Stadtmuseum Bonn

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Eingang des Stadtmuseums
Eine Zweigstelle des Stadtmuseums: das Ernst-Moritz-Arndt-Haus an der Adenauerallee
Die frühere Schwimmhalle des Viktoriabades an der Bundesstraße 9 (Belderberg)

Das Stadtmuseum Bonn (Eigenschreibweise: StadtMuseum Bonn) wurde 1989 gegründet und widmet sich der Darstellung der Bonner Stadt- und Kulturgeschichte sowie der Präsentation und Pflege des umfangreichen Sammlungsbestandes. Die Museumsräume befinden sich derzeit in einem in den 1970er Jahren errichteten Gebäude an der Franziskanerstraße 9, gegenüber dem an das Koblenzer Tor angrenzende Universitätsgebäude in der Bonner Innenstadt. Vormals gehörten die vom Museum genutzten zwei Etagen zum Sauna- und Reinigungstrakt des mittlerweile aufgegebenen Viktoriabades.[1] Ein weiterer Verbleib in den Räumlichkeiten ist unklar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1886 war in Bonn ein Verein gegründet worden, der sich die Schaffung eines stadtgeschichtlichen Museums zum Ziel gesetzt hatte.[2] Der heutige Bonner Heimat- und Geschichtsverein übertrug Mitte der 1950er Jahre seine umfangreiche Sammlung an die Stadt Bonn, es kam in der Folge zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadtarchiv. Im Jubiläumsjahr 1989 („2000 Jahre Bonn“) fasste der Stadtrat unter der Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann[1] den Beschluss zur Gründung des Stadtmuseums Bonn, obwohl zu dem Zeitpunkt noch keine geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung standen. In den Anfangsjahren konnte dem neugegründeten Museum nur das kleine Ernst-Moritz-Arndt-Haus in der Adenauerallee 79 zur Verfügung gestellt werden.[3] Hier fanden und finden kleinere Sonderausstellungen und kulturelle Veranstaltungen statt.[4] Gründungsdirektor des Museums war der Leiter des Stadtarchivs, Manfred van Rey.[5] Die Eröffnung der eigentlichen Schauräume für die Dauerausstellung des Stadtmuseums („Von der Römerzeit bis heute“) im später zugeteilten Gebäude an der Franziskanerstraße fand am 14. Januar 1998 auf 1000 Quadratmetern statt.[6]

Das von Ingrid Bodsch geleitete Museum mit knapp 1300 Quadratmetern Ausstellungsfläche besuchen jedes Jahr Tausende von Besuchern, darunter viele Schulklassen. Neben dem Unterhalt einer Dauerausstellung zur Stadtgeschichte und einer Gedenkausstellung zur Verfolgung von Minderheiten in der Zeit des Nationalsozialismus in Bonn im unteren Bereich, werden etwa 90 Veranstaltungen jährlich organisiert.[6] Der Verbleib des Museums in den Gebäuden an der Franziskanerstraße ist ungewiss. Im Jahr 2015 plante die Stadt, den als „Viktoriakarree“ bezeichneten Häuserblock (zu dem auch die Museumsliegenschaft gehört) an die private Investorengruppe Signa zu verkaufen, die dort eine Einkaufspassage errichten wollte.[6] Infolge des Mangels geeigneter Ausweichmöglichkeiten war vorgesehen, die Museumsausstellung zu teilen: die Gedenkstätte sollte in ein hochgelegenes Büro im Bonner Stadthaus, die stadtgeschichtliche Dauerausstellung in einen kleinen Bereich des Rheinischen Landesmuseums Bonn verlegt werden.[5] Nachdem die Neugestaltung des Gebäudeblocks abgesagt wurde, wird auf Anregung des Vorsitzenden des Fördervereins des Bonner Stadtmuseums, Gisbert Knopp, eine Verlegung der Ausstellungen in die historische und seit 2010 ungenutzte, vormalige Schwimmhalle des Viktoriabades diskutiert.[7] Die Schwimmhalle, deren Glasfront von Gottfried Böhm gestaltet wurde, steht seit dem Jahr 2013 unter Denkmalschutz.[7]

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die komplette Sammlung des Bonner Stadtmuseums beinhaltet über 10.000 Einzelstücke – darunter rund 600 Gemälde, 1900 Grafiken, 1700 seltene Bücher und andere antiquarische Werke, 1500 kunstgewerbliche Exponate, 200 Plastiken, 250 Möbel, historische Kleidungsstücke und Uniformen. Der größte Teil stammt aus Schenkungen und testamentarischen Verfügungen, die vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Blick auf eine Museumsgründung erteilt worden waren; ein Großteil dieser Bestände betrifft das 18. und 19. Jahrhundert.[8] So vermachte Curt Delander seine Sammlung dem Museum. Den Grundstock bildeten die Kunstwerke aus der Stiftung des Mediziners und Hochschullehrers Franz Obernier (1839–1888) – vor allem Malerei des 19. Jahrhunderts der Düsseldorfer und Münchner Malerschulen.[6] Heute befinden sich hier auch Werke von Marianne Pitzen, Karl Rudolf Sohn, Karl Ferdinand Sohn, Heinrich Wettig oder Gustav Wunderwald.

Die im Museum gezeigten Teile der Sammlung geben Einblick in die rund 2000-jährige Stadtgeschichte. Neben einem antiken Bodenmosaik werden der „Bonner Löwe“ (ein ursprünglich auf dem Münsterplatz aufgestelltes mittelalterliches Gerichtszeichen – im Volksmund als „steinernes Wölfchen“ bezeichnet –, Wappentier der Stadt), barocke Stadtansichten, ein komplett eingerichteter Kolonialwarenladen aus dem Jahr 1893, ein Frisiersalon von 1900 sowie zwei Salons bürgerlicher Familien aus der Zeit der Jahrhundertwende gezeigt.[6] In einem dieser Zimmer ist der mit Geschirr der ehemaligen Bonner Porzellan- und Steingutfabrik Ludwig Wessel gedeckte Esstisch der Unternehmerfamilie Tenten aus der Gründerzeit zu besichtigen.[9]

Andreas-Emmel-Tafelservice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende Exponate des Museums sind neun außergewöhnliche Teile eines ursprünglich aus 314 Stücken bestehenden, silbernen Tafelservices. Der kurfürstliche Hofrat Paul Joseph Reichsfreiherr von Landsberg-Velen hatte dieses Service für 36 Personen 1792 bei dem Goldschmied Andreas Emmel (1759–1828) in Auftrag gegeben. Der in Wien bei Johann Jakob Math ausgebildete Emmel schuf das Service in den Jahren 1792 bis 1794. Es ist, inspiriert von Pariser, Straßburger und Wiener Vorbildern, im damals in Mode stehenden Empirestil gehalten. Die einzelnen Stücke werden von Akanthusblättern, Lorbeerstäben, Löwenhäuptern, Widderköpfen, Pinienzapfen und Perlstäben verziert. Emmel nutzte alle damals bekannten Metallbearbeitungstechniken: Treiben, Gießen, Stanzen, Punktieren, Ziselieren und Gravieren. Bei den mit Mitteln eines Konsortiums verschiedener Institutionen angekauften Einzelstücken handelt es sich um drei Terrinen, zwei vierarmige Girandolen und vier Armleuchter.[10]

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Räumlichkeiten des Stadtmuseums befindet sich auch die Gedenkstätte Bonn. In mehreren Räumen wird mit Bild- und Schriftdokumenten sowie Originalexponaten die Verfolgung und Ermordung der Bonner Opfer des Nationalsozialismus gezeigt. Die Ausstellung präsentiert Forschungsergebnisse zur Willkür der Diktatur des Dritten Reiches und deren Auswirkungen auf den Alltag, wie auch Opposition und Widerstand in Bonn. Auch an Tausende nach Bonn verschleppte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wird erinnert. Der Trägerverein der Gedenkstätte ist der 1984 gegründete Verein An der Synagoge e. V.[11] Zum Angebot der Gedenkstätte gehören auch Vorträge, Lesungen oder Gespräche mit Zeitzeugen.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtmuseum Bonn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 44′ 4,7″ N, 7° 6′ 16,4″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Entstehungsgeschichte des Stadtmuseums Bonn. Website der Stadt Bonn. 8. März 2013, abgerufen am 18. April 2017.
  2. Bonner Heimat- und Geschichtsverein: Geschichte. Website des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, abgerufen am 18. April 2017.
  3. Stadtmuseum Bonn und Ernst-Moritz-Arndt-Haus: Geschichte. Website der Stadt Bonn, abgerufen am 18. April 2017.
  4. Ernst-Moritz-Arndt-Haus. Website der Stadt Rheinbach, abgerufen am 18. April 2017.
  5. a b Bernward Althoff: Grundstücke im Viktoriaviertel in Bonn: Stadtmuseum und die Gedenkstätte sollen „ausgelagert“ werden. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 7. Oktober 2015, abgerufen am 18. April 2017.
  6. a b c d e Frank Vallender: Das Bonner Stadtmuseum: Bedrohte Schätze. In: Bonner General-Anzeiger. 31. August 2015, abgerufen am 18. April 2017.
  7. a b Daniel Bartetzko, Karin Berkemann, Julius C. Reinsberg (Hrsg.): Bonn: Museum mit Chlor-Geruch? In: moderne-regional.de. 12. April 2016, abgerufen am 18. April 2017.
  8. Ingrid Bodsch: Nur noch »Events« als Besuchermagnet? Kulturhistorische Museen in der Wahrnehmung der Besucher. In: Beatrix Commandeur, Dorothee Dennert (Hrsg.): Event zieht – Inhalt bindet: Besucherorientierung auf neuen Wegen (= Schriften zum Kultur- und Museumsmanagement). transcript Verlag, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-253-8, S. 153–154, hier: S. 153, doi:10.14361/9783839402535-017.
  9. Das Tenten-Zimmer im Stadtmuseum Bonn. Website der Tenten-Stiftung, abgerufen am 18. April 2017.
  10. Ein Silberservice von Andreas Emmel. Website der Kulturstiftung der Länder, abgerufen am 18. April 2017.
  11. Besucherinformationen. Gedenkstätte Bonn. In: ns-gedenkstaetten.de, abgerufen am 10. Mai 2018.
  12. Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus. Website der Stadt Bonn, abgerufen am 18. April 2017.