Stadt, Land, Fluss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das Schreibspiel. Zur Spielshow siehe Stadt Land Fluß.

Stadt, Land, Fluss – regional auch Stadt, Name, Land und ähnliche Varianten – ist der Name eines Schreib-, Wissens- und Quizspiels.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Entstehungsjahr dieses Spiels ist unbekannt. Sicher ist, dass es bereits Ende des 19. Jahrhunderts bei privat unterrichteten Zöglingen gespielt wurde. Von dort zog es immer größere Kreise und fand auch in Gruppenstunden von kirchlichen und politischen Organisationen Anklang. Schüler spielten es hauptsächlich in der Freizeit. Bis es in den Schulunterricht Einzug hielt, musste erst ein anderes Verständnis von Unterricht in den Lehrplänen stattfinden. Heutzutage findet man es als Anregung in vielen Sprach- und Sachkundebüchern.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesem Spiel benötigt man pro Teilnehmer lediglich ein Blatt Papier und einen Schreibstift. Die Teilnehmeranzahl ist beliebig, zeitweise spielen ganze Schulklassen. Die Mitspieler sollten sowohl das Alphabet beherrschen als auch ein wenig an Geographie interessiert sein. Letzteres ist jedoch nicht unbedingt Voraussetzung.

Grundregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teilnehmer einigen sich gemeinsam auf ein Grundschema. Hier sind dem Einfallsreichtum kaum Grenzen gesetzt. Üblich sind wenigstens drei Bereiche (Stadt, Land, Fluss), das Spiel kann aber auch sieben und mehr Kategorien umfassen. Das folgende Beispiel zeigt eine gebräuchliche Zusammenstellung; es lassen sich aber auch andere Kategorien benutzen, wie Instrument, Firma, Prominenter, Straßen- oder Haltestellenname usw.

Beispiel-Schema
Stadt Land Fluss Name Pflanze Beruf Tier
Duisburg Dänemark Donau Dieter Dahlie Dreher Dachs

Dieses Schema trägt jeder Mitspieler auf seinem Blatt ein. Nun wird der Buchstabe ermittelt, mit dem alle zu suchenden Begriffe beginnen müssen. Dies geschieht entweder abwechselnd, indem einer leise das Alphabet aufsagt und ein anderer „Stop“ ruft, oder aber, um Mogeleien vorzubeugen, indem man mit dem Bleistift auf ein beschriebenes Papier blind einsticht. Jetzt beginnen alle zu schreiben. Wer zuerst fertig ist, gibt dies laut kund. Alle müssen nun das Schreiben beenden. Alternativ wird im Vorfeld eine feste Zeitdauer festgelegt.

Wertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Allen dürfte aber gemein sein, dass Worte, die beim jetzt stattfindenden Vorlesen und Vergleichen nur einmal vorhanden sind, mehr Punkte bringen als mehrfach vorhandene, so genannte Doubletten. Häufig anzutreffen ist auch die Regel, dass es Bonuspunkte gibt, sollte ein Spieler in einer Kategorie als einziger eine richtige Antwort haben. Sieger ist, wer nach einer vereinbarten Rundenzahl die meisten Punkte gesammelt hat.

Lösungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der klassischen Variante (Stadt, Land, Fluss, Name, Beruf, (Tier), Pflanze) können bei vorheriger Genehmigung auch internationale und wissenschaftliche Schreibweisen verwendet werden, wobei manche Lösungen jedoch ohne ein Nachschlagewerk schwer zu beweisen sind.

Welche Lösungen erlaubt sind, sollte vor dem Spiel unter allen Teilnehmern abgesprochen werden; zum Beispiel ob Fremdwörter („Xenophidia“ als Tier), Dialekt („Blaukraut“ als Pflanze), internationale Schreibweisen („Zambesi“ als Fluss) oder Abkürzungen („USA“ als Land) bzw. Kurzformen („Waldi“ als Name) erlaubt sind. Auch das Abkürzen an sich sollte vorher besprochen werden, zum Beispiel ob eine Mindestanzahl Buchstaben geschrieben werden muss, ob zumindest das Feld in voller Breite ausgefüllt werden muss oder ob das Abkürzen generell verboten ist.

Außerdem sollte Einigkeit darüber herrschen, wie genau die Bereiche auszulegen sind, um Streit zu vermeiden. So sollte im Vorhinein festgelegt werden, ob unter Land nur unabhängige Staaten genannt werden dürfen (z. B. Niederlande, Vereinigtes Königreich) oder die Auslegung weniger eng erfolgen soll (z. B. Holland, England, Sauerland, Lummerland). Analog sollte etwa geklärt werden, ob die Rubrik Stadt nur echte Städte mit Stadtrecht einschließt oder ob auch Gemeinden erlaubt sind, ob auch kleine Bäche als Flüsse anerkannt werden usw.

Idealerweise sollten Nachschlagewerke verfügbar sein, um in strittigen Fällen entscheiden zu können. Spielen größere Gruppen dieses Spiel, so kann es nicht schaden, wenn reihum ein Spieler aussetzt und als Schiedsrichter fungiert oder generell ein besonders fähiger und als neutral geltender Spieler hierzu ernannt wird.

Im Internet kursieren Komplettlösungen, die bei exotischen Buchstaben (Q, X, Y) auf Fremdsprachen zurückgreifen, um die Lücken komplett zu füllen. Im Deutschen ist es nicht möglich, beim oben genannten Beispielschema alle 182 Lücken zu füllen (7 Gruppen à 26 Buchstaben), da es keine Staaten gibt, die mit Q, X und Y beginnen. Wenn man aber hier behelfsmäßig auch Bundesstaaten und Territorien gelten lässt, ist es möglich (z. B. Québec, Xinjiang, Yorkshire).

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von Oktober 1990 bis September 1991 moderierte Viktor Worms auf Tele 5 die Sendung Stadt Land Fluß, die an das Spiel angelehnt war.
  • Die beiden Kabarettisten Christoph Grissemann und Dirk Stermann spielen in ihrer wöchentlichen Show Salon Helga des österreichischen Radiosenders FM4 mit einem live zugeschalteten Hörer gelegentlich eine Abwandlung des Spiels, die sie als Stadt, Land, Scheidungsgrund bezeichnen und die aus gewollt kuriosen, tagespolitischen Fragestellungen besteht.
  • Seit dem 30. Januar 2012 strahlt RTL II die Sendung Stadt, Land... aus. In der Sendung, die es ausschließlich im Promi-Spezial gibt, werden die weiteren vier Kategorien in jeder der zwei Runden neu vorgegeben und nur ein Buchstabe damit gespielt. Da es sich um eine Comedysendung handelt, zielen die Kategorien wie Sachen, an denen man schrauben kann, oder sichere Zeichen für Metrosexualität darauf ab, humorvolle Antworten zu produzieren. Ebenfalls Teil des Comedyfaktors ist, dass Kandidaten wenig sinnvolle und doppelte Antworten erklären können, um doch noch volle Punkte zu erhalten.[1]

Markenrechtsstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer deutscher Spieleverlag versuchte 2012 und 2013 Markenrechte an Stadt, Land, Fluss durchzusetzen. Das Landgericht Berlin hat mit dem Urteil vom 4. April 2013 die Klage abgewiesen.[2] In der Berufungsverhandlung hat das Kammergericht Berlin die Berufung ebenfalls abgewiesen und die Revision nicht zugelassen.[3] Beide Gerichte haben gleichlautend festgestellt, dass Stadt, Land, Fluss ein seit Generationen gespielter Spieleklassiker ist, an dem niemand die Markenrechte erhalten kann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikibooks: Spiele: Stadt-Land-Fluss – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rtl2.de
  2. Urteil des LG Berlin vom 4. April 2013, veröffentlicht auf einer privaten Webseite (PDF), abgerufen am 28. Dezember 2013, Link ungültig am 24. Februar 2014.
  3. Urteil des KG Berlin vom 1. November 2013. Abgerufen am 13. März 2015