Stadtkanal (Potsdam)

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Teil des rekonstruierten Stadtkanals mit Blick auf den Ladenbergsteg
Das Teilstück in gleicher Blickrichtung vom Ladenbergsteg in gewässertem Zustand
Die Breite Brücke, dahinter die Garnisonkirche, Vorkriegsaufnahme
Originaler Lampenträger der Breiten Brücke
Abschnitt an der Yorckstraße (damals: Am Kanal), 1928
Kellertorbrücke 1900

Der Stadtkanal in Potsdam ist ein in der dortigen Innenstadt verlaufender Wasserweg. Im Mittelalter als Entwässerungsgraben zur Havel angelegt, wurde er unter König Friedrich Wilhelm I. von Preußen ab 1722 begradigt und ausgebaut. Der Kanal wurde von 1962 bis 1965 zugeschüttet. Seit 1999 wird er Stück für Stück rekonstruiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 12. Jahrhunderts entstanden die ersten Entwässerungsgräben in Potsdam. Im Jahr 1673 wurde von Kurfürst Friedrich Wilhelm ein neuer Stadtgraben angelegt. Er diente zur Trockenlegung des Baulandes für die Bauprojekte des Großen Kurfürsten in Potsdam. Dieser hatte Potsdam 1660 zu seiner zweiten Residenz erhoben und plante nun den Bau des Potsdamer Stadtschlosses mit dem Lustgarten und die ersten Erweiterungen der zu diesem Zeitpunkt grade einmal 200 Häuser zählende Stadt. Dieser kurfürstliche Stadtgraben umgrenzte die nördliche Stadt und verband die Havel mit dem Faulen See am Ort des später angelegten Wilhelmplatzes (heute: Platz der Einheit).[1]

Ab 1722 wurde der kurfürstliche Stadtgraben im Auftrag von Friedrich Wilhelm I. begradigt und vertieft. Er sollte nach dem Vorbild holländischer Grachten das Bauland für die groß angelegte erste barocke Stadterweiterung Potsdams trockenlegen. Das Kanalbett wurde mit einer Eichenholzverschalung versehen. Die hölzernen Brücken erhielten aufziehbare Klappkonstruktionen. Damit war der Kanal auch als Transportweg nutzbar und erwies sich als äußerst zweckdienlich bei der Einschiffung der für die umfangreichen Bautätigkeiten zur Errichtung des neuen Stadtteils benötigten Baumaterialien. Auch der Bassinplatz wurde auf diese Weise entwässert.

Der Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelms I., Friedrich der Große, wertete den Kanal künstlerisch auf und ließ eine Sandsteinverschalung und kunstvolle Eisengeländer sowie neun Steinbrücken erbauen. Die Leitung der Umbauarbeiten des Kanals oblag dem Oberhofbaurat Heinrich Ludwig Manger, der auch selber von Arbeiten berichtet: „Der durch die Stadt gehende Kanal war auf beiden Seiten mit bloßen Brettern bekleidet, oder verschält, und hin und wieder waren Abtritte ebenfalls aus Brettern an demselben angebauet. Alles dieses war sehr verfallen, und gab ein schlechtes Ansehn. Der König [Friedrich der Große] befahl daher, solchen mit Sandstein zu revetiren [wiederherzustellen], mit eisernen Geländern zu versehen, und die darüber gehende Brücke auch mit Sandstein zu wölben.“[2]

Bereits im Jahr 1809 beschwerten sich die Anwohner über üblen Geruch und forderten die Zuschüttung des Stadtkanals. Teile der Zuflüsse wurden bereits 1889 zugeschüttet.

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde zunächst mit der Rekonstruktion des Stadtkanals und der Brücken begonnen. Im Jahr 1952 erfolgte dann die Erneuerung der Sandsteine und Podeste des Kanals sowie die Restaurierungen an den Brückenfiguren. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Potsdamer Zentrums beschloss der Rat der Stadt Potsdam 1962 die Zuschüttung des Kanals, die daraufhin bis 1965 durchgeführt wurde. Die letzte Brücke, die „Breite Brücke“, wurde 1971 abgerissen.

1990 wurde symbolisch mit den ersten Arbeiten zur Freilegung des Stadtkanals begonnen. 1999 wurde aus dem Projekt engagierter Potsdamer ein Vorhaben der Stadt: Das erste Teilstück des Stadtkanals wurde im Bereich der Yorckstraße wiederhergestellt. Die Einweihung der wiederhergestellten Ladenbergbrücke erfolgte 2001 anlässlich der Bundesgartenschau. Der Abschnitt liegt jedoch meist trocken - es gibt keine Verbindung zur Havel. Im März 2009 wurden die Bauarbeiten am zweiten Bauabschnitt im Bereich der Kellertorbrücke begonnen. Im Juli 2011 wurde dieser dann mit der Havel wiederverbunden und ist seitdem geflutet. Der Förderverein für den Wiederaufbau des historischen Kanals wirbt seit 2015 um die Finanzierung zum unmittelbaren Weiterbau dieses östlichsten Abschnitts um weitere 170 Meter bis zur Berliner Straße.[3] Langfristiger Plan ist die vollständige Wiederherstellung des gesamten Kanals. Der Wiederaufbau wird teilweise durch Spenden finanziert,[4] so gibt es Möglichkeiten, wie die gusseisernen Geländerpfosten symbolisch zu „erwerben“ und, wie schon Loriot, Christian Thielemann und andere, mit dem eigenen Namen versehen zu lassen. Auch der Bauverein Potsdamer Stadtkanal 1722 e.V. bemüht sich um die Wiederherstellung des Kanals.[5]

Der Stadtkanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf des Stadtkanals 1853

Der Stadtkanal wurde von der Havel gespeist und durchlief die Potsdamer Innenstadt in einer Gesamtlänge von 1840 Metern. Er begann im Osten am „Kellertor“ und nahm seinen Verlauf in westlicher Richtung mit den Straßenzügen „Am Kanal“ („Yorckstraße“). Am Ende der Yorckstraße an der „Waisenstraße“ („Dortustraße“) knickte er in engem Bogen, fast rechtwinklig nach Süden ab und floss am „Wassertor“ wieder in die Havel.

Erst mit der Ernennung Potsdams zu seiner zweiten Residenzstadt neben Berlin durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, im Jahre 1660 begann der Aufschwung und Ausbau der Stadt. Friedrich Wilhelm ließ durch Philip de Chiese ein Stadtschloss nach holländischen Vorbildern erbauen. Er legte zwischen Schloss und Havelufer einen Lustgarten nach holländischem Muster im Schachbrettsystem an und begann mit einer ersten Erweiterung der Stadt. Als Voraussetzung für die Umgestaltung und Erweiterung ließ der Kurfürst 1675 den verschlammten Landwehrgraben aus dem 16. Jahrhundert reinigen und in seinem weiteren Verlauf begradigen. Der Verlauf dieses „Kurfürstlichen Stadtgrabens“ kann auf der Karte von Samuel Suchodolec aus dem Jahre 1683 nachvollzogen werden.

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Kanal überquerten insgesamt neun Brücken:

  • Kellertorbrücke (in der Verlängerung der Heilig-Geist-Straße)
  • Berliner Brücke (Berliner Straße/Am Kanal)
  • Grüne Brücke (Französische Straße/Grünstraße/Am Kanal)
  • Kaiserbrücke (Kaiserstraße/Am Kanal)
  • Nauener Brücke (Friedrich-Ebert-Straße (früher Nauener Straße)/Yorckstraße (früher Am Kanal))
  • Ladenbergsteg (Wilhelm-Staab-Straße (früher Hoditzstraße)/Yorckstraße (früher Am Kanal))
  • Waisenbrücke (Dortustraße (früher Waisenstraße)/Yorckstraße (früher Am Kanal))
  • Breite Brücke (Breite Straße)
  • Kiezbrücke (Am Wassertor - Wall am Kiez/Am Lustgartenwall)

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem freigelegten, jedoch nur zeitweise mit Wasser gefluteten Kanalstück an der Yorckstraße wird seit der Zeit nach der Freilegung ein jährlicher Kanu-Kanalsprint veranstaltet, der sich in Potsdam zu einem populären Sportspektakel etabliert hat.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Potsdamer Stadtkanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albrecht Gülzow / Peter Herrmann, Der Potsdamer Stadtkanal, Potsdam 1997, S. 7.
  2. Heinrich Ludewig Manger, Baugeschichte von Potsdam, Bd. 1-3, Berlin 1789, S. 218.
  3. Neue Einkaufsmeile unter dem Stadtkanal abgesagt MAZ, 17. Juni 2015
  4. Förderverein zur Wiederherstellung des Stadtkanals in Potsdam e.V.
  5. Neuer Verein für Stadtkanal in Potsdam MAZ, 25. Mai 2016
  6. Tausende Zuschauer feiern Olympia-Asse in Potsdam maz-online.de vom 4. September 2016

Koordinaten: 52° 23′ 50″ N, 13° 3′ 27″ O