Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg

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Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg
Bestand 340.000
Bibliothekstyp Stadtbibliothek
Ort Berlin
ISIL DE-B458
Betreiber Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
Website berlin.de

Die Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg ist Teil des öffentlichen Berliner Bibliothekssystem. Sie befindet sich in Trägerschaft des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Abteilung Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung. Gemeinsam mit der Stadtbibliothek Mitte „firmiert“ sie als city bibliothek berlin. Diese Bibliothek weist einen Medienbestand von rund 340.000 auf, die im Jahr 2012 etwa 1,4 Millionen Mal entliehen wurden. Darüber hinaus organisierte die Bibliothek im gleichen Zeitraum über 2400 Veranstaltungen, davon 2300 zur Sprachbildung und Leseförderung sowie Klassen- und Gruppenführungen.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirkszentralbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg Pablo Neruda

Die nachgeordneten Einrichtungen im Bibliothekssystem Friedrichshain-Kreuzberg sind

  • Bezirkszentralbibliothek Frankfurter Allee (Pablo-Neruda-Bibliothek)
  • Familienbibliothek Glogauer Straße (Else-Ury-Familienbibliothek)
  • Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße (Wilhelm-Liebknecht- / Namık-Kemal-Bibliothek)
  • Stadtteilbibliothek Dudenstraße (Friedrich-von-Raumer-Bibliothek), 1921 fusioniert aus 1. und 4. Volksbücherei von 1850,[1] damit älteste Stadtteilbibliothek im Bezirk

Die Bibliothek nimmt am Verbund Öffentlicher Bibliotheken Berlins (VÖBB) teil und ist an den bundesweiten Fernleihverkehr angeschlossen.

Geschichte und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Volksbibliotheken (nach 1918 Volksbüchereien, so die beiden Bezeichnungen der öffentlichen Bibliotheken der Stadt Berlin) wurden seit 1901 von der Berliner Stadtbibliothek als Einheit für zentrale Dienste (Buch- und Materialkauf, Buchbinderei, Personalverwaltung und -schulungen, Katalogisierung, etc.) betreut und bildeten mit ihr ein zweischichtiges Bibliothekssystem.[2] Die Berliner Stadtbibliothek blieb auch nach der Bildung Groß-Berlins im Jahre 1920 nur für die Volksbüchereien im alten Stadtgebiet zuständig.[3]

Am 7. September 1926 hatte die Stadtverordnetenversammlung Berlins beschlossen, die Zuständigkeit für die Volksbüchereien im alten Stadtgebiet von der Stadtbibliothek auf die Bezirksämter der inneren Bezirke I bis VI (I. Mitte, II. Tiergarten, III. Wedding, IV. Prenzlauer Berg, V. Friedrichshain und VI. Kreuzberg) zu übertragen.[4] Ab 9. November 1926 bildete jeder Bezirk ein eigenes, nunmehr Stadtbücherei genanntes Bibliothekssystem.[5] Curt Wormann wurde als Leiter der neuen Stadtbücherei Kreuzberg berufen, der die zunächst noch sieben in Kreuzberg gelegenen Volksbüchereien I, V (Kinderbücherei), IX, XIV, XXII und XXIV unterstanden.[6]

Wormann bildete 1928 aus der 14. Volksbücherei (alias Volksbibliothek XIV), bis dahin Baruther Straße, und der 3. Lesehalle, bis dahin Wilmsstraße,[7] die Hauptbücherei Kreuzberg, die einstweilen das Haus Belle-Alliance-Straße 80 bezog (nach Kriegszerstörung 1943, Umbenennung und neuer Nummerierung 1947 steht dort der Neubau Mehringdamm 59).[7] Nach der Zerstörung des bisherigen Standorts nahm im Frühjahr 1944 die Hauptbücherei Kreuzberg ihren Betrieb eingeschränkt wieder auf in einer provisorischen Unterkunft in der Gneisenaustraße 7.[8] Ein eigener Bau für die Hauptbücherei Kreuzberg konnte erst 1964 realisiert werden (damals Wilhelm-Liebknecht-Bücherei genannt, jetzt Mittelpunktbibliothek).[9]

Die bezirklichen Bibliothekssysteme Friedrichshains und Kreuzbergs wurden nach der Bezirksfusion 2001 zusammengeführt. Die neue Bezirkszentralbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg an der Frankfurter Allee wurde im Jahr 2010 nach zweieinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit wiedereröffnet. Im neuen Haus befinden sich auf vier Etagen rund 100.000 Bücher und Medien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben einer Familienbibliothek, Musikbibliothek und Artothek, einem Multimedia-Lernzentrum mit 10 Internet-PCs und freiem W-LAN-Zugang umfasst die Bibliothek auch eine bisher bundesweit einzigartige Abteilung mit Medien in Leichter Sprache, die einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Die Herrichtung und Ausstattung der neuen Bezirkszentralbibliothek wurde aus Mitteln des Programms Stadtumbau Ost sowie Mitteln der Europäischen Union, des EFRE (Europäischer Regionalfonds) und des Programms BIST – Bibliotheken im Stadtteil gefördert.[10]

Um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit unterschiedlichem Migrations- und Sprachhintergrund die Nutzung von Bibliotheken zu erleichtern, werden mit dem Projekt „Willkommenskultur“ die Menschen in ihren Muttersprachen angesprochen. Dafür wurden Materialien in zehn Sprachen konzipiert, die von vielen Menschen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gesprochen werden. Auch dieses Projekt wird aus Mitteln des Programms BIST – Bibliotheken im Stadtteil. kofinanziert.

Im Oktober 2010 eröffnete die neue Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße mit dem Ehrennamen Wilhelm-Liebknecht- / Namık-Kemal-Bibliothek als interkulturelle Familienbibliothek nach Umbau- und Sanierungsmaßnahmen. Dieses Vorhaben konnte durch Mittel aus dem Konjunkturpaket II, EFRE, BIST – Bibliotheken im Stadtteil und bezirklichen Mitteln verwirklicht werden.[11]

Mit der Beteiligung am Projekt TENIVER – Technologische Innovation in der Informationsversorgung, ebenfalls aus Mitteln der EFRE, hat Friedrichshain-Kreuzberg 2011 die Selbstverbuchung von Medien mit Hilfe der RFID-Technik eingeführt.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beide wurden 1850 als Teil des Bibliothekssystems der ersten vier von Friedrich von Raumer initiierten öffentlichen Volksbibliotheken Berlins gegründet. Vgl. Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hgg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 16.
  2. Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hgg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 11.
  3. Petra Hätscher, "Das Öffentliche Bibliothekswesen Berlins von 1961 bis 1989", in: Bibliothek: Forschung und Praxis, Bd. 19 (1995), Nr. 2, S. 155–188, hier S. 156
  4. Petra Hätscher, "Das Öffentliche Bibliothekswesen Berlins von 1961 bis 1989", in: Bibliothek: Forschung und Praxis, Bd. 19 (1995), Nr. 2, S. 155–188, hier S. 158.
  5. Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hgg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 17.
  6. Petra Hätscher, "Das Öffentliche Bibliothekswesen Berlins von 1961 bis 1989", in: Bibliothek: Forschung und Praxis, Bd. 19 (1995), Nr. 2, S. 155–188, hier S. 180.
  7. a b Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hgg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 20.
  8. Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hgg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 24.
  9. Petra Hätscher, "Das Öffentliche Bibliothekswesen Berlins von 1961 bis 1989", in: Bibliothek: Forschung und Praxis, Bd. 19 (1995), Nr. 2, S. 155–188, hier S. 168.
  10. Broschüre zur Wiedereröffnung der Bezirkszentralbibliothek Frankfurter Allee
  11. Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße (Wilhelm-Liebknecht- / Namık-Kemal-Bibliothek)
  12. Projekt TENIVER