Stabkirche Stiege

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Stabkirche Stiege am ersten Standort nahe dem Albrechtshaus (2016)
Stabkirche Stiege am neuen Standort nahe dem Bahnhof Stiege (2022)

Die 1905 erbaute Stabkirche Stiege stand über 116 Jahre im Selketal zwischen Stiege, Breitenstein und Güntersberge. Im März 2021 hat die Translozierung der Stabkirche Stiege begonnen. Am 20. Mai 2022 wurde sie am neuen Standort nahe dem Bahnhof Stiege der Harzer Schmalspurbahn eingeweiht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1897 wurde die Lungenheilstätte Albrechtshaus in der Nähe des Ortes Stiege eröffnet. 1905 wurde neben dem Gebäude die Holzkirche in horizontaler Blockbauweise errichtet. Vorbild war die Stabkirche zu Wang im Riesengebirge. Der Entwurf stammte von dem Zimmermeister R. Witte aus Osterwieck. Die Fenster stellte die Glasmalereianstalt Ferdinand Müller in Quedlinburg her. Typisch für im nordischen Stil errichtete Kirchen ist eine Bauweise, die in der Innenkonstruktion auf Nägel und Schrauben verzichtet. Die Stabkirche Stiege ist der einzige erhaltene Sakralbau in dieser Konstruktionsweise. Sie ist 23 Meter lang, elf Meter breit und ohne Glockenturm neun Meter hoch. Der Kirchenraum hat 110 Sitzplätze.

Am 20. Mai 1905 wurde die Kirche geweiht. An der Feier nahm neben anderen Würdenträgern auch der braunschweigische Prinzregent, Albrecht Prinz von Preußen, teil. Einer Überlieferung zufolge soll ein dankbarer skandinavischer Patient, der in der Heilanstalt von Tuberkulose geheilt worden war, die Kirche gestiftet haben.

Im März 2021 hat die Translozierung der Stabkirche Stiege begonnen. Und schon am 13. August 2021 konnte das Richtfest der wieder aufgebauten Holzkirche am neuen Standort, nahe dem Bahnhof Stiege der Harzer Schmalspurbahn, gefeiert werden. Offiziell eingeweiht wurde der außergewöhnliche Sakralbau am 20. Mai 2022.[1]

Neben der Stabkirche in Stiege gibt es in Deutschland nur noch zwei weitere Nachbauten von Stabkirchen nach norwegischem Vorbild – die in Hahnenklee-Bockswiese und die in Stahnsdorf (alle zwischen 1905 und 1911 erbaut).

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist noch im Originalzustand erhalten. Nur die Holzschindeln wurden durch Ziegel ersetzt. Sie steht unter Denkmalschutz. Aufgrund von Einbrüchen und Vandalismus wurde die Kirche im Jahr 2011 verschlossen.

Im Dezember 2014 gründete sich der „Förderverein zur Umsetzung und Instandsetzung der Stieger Stabkirche“. Aufgrund des Standortes in einem Harzer Wäldchen ist die Kirche immer wieder Opfer von Vandalismus geworden, wobei unter anderem die historischen Bleigläser zu großen Teilen zerstört wurden. Deshalb wurde die Versetzung der Kirche aus dem abgelegenen Wald-Standort in den knapp sieben Kilometer entfernten Ort Stiege beschlossen, die 2021 realisiert werden soll.[2]
Unterstützt wird der Förderverein dabei auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).[1]

Im November 2020 haben erste Arbeiten zur Umsetzung begonnen. Das hölzerne Kirchengebäude wurde im Wald demontiert und sieben Kilometer entfernt im Ort saniert und restauriert wieder aufgebaut. Der neue Standort nahe dem Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn wurde vorbereitet, der erste Spatenstich fand wegen der Corona-Pandemie bereits still und leise statt. Es folgten erste Demontagen an der Kirche und zugleich wurden die ersten Aufträge für Restaurierungen erteilt.[3] Am 11. März 2021 begann mit dem Abbau der Kirchturmspitze der Umzug der Kirche, der zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2021 abgeschlossen sein sollte. Die Fertigstellung der Stabkirche verzögerte sich und die offizielle Einweihung musste in das Jahr 2022 verschoben werden.[4] Die Kosten für den Umzug beliefen sich auf ca. 1,1 Millionen Euro und werden durch Spenden und Fördergelder finanziert.[5] In einer mobilen Werkhalle aus Gerüsten und Planen am neuen Standort erfolgte bis in den Herbst 2021 hinein der Wiederaufbau der Kirche.[6]

Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist die Kirche seit dem Jahr 2017 unter der Erfassungsnummer 094 30647 als Baudenkmal verzeichnet.[7] Bereits zuvor war die Stabkirche einmal mit der Nummer 094 56036 im Denkmalverzeichnis eingetragen. Sie war jedoch vor 2015 ausgetragen worden.[8] Heute trägt die Kirche zudem den Titel „National wertvolles Kulturdenkmal.“[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelia Aman: Glasmalereien des 19. Jahrhunderts. Sachsen-Anhalt. Die Kirchen. Edition Leipzig 2003, ISBN 3-361-00558-2, S. 437.
  • Beatrice Härig: Richtiges Denkmal, falscher Ort? Monumente Verlag, Bonn 2021, ISSN 0941-7125, Nr. 3, Juni 2021, S. 34/35.[9]
  • Beatrice Härig: Eine Kirche zieht um. In einer spektakulären Aktion wurde die Stabkirche im sachsen-anhaltischen Stiege ab- und wieder aufgebaut. Monumente Verlag, Bonn 2022, ISSN 0941-7125, Nr. 2, April 2022, S. 28–31.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stabkirche Stiege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Beatrice Härig: Eine Kirche zieht um. In einer spektakulären Aktion wurde die Stabkirche im sachsen-anhaltischen Stiege ab- und wieder aufgebaut. Monumente Verlag, Bonn 2022, ISSN 0941-7125, Nr. 2, April 2022, S. 28–31.
  2. Eine Million Euro zusammen: Stabkirche Stiege kann umziehen. In: Süddeutsche Zeitung. 7. August 2020.
  3. Eine ganze Kirche wird verfrachtet. In: Der Loewe. 22. Dezember 2020.
  4. Die Stabkirche wird 2022 eingeweiht In: Der Loewe. 1. Oktober 2021.
  5. Abgelegene Holzkirche im Harz zieht um. In: volksstimme.de. 11. März 2021, abgerufen am 15. März 2021.
  6. Katrin Schröder: Wie der Abbau der Stabkirche bei Stiege voranschreitet und welche Schritte geplant sind. In: volksstimme.de. 11. April 2021, abgerufen am 11. April 2021.
  7. Entwicklung Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt im Jahr 2017 Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Wolfgang Aldag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Staatskanzlei und Ministerium für Kultur 15.02.2018 Drucksache 7/2453 (KA 7/1372), S. 9.
  8. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670), S. 4625 f.
  9. Richtiges Denkmal, falscher Ort? auf: Monumente Online, abgerufen am 10. Juni 2021.
  10. Eine Kirche zieht um. auf: Monumente Online, abgerufen am 2. April 2022.

Koordinaten: 51° 39′ 42,1″ N, 10° 52′ 52,4″ O