Merck-Stadion am Böllenfalltor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Stadion am Böllenfalltor)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Merck-Stadion am Böllenfalltor
Blick von der Südkurve (2006)
Blick von der Südkurve (2006)
Frühere Namen
  • Stadion am Böllenfalltor (1921–2014)
  • Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor (Saison 2016–2017)
Daten
Ort Nieder-Ramstädter-Straße 170
DeutschlandDeutschland 64285 Darmstadt, Deutschland
Koordinaten 49° 51′ 27,7″ N, 8° 40′ 20,5″ OKoordinaten: 49° 51′ 27,7″ N, 8° 40′ 20,5″ O
Eigentümer Stadt Darmstadt
Betreiber Darmstädter Sportstätten Verwaltungs GmbH
Baubeginn 1919
Eröffnung 1921
Erstes Spiel 30. Juli 1921
SV Darmstadt 98 - Freiburger FC 4:1
Renovierungen 1950–1952, 1975, 1978, 1981, 2014, 2015, 2016
Oberfläche Naturrasen
Kapazität 17.468 Plätze
Verein(e)
Veranstaltungen
  • Fußballspiele
  • Konzerte

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor ist ein Fußballstadion in der hessischen Großstadt Darmstadt. Es ist Heimstätte des Fußballvereins SV Darmstadt 98. Das Stadion hat nach dem Umbau im Herbst 2016 ein Fassungsvermögen von 17.468 Zuschauern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupttribüne (2006)
Gegengerade mit Gästeblock (links, 2007)

Die Geschichte des Stadions beginnt mit der Fusion der beiden Darmstädter Vereine FK Olympia und dem SC 05 im Jahr 1919. Erstmals wurde der Wunsch zur Schaffung einer eigenen großen Sportanlage geäußert. Dieses Anliegen ging zwei Jahre später in Erfüllung, als das 8000 Zuschauer fassende Stadion, das unmittelbar an das Hochschulstadion angrenzt, 1921 mit einer Festwoche eröffnet wurde. Das Eröffnungsspiel am 30. Juli des Jahres gewann der SV 98 gegen den Südwest-Meister Freiburger FC mit 4:1.

Das Böllenfalltor hat seinen Namen nach den Pappeln, südhessisch „Bellen“ oder „Böllen“, die zu Zeiten des landgräflichen Darmstadt an dieser Stelle wuchsen. Falltore waren Lattentore, die als Zugänge zum eingezäunten Darmstädter Wald dienten. Damit sollte das Entweichen des Wildes verhindert werden. Noch heute schmücken eine Vielzahl von Pappeln den Nordrand des Stadions. Diese dürfen auf Anordnung der Stadtverordnetenversammlung von 1920 nicht gefällt werden, da der Verein die Patenschaft für die Bäume übernahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die amerikanischen Truppen das Stadion und nutzten es als Baseball-Platz. Erst 1950 konnte der Verein seine Spiele wieder am Böllenfalltor austragen. In der Oberliga spielend, der zu dieser Zeit höchsten Spielklasse, stellte man fest, dass das Stadion den aktuellen Bedingungen angepasst werden musste. Zwischen 1950 und 1952 fanden daher unter der Leitung von Peter Grund diverse Umbaumaßnahmen statt. Aus Kriegsschutt wurden neue Zuschauerränge erbaut. Bei der Einweihung im Jahr 1952 konnten schließlich 25.000 Zuschauer Platz finden. Das Eröffnungsspiel im umgebauten Stadion bestritt der SV 98 gegen Admira Wien.

1975 wurde die alte Sitztribüne abgerissen und durch eine modernere Konstruktion ersetzt. Diese existiert noch heute und kann etwa 4000 Zuschauer aufnehmen.

In den Jahren der Erstklassigkeit der Lilien sorgten Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes dafür, dass das Stadion 1978 auf eine Kapazität von 30.000 Plätzen erweitert wurde und 1981 eine Flutlichtanlage installiert werden musste. Diese Investitionen hatten einen finanziellen Zusammenbruch zur Folge, von dem sich der Verein lange Zeit nicht erholte. Daher wurde das Stadion in den Folgejahren an die Stadt Darmstadt verkauft.[1]

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge der immer maroder werdenden Bausubstanz – die Stehplatztribünen wurden auf Kriegsschutt errichtet – hat das Stadion aktuell nur noch eine Kapazität von 17.468 Zuschauern, davon 6.312 überdachte Sitzplätze auf der Haupt- und Nordtribüne, 400 unüberdachte Sitzplätze im Gästeblock (Gegengerade), 3698 überdachte Stehplätze auf der Südtribüne und 7.058 unüberdachte Stehplätze auf der Gegengerade.

Nach dem Aufstieg des SV 98 in die 3. Liga zur Saison 2011/12 rückte das Stadion wieder verstärkt in das Blickfeld der Stadt Darmstadt. Als erste Maßnahme zur sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Modernisierung beschloss der Magistrat der Stadt die Aufrüstung der Flutlichtanlage von 400 auf 800 Lux. Hintergrund waren Auflagen des DFB für Fernsehübertragungen bei Flutlicht.

Im Sommer 2014 führte die im März von der Stadt Darmstadt gegründete Darmstädter Sportstätten GmbH & Co. KG eine erste Modernisierungsmaßnahme mit einer Investitionssumme von 2,2 Mio. Euro im Stadion zur Erfüllung der Auflagen für einen geordneten Spielbetrieb nach den Statuten der DFL durch. Ab der Saison 2015/16 wären diese Umbaumaßnahmen ohnehin auch in der 3. Fußball-Liga verpflichtende Auflagen geworden. Nach der Untersuchung des Spielfeldes durch den Kampfmittelräumdienst wurde eine Vergrößerung des Spielfeldes und der Einbau einer Rasenheizung durchgeführt. Zusätzlich wurde mehr Platz für die Fernsehtechnik und für Rettungswege zur Umfahrung des Stadions geschaffen. Des Weiteren wurden die nur unzureichend vorhandenen sanitären Anlagen modernisiert und erweitert und mehr Plätze für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Durch die Umbaumaßnahmen reduzierte sich das Fassungsvermögen auf 16.500 Zuschauer. [2][3]

Seit der Partie gegen 1860 München am 15. Februar 2015 verfügt das Stadion über eine moderne 30 Quadratmeter große LED-Videowand, auf der erstmals auch Wiederholungen von Spielszenen gezeigt werden können. Die 100.000 Euro teure Anzeige wurde vom Stadionsponsor Merck finanziert und soll auch im neu gebauten Stadion eingesetzt werden.

Mit dem Aufstieg des SV 98 in die Bundesliga zur Saison 2015/16 wurden weitere kleine Nachbesserungen am Stadion nötig: Der Platz für Medienvertreter wurde auf 54 zusätzliche Presse-Sitze erweitert.[4] Zudem ließ die DFL die Torlinientechnik Hawk Eye installieren.[4][5]

Durch die Erweiterungen von zwei mobilen Stahlrohrtribünen im Herbst 2016 in der Nord- und Süd-Kurve erhöhte sich die Kapazität auf 17.468 Plätze. Die überdachte Südtribüne ist für 3.698 Stehplätze ausgelegt. Auf der Nordtribüne sind 2.812 überdachte Sitzplätze entstanden.[6]

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor befindet sich am östlichen Rand des Darmstädter Stadtteils Bessungen. Es liegt unmittelbar an der Straßenbahnstrecke zum Böllenfalltor (Haltestelle: Merck-Stadion) und ist von daher sehr gut an den Nahverkehr in Darmstadt angeschlossen. Aktuell werden bei den Heimspielen des SV Darmstadt 98 zusätzliche Straßenbahnen eingesetzt, die als Linie 2 das Stadion mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof verbinden.[7]

An das Straßennetz ist das Stadion über die Nieder-Ramstädter Straße (B 449) angeschlossen. Aufgrund seiner Lage in der Nähe des Paulusviertels, eines zu Bessungen gehörenden Villenviertels, und der Existenz weiterer Sportanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft (Böllenfalltor-Sporthalle, Hochschulstadion der TU Darmstadt, Tennisplätze) stehen am Stadion lediglich 400 Parkplätze für Pkw zur Verfügung. Nördlich der Böllenfalltorhalle gibt es zudem Abstellplätze für Fahrräder.

Stadionumbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Oktober 2012 gab die Stadt Darmstadt als Eigentümerin des Stadions eine Machbarkeitsstudie zum möglichen Bau einer neuen Spielstätte oder Umbau des bestehenden Stadions bei der IFS GmbH in Auftrag.[8] Ziel war es, ein Bedarfs- und Nutzungskonzept zu erstellen und die Entscheidung der Standortfrage zu erörtern. In der Studie wird ein Verbleiben am Standort an der Nieder-Ramstädter-Straße befürwortet. Detaillierte Ergebnisse der Studie wurden im Sommer 2013 vorgestellt: Demnach soll eine Arena für 18.000 Zuschauer entstehen, die sich aus vier Bereichen zusammensetzt: einer Haupttribüne (3.900 Sitzplätze, davon 800 Business-Seats und 340 Logenplätze), einer Gegentribüne mit 4.850 Sitzplätzen (heutige Stehgerade), einer Stehplatztribüne für Heim-Fans (jetzige Kurve an den Tennisplätzen) sowie einer weiteren Kopftribüne für 1.800 Gästefans und 2.000 Sitzplätze für Heimfans (heutige Stehplätze in der Kurve am Marathontor).

Im Juni 2014 sicherte das Land Hessen der Stadt Darmstadt 10,5 Mio. Euro aus einem Ausgleichsfonds des Landes zu. Die Mittel sollen laut Oberbürgermeister Jochen Partsch in den Umbau des Stadions fließen. Die Kosten werden auf 27 Mio. Euro geschätzt, von denen die Stadt 14 Mio. Euro übernehmen wird. Zusätzlich hat die Stadt einen Antrag auf Sportfördermittel des Landes Hessen gestellt, die ebenfalls für weitere Maßnahmen am Stadion eingesetzt werden sollen. Ursprünglich sollte der Umbau bis zum Start der Saison 2016/17 abgeschlossen sein.

Der komplette Neubau einer Arena am Standort Böllenfalltor scheiterte jedoch unter anderem an baurechtlichen Vorgaben wie dem Lärmschutz für die Anwohner. Zudem erhöhten sich die prognostizierten Kosten immer weiter, auf zuletzt geschätzte 33 Mio. Euro. Daher wurden zwischenzeitlich vier Alternativstandorte als Alternative zum Böllenfalltor geprüft: Im Westen von Darmstadt-Arheilgen zwischen Firma Merck und der S-Bahn, außerdem südlich des Autobahnzubringers am Telekom-Gelände, im Westen von Darmstadt-Eberstadt am Gefängnis sowie um den Gehaborner Hof in Weiterstadt. Bei allen Standorten gab es jedoch Probleme und teilweise auch schon Widerstand von Anwohnern.

Ein Umbau im Bestand ist laut Stadt Darmstadt dagegen von einer bestehenden Baugenehmigung gedeckt. Daher soll dieser während des laufenden Spielbetriebs stattfinden. Vorgesehen sind mindestens 8.000 Sitzplätze bei einer Gesamtkapazität von 19.000 Zuschauern. Der Baubeginn ist voraussichtlich im Sommer 2018. Ein Termin für die Fertigstellung ist noch nicht absehbar. Die Baukosten sollen unter den bisher veranschlagten Kosten für einen Neubau von 33 Mio. Euro liegen.[9]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen eines Namenssponsorings in Höhe von 300.000 Euro pro Jahr durch das Darmstädter Chemie- und Pharma-Unternehmen Merck KGaA trug das Stadion ab Juli 2014 den Namen Merck-Stadion am Böllenfalltor. Die Vereinbarung zwischen Merck und der Stadt Darmstadt als Eigentümerin des Stadions ist auf fünf Jahre festgeschrieben.[10] Für die Bundesligasaison 2016/17 wurde das Stadion in Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor umbenannt. Der Sponsor Merck verzichtete für diese Zeit auf sein Namensrecht, um den 2016 verstorbenen Jonathan Heimes zu würdigen.[11] Seit der Saison 2017/18 trägt die Südtribüne des Stadions bis 2020 den Namen "Jonathan-Heimes-Tribüne".[12]

Länderspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußball-Nationalmannschaft der Frauen
Datum Begegnung Ergebnis
11. Sep. 2003 DeutschlandDeutschland Deutschland EnglandEngland England 4:0 (3:0)

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Südkurve beim Spiel SV Darmstadt 98 gegen den FC Erzgebirge Aue am 14. September 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. faz.net: Sanierung des Böllenfalltor-Stadions 27,6 Millionen Euro für die Darmstädter Lilien, Artikel vom 19. Juli 2013
  2. Stadion am Böllenfalltor. In: darmstadt.de. Abgerufen am 27. September 2016.
  3. Jonathan Heimes Stadion am Böllenfalltor. In: sv98.de, abgerufen am 27. September 2016.
  4. a b Böllenfalltor: Nächste Saison 17.000 Plätze im Stadion. In: echo-online.de. 18. Juni 2015, abgerufen am 27. September 2016.
  5. Wolfgang Görg: Umbauten am Merck-Stadion beginnen. In: echo-online.de. 26. Mai 2015, abgerufen am 27. September 2016.
  6. Die Lilien starten Stadionumbau "böllelike" Hessenschau.de 05.10.2016
  7. sv98.de: Ihr Stadionbesuch
  8. echo-online.de: Böllenfalltor-Stadion: Wirtschaftliche Nutzung keine Utopie Artikel vom 11. November 2014
  9. faz.net Darmstadt setzt auf das Böllenfalltor Artikel vom 4. Juli 2017
  10. Ab sofort „Merck-Stadion am Böllenfalltor“. In: echo-online.de. 30. Juli 2014, abgerufen am 6. September 2016.
  11. Lilien im Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor. In: sv98.de. SV Darmstadt 98, 5. September 2016, abgerufen am 6. September 2016.
  12. Südtribüne im Darmstädter Stadion wird zur "Jonathan-Heimes-Tribüne". In: Echo Online. Echo Online, 6. Juli 2017, abgerufen am 13. Juli 2017.