Stadt Fiume mit Gebiet

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Stadt Fiume mit Gebiet
(Fiume város és területe)
(1910)
Wappen der Stadt Fiume
Verwaltungssitz: Fiume (heute Rijeka)
Fläche: 21 km²[1]
Bevölkerung: 49.806[1]
Volksgruppen:
(laut der umstrittenen
Volkszählung von 1910)
49 % Italiener
26 % Kroaten
13 % Magyaren
5 % Slowenen
5 % Deutsche
2 % andere (Serben, Engländer, Tschechen, Slowaken, Polen)[1]
Karte der Stadt Fiume und Umgebung um 1890

Als Stadt Fiume mit Gebiet (ungarisch Fiume város és területe, seltener auch Fiume város és kerülete („Stadt Fiume mit Bezirk“), kroatisch Grad Rijeka i okolica), auch als Freie Stadt Fiume bzw. Rijeka bezeichnet, wurde eine historische Verwaltungseinheit im Süden des Königreichs Ungarn bezeichnet. Die als corpus separatum bestehende Verwaltungseinheit wurde von der ungarischen Regierung zentral verwaltet, das Gebiet hatte eine Fläche von 21 km². Die Bevölkerungszahl belief sich nach der Volkszählung von 1890 auf 29.494, 1900 schon 38.955[1] und 1910 dann 49.806.

Zur Verwaltungseinheit, die auch einen eigenen Gouverneur und eine eigene Verwaltung hatte, gehörte neben der eigentlichen Stadt und ihrem Hafen auch noch ein Gebiet, das drei Dörfer umfasste:[2]

  • Cosala (italienisch) bzw. Kozala (kroatisch)
  • Drenova (italienisch und kroatisch)
  • Plasse (italienisch) bzw. Plase (kroatisch) (heute zum Stadtbezirk Podmurvice zugehörig)

Die Stadt Rijeka gehört heute zur Republik Kroatien und ist Verwaltungssitz der Gespanschaft Primorje-Gorski kotar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Entstehung des eigenständigen Gebietes liegen in einer Verfügung Maria Theresias 1779, in der sie das damalige Fiume als Corpus separatum, eine eigenständige, autonome Körperschaft definierte. Damit wurde die Stadt direkt der Habsburger Krone unterstellt. Nach der Unterbrechung durch die Napoleonischen Kriege und der Angliederung an Italien kam die Stadt 1823 mit ihrem Hinterland als integraler Bestandteil zur ungarischen Krone, die italienische Verwaltungssprache wurde dabei beibehalten. Durch die Oktroyierte Märzverfassung 1849 als Folge der Revolution von 1848 erhielt Kroatien-Slawonien mit Fiume innerhalb des Königreichs Ungarn eine größere Autonomie. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich kam Fiume als freie Stadt (einem Kronland gleichgestellt und ähnlich wie Triest) zurück unter direkte ungarische Verwaltung. Der Status war jedoch im Hinblick auf den Ungarisch-Kroatischen Ausgleich nicht geklärt. Zwar wurde der Ausgleich von den Ungarn abgeändert (Artikel 66, Riječka krpica) und die Stadt, der Hafen und die Umgebung vom Gebiet Kroatiens getrennt und unmittelbar der ungarischen Krone unterstellt (analog dem vorher schon bestehenden corpus separatum von Maria Theresia). Die Verwaltung wurde dann am 17. April 1872 durch den ungarischen Innenminister mit einem Statut „zeitweilig“ geregelt. Dieses Statut konnte nur durch die aus 56 Mitgliedern bestehende und auf 6 Jahre gewählte Rapprasentanza geändert werden. Diese Vertretung wählte den Bürgermeister (podesta), während der die ungarische Regierung vertretende Gouverneur auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom König direkt ernannt wurde. Diese Autonomie kam einer Selbstverwaltung eines Municipiums gleich. Diese Autonomie wurde 1907 geschwächt und schließlich 1913 außer Kraft gesetzt; der provisorische Status blieb jedoch bis zum Ende der Monarchie bestehen.[3] 1919 wurden die Stadt und das Gebiet noch während der Friedensverhandlungen von italienischen Freischärlern besetzt und in den unabhängigen Freistaat Fiume umgewandelt.

Statistiken[Bearbeiten]

1910 gab es in Fiume und Gebiet:[4]

  • 2511 Wohnhäuser
  • 49.806 Einwohner (48.492 ohne stationierte Soldaten)
  • 36.359 Bewohner, die lesen und schreiben können
  • 3,2 Kilometer fließendes Gewässer

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rijeka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d A magyar szent korona országainak 1910. évi Népszámlálása. A Magyar Kir. Központi Statisztikai Hivatal, Budapest 1912
  2. Rijeka.hr. Mjesni odbori (kroatisch)
  3. Adam Wandruszka, Peter Urbanitsch (Hrsg.): Die Habsburgermonarchie 1848–1918. Band 2: Verwaltung und Rechtswesen. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0081-7.
  4. Amiről a matekpéldák mesélnek (ungarisch)