nach einem Studium an einer Hochschule verwendet. Er findet jedoch auch bei nichtakademischen Berufen Verwendung, zum Beispiel im Gesundheitswesen mit den Abschlüssen als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Altenpfleger, in der Technik mit dem Abschluss zum Staatlich geprüften Techniker oder auch in der Wirtschaft mit dem Abschluss zum Staatlich geprüften Betriebswirt oder in der Gestaltung zum Staatlich geprüften Gestalter.

Der Grund für die besondere staatliche Kontrolle ist das öffentliche Interesse an der Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards bei den betroffenen Ausbildungsgängen. Verkürzt ausgedrückt, könnte man das Staatsexamen als Qualitätskontrolle des Abnehmers Staat bezeichnen, der in der Regel nicht selbst unmittelbar als Ausbildungsinstitution auftritt.

In Deutschland sind die Studienrichtungen mit den Bezeichnungen "Staatsexamen" unterschiedlich strukturiert: So bildet etwa das sogenannte "Erste Staatsexamen" den Abschluss des Lehramtsstudiums an einer Universität oder gleichgestellten wissenschaftlichen Hochschule. Das sogenannte "Zweite Staatsexamen" findet nach Abschluss einer anschließenden schulpraktischen Ausbildung an einer anderen Institution, etwa einem Studienseminar, statt.[2] Beim Medizinstudium, beim Studium der Zahnmedizin, der Tiermedizin, der Rechtswissenschaft, der Lebensmittelchemie und der Pharmazie ist der Begriff "Staatsexamen" nicht offiziell in den Studien- und Prüfungsordnungen verankert, wird jedoch auch hier gern im Campusjargon verwendet und teilweise sogar auf Teil-, Vor- und Zwischenprüfungen ausgeweitet.

Bisweilen schließt sich nach dem Abschluss der theoretischen Studien noch eine praktische Ausbildung oder ein Vorbereitungsdienst an, der mit einem weiteren Staatsexamen an einer anderen Institution, etwa einem Studienseminar, enden kann. Einige Hochschulen verleihen ihren Absolventen mit Bestehen des ersten Staatsexamens auf Antrag auch einen akademischen Grad. Teilweise werden dafür zusätzliche Leistungsnachweise oder ergänzende Prüfungselemente gefordert. Philologiestudenten avancieren nach bestandenem Vorexamen, dem sogenannten Philosophikum, etwa vom Stud. phil. zum Cand. phil., vom Studenten zum Kandidaten der Philologie. Ein qualifizierter Abschluss des ersten Staatsexamens (etwa mit der Note „gut“ oder besser) berechtigt die Absolventen in der Regel zur Promotion.

Mit Ausnahme der Lehrberufe gibt das erste Staatsexamen dem erfolgreichen Absolventen in der Regel nicht das Recht, eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung zu führen. Auch erhält er keinen führbaren Qualifikationsgrad nach Art der akademischen Grade.

Das theologische Examen am Ende des Theologiestudiums folgt strukturell dem Modell des Staatsexamens der Philologen (erstes theologisches Examen am Ende des Studiums, zweites theologisches Examen am Ende des Vikariats). Allerdings handelt es sich im wörtlichen Sinne nicht um ein "Staatsexamen", da nicht Vertreter des Staates, sondern abgeordnete Prüfer der jeweiligen Landeskirche das Examen abnehmen.

Rechtswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebensmittelchemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prüfungsordnungen unterscheiden sich etwas von Bundesland zu Bundesland, da das Recht der Lebensmittelchemiker Landesrecht ist. Jedoch haben sich die zuständigen Landesminister 1994 auf einen einheitlichen Rahmen geeinigt.

Nachfolgend ist die Situation in Baden-Württemberg dargestellt. Die Abweichungen zu anderen Bundesländern sind aber nur gering:

Das Staatsexamen (in einigen Bundesländern auch als Staatsprüfung bezeichnet) besteht aus drei Teilen:

  • Erster Prüfungsabschnitt nach vier Semestern (Grundstudium)
  • Zweiter Prüfungsabschnitt nach weiteren vier Semestern (Hauptstudium)
  • Dritter Prüfungsabschnitt nach einer praktischen Ausbildung bei einem Lebensmitteluntersuchungsamt von einem Jahr Dauer

Ferner ist eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, die innerhalb einer Frist von sechs Monaten erstellt werden muss, vorzulegen.

Erster Prüfungsabschnitt

Es werden folgende Fächer geprüft:

Die Prüfung wird von Hochschullehrern abgenommen.

Der Prüfung sind gleichgestellt ein Vordiplom im Studiengang Diplom-Chemie mit ergänzender Biologie-Prüfung oder ein Zeugnis über den Zweiten Prüfungsabschnitt im Studiengang Pharmazie.

Zweiter Prüfungsabschnitt

Es werden folgende Fächer geprüft:

Die Prüfung wird ebenfalls von Hochschullehrern abgenommen.

Dritter Prüfungsabschnitt

Die Prüfung besteht aus drei Teilen:

  • eine praktische Prüfung (experimentelle Untersuchung und Begutachtung)
  • drei Aufsichtsarbeiten (Sachverständigengutachten, zu erstellen anhand vorgegebener Analysendaten)
  • mündliche Prüfung (Lebensmittel- und Bedarfsgegenständerecht; Organisation und Funktion der Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung; Qualitätssicherung in Laboratorien und Betrieben)

Die Prüfung wird von einem Prüfungsausschuss an den Staatlichen Lebensmittelüberwachungsämtern abgenommen.

Abschlussarbeit

Nach dem Zweiten oder Dritten Prüfungsabschnitt ist innerhalb einer Frist von sechs Monaten eine Abschlussarbeit vorzulegen. Die Arbeit kann an einer Universität oder an einer anderen geeigneten Einrichtung erstellt werden. Die Arbeit wird von zwei Prüfern bewertet, von denen mindestens einer Professor sein muss.

Lehramt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Lehrer an einer Grund-, Haupt-, Sonder-, Real- oder Höheren Schule (Gymnasium) umfasst zwei Phasen: das Lehramtsstudium als erste Phase mit zwei Schulfächern und einem erziehungswissenschaftlichen Teil, u. a. mit Pädagogik und pädagogischer Psychologie an einer Universität oder gleichgestellten wissenschaftlichen Hochschule. Der Abschluss ist die "Erste Staatsprüfung" (zunehmend ersetzt durch den Abschluss Master of Education). Ein Drittfach (Erweiterungsfach, siehe Ergänzungsfach), welches im Examen zusätzlich geprüft wird, ist möglich im Rahmen einer Erweiterungsprüfung. Das zweijährige Referendariat (im Höheren Dienst) oder der Vorbereitungsdienst (im Gehobenen Dienst) bilden die zweite Phase, abgeschlossen mit der sogenannten "Zweiten Staatsprüfung". Beide setzen sich aus den in der jeweiligen Prüfungsphase erlangten Noten zusammen, insbesondere den beiden Fachnoten und den erziehungswissenschaftlichen Noten, beim Zweiten Examen außerdem aus mindestens einer allgemeinen Beurteilung des Referendars durch die Ausbilder.

Anders als etwa im Medizinstudium, in dem der Begriff „Staatsexamen“ nur im Campusjargon der Studierenden existiert, ist der synonyme Begriff „Staatsprüfung“ in den Verordnungen für die Lehramtsstudiengänge offiziell ausdrücklich fixiert: Im Landesrecht von Baden-Württemberg wird beispielsweise in der Gymnasiallehrerprüfungsordnung I (GymPO I vom 31. Juli 2009, gültig vom 1. September 2009 bis 31. Dezember 2024),[3], aber auch in den Prüfungsordnungen der weiteren Studiengänge, durchgängig der Begriff „Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien" verwendet. Mit der „Ersten Staatsprüfung“, in deren Ergebnis Vor- und Teilprüfungen, wie etwa das Philosophikum nach dem sechsten Semester, eingehen, endet das wissenschaftliche Studium an der Hochschule. In § 1 Abs 2 heißt es wörtlich: Mit der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien wird das Studium für das Lehramt an Gymnasien abgeschlossen. Die organisatorische Durchführung der Prüfung obliegt nach § 3 Abs. 1 der Verordnung des Kultusministeriums dem sogenannten „Landeslehrerprüfungsamt“, während die fachliche sachgerecht den Hochschullehrern zukommt. Die nach § 10 Abs. 1 vorgesehene sogenannte „Akademische Zwischenprüfung“ (Philosophikum) ist kein eigenes „Staatsexamen“, sondern Teil der Ersten Staatsprüfung.

In vielen Bundesländern ist die Abschaffung des Ersten Staatsexamens für Lehrer (nicht zuletzt aus Kostengründen) zugunsten der sogenannten „gestuften Lehrerausbildung“ (Bachelor und Master) mit studienbegleitenden Prüfungen geplant. Zurzeit (2010) befindet sich die Ausbildung in einer Übergangsphase. Am Ende der Entwicklung soll aber im Anschluss an ein Bachelor/Master-Studium eine 12- bis 18-monatige Referendarsausbildung stehen. Im Wesentlichen wird es darauf hinauslaufen, dass die Abschlussprüfungen der Hochschule (z. B. Master) nach bestimmten staatlichen Vorgaben von ihr durchgeführt und anschließend nach einer Formalkontrolle durch ein Staatliches Prüfungsamt anerkannt werden.

Erste Staatsprüfung[4][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ablauf der ersten Phase der Lehrerbildung siehe Lehramtsstudium.

Die Erste Staatsprüfung schließt das Hochschulstudium ab. In sie fließen die Ergebnisse aller Vorprüfungen ein. In der Regel bestehen sie aus „Arbeiten unter Aufsicht“ (Klausuren) und mündlichen Prüfungen in den Fachdisziplinen und in Erziehungswissenschaft. Hinzukommt eine Staatsexamensarbeit, die in manchen Prüfungsordnungen als „Zulassungsarbeit“, in anderen als Abschlussarbeit bezeichnet wird. Diese Hausarbeit entspricht in den Anforderungen etwa einer Magisterarbeit.

Soweit es sich um den Abschluss von Studien nach einem mindestens achtsemestrigen Studium handelt, können diese Prüfungsleistungen auf Antrag ganz oder teilweise als Prüfungsleistungen für einen Magister- oder Masterabschluss anerkannt werden.

Eine Sonderrolle nimmt der Studiengang der Wirtschaftspädagogik ein. Das dort erlangte Diplom des Handelslehrers ist mit der Ersten Staatsprüfung gleichzusetzen, wird auch als dieses anerkannt und berechtigt somit, eine Laufbahn im Höheren Dienst einzuschlagen.

Zweite Staatsprüfung.[5][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ablauf des Vorbereitungsdienstes siehe Lehramtsreferendariat.

Für die Lehrämter aller Schulformen ist je nach Bundesland ein 12- bis 24-monatiger Vorbereitungsdienst vorgesehen. Der Referendar/Anwärter tritt in ein Beamtenverhältnis auf Widerruf ein oder wird als Angestellter mit einem Ausbildungsvertrag eingestellt.

Die Zweite Staatsprüfung soll sich auf die im Vorbereitungsdienst erworbene Unterrichts-, Erziehungs-, Beratungs- und Reflexionskompetenz beziehen und enthält entsprechend verstärkt praktische Elemente. Die Zweite Staatsprüfung besteht aus einer weiteren mündlichen Prüfung und einer weiteren Staatsexamensarbeit. Die Ausbildung erfolgt z.B. an einem Studienseminar. Einzelheiten sind den entsprechenden Rechtsverordnungen der Länder (teilweise OVP genannt, Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Prüfung; auch LAVOLehrerausbildungsverordnung) zu entnehmen.

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung „Staatsexamen“ ist in der Studienordnung/Approbationsordnung des Medizinstudiums von 2012 nicht vorgesehen[6] Diese spricht lediglich von einem „Ersten, Zweiten und Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ (Art. 4, § 13 Abs 1 bzw. § 20 Abs.1, Änderung der Approbationsordnung zum 1. Januar 2014). Auch das ausgestellte Enddokument enthält das Wort „Staatsexamen“ nicht, sondern heißt „Zeugnis über die Ärztliche Prüfung“ (Anhang zu Art. 4 Nr. 28 (BGBl. I 2002, 2431 - 2432))

Dennoch findet der Begriff „Staatsexamen“ in Anlehnung an vergleichbare Studiengänge im Campusjargon der Studierenden auch für das Medizinstudium verbreitet Anwendung. Er wird hier im Unterschied sogar nicht nur für die Abschlussprüfung der Ausbildung benutzt, sondern auch noch auf die einzelnen Teilprüfungen ausgeweitet, erfährt also eine extensive Auslegung.[7][8][9]

Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Physikum ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und stellt die erste umfassende Prüfung im Rahmen des Medizinstudiums dar. Die Prüfung findet frühestens nach zwei Jahren Regelstudienzeit (1.–4. Semester) statt und umfasst einen zweitägigen schriftlichen Teil sowie zusätzlich einen eintägigen mündlich-praktischen Teil.[10]

Geprüft werden folgende Fächer:

  • Physik für Mediziner
  • Biologie für Mediziner
  • Chemie für Mediziner
  • Biochemie und Molekularbiologie
  • Physiologie
  • Makroskopische Anatomie
  • Mikroskopische Anatomie (Histologie)
  • Grundlagen der Medizinischen Psychologie und der Medizinischen Soziologie

Zweiter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühestens nach drei weiteren Jahren Studienzeit (5.–10. Semester) kann der sogenannte Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abgelegt werden. Dabei müssen an drei aufeinanderfolgenden Tagen über jeweils fünf Stunden insgesamt 320 Fragen beantwortet werden. Es werden alle klinischen Fächer der Medizin schriftlich geprüft.[11]

Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss des Praktischen Jahrs (11.–12. Semester) kann der sogenannte Dritte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abgelegt werden. Dabei wird an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mündlich-praktisch geprüft. Diese Prüfung findet meist in Gruppen von bis zu vier Studierenden über eine Mindestdauer von jeweils vier Stunden statt.

Geprüft werden folgende Fächer:

  • Innere Medizin
  • Chirurgie
  • Ein gewähltes Wahlfach
  • Ein weiteres zugelostes Fach

Der dritte Prüfungsabschnitt stellt den Abschluss des Medizinstudiums dar. Nach dessen Bestehen erhalten die Absolventen auf Antrag die Approbation. Erst damit sind sie zur Berufsausübung als Arzt und zum Führen dieser Berufsbezeichnung berechtigt. Darüber hinaus berechtigt der bestandene dritte Prüfungsabschnitt zur Promotion mit Erlangung des Doktorgrades der Medizin (Dr. med.).

Tiermedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatsexamen in der Tiermedizin unterscheidet sich in einigen Punkten zu dem der Humanmedizin. Um eine Approbation als Tierarzt zu erlangen, muss nach dem Naturwissenschaftlichen Abschnitt der Tierärztlichen Vorprüfung (Vorphysikum) und dem Anatomisch-physiologischen Abschnitt der Tierärztlichen Vorprüfung (Physikum) eine Tierärztliche Prüfung abgelegt werden. Diese umfasst folgende Fächer:

  1. Tierhaltung und Tierhygiene,
  2. Tierschutz und Ethologie,
  3. Tierernährung,
  4. Klinische Propädeutik,
  5. Virologie,
  6. Bakteriologie und Mykologie,
  7. Parasitologie,
  8. Tierseuchenbekämpfung und Infektionsepidemiologie,
  9. Pharmakologie und Toxikologie,
  10. Arznei- und Betäubungsmittelrecht,
  11. Geflügelkrankheiten,
  12. Radiologie,
  13. Allgemeine Pathologie und Spezielle pathologische Anatomie und Histologie,
  14. Lebensmittelkunde einschließlich Lebensmittelhygiene,
  15. Fleischhygiene,
  16. Reproduktionsmedizin,
  17. Innere Medizin,
  18. Chirurgie und Anästhesiologie und
  19. Gerichtliche Veterinärmedizin, Berufs- und Standesrecht.

Diese Prüfungen werden entsprechend der Studien- und Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule mehreren Blöcken absolviert, die Verordnung zur Approbation von Tierärztinnen und Tierärzten legt in § 30 lediglich einige Fächer fest, die nicht vor Ende des 8. Fachsemesters geprüft werden dürfen. Nach Bestehen der letzten Prüfung können die Absolventen die Approbation beantragen. Erst damit sind sie zur Berufsausübung als Tierarzt und Führung dieser Berufsbezeichnung berechtigt.

Zahnmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Approbationsordnung für Zahnärzte von 27. Juni 2017 kennt das Wort „Staatsexamen“ nicht. Sie spricht stattdessen von einem aus drei Teilen bestehenden Studium, von zwei „Vorprüfungen“ und einer „Abschlussprüfung“ im Laufe der wissenschaftlichen Ausbildung.[12] Sie benutzt jedoch die Bezeichnung „staatliche Prüfungen“ (§ 2) und „staatliche Prüfungskommission“ (§ 4). Studienaufbau, Länge des Studiums und Funktion der Abschlussprüfung legen eine graduelle Verwandtschaft mit dem „Ersten Staatsexamen“ der Philologen und Theologen nahe.

Naturwissenschaftliche Vorprüfung[13][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühestens nach dem zweiten Semester kann die sogenannte Naturwissenschaftliche Vorprüfung (ugs. auch „Vorphysikum“ genannt) mit drei mündlichen Prüfungen in den Fächern Chemie, Physik und Biologie/Zoologie absolviert werden.

Zahnärztliche Vorprüfung[14][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem fünften Semester ist die sogenannte Zahnärztliche Vorprüfung (auch „Physikum“ genannt) abzulegen. Es werden vier mündlichen Prüfungen in den Fächern Anatomie/Histologie/Embryologie, Biochemie, Physiologie und in Zahnersatzkunde/Werkstoffkunde abgehalten. Diese Fächer werden separat mündlich geprüft, Zahnersatzkunde ist zudem mit einer mehrere Tage dauernden praktischen Prüfung verbunden. Das Physikum beendet den vorklinischen Bereich des Zahnmedizinstudiums und berechtigt den Zahnmedizinstudenten, sein Studium in der Zahnklinik einer Universitätsklinik fortzusetzen.

Zahnärztliche Prüfung (Abschlussprüfung)[15][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem zehnten Semester in der Regelstudienzeit erfolgt die sogenannte "Zahnärztliche Prüfung" (ugs. „das Staatsexamen“) mit mündlichen Prüfungen in folgenden Fächern:

Auch folgen schriftliche sowie praktische Prüfungen in folgenden Fächern:

  • Die praktische Prüfung in der Zahnersatzkunde erstreckt sich über zehn Tage. Es muss sowohl festsitzender als auch herausnehmbarer Zahnersatz am Patienten eingegliedert werden. Der Prüfungsumfang differiert zwischen den einzelnen Universitäten, weil an manchen auch die zahntechnischen Arbeiten von den Prüflingen selbst ausgeführt werden müssen.
  • Im Fach Zahnerhaltung dauert die Prüfung fünf Tage. Es müssen eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt, eine Teilkrone eingegliedert und mehrere Seiten- und Frontzahnfüllungen gelegt werden.
  • Im Fach Chirurgie ist eine mündlich-praktische Prüfung vorgesehen, in der Patienten untersucht und deren Anamnese erhoben werden muss. Es schließen sich die Diagnose und deren Begründung, Therapievorschläge und gegebenenfalls deren Ausführung (z. B. Zahnextraktion oder anderer kleiner chirurgischer Eingriff) an.
  • Die Prüfung in der Kieferorthopädie soll sich über vier Tage erstrecken. Neben der Fertigung einer einfachen Regulierungsapparatur muss ein schriftlicher Bericht über einen Krankheitsfall erstellt werden. In einer mündlichen Prüfung müssen Kenntnisse der Entstehung von Kieferanomalitäten nachgewiesen werden, sowie deren Beurteilung und Behandlung.

Das Zahnmedizinstudium endet mit der "Abschlussprüfung". Danach erhält der Zahnmediziner auf Antrag die Approbation. Des Weiteren berechtigt die erfolgreich bestandene Abschlussprüfung zur Promotion zum Doktor der Zahnheilkunde (Dr. med. dent.).

Pharmazie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatsexamen in Pharmazie besteht aus drei Prüfungsabschnitten. Der Erste Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung ist gemäß der Approbationsordnung für Apotheker schriftlich, die beiden anderen Teile sind mündlich.

Erster Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung

Es werden jeweils mehrere Fächer in einer Prüfung geprüft:

  • Allgemeine, anorganische und organische Chemie
  • Grundlagen der pharmazeutischen Biologie und der Humanbiologie
  • Grundlagen der Physik, der physikalischen Chemie und der Arzneiformenlehre
  • Grundlagen der pharmazeutischen Analytik

Zweiter Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung

  • Pharmazeutische und Medizinische Chemie
  • Pharmazeutische Biologie
  • Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie
  • Pharmakologie und Toxikologie
  • Klinische Pharmazie

Dritter Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung

  • Pharmazeutische Praxis
  • Spezielle Rechtsgebiete für Apotheker

Mit dem Bestehen der Pharmazeutischen Prüfung (1., 2. und 3. Abschnitt im Verhältnis 2:3:2) wird die akademische Voraussetzung zur Erlangung der Approbation als Apotheker (Ausführung des Berufs und Tragen der Berufsbezeichnung) erfüllt. Das Bestehen des 2. Staatsexamens beendet die universitäre Ausbildung und berechtigt an einigen Universitäten zum Anfertigen einer Diplomarbeit im Fach Pharmazie. Bei Bestehen darf der akademische Grad Diplom-Pharmazeut geführt werden. Ferner berechtigt das bestandene 2. Staatsexamen zur Anfertigung einer Dissertation zur Erlangung eines Doktorgrades der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.).

Höherer Forstdienst: Große Forstliche Staatsprüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer sich für höhere Funktionen innerhalb der Forstverwaltung der Länder und des Bundes – etwa als Leiter eines Forstamtes – qualifizieren will, muss ebenfalls ein Staatsexamen, die „Große Forstliche Staatsprüfung“, erfolgreich ablegen. Einzelheiten sind den entsprechenden Rechtsverordnungen der Länder (Ausbildungs- und Prüfungsordnungen) zu entnehmen. Wer die Große Forstliche Staatsprüfung bestanden hat, erhält die Berechtigung, die Berufsbezeichnung „Assessor des Forstdienstes“ (oder „Forstassessor“) beziehungsweise „Assessorin des Forstdienstes“ (oder „Forstassessorin“) zu führen. Damit ist jedoch keine Übernahmegarantie in die Forstverwaltung verbunden.

Voraussetzung dafür, sich um ein Referendariat zu bewerben, ist der erfolgreiche Abschluss eines Studiums der Forstwissenschaften mit dem Erwerb des akademischen Grades „Diplom-Forstwirt“ oder „Master“. Diese Abschlüsse sind rechtlich dem sogenannten "Ersten Staatsexamen" vergleichbarer Fachrichtungen, wie etwa der Philologen oder Theologen, gleichgestellt.

Diese Prüfung – sie entspricht dem sogenannten "Zweiten Staatsexamen" vergleichbarer Fachrichtungen – steht am Ende des obligatorischen 24-monatigen Vorbereitungsdienstes, der sich in verschiedene Stationen gliedert und an deren Ende jeweils eine Benotung erfolgt. Der Forstreferendar tritt für die Zeit der Ausbildung in ein Dienstverhältnis auf Widerruf ein. In der Staatsprüfung sollen die Referendare nicht nur zeigen, dass sie fachliche Kenntnisse besitzen, Aufgaben der praktischen Verwaltungsarbeit, der forstbetrieblichen und wirtschaftlichen Planung und Betriebsführung zu lösen und Vorschläge zu begründen vermögen, sondern auch Urteils- und Entscheidungsvermögen beweisen. Die Prüfung enthält dementsprechend starke praktische Elemente.

Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Forstliche Staatsprüfung gliedert sich in drei Teile:[16]

  1. Schriftliche Prüfung – dieser Teil besteht aus mehreren mehrstündigen Klausuren, die innerhalb einer Prüfungswoche geschrieben werden
  2. Waldprüfung – hierbei wird an ein oder zwei Tagen an praktischen Beispielen direkt vor Ort im Wald geprüft (zumeist mündlich, teilweise aber auch schriftlich)
  3. Mündliche Prüfung – dieser Teil wird zumeist an ein oder zwei Tagen von den Mitgliedern der Prüfungskommission im Gespräch abgenommen.

Insbesondere die Waldprüfung und die mündliche Prüfung sind als „Stressprüfungen“ angelegt, da hierbei vom Prüfling in unbekannter Umgebung rasche Beurteilungen und Entscheidungen zu komplexen Situationen erwartet werden.

Fächer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In allen drei Prüfungsabschnitten sind dabei Fragen aus unter anderem folgenden Fächern zu bearbeiten:

Änderungen durch den Bologna-Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Bologna-Prozesses, der Vereinheitlichung von Studienabschlüssen in Europa, wurde diskutiert, die Staatsexamina als Abschluss des Hochschulstudiums zum Jahr 2010 abzuschaffen und auf die konsekutiven Bachelor-Masterabschlüsse umzustellen. Konkret ausgearbeitete Umsetzungspläne existierten dafür jedoch nie.

Der Bologna-Prozess war in einigen Studiengängen umstritten (wie Medizin und Rechtswissenschaft), für das Lehramtsstudium wird er von vielen Experten auch als ungeeignet angesehen.[17] So hat beispielsweise die Große Koalition (bestehend aus CDU, CSU und SPD) im Jahr 2005 den Bedarf neuer Abschlüsse in der Mediziner- und Juristenausbildung zur Übertragung des Bologna-Prozesses abgelehnt.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, Stichwort Staatsexamen/Staatsprüfung, Band 17, 17. Auflage, Wiesbaden 1973, S. 809
  2. H. Lenhard: Zweite Phase an Studienseminaren und Schulen. In: Sigrid Blömeke, P. Reinhold, G. Tuoldziecki, J. Wildt (Hrsg.): Handbuch Lehrerbildung. Westermann/ Klinkhardt, Braunschweig, Bad Heilbrunn 2004, S. 275–290.
  3. Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien - Abgerufen am 19. Oktober 2017
  4. Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien - Abgerufen am 19. Oktober 2017
  5. Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen - Abgerufen am 19. Oktober 2017
  6. ÄApprO 2002 - Approbationsordnung für Ärzte. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  7. 1. Staatsexamen, Miamed
  8. 2. Staatsexamen, Miamed
  9. 3. Staatsexamen, Miamed
  10. IMPP: Gliederung des Medizinstudiums (impp.de).
  11. IMPP: Informationen zu den schriftlichen Prüfungen (impp.de).
  12. Bundesministerium der Justiz: Approbationsordnung für Zahnärzte. (Zuletzt geändert durch Art. 8 des Gesetzes vom 27. Juni 2017)
  13. entsprechend Kap. B, § 18 bis § 24
  14. entsprechend Kap. C, § 25 bis 31
  15. entsprechend Kap. D, § 32 bis § 58
  16. Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Laufbahn des höheren Forstwirtschaftlich-technischen Dienstes des Landes Hessen (APOhFtD). In: Der Hessische Minister für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 4, 22. Januar 2007, S. 223–230 (@1@2Vorlage:Toter Link/www.hessenrecht.hessen.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: hessenrecht.hessen.de).
  17. Vgl. den Aufsatz von Ulrich Herrmann. (PDF).
  18. Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. 11. November 2005, S. 145 (@1@2Vorlage:Toter Link/koalitionsvertrag.spd.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: koalitionsvertrag.spd.de).