Stabkirche Borgund

Die Stabkirche Borgund (Bokmål: Borgund stavkirke, Nynorsk: Borgund stavkyrkje) ist eine Stabkirche in der Kommune Lærdal in der norwegischen Provinz Vestland. Sie gehört zu den herausragendsten Beispielen der norwegischen Stabbaukunst und ist ein touristischer Anziehungspunkt. Die Kirche ist dem Apostel Andreas geweiht[1] und gehört heute dem Altertumsverein Fortidsminneforeningen.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche befindet sich an der Europastraße 16 zwischen Fagernes und Sogndal im Lærdal am Fluss Lærdalselva auf 345 m ü. NN etwa 30 Kilometer östlich des Ortes Lærdalsøyri. Sie liegt abseits von Siedlungen und war Sammelpunkt für die Bauern aus der weiteren Umgebung.
In der Nähe der Kirche soll sich schon vor der Christianisierung ein Opferplatz befunden haben, was durch Knochenfunde bestätigt wurde.[2]
Geschichte und religiöse Bedeutung
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Von den über 1000 Stabkirchen in Norwegen sind heute nur noch 28 in einem authentischen mittelalterlichen Zustand erhalten. Die Kirche Borgund gilt neben derjenigen von Heddal als diejenige Stabkirche bei der noch die Dachaufbauten und andere Details, wie zum Beispiel der Laubengang, weitestgehend im Originalzustand erhalten geblieben sind.
Das Gebäude wurde erstmals 1342 in schriftlichen Quellen erwähnt, wahrscheinlich stammt sie aber aus der Zeit gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Holz, mit dem die Kirche gebaut wurde, im Winter 1180/81 gefällt wurde. Auch stilistische Vergleiche mit der gleichaltrigen Stabkirche Høre stützen diese Datierung zusätzlich. Bei archäologischen Untersuchungen fand man 1969 und 1985 unter dem Boden der Kirche Spuren eines älteren Gebäudes, wobei jedoch nicht geklärt werden konnte, ob diese nicht von einer früheren in Teilen zurückgebauten Bauphase stammen. Die dabei gefundenen Kapitelle weisen Ähnlichkeiten mit denen in der Stabkirche Urnes auf. Außerdem wurden Reste der Chorschranke gefunden, die vermutlich ein gestuftes Portal mit zwei Halbsäulen besaß.[3]
Runeninschriften auf dem Bauholz der Kirche zeugen von dem Nebeneinander der bereits dominanten christlichen Religion und der noch alten nordischen Religion im Bewusstsein vieler Menschen. Eine dieser Inschriften lautet: „Ich ritt hier vorbei am St. Olavstag. Die Nornen taten mir viel Böses, als ich vorbeiritt.“[4] Der St. Olavstag ist der Gedenktag des Todes von dem heiliggesprochenen Olav II. Haraldsson am 29. Juli. Die Nornen sind Schicksalsgöttinnen aus der alten heidnischen Religion. Eine weitere Inschrift lautet: „Gott helfe jedem, der mir zur Reise verhilft.“[5]

Man findet an der Kirche weniger Elemente der Götterwelt des Nordens, sondern mehr alte animistische Vorstellungen, wie Schutzzauber gegen böse Geister und sonstige magische Symbolik. Zum Beispiel sieht man das an der häufigen Wiederholung des christlichen Kreuzes auf den Giebeln und Spitzen der Dächer. Die nach Osten und Westen angeordneten Drachenköpfe haben dieselbe Bedeutung wie Wasserspeier an Kirchengebäuden der Romanik bis Renaissance und sollen durch ihr schreckliches Äußeres gleichartige böse Kräfte fernhalten.[4]
Zur Zeit der Reformation wurden mehrere Fenster eingebaut und weitere Anbauten vorgenommen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fanden weitere Umbauten statt, wobei unter anderem das Dach neu eingedeckt und die Kirche neu bestuhlt wurde.[2] Die Umbauten wurden Ende des 19. Jahrhunderts zurückgebaut. Dabei wurde unter anderem eine Sakristei auf der Südseite, sowie die Emporen aus dem 17. Jahrhundert abgerissen.[3] Balustraden, die im 17. Jahrhundert anstelle der Chorschranke errichtet wurden, waren, ebenso wie die barocken Rosen-Malereien im Innenraum, zwischenzeitlich wieder entfernt worden.[2] Ein Tonnengewölbe im Kirchenschiff, das vermutlich selbst noch aus dem Mittelalter stammte, allerdings etwas jünger als die Kirche war, wurde zudem 1870 abgerissen um die Dachkonstruktion freizulegen. Dieses war vermutlich auch bemalt, wie ein Bericht aus dem Jahr 1722 vermuten lässt. Derartige Tonnengewölbe sind aus den Stabkirchen Torpo, Ål, Urnes und Wang bekannt.[3] Um den mittelalterlichen Zustand wiederherzustellen, wurde außerdem die nachträglich eingebauten Kirchenbänke demontiert. Verantwortlich für diese Maßnahmen war Christian Christie.[2]
Architektur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Grundriss
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Die besondere Gestaltung der Kirche führte dazu, dass eine ganze Gruppe von Stabkirchen, die nach diesem Muster gebaut wurde, zum sogenannten Borgund-Typ gezählt wird.
Die Kirche ist eine 14-Mast-Stabkirche, wobei jeweils der dritte Mast jeder Längsseite schwebend ist, das heißt auf der untersten Balkenzange endet. Das Satteldach des erhöhten Hauptschiffs wird also durch zwölf Masten getragen, welche in einem steinernen Fundament eingelassen wurden. Im Osten schließt sich ein Chorraum an, der eine halbrunde Apsis besitzt. Um das Hauptschiff herum gibt es ein Seitenschiff. Das Kirchenschiff ist innen 7,35 Meter lang und 6,10 Meter breit. Die Länge und Breite des quadratischen Chorraums hingegen beträgt 3,4 Meter, während die Apsis 1,88 Meter tief und 2,98 Meter breit ist.[2]
Anders als bei einer klassischen Aufteilung eines Kirchenraumes in Haupt- und Seitenschiff muss dieser Gesamtraum aber eher als Zentralbau angesehen werden, denn das Hauptschiff ist durch eine umlaufende Stabreihe baulich von den Seitenschiffen abgetrennt. Zudem verlaufen die mittelalterlichen Kirchenbänke entlang der Wände der Seitenschiffe, weshalb der Pfarrer vermutlich in der Raummitte stand. Zwischen den Stäben befinden sich Andreaskreuze, über und unter denen sich ein hölzerner Bogen befindet. Die Andreaskreuze sind mit Blattmotiven versehen. Ein Balken auf Höhe des unteren Bogens verbindet die Stäbe. Leicht abgeschrägte Balken verbinden zusätzlich die Stäbe mit den Außenwänden. An jeder der vier Ecke des Seitenschiffs und auch am Chor befindet sich ein weiterer Stab. Die Bohlen der Seitenwände werden durch ein weiteres Andreaskreuz, auf dem sie aufliegen, verbunden. Die Grundschwellen verbinden das Hauptschiff außerdem mit den Seitenschiffen und eine weitere Grundschwelle hält den Chor zusammen. Dieser ist kürzer und schmaler als das Hauptschiff Auch der Chorraum hat, ähnlich wie das das Kirchenschiff, von Außen einen zweistufigen Aufbau. Im Gegensatz zum Kirchenschiff ist dieser allerdings nur Schein, da die Stäbe nicht bis zur Erde reichen und die dritte Stufe von den Dächern der zweiten Stufe getragen wird. Das Dach der Apsis ist kegelförmig und hat einen kurzen Turm mit einem kegelförmigen Dach und einem Kreuz (analog zu den Giebeln).

Das Innere der Kirche ist nur etwa 40 Quadratmeter groß. Lediglich das große Westfenster sowie mehrere kreisrunde Fenster im Norden und Süden des Hauptschiffs fungieren als Lichtquelle. Die Stäbe des Hauptschiffs zwischen den Eckbalken weisen Schnitzereien in Form von nach unten zeigende Dreiecke auf und sind mit geschnitzten heidnischen Tierköpfen abgeschlossen. Solche geschnitzten Tierköpfe finden sich auch an Steinkirchen derselben Zeit, wie der Kirche von Værnes, der Kirche von Mære und der Kirche von Hustad.[3]
Um die Kirche (einschließlich Chorraum) verläuft ein Laubengang, in dem sich die Menschen nach den Gottesdiensten versammeln konnten und in dem in früheren Zeiten die Waffen vor Betreten der Kirche niedergelegt wurden. Den Laubengang sowie die Seitenschiffe überdecken Pultdächer. Der zur Hälfte geöffnete Laubengang besitzt eine niedrige Arkadenreihe. Nur am Chor ist dieser vollständig geschlossen. Die Portale im Norden, Süden und Westen sind mit Giebeln überbaut, die sie sich auf jeweils zwei Pfosten stützen. Der Laubengang verläuft entsprechend um sie herum.[3]
Der Laubengang war nicht nur als Aufenthaltsraum gedacht, sondern schützt das Gebäude zusätzlich von Regen und Schnee. Bei vielen Stabkirchen, wie der Stabkirche Lom, der Stabkirche Urnes oder der Stabkirche Ringebu, wurde dieser später abgerissen, da die späteren Generationen diesen anscheinend nicht mehr gebraucht haben. Auch die Dachaufbauten wurden häufig abgerissen oder durch andere Konstruktionen ersetzt.[4] Möglicherweise war der Laubengang ursprünglich, ähnlich wie der an der Westseite der Stabkirche Urnes, geöffnet.[2]
Aufbau
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Die Stabkirche hat einen sechsstufigen Aufbau. Das Hauptschiff sowie der rechteckige Chorraum werden von Giebeldächern bedeckt. Über dem Dach des Hauptschiffes befindet sich der Dachreiter mit Wetterfahne. An den Giebelecken der Dächer des Hauptschiffs recken sich Drachenköpfe gegen den Himmel, die (in heidnischer Tradition) der Kirche symbolisch Schutz verleihen. Bis zum Dachfirst des Hauptschiffs ist die Kirche etwa 11 Meter hoch.[2]
Der Dachreiter der Kirche besitzt Satteldach, auf dem sich eine zweistufige Turmspitze erhebt, die mit einem Walmdach abgeschlossen ist. Die nördliche und südliche Wand des Dachreiters ist jeweils mit einer Schnitzerei aus vier durchlöcherten Kreisen verziert. Es handelt sich dabei um Drachen, die in den benachbarten Kreis beißen mit beißen. Die beiden unteren und die beiden oberen Kreise liegen jeweils dichter aneinander. In der fünften Stufe der Stabkirche befindet sich ein weiterer durchlöcherter Kreis, der einen Baum darstellt. Alle Schnitzereien sind heute stark verwittert und zudem stark geteert. Der Dachreiter diente im 19. Jahrhundert häufig als Vorbild für die Rekonstruktion von den Dachreitern anderer Stabkirchen. Aus dem Mittelalter ist nur ein einziger gleichartiger Dachreiter an der Stabkirche Høre überliefert, der heute Teil des Friedhofstors ist.[3]

1738 wurden Teile des Dachfirstes, die Drachenköpfe und andere Teile der Dachdekoration ausgetauscht. Ein originaler Drachenkopf aus dem Mittelalter wurde allerdings aufgehoben und befindet sich heute im Besucherzentrum. Bei dieses Ausbesserungen wurde die Jahreszahl in den östlichen Firstkamm des Hauptschiffs eingearbeitet. Ein ähnlicher Drachenkopf ist von der Stabkirche Lom bekannt.[3] Die Gestaltung der Drachenköpfe geht vermutlich auf den Urnes-Stil, benannt nach der Stabkirche Urnes, zurück. Die Giebelecken der Seitenschiffe und die kleinen Giebel des Laubengangs zieren dagegen Kreuze, die in ihrer Vielzahl als magische Schutzzeichen angesehen werden können.
Mitunter wurde argumentiert, dass Laubengang, Apsis und Dachaufbauten nicht aus der Erbauungszeit der Kirche stammen sollen, jedoch sprechen stilistische Ähnlichkeiten mit den Portalen dagegen. Wenn der Laubengang erst später hinzugefügt worden wäre, würden zudem die Portale und die Außenwände stärkere Witterungsspuren aufweisen.
Die Dächer sind mit Holzschindeln bedeckt, die mit Holznägeln befestigt wurden.[3] Ob das Dach erst mit einer späteren Ergänzung verschindelt wurde, oder das Dach von vornherein mit Schindeln gedeckt war, ist umstritten.[2] Die Dachkonstruktion besteht aus zusammenlaufende Sparren, die durch eine Kopfstrebe und einen Spannriegel verbunden sind. Zwischen den Sparren befinden sich jeweils zwei Querbalken. Der untere Verbindungsbalken stellt einen umgedrehten Bogen dar.[3]
Portale
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Es gibt ein westliches und ein südliches Portal, die beide mit Archivolten eingefasst, von Halbsäulen flankiert und mit Tierornamenten und Blattranken geschmückt sind. Der Chorraum besitzt ebenfalls ein Portal nach Süden, das jedoch stark beschädigt ist. Die beiden Säulen und der untere Teil der Archivolte fehlen.
Das südliche Portal ist etwas bescheidener als das westliche geschmückt. Die Säulen sind zum Beispiel weitestgehend unverziert. Es hat geschnitzte Löwen auf den Kapitellen, wie sie sich unter anderem an der Stabkirche Eidsborg und der Stabkirche Wang finden. Die Kapitelle weisen geschnitzte Volutenranken auf. Die spiralförmigen Ranken des Rundbogens ähneln denen am Westportal. Die Sockel der beiden Säulen weisen jeweils einen geschnitzten angedeuteten Katzenkopf auf, der den Schnitzereien am Ende der Masten ähnelt. Das deutet darauf hin das das Portal aus der Erbauungszeit der Kirche stammt. Im Gegensatz zum Westportal sind die Verzierungen nicht direkt in die Wandplanken geschnitzt worden, sondern lediglich ein geschnitzter Rundbogen und zwei Halbsäulen auf die Wandplanken montiert worden.

Das Westportal zeigt einige Einflüsse der romanischen Steinarchitektur jener Zeit, denn die Pfeiler rechts und links neben dem Portal haben die Formen von Säulen mit Basis und Kapitell. Das Kapitel ist jedoch, im Gegensatz zu denen der Romanik, zylindrisch und weist ebenso wie die restliche Säule ein Ranken und Blattmuster auf. Die Archivolte über der Tür ist ebenfalls mit einem spiralförmigen Rankenmuster versehen, oben und unten am Kapitell befindet sich jeweils ein umlaufender Ring der das Kapitell von der restlichen Säule trennt. Die glockenförmigen Sockel der Säulen sind hingegen nicht unverziert. Das annähernd symmetrische Portal mit seinem Rundbogen ist reich mit Schnitzereien verziert. Es zeigt eine Vielzahl an ineinander verschlungene Drachen, die von unten nach oben immer filigraner werden. Ganz unten befinden sich zwei Drachen, die Feuer speien, dass sich ebenfalls um die Drachen verschlungen ist. Im oberen Bereich befinden sich beidseitig die Flügel jeweils eines Drachens, dessen Schwanz sich bis in die untere Bildhälfte erstreckt. Die Flügel erstrecken sich hingegen diagonal zu den oberen Ecken der Schnitzerei. Über der Archivolte befindet sich ein weiterer Drachen, der sich um sich selbst windet. Das Portal wurde im sogenannten Sogn-Valdres-Stil geschnitzt. Es weist Ähnlichkeiten mit dem Portal der abgerissenen Stabkirche Stedje, sowie mit den Portalen von den Stabkirchen Lomen und Høre auf.[3] Es ist nicht besonders tief gearbeitet und wurde durch einen Umbau in den 1820er Jahren an den Halbsäulen leicht beschädigt. Bei diesem Umbau wurde die Tür, infolge des Brandes der Stabkirche von Grue, so umgebaut, dass sie sich nach außen öffnen lässt.[2]
Der Eingang zur Kirche am Westportal hat eine sogenannte Geisterschwelle, die geographisch sehr verbreitet in mittelalterlichen europäischen Gebäuden bis zu chinesischen Tempelanlagen vorkommen. Sie ist eine im Verhältnis zu einem Schritt eines erwachsenen Menschen relativ hohe Stufe, welche so verhindern soll, dass böse Geister das Gebäude betreten können. Aus demselben Grund wurde der Eingang möglichst schmal angelegt und mit Schnitzereien verziert.
Innenraum
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Der mittelalterliche Innenraum ist gut erhalten und unberührt. Die mittelalterliche Chorschranke ist jedoch nach der Reformation entfernt worden. Der mittelalterliche Holzfußboden und die Sitzbänke entlang der Wände sind teilweise erhalten. In den Sitzbänken befinden sich mehrere Einschnitte aus der Reformationszeit. Auch der mittelalterliche Steinaltar, der 1870 rekonstruiert wurde, und ein Taufbecken aus Speckstein sind erhalten. Der steinerne Altarunterbau könnte noch von der nahegelegenen wikingerzeitlichen Kultstätte stammen. Ursprünglich nahm dieser wahrscheinlich eine Reliquie auf.[2] Der Unterbau besteht aus zwei übereinander gemauerten Steinquadern und einer Altarplatte. Dieser ruht auf einem Steinfundament, dass deutlich größer als der Altar selbst ist. Der steinerne Altarunterbau ist 133 Zentimeter breit, 65 Zentimeter tief und 92 Zentimeter hoch.[6] Ein weiterer spätgotischer Altar in Renaissancefassung befindet sich an der Nordwand des Chors.[3] Ähnliche Altäre sind auch von den Steinkirchen der gleichen Zeit bekannt.
Die Kanzel aus der Zeit von 1550 bis 1570 gilt, neben der in der Kirche von Holdhus, als die älteste Kanzel Norwegens. Sie befindet sich in der südöstlichen Ecke des Kirchenschiffs. Die fünfeckige Kanzel ist nach Osten hin geöffnet und mit einer Treppe versehen. In den 1660er Jahren wurde sie leicht erhöht, wie aus Aufzeichnungen hervorgeht.[6] Die Altartafel stammt aus dem Jahr 1654, während der Rahmen um das Altarbild um 1620 gefertigt wurde. Der Altar weist Ähnlichkeiten mit dem in der Alten Kirche von Årdal auf. Die Malerei auf dem Bild zeigt in der Mitte die Kreuzigung, flankiert von der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer. Darunter befindet sich eine vergolde Inschrift auf schwarzem Grund. Im Tympanonfeld hingegen schwebt eine weiße Taube auf blauem Grund. Unter dem Bild gibt es eine goldene Inschrift auf schwarzem Grund.[2] Über und unter dem Altarbild befinden sich jeweils vier hölzerne Konsolen, die mit einem goldenen Perlenmuster verziert sind. Dazwischen befinden sich jeweils drei weiße Verzierungen auf schwarzem Grund. Beidseitig des Altarbildes befinden sich zudem zwei Pilaster. Um den Altar befand sich ursprünglich ein Geländer. Zuletzt wurde dieses zwischen 1717 und 1719 erneuert. Was mit diesem passiert ist, ist unklar.[6]
Des Weiteren gibt es in der Kirche einen Tabernakel aus der Zeit von 1550–1570. An der Südwand im Kirchenschiff befinden sich noch die Einweihungskreuze (Konsekrationskreuze) an der Innenseite. Die Innenseiten des Chores tragen eingeritzte Figuren und Runen, die vermutlich aus dem Mittelalter stammen. Im Bergen Museum befindet sich ein mittelalterliches Modell der Kirche, das Teil der Ausstattung war, sowie ein mittelalterlicher Leuchter und die Reste einer Heiligenfigur.
In der nordöstlichen Ecke des Chor befindet sich eine Aussparung, die ursprünglich mit einem Baldachin abgeschlossen sein könnte. Möglicherweise beherbergte sie eine Heiligenfigur. In einem Pfeiler südlich der Choröffnung befindet sich außerdem ein dreieckige Loch, dessen Funktion unklar ist. Zwischen den beiden nordöstlichen Pfeilern des Hauptschiffs befinden sich zudem die Reste der Aufhängung eines Baldachins, ähnlich dem in den erhaltenen Stabkirchen von Hopperstad und Torpo und der ehemaligen Stabkirche Årdal.[6]
Glockenturm
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Südlich des Kirchhofes steht ein Glockenturm. Dabei handelt es sich um den einzigen erhaltenen freistehenden Glockenturm einer Stabkirche in Norwegen.[3] Mit Ausnahme zweier Glocken, die im Dachreiter und in dem Turm über der Apsis hingen, waren dort die Glocken der Kirche aufgehängt. Die Turmkonstruktion ist mittelalterlich. Man nimmt an, dass er zur gleichen Zeit wie die Kirche entstanden ist. Mitunter wurde jedoch auch argumentiert, dass der Turm erst um 1300, zusammen mit den Dachaufbauten und dem Laubengang der Kirche, deren Datierung ebenfalls umstritten ist, entstanden ist.[2] Zum Schutz des Turmes vor der Witterung sind Teile davon heute verbrettert.
Der Turm ruht ebenso wie die Kirche auf einem Fundament aus Grundschwellen, unter dem sich wiederum ein Bruchsteinfundament befindet. Die Konstruktion ruht auf zehn Masten. 1665 wurde der Turm restauriert, wobei die mittelalterliche Konstruktion weitestgehend erhalten wurde. Ähnliche Glockentürme sind von den abgerissenen Stabkirchen von Rinde und Årdal bekannt.[3] Seit 1920 ist auch der Glockenturm im Besitz von Fortidsminneforeningen.[2]
Kirche heute
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Die Stabkirche war in regulärem Gebrauch, bis 1868 100 m weiter südlich eine neue Kirche gebaut wurde, die die Funktion der Gemeindekirche übernahm. Der Friedhof wurde danach weiterhin genutzt. 1877 wurde die Kirche von der Fortidsminneforening, einem Verein zur Erhaltung der Kirche, gekauft und wurde schnell ein Touristenziel. Bereits 1898 ist ein Führer mit norwegischem und englischem Text erschienen. Die Kirche ist ein Museum, in dem nur zu besonderen Anlässen Gottesdienste stattfinden. Die Kirche ist die besucherstärkste Stabkirche Norwegens. 1999 waren es 37.000 Besucher. Die Kirche wird regelmäßig geteert. Besonders betroffen von Witterungsspuren ist die Südseite.[2]
Durch den Tourismus gibt es allerdings in den letzten Jahren Abnutzungserscheinungen. 1973 wurde zum Schutz des Originalbodens ein Holzfußboden in die Kirche gelegt. Der Laubengang wurde für Besucher geschlossen. Auch die Runeninschriften wurden durch Kunststoffabdeckungen geschützt. Trotz dieser Maßnahmen ist die Abnutzung durch die große Menge der Besucher in jedem Jahr sehr groß.
Die Stabkirche von Borgund ist von Anfang Mai bis Ende September zur Besichtigung geöffnet. Am 2. Mai 2005 wurde ein Ausstellungszentrum in der Nähe der Stabkirche eröffnet. Dort ist eine Ausstellung zur Geschichte der Stabkirchen sowie zur Religion im Mittelalter zu finden.[1]
Die Kirchengemeinde Borgund ist Teil der Norwegischen Kirche und gehört zusammen mit Tønjum und Hauge zur Großgemeinde Lærdal, die wiederum zum Bistum Bjørgvin (Bergen) gehört.
Besucherzentrum und Stabkirchenmuseum
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Ganz in der Nähe der Kirche eröffnete Fortidsminneforeningen ein Besucherzentrum, in dem Eintrittskarten und Souvenirs verkauft werden. Ebenso befinden sich dort eine Cafeteria und ein Stabkirchenmuseum, das die norwegischen Stabkirchen näher dokumentiert. Es finden sich dort Kopien von Schnitzereien der Kirchen und Gegenstände, die bei archäologischen Grabungen in Stabkirchen gefunden wurden.
Replikate und Vorbildcharakter für andere Kirchen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche hat in vielen Fällen als Vorbild für Neubauten und Restaurierungen anderer Stabkirchen gedient. Sie war Vorbild beim Umbau der Stabkirche Fantoft zu einem mittelalterlichen Aussehen, nachdem diese 1883 von Fortun überführt worden war. Die Kirche in Fortun war früher wahrscheinlich eine ähnliche Kirche wie diejenige in Borgund, sie wurde jedoch in ihrer Geschichte häufig umgebaut, so dass sie ihr früheres Äußeres beinahe vollständig einbüßte. Ebenso war sie wiederum Vorbild derselben Kirche beim Wiederaufbau nach dem Brandanschlag vom 6. Juni 1992. Das Äußere der Stabkirche Gol und das Äußere der Stabkirche Hopperstad wurden 1885 der Stabkirche Borgund nachempfunden. Sie diente ebenso als Vorbild für die 1907 errichtete und 1908 geweihte Gustav-Adolf-Stabkirche in Hahnenklee.
Rapid City, South Dakota
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Rapid City, South Dakota, USA steht ein Replikat der Stabkirche Borgund. Sie hat den Namen „Chapel in the Hills“ und wurde am 6. Juli 1969 geweiht. Sie gehört zu der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.[7]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Roar Hauglid: Norwegische Stabkirchen. Dreyer Verlag, Oslo 1977, ISBN 82-09-00938-9. (deutsche Übers.; norwegischer Originaltitel: Norske stavkirker)
- Erich Burger: Norwegische Stabkirchen. Geschichte, Bauweise, Schmuck. Erstveröff. DuMont, Köln 1978, ISBN 3-7701-1080-3 (= DuMont-Kunst-Taschenbücher, 69).
- Yasuo Sakuma, Ola Storsletten: Die Stabkirchen Norwegens. Meisterwerke nordischer Baukunst. Genehmigte Lizenzausgabe. Bechtermünz-Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-86047-239-9 (deutsche Übers.).
- Claus Ahrens: Die frühen Holzkirchen Europas. 2 Bände. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1397-6.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stabkirche Borgund., Website des Vereins Fortidsminneforeningen mit 3D-Rundgang.
- Beschreibung der Baugeschichte der Stabkirche mit 3D-Modell, In: Fortidsminneforeningen.
- Stabkirche Borgund. In: Store norske leksikon.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Bericht über die Eröffnung des Ausstellungszentrums. ( vom 28. September 2007 im Internet Archive) visitnorway.com; abgerufen am 2. April 2007.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Margrethe Henden Aaraas, Sigurd Vengen, Anders Gjerde: Borgund stave church. In: Kringom. 7. Juli 1999, abgerufen am 22. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Leif Anker, Kirker i Norge (2000-2008, Arfo forlag): Borgund stavkirke. In: Store norske leksikon. 12. Januar 2026 (snl.no [abgerufen am 21. Januar 2026]).
- ↑ a b c Erich Burger, Norwegische Stabkirchen – Bauweise, Geschichte, Schmuck. DuMont Buchverlag, Köln 1978, ISBN 3-7701-1080-3.
- ↑ Ola Storsletten, Yasuo Sakuma: Die Stabkirchen Norwegens: Meisterwerke nordischer Baukunst. Luzern, Motovun 1993, ISBN 3-86047-239-9.
- ↑ a b c d Anne Marta Hoff: Borgund stavkyrkje. In: Norges Kirker. Abgerufen am 28. Januar 2026.
- ↑ Website des Kirchennachbaus. (englisch).
Koordinaten: 61° 2′ 51″ N, 7° 48′ 44″ O