Stadtpark Steglitz

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Stadtpark Steglitz (stark verzerrte Weitwinkel-Aufnahme: links Sedanstraße, rechts die Hauptachse mit dem Brunnen, vorne Fontänenteich mit sich anschließendem Großen Stadtparkteich)

Der Stadtpark Steglitz ist eine rund 17 Hektar große öffentliche Grün- und Erholungsanlage im Berliner Ortsteil Steglitz. Der Park steht unter Denkmalschutz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Park wird durch die Sedanstraße in zwei Abschnitte geteilt, den östlich gelegenen Hauptteil und einen kleineren westlich gelegenen Erweiterungsteil, der überwiegend als Liegewiese nebst Spielplatz dient.

Der östliche Teil liegt in seiner maximalen Ausdehnung zwischen Albrechtstraße im Norden, Stindestraße im Osten, Am Eichgarten im Süden und Sedanstraße im Westen. Die Hauptachse mit Springbrunnen verläuft im östlichen Teil als Verbindung von Bismarckstraße im Norden und Brückenstraße im Süden parallel zur westlich gelegenen Sedanstraße.

Der westliche Teil wird begrenzt durch die Goebenstraße im Norden, die Sedanstraße im Osten, die (unterbrochene) Johanna-Stegen-Straße im Süden und die Klingsorstraße im Westen.

Im Süden schließt sich an der Brückenstraße die Wever-Promenade an, die jenseits der Birkbuschstraße als Paul-Schwarz-Promenade entlang des Teltowkanals zum Bäkepark und weiter zum Schlosspark Lichterfelde führt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprünglich rund zwölf Hektar große Landschaftspark wurde zwischen 1912 und 1914 angelegt. Er entstand nach ab 1906 vom Städtischen Garteninspektor Rudolf Korte unter der Leitung des Königlichen Gartendirektors Fritz Zahn, der selbst in Steglitz wohnte, erstellten Plänen. Die damals selbständige Landgemeinde Steglitz kaufte teilweise bereits ab 1905 Privatgrundstücke zur Anlage des Parks, es wurden aber auch Flächen genutzt, die durch die Trockenlegung der Bäke nutzbar gemacht wurden.[1] Das Gelände war einst eine sumpfige Niederung mit altem Baumbestand. Attraktionen der Erstanlage waren Tennisplätze, ein niedriges Planschbecken und ein Tiergehege, die nicht mehr erhalten sind. 1917 entstand nach Entwürfen des stellvertretenden Städtischen Garteninspektors Georg Kuphaldt ein von einer Hainbuchenhecke eingefasster Rosengarten mit einem Seerosen­becken, der noch vorhanden ist.

Dem Park wurde 1924 eine an der Albrechtstraße gelegene Streuobstwiese zugeschlagen, die bis dahin dem Reichstagsabgeordneten Karl Korthaus gehörte.[2] 1929/30 wurde der Park nach Enteignung des bis dahin mit Kleingärten belegten Areals westlich der Sedanstraße erweitert.[3][4][5]

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich im Park ein „Behelfsfriedhof“ (1946 aufgelöst) für das an der Albrechtstraße gegenüberliegende Lazarett, das sich im Gemeindehaus der Markus-Gemeinde befand. Während der Schlacht um Berlin grub sich ein Panzer der Wehrmacht im Park ein, um die große nördlich gelegene Kreuzung (heute: Bismarckstraße/Steglitzer Damm) zu sichern; im Mai 1945 nahm die Rote Armee den Stadtpark mit 20 Panzern ein.[2] 1950 wurden Kriegsschäden mit Mitteln aus Notstandsprogrammen beseitigt.[2][3]

Musikpavillon und Brunnen, April 2013

In den Jahren 1956–1957 wurde der Park umgestaltet. Hierbei wurde 1957 nach den Plänen von Walther Schmidt ein Springbrunnen auf der Hauptachse errichtet, nahe gelegen eine Konzertmuschel erbaut, die 1990 durch den Musikpavillon ersetzt wurde, und am 29. Mai 1957 die Verkehrsschule eröffnet. Von 1958 bis 1968 wurde der Park auf seine aktuelle Größe von rund 17 Hektar erweitert. Im Jahr 1969 brannte das Restaurant, das in den 1950er Jahren als Ersatz für das 1943 vollkommen zerstörte historische Parkrestaurant errichtet wurde, ab und wurde 1970 durch einen Neubau ersetzt, der bis heute gastronomisch genutzt wird.[2] 1974 erfolgte eine weitere Umgestaltung.

Der Park ist seit 1995 als Gartendenkmal geschützt.[6] Auch die am Rand des Parks an der Albrechtstraße 47a gelegene ehemalige Schäferei (1887 erbaut), die vom Naturschutz- und Grünflächenamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf (Revier II) genutzt wird, steht unter Denkmalschutz (Baudenkmal).[7]

Im Zuge des im Jahr 2014 begangenen 100-jährigen Jubiläums des Stadtparkes wurde mit einer kleinschrittigen Sanierung begonnen. So ist 2014 der Rosengarten nach historischem Vorbild denkmalgerecht wiederhergestellt worden und der Park erhielt 2017/18 seine historische Ulmen­allee zurück.[8] Ab 2018 wurden die Ufer der Teiche saniert und die Teiche zum Teil entschlammt.[9]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwachendes Mädchen von Josef Limburg im Rosengarten

Im Zentrum des östlichen Hauptabschnitts befindet sich der nach den Plänen von Walther Schmidt auf der Hauptachse errichtete Springbrunnen (),[4] daneben der Musikpavillon (), der im Sommer für Konzerte genutzt wird. Es gibt mehrere Liegewiesen, drei Spielplätze (davon einer im westlichen Teil), eine Minigolfanlage, einen Naturlehrpfad und einen Rodelhang.[10] Der Park verfügt im östlichen Teil über vier zwischen 1906 und 1914 angelegte Teiche mit einer Größe von 600 bis 4000 m²: Großer Stadtparkteich (mit zwei Inseln) und Fontänenteich (mit Entenhaus) sind als Doppelteich ausgeführt und untereinander verbunden, die verbindende Engstelle wird durch eine Brücke überspannt, sowie den Kleinen Stadtparkteich und den Restaurantteich. Sie wurden 1976 saniert.[11] Im Jahr 2018 wurde mit der Entschlammung und Sanierung der Teiche begonnen.

Der Goebenteich ist ein rund 2000 m² großes, durch Grundwasser gespeistes, natürliches Stillgewässer, das in einer Senke im westlichen Teil liegt.[12] Er wird unmittelbar von einem der Biodiversität dienenden naturbelassenen Bereich mit Staudensaum umschlossen, an den sich die Goebenwiese anschließt. Am Rande der Goebenwiese erinnert ein Gedenkstein () an die Gründung der Wandervogelbewegung durch Karl Fischer.

Weiterhin sind im Park folgende Skulpturen aufgestellt (ungefähre Lage):

Gedenkstein an Bürgermeister Karl Buhrow und Garteninspektor Rudolf Korte, nahe dem Brunnen
Mehrere, etwa 15 cm lange Dornen am Stamm eines Baumes
Detailaufnahme der dornenbewehrten Gleditschie im Park

Ein Findling () nahe dem Brunnen erinnert an Karl Buhrow (1863–1939), den langjährigen Bürgermeister der vormals selbständigen Landgemeinde Steglitz,[17] und den Garteninspektor Korte. Daneben befinden sich im Park zahlreiche Bäume anderer Vegetationszonen wie beispielsweise eine Gleditschie südlich des Stadtparkteichs.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Begegnung mit einem Mädchen, das seine Puppe im Park verloren hatte, soll der dort Anfang 1920er Jahre regelmäßig mit Dora Diamant spazierende Franz Kafka einen inzwischen verschollenen Briefroman verfasst haben, den er ihr bei Begegnungen in den Folgemonaten vorlas.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtpark Steglitz. In: Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam. Herausgegeben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Abteilung III/Gartendenkmalpflege. 5., überarbeitete Auflage. Nicolai, Berlin 1992, ISBN 3-87584-267-7, S. 104–106, 108.
  • Wolfgang Holtz, Christian Simon: Das Stadtparkviertel in Steglitz. Vom Birkbusch zum Park. Hrsg. von Wolfgang Becker-Brüser, Arzneimittelverlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-921687-35-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtpark Steglitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Schäfer: Berliner Parks: Das Geheimnis der verlorenen Puppe. In: Der Tagesspiegel, 8. Juli 2012, abgerufen am 29. April 2019.
  2. a b c d Jens-Peter Wilke: Ein Park fürs Volk – 100 Jahre Stadtpark Steglitz. In: Der Gemeindekirchenrat der Ev. Markus-Kirchengemeinde Berlin-Steglitz (Hrsg.): Markus-Zeitung, Ausgabe 3, Juni/Juli 2014, S. 6–7 (PDF).
  3. a b Marina Goertz: Grüne Oasen in Berlin. Freizeit & Erholung in Parks und Gärten. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1999, ISBN 3-87584-764-4, S. 103–104.
  4. a b Brunnen im Stadtpark Steglitz. Website der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, abgerufen am 29. April 2019.
  5. Laut historischen Karten im Landesarchiv Berlin wurde das Gelände westlich der Sedanstraße 1929 als Geplante Stadtparkerweiterung ausgewiesen, 1930 schließlich als Stadtpark Steglitz. Abgerufen bei HistoMapBerlin.de am 14. Mai 2019.
  6. 100 Jahre Stadtpark Steglitz. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Straßen- und Grünflächenamt, Fachbereich Grünflächen, abgerufen am 29. April 2019.
  7. Schäferei Albrechtstraße 47a in der Berliner Landesdenkmalliste, abgerufen am 30. April 2019.
  8. Karla Rabe: Stadtpark Steglitz erhält historische Ulmenallee zurück. In: Berliner Woche, 7. Oktober 2017, abgerufen am 29. April 2019.
  9. Karla Rabe: Stadtpark-Teiche werden saniert. In: Berliner Woche, 11. Januar 2018, abgerufen am 29. April 2019.
  10. Stadtpark Steglitz. Website der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, abgerufen am 29. April 2019.
  11. Die ungewisse Zukunft der Teiche im Stadtpark. (Memento vom 28. September 2013 im Internet Archive) Website des CDU-Ortsverbands Nikolassee, abgerufen am 5. Juni 2013.
  12. Auf historischen Karten im Landesarchiv Berlin bis 1947 nicht verzeichnet, in Karte von 1953 als Teich kartografiert. Abgerufen bei HistoMapBerlin.de am 14. Mai 2019.
  13. Rose-Maria Stiller: Zwei Seehunde. (Memento vom 29. September 2013 im Internet Archive) bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 21. Januar 2014.
  14. Richard Ohmann: Bacchus. (Memento vom 29. September 2013 im Internet Archive) bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 21. Januar 2014.
  15. Josef Limburg: Erwachendes Mädchen. (Memento vom 29. September 2013 im Internet Archive) bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 21. Januar 2014.
  16. Hildegard Leest: Begegnung. (Memento vom 29. September 2013 im Internet Archive) bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 21. Januar 2014.
  17. Buhrowstraße. In: Kauperts Straßenführer durch Berlin, abgerufen am 8. April 2019.
  18. Andreas Schäfer: Steglitzer Stadtpark. Das Geheimnis der verlorenen Puppe. In: Tagesspiegel Online. Verlag Der Tagesspiegel GmbH, 8. Juli 2012, abgerufen am 1. Juli 2019.

Koordinaten: 52° 26′ 54,1″ N, 13° 20′ 7,5″ O