Stadtgarten Aachen

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Stadtgartenplan 1908
Stadtgartenplan, 1925

Der Stadtgarten Aachen ist eine 1852 angelegte, landschaftsarchitektonisch gestaltete Grünanlage in Aachen. Der Aachener Stadtpark besteht aus dem ursprünglichen Kurgarten und dem später angelegten Farwick-Park sowie dem ehemaligen evangelischen Friedhof. Der gesamte Aachener Stadtgarten steht unter Denkmalschutz.

Kuranlagen und Stadtgarten[Bearbeiten]

Kurparkfontäne von Lenné, östlich des Kurhauses

Der Stadtgarten wurde 1852 von dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné für den Krankenhausgarten des Maria-Hilf-Spitals entworfen und durch den Stadtgärtner C. Jancke angelegt. Im Jahr 1870 wurde der Garten -allerdings gegen Entgelt- auch für den Publikumsverkehr geöffnet. Eine Erweiterung um einen Botanischen Garten erfolgte im Jahr 1885. Der botanische Garten war 50 ar groß. In ihm konnten Stauden und einjährige Gewächse studiert werden. Der dendrologische Garten umfasste 0,2 ha mit einer Gehölze-Sammlung. Die Größe des Parks betrug 1908 circa 1,5 ha , heute ist der Stadtgarten rund 2,3  ha, groß. Die Stadtgärtnerei mit einem Palmenhaus, zwölf Gewächshäusern, eine Orangerie und der botanisch-dendrologische Garten waren ebenso Bestandteile dieses Parks.

Im Zuge der Anlage des neuen Kurbezirkes mit dem Kurhotel Quellenhof, einer Wandelhalle, dem Kurmittelhaus und dem Neuen Kurhaus im Jahr 1916 wurde aus dem 15 ha großen Stadtgarten ein Kurpark. Für 100.000 Reichsmark[1] wurde im Park eine Ringpromenade, eine Rollschuhbahn, die Außenplätze des Tennis-Club Kurhaus Bad Aachen 1932/1890 e.V. sowie weitere Parkpartien und der Finkenteich angelegt. In den Jahren 1925 bis 1928 wurde der nördliche Teil des heutigen Parks hinzuerworben, als Park angelegt und nach dem ehemaligen Aachener Oberbürgermeister Wilhelm Farwick benannt. Dieser Teil sollte die durch den Bau des Quellenhofes verloren gegangenen Flächen ersetzen. Die Neuanlage wurde durch Friedrich Last mit Mitteln und Unterstützung durch die Produktive Erwerbslosenfürsorge ausgeführt.[2] Es finden sich ferner der Wingertsberg, auf dem sich bis zu ihrem Umzug nach Orsbach im März 2011 die Aachener Wetterwarte befand und eine Konzert-Muschel.

Der Wingertsberg war zunächst als Krankenhausgarten vorgesehen, wurde dann 1870 öffentlich zugänglich und 1908 zum Volksgarten. Eine doppelseitige Lindenallee aus Sommerlinden und Holländischen Linden mit mittiger Fontäne führt zum neuen Kurhaus. Sie wurde von Peter Josef Lenné entworfen. Das Alleen-Entrée bilden zwei Hänge-Silberlinden aus dem Jahr 1853. Ab 1925 wurde der Vorplatz von Blumen geschmückt, seit Ende des 20. Jahrhunderts von zwei Wasserbassins mit je neun kleinen Springbrunnen.

Mit diesem Kurpark verlagerte sich das Badeleben vom Elisenbrunnen und dem Burtscheider Kurpark an die 1870 erbaute Monheimsallee, deren Begrünungsplan ebenfalls von Peter Joseph Lenné entworfen wurde, aber erst 20 Jahre nach dem Entwurf ausgeführt wurde. Den Bestand bilden: Linden, Rosskastanien, Platanen, Bergahorne und die Feldulme, eine Rarität, vor der Einfahrt zur Kurparkanlage.

Friedhof Güldenplan[Bearbeiten]

Friedhof Güldenplan

Bereits um 1605 wurde an der heutigen Monheimsallee ein kleiner Friedhof für Protestanten angelegt, welcher somit der ältestes evangelische Friedhof Aachens war. Die offizielle Flurbezeichnung lautete Am Güldenplan, in der älteren Generation ist er aber auch bekannt als Möschebendchen, im Aachener Dialekt ein Synonym für Friedhöfe. Ab dem Jahr 1889 wurde er nicht mehr belegt und die evangelischen Bürger wurden fortan auf dem neu errichteten Westfriedhof I beigesetzt. Aus dem Ort der Trauer an der Monheimsallee entwickelte sich nun ein kleiner Park, dessen hohe Mauer die stille Oase vor dem tosenden Verkehr schützt. Nur noch eine Handvoll verwitterter und kaum leserlicher Grabsteine stehen heute verstreut auf der Fläche. Man findet hier noch Namen von Familien, die in der Aachener Stadtgeschichte von Bedeutung waren[3].

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Zu den markanten Bäumen der Flora des Aachener Stadtgartens gehören eine Tulpen-Magnolie (1955), eine weitere Silberlinde (1853), drei Esskastanien (1800) westlich des Tennisplatzes, der Spitzahorn (1915) auf dem Wingertsberg, ein Feldahorn (1853), die Hängebirke (1927) im Farwickpark, der Küstenmammutbaum (1950), ein Ginkgo (1880) und der Riesenmammutbaum (1880) im ehemaligen Botanischen Garten als Naturdenkmal.

Impressionen aus dem Stadtgarten 1908[Bearbeiten]

Impressionen 2011[Bearbeiten]

Aktuell[Bearbeiten]

Gedenktafel für Anne Frank

In dem Farwickpark befindet sich der Rosengarten, seit 2001 der 1986 gegründete Neue Aachener Kunstverein (NAK), seit 1928 das Kongressdenkmal (1836/44), welches als Erinnerung an den Monarchenkongress 1818 in Aachen geschaffen wurde und eine Treppenanlage von Johann Joseph Couvens Haus aus der Rosstraße 48. Sie wurde hinter der Konzertmuschel wieder aufgebaut.

Eine Gedenktafel an der Monheimsallee am Rande des Kurparks erinnert an die ehemalige und im Zweiten Weltkrieg zerstörte Villa von Moritz Honigmann in der Monheimsallee 42–44, in der ab dem Jahr 1932 die Großeltern von Anne Frank, Abraham Holländer und Rosa Holländer-Stern, ein Appartement bewohnten, in welchem Anne Frank vierjährig mit ihren Eltern Edith Frank-Holländer und Otto Frank von Juli 1933 bis Januar 1934 auf ihrer Flucht in die Niederlande wohnte.[5] Weiterhin erblickt man an der Monheimsallee die Lenné-Büste von Karl Krauß. Ein neueres Kunstwerk ist eine monolithartige Skulptur-Stele aus dem Jahr 2008. Ihre datierte Signatur lautet: C.B.08.

Auf dem Wingertsberg gedeihen seit 1979 die Reben des AKV mit circa 99 Rebstöcken, eine Stiftung der Trierer Heuschrecken. Eine Minigolfanlage und ein Fußballplatz bereichern die Freizeitaktivitäten. Seit 2006 schmücken zwei verschieden gestaltete asiatische Wächterlöwen aus Jade, die Fo-Hunde, dem Schutzsymbol für Staat und Regierung, unten seitlich die Eingangstreppe als Zeichen der 20-jährigen Partnerschaft zwischen Aachen und Ningbo.[6] Der linke Löwe hat sich selbst en miniature an seiner linken Pranke, der rechte als Attribut eine Kugel. Im Osten stößt der Aachener Stadtpark an die Carolus Thermen. Im nord-östlichen Areal befindet sich eine Kindertagesstätte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Landeskonservator Rheinland (Hrsg.): Denkmälerverzeichnis. 1.2: Aachen, übrige Stadtteile. unter Mitwirkung von Hans Königs, bearbeitet von Volker Osteneck. Rheinland Verlag, Köln 1978, ISBN 3-7927-0450-1, S. 24, 34.
  • Albert Huyskens: Aachen. Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag (DARI), Berlin-Halensee 1925.
  • Wilhelm Weßberge (Stadtgartendirektor): Die wichtigsten Baumarten unserer städtischen Gartenanlagen. La Ruelle, Aachen 1908.
  • Bemerkenswerte Bäume in der Stadt Aachen. Zeitzeugen der Stadtgeschichte. Hrsg. Stadt Aachen, Der Oberbürgermeister, Aachener Stadtbetrieb und Umweltdezernat. Aachener Stiftung Kathy Beys. Klenkes, Aachen 2002.
  • Juliano de Assis Mendonça: Geschichte der Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen 1914-1933, Aachener Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 9, Aachen 2012, ISBN 978-3-8440-1520-1, 81 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wessberge: Die öffentlichen Anlagen und der Aachener Wald. Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag (DARI), 1928, S. 76.
  2. Holger A. Dux: Aachen- so wie es war. Droste, 2011, ISBN 978-3-7700-1429-3, S. 128.
  3. Kurzinfo über Friedhof Güldenplan im Grenzcho
  4. Von Doorn schickte Friedrich Wilhelm II. täglich seine Wetterbeobachtungen zur Aachener Wetterwarte. Wilhelm I.R. lautete seine Unterschrift. Helmut A. Crous: Aachen so wie es war. Droste, Düsseldorf 1971, S. 80.
  5. Rosa-Holländer-Stern (1846 Langenschwalbach - 1942 Amsterdam) war mit Abraham Holländer (1860 Eschweiler - 1927; Industrieller) verh. Rosa Holländer-Stern; Genealogie Rosa Holländer-Stern
  6. Partnerschaft Aachen - Ningbo

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kurpark Aachen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.7818936.09422Koordinaten: 50° 46′ 55″ N, 6° 5′ 39″ O