Stabschef des Weißen Hauses

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Assistant to the President and Chief of Staff
US-WhiteHouse-Logo.svg
Mark Meadows
Stabschef des Weißen Hauses
Ernannt durch Präsident der Vereinigten Staaten
derzeit: Donald Trump
Erster Amtsinhaber John Steelman
Derzeitiger Amtsinhaber Mark Meadows
Schaffung des Amtes 12. Dezember 1946
Anrede
Stellvertreter Principal Deputy Chief of Staff
derzeit: Emma Doyle
Webseite whitehouse.gov

Der Stabschef des Weißen Hauses (englisch White House chief of staff) ist der ranghöchste Mitarbeiter im Executive Office des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die volle Bezeichnung der Position lautet Assistant to the President and Chief of Staff (deutsch Assistent des Präsidenten und Stabschef). Der Posten des Stabschefs kann sehr machtvoll sein; er wird gelegentlich auch als der „zweitmächtigste Mann in Washington“ (nach dem Präsidenten) bezeichnet. Das Amt wurde im Jahr 1946 unter der Bezeichnung Assistant to the President (deutsch: Assistent des Präsidenten) geschaffen. Im Jahr 1961 erhielt es seinen heutigen Namen. Der Amtsinhaber wird vom Präsidenten ernannt und ggf. auch entlassen. Dabei bedarf es nicht der Zustimmung des Kongresses.

Aufgaben und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1946 gab es die Positionen des Sekretärs des Präsidenten und des Appointments Secretary, die die Aufgaben einer Vielzahl von heutigen Mitarbeitern und Organen des Weißen Hauses übernahm. Das Amt des Assistenten zum Präsidenten wurde während der Präsidentschaft von Harry S. Truman geschaffen um der stark gewachsenen Exekutive Herr zu werden und übernahm fast alle Aufgaben die vorher dem Sekretär des Präsidenten zugeordnet waren. Mit dem Ende von Trumans Amtszeit als Präsident wurde auch die Position des Sekretär des Präsidenten abgeschafft.

Die Aufgaben des Stabschefs hängen stark vom Präsidenten ab, allerdings ist er im Allgemeinen für die Verwaltung des restlichen Personals und des Kalenders des Präsidenten zuständig. Der Stabschef hat außerdem die Pflicht, den Zugang zum Präsidenten zu kontrollieren. Außerhalb der formellen Amtsbeziehung ist der Stabschef oft der wichtigste politische Berater des Präsidenten und häufig auch ein enger Freund.[1]

Einige Präsidenten, so John F. Kennedy, verzichteten auf die Einsetzung eines Stabschefs. Präsident Carter hatte erst am Ende seiner Amtszeit einen Stabschef. Alle Präsidenten außer Harry S. Truman und Lyndon B. Johnson hatten mehrere Stabschefs. Die durchschnittliche Amtszeit beläuft sich auf etwa zweieinhalb Jahre.

Die meisten Stabschefs waren vorher Politiker, und viele führen ihre politische Karriere später fort. Beispiele dafür sind die beiden Stabschefs unter Gerald Ford, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, die später beide Verteidigungsminister wurden, letzterer sogar Vizepräsident. Richard Nixons Stabschef, der Offizier Alexander Haig, und Ronald Reagans Stabschef James Baker wurden beide später Außenminister.

Kritiker bemängeln, dass sich ein aktiver Stabschef unter einem eher passiven Präsidenten, der sich aus den Details der Regierungsarbeit heraushält, zu einem Quasi-Premierminister entwickeln kann. Während der Präsidentschaft Ronald Reagans übten James Baker und Donald Regan ihr Amt wie Quasi-Premierminister aus. Howard Baker, der Donald Regan als Stabschef folgte, stand solch einer Situation eher kritisch gegenüber.

Im Vergleich dazu wurde Andrew Card, der Stabschef in der Bush-Regierung bis zum 14. April 2006, nicht als sehr machtvoll angesehen. Dies ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass Bush lieber direkt mit seinen Ministern agierte. Ebenso waren Präsident Clintons Stabschefs aufgrund von Clintons Amtsführung, der immer den direkten Zugang zum Regierungsgeschehen suchte, im Allgemeinen relativ machtlos. Barack Obama berief im Januar 2013 mit Denis McDonough bereits den fünften Stabschef während seiner Amtszeit.

Dem Stabschef stehen ein oder mehrere Stellvertreter zur Seite, die für verschiedene Aufgabenbereiche zuständig sind. Die Zuteilung unterscheidet sich in jeder Präsidentschaft. Unter Donald Trump gibt es die Position des Hauptstellvertreters (en. Principal Deputy), der den anderen Stellvertretern vorgesetzt ist.[2]

Liste der Stabschefs des Weißen Hauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabschef Bild Präsident Amtszeit
John Roy Steelman
John R. Steelman.png
Harry S. Truman 12. Dezember 1946 bis
20. Januar 1953
Llewelyn Sherman Adams
GLSAAdams.jpg
Dwight D. Eisenhower 20. Januar 1953 bis
7. Oktober 1958
Wilton Burton Persons 7. Oktober 1958 bis
20. Januar 1961
de facto: Kenneth Patrick O’Donnell[A 1]
Kenny O'Donnell.jpg
John F. Kennedy 20. Januar 1961 bis
22. November 1963
de facto: William Marvin Watson[A 1]
Portrait officiel de W. Marvin Watson.jpg
Lyndon B. Johnson 1. Februar 1965 bis
26. April 1968
de facto: James Robert Jones[A 1]
James Robert Jones.jpg
26. April 1968 bis
20. Januar 1969
Harry Robbins Haldeman
Portrait of H.R. Haldeman, assistant to the President - NARA - 194345.tif
Richard Nixon 20. Januar 1969 bis
30. April 1973
Alexander Meigs Haig Jr.
Alexander Haig photo portrait as White House Chief of Staff black and white.jpg
4. Mai 1973 bis
21. September 1974
Donald Henry Rumsfeld
Rumsfeld Ford admin Secretary of Defense.jpg
Gerald Ford 21. September 1974 bis
20. November 1975
Richard Bruce Cheney
Chief of Staff Dick Cheney during a meeting following the assassinations in Beirut, 1976 - NARA - 7064952.jpg
20. November 1975 bis
20. Januar 1977
William Hamilton McWhorter Jordan
Hamilton Jordan - NARA - 173802.tif
Jimmy Carter 18. Juli 1979 bis
11. Juni 1980
Jack Hearn Watson Jr.
Jack Watson - NARA - 174837.tif
11. Juni 1980 bis
20. Januar 1981
James Addison Baker III
Portraits of Assistants to President Ronald Reagan (cropped13).jpg
Ronald Reagan 20. Januar 1981 bis
4. Februar 1985
Donald Thomas Regan
Donald Thomas Regan.jpg
4. Februar 1985 bis
27. Februar 1987
Howard Henry Baker Jr.
Howard Baker 1989.jpg
27. Februar 1987 bis
1. Juli 1988
Kenneth M. Duberstein
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1. Juli 1988
20. Januar 1989
John Henry Sununu
John H. Sununu (cropped).jpg
George Bush 20. Januar 1989 bis
16. Dezember 1991
Samuel Knox Skinner
Samuel Knox Skinner.jpg
16. Dezember 1991 bis
23. August 1992
James Addison Baker III
James A. Baker III, U.S. Secretary of State (2380044355).jpg
23. August 1992 bis
20. Januar 1993
Thomas F. McLarty, III
MackMclarty.jpg
Bill Clinton 20. Januar 1993 bis
17. Juli 1994
Leon Edward Panetta
Leon Panetta 1999.jpg
17. Juli 1994 bis
20. Januar 1997


Erskine Boyce Bowles
ErskineBowles.jpg
20. Januar 1997 bis
20. Oktober 1998
John David Podesta Jr.
JohnPodesta.jpg
20. Oktober 1998 bis
20. Januar 2001
Andrew Hill Card Jr.
A card.jpg
George W. Bush 20. Januar 2001 bis
14. April 2006
Joshua Brewster Bolten
Bolten Joshua.jpg
14. April 2006 bis
20. Januar 2009
Rahm Israel Emanuel
Rahm Emanuel news conferences.jpg
Barack Obama 20. Januar 2009 bis
1. Oktober 2010
Peter Mikami Rouse
(geschäftsführend)
Pete Rouse on December 09, 2009.jpg
1. Oktober 2010 bis
13. Januar 2011
William Michael Daley
Daleycos.jpg
13. Januar 2011 bis
27. Januar 2012
Jacob Joseph Lew
Jacob Lew official portrait (cropped).jpg
27. Januar 2012 bis
20. Januar 2013
Denis Richard McDonough
Denis McDonough (crop).jpg
20. Januar 2012 bis
20. Januar 2017
Reinhold Richard Priebus
Reince Priebus CPAC 2017 by Michael Vadon.jpg
Donald Trump 20. Januar 2017 bis
31. Juli 2017
John Francis Kelly
Secretary Tillerson and Secretary Kelly Hold Joint Press Conference With Mexican Officials 170518-H-OD937-087 (34578170382).jpg
31. Juli 2017 bis
2. Januar 2019
John Michael Mulvaney
(geschäftsführend)
Press Briefing with Acting Chief of Staff Mick Mulvaney (48915293661) (cropped).jpg
2. Januar 2019 bis
31. März 2020
Mark Randall Meadows[3]
Mark Meadows (48513740297).jpg
seit 31. März 2020

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Nelson: The Presidency and the Political System. Sage, 10. Auflage 2014. ISBN 978-1-4522-4043-5
  • Bradley H. Patterson: The White House Staff: Inside the West Wing and Beyond. Brookings Institution Press, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stabschef des Weißen Hauses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John P. Burke: Administration of the White House. In: Miller Center of Public Affairs. University of Virginia, archiviert vom Original am 17. November 2010; abgerufen am 15. März 2020 (englisch).
  2. Nancy Cook, Adam Cancryn: ‘Acting’ in name only: Mulvaney staffs up West Wing. In: Politico. Politico LLC, 11. Januar 2019, abgerufen am 15. März 2020 (englisch).
  3. Majid Sattar: Trumps Stabschef Meadows: Im engsten Machtzirkel. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. März 2029, abgerufen am 16. März 2020.
  1. a b c Kenneth O’Donnell, W. Marvin Watson und James Robert Jones wurden nicht zum Stabschef ernannt, sondern füllten diese Funktion als Appointments Secretary aus.