Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

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Stadt- und Landesbibliothek Dortmund
Gründung 1907
Bibliothekssigel 60 (Stadt- und Landesbibliothek Dortmund)Vorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
ISIL DE-60
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund
2015 Lesesaal 2OG (3)
WikipediaBuchlesungDortmund005

Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund gehört zu den großen Bibliotheken in städtischer Trägerschaft und befindet sich zentral gelegen in der Dortmunder Innenstadt, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Die Zentralbibliothek wurde vom Architekten Mario Botta aus Lugano in der Schweiz entworfen und im Mai 1999 bezogen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Amtsantritt von Erich Schulz als erstem Direktor wurde 1907 die „Wilhelm-Auguste-Viktoria-Bücherei“ als Einheitsbibliothek (Kombination aus Volksbücherei und wissenschaftlicher Bibliothek) der Stadt Dortmund gegründet. Am 16. Mai 1908 eröffnete die Bibliothek im Neubau am Marktplatz neben dem Rathaus. Zur Eröffnung hatte die Bibliothek einen Bestand von 22.000 Bänden. 1911 erhielt die Bibliothek den Untertitel „Stadtbibliothek“, dieser wurde ab 1919 alleinige offizielle Bezeichnung. Ab 1920 erfolgte ein verstärkter Funktionswandel von der Einheitsbibliothek hin zur wissenschaftlich orientierten Bibliothek. 1926 wurde das Westfälisch-Niederrheinische Institut für Zeitungsforschung unter Leitung von Erich Schulz gegründet. 1932 erhielt die Bibliothek den Ehrentitel „Landesbibliothek“ und nennt sich seitdem „Stadt- und Landesbibliothek“. 1940 verselbständigten sich die Städtischen Volksbüchereien, 1952 das Institut für Zeitungsforschung. 1958 wurde das neue „Haus der Bibliotheken“, in dem die Stadt- und Landesbibliothek, die Städtischen Volksbüchereien sowie das Institut für Zeitungsforschung untergebracht sind, eröffnet. Das Gebäude befand sich in der Innenstadt zwischen Altem Markt und Wißstraße. 1988 wurden Stadt- und Landesbibliothek und die Städtischen Volksbüchereien zusammengeschlossen. 1999 zog die Bibliothek in das neue Gebäude gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof.

Bestände, Service und Dienstleistungen[Bearbeiten]

Die Bestände der StLB umfassen rund 1 Millionen Medien, davon 350.000 im Freihand- und 500.000 im Magazinbestand sowie ca. 7500 Zeitschriftentitel. Den Benutzern steht neben dem gedruckten Bestand ein umfangreiches elektronisches Angebot (E-Books, E-Zeitschriften, E-Zeitungen) zur Verfügung. Während der gesamten Öffnungszeiten der Zentralbibliothek können sich die Bibliothekskunden telefonisch oder persönlich an den Informationstheken beraten lassen. Für Fragen jeder Art, Wünsche, Anschaffungsvorschläge steht ein Auskunftsmanagementsystem zur Verfügung (DigiAuskunft). Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bietet Einführungskurse für spezielle Zielgruppen an, z. B. für Schüler (Sekundarstufe I + II), Studierende und Lehrer sowie Veranstaltungen, die sich an ein breiteres Publikum richten. Sie ist überregional für das umfassende Schulungsprogramm für Schüler der sekundarstufe II bekannt, die in enger Kooperation mit regionalen Schulen stattfinden. Zusätzlich zählt zu den Angeboten ein umfassendes Programm für die Leseförderung. Die Bibliothek bietet spezielle Angebote zur Vermittlung von Informationskompetenz und nicht zuletzt Führungen durch die Sondersammlungen an. Der rechtswissenschaftliche Bestand der ehemaligen Verwaltungsbiblothek wurde 2014 in die allgemeine Präsenzbibliothek im 1. Obergeschoss eingegliedert.

Digitale Bibliothek[Bearbeiten]

Mit der Digibib Literatursuchmaschine haben die Bibliothekskunden die Möglichkeit, über ein Portal gleichzeitig unterschiedliche Kataloge, Bibliographien, elektronische Zeitschriften und Volltextdatenbanken zu durchsuchen. Titel, die nicht online zur Verfügung stehen, oder in der in der Bibliothek vorhanden sind, können sofort per Fernleihe bestellt werden. Zum Bibliotheksbestand zählen weit über 8500 Fach-Ebooks zu unterschiedlichen Sachgebieten und DRM geschützte E-Books im Bereich Belletristik. Die elektronischen Ressourcen stehen auch für den Zugriff von zu Hause aus bereit. Voraussetzung ist der authentifizierte Zugriff mit gültiger Ausweisnummer und PIN.

Handschriftenabteilung / Westfälisches Handschriftenarchiv[Bearbeiten]

In der Handschriftenabteilung werden Nachlässe, Handschriften, Frühdrucke, Bildnisse und Briefe (Autographe) erschlossen und betreut. Der Bestand umfasst:

  • ca. 25.000 Einzelautographen
  • 102 Nachlässe und Sammlungen von Schriftstellern
  • 40 Handschriften des Mittelalters
  • 64 Inkunabeln (erste Buchdrucke)
  • ca. 2000 Frühdrucke aus der Zeit von 1500 bis 1850
  • ca. 300 historische Landkarten aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts
  • ca. 8000 Porträts, Stiche, Fotos, Holzschnitte und Städteansichten

Bedeutende Nachlässe oder Teilnachlässe sind etwa die von Julius Hart, Ludwig Bäte, August Scholtis, Annette von Droste-Hülshoff oder Ferdinand Freiligrath. Zur Handschriftenabteilung gehört auch das Nelly-Sachs-Archiv, in dem die gedruckten und handschriftlichen Dokumente der Träger des Kulturpreises der Stadt Dortmund (Nelly-Sachs-Preis) aufbewahrt werden.

Artothek[Bearbeiten]

Hier können Graphiken, Aquarelle, Skulpturen und Zeichnungen für ein Vierteljahr für die eigene Wohnung ausgeliehen werden. Das Angebot der Artothek insgesamt:

  • Die Ausleihe von 1300 Exponaten zeitgenössischer Kunst regionaler, nationaler und internationaler Künstler in vielen Stilrichtungen und Techniken (größtenteils Graphiken)
  • Wechselnde Kunstausstellungen regionaler Künstler
  • Gespräche mit den Künstlern
  • Kauf der Exponate aus den Ausstellungen (nicht aus dem Artotheksbestand)

Dortmunder Autorendokumentation[Bearbeiten]

Spiegelungen in der Glasfront des Freihandbereichs

Die Dortmunder Autorendokumentation (DAD) hat seit über 50 Jahren Rezensionen zu Autoren und ihren Werken gesammelt. Es wurden laufend mehr als 40 deutschsprachige Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften ausgewertet. Die Arbeit in der DAD wurde 2014 eingestellt. Eine Übernahme durch ein deutsches Literaturarchiv wird voraussichtlich im Jahr 2015 stattfinden.

Mobiler Bibliotheksdienst[Bearbeiten]

Der Mobile Bibliotheksdienst versorgt Bibliothekskunden, die aus Krankheits- oder Altersgründen die Bibliothek nicht selbst aufsuchen können, mit Büchern, Hörbüchern und anderen Medien der Stadt- und Landesbibliothek.

Stadtteilbibliotheken[Bearbeiten]

Mit den neun Stadtteilbibliotheken wird die Literaturversorgung in den Dortmunder Stadtteilen sichergestellt. Über den internen Leihverkehr ist es auch möglich Bücher aus einer anderen Stadtteilbibliothek sowie aus der Zentralbibliothek auszuleihen. Auch die Nutzung der DigiBib ist hier möglich.

Die Bibliotheken befinden sich in den Stadtteilen Aplerbeck, Brackel, Eving, Hörde, Hombruch, Huckarde, Lütgendortmund, Mengede und Scharnhorst.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klotzbücher, Alois: Von Büchern und Bibliotheken in Dortmund : Beiträge zur Bibliotheksgeschichte einer Industriestadt. Dortmund 1982
  • Arbeitskreis kritischer BibliohekarInnen (Hrsg.): Sprengung - der letzte Akt? Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund 1907-1997. Hannover 1997 (Laurentius Flugschriften)
  • Stadt- und Landesbibliothek Dortmund im neuen Haus. Eine Bibliothek für das 21. Jahrhundert, Hrsg. Von den Freunden der StLB, Dortmund, 1999
  • Moeske, Ulrich: Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. In: Bibliothek Forschung und Praxis, 2003, Bd. 27. 2003, T.1/2, S. 42-44
  • Lesen verbindet. 100 Jahre Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, in: Heimat Dortmund. Stadtgeschichte in Bildern und Berichten. Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e.V. in Verbindung mit dem Stadtarchiv Dortmund. Jg. 2007, H. 1
  • Seitz, Renate: Der Botta-Bau der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Dortmund, 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadt- und Landesbibliothek Dortmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.5164694444447.4609277777778Koordinaten: 51° 30′ 59″ N, 7° 27′ 39″ O