Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Landsberg am Lech)

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Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Innenansicht
Restaurierungsarbeiten 2008

Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist eine Kirche am Georg-Hellmair-Platz in Landsberg am Lech.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wird an diesem Standort erstmals 1219 erwähnt. Während der Spätromanik wird sie als dreischiffige Basilika ausgebaut und um einen Chor erweitert. Der aus dieser Zeit stammende Taufstein ist erhalten geblieben.

Heutiger Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Grundstein legte Abt Leonhard von Wessobrunn im Jahre 1458. Die spätgotische Pfeilerbasilika entstand nach Plänen Matthäus Ensingers, der auch entscheidend zum Bau des Ulmer und der Vollendung des Straßburger Münsters beitrug. Das Mauerwerk besteht größtenteils aus Ziegelsteinen. Die Fassaden sind heute überwiegend geschlämmt, teilweise auch glatt verputzt. Ausgeführt wurde der Bau unter Leitung der Straßburger Baumeister Valentin Kindlin und Ulrich Kiffhaber. 1466 erfolgt die Weihe. Die geschnitzte Holzmadonna an der Nordseite des Chores, die um 1440 entstand, stammt wahrscheinlich vom Ulmer Hans Multscher.

Spätere Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert. Die barocke Kreuzwegkrippe, die Hochaltarfiguren und der Palmesel stammen aus dem Jahre 1671, sie wurden von Lorenz Luidl geschaffen. Um 1708 wurde die Kirche barock umgestaltet. Bedeutend sind neben zahlreichen Grabsteinen die Glasmalereien in der Apsis. Der Rosenkranzaltar an der nördlichen Wand des Chors von 1721 ist das Werk von Dominikus Zimmermann.

1979 erfolgte eine umfassende Innenrenovierung, bei der eine Elektro-Nachtspeicherheizung eingebaut wurde. Des Weiteren wurden die mittelalterlichen Glasmalereien im Chor von der Münchner Werkstätte Gustav van Treeck restauriert und mit einer Aussenschutzverglasung versehen.

Die Gesamtsanierung der Kirche wurde von 2007 bis 2010 durch den Münchener Architekten Christoph Maas durchgeführt. Im Rahmen dieser Sanierung wurde der Westgiebel statisch saniert, das Südportal teilweise unterfangen und das Dach gedämmt und neu eingedeckt. Die Dachstühle, die Stuckausstattung sowie die Gewölbe wurden saniert. Neben allgemeinen Reinigungsarbeiten im Gebäude und an Gemälden wurden insbesondere die Gemälde von Joseph Bernhard (1702) und Johann Jakob Pottmayr (1702) mit Ersatzstellen von Waldemar Kolmsperger (1903) gereinigt. Die Außenschutzverglasung der mittelalterlichen Glasmalereien im Chorraum von 1979 wurde erneuert, die circa 400 mittelalterlichen Glasmalereien im Chorraum und die circa 220 von der Mayerischen Hofkunst geschaffenen Glasmalereien konserviert und mit Schutzverglasungen ausgestattet.[1]

Die Steinrestaurierungen wurden von der Bamberger Firma Bauer-Bornemann, die Arbeiten an sämtlichen Glasmalereien des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts wurden von der Würzburger Firma Rothkegel Glas GmbH ausgeführt.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel

Die Stadtpfarrkirche weist eine abwechslungsreiche Orgel-Geschichte auf.[2] Das erste Instrument wurde von dem Orgelbauer David Jacob Weidtner (Augsburg) in den Jahren 1686–1689 erbaut. Von diesem Instrument ist heute noch der barocke Orgelprospekt aus dem Jahr 1688 mit Figuren von Lorenz Luidl vorhanden.

Das heutige Orgelwerk im historischen Prospekt geht zurück auf ein Instrument, das in den Jahren 1979–1983 von dem Orgelbauer Gerhard Schmid aus Kaufbeuren erbaut worden war. Dieses Instrument hatte 82 Register auf 5 Manualen und Pedal. Eine Besonderheit sind sicher die Windladen, die aus Mahagoni-Holz gefertigt wurden.

2003 wurde das Instrument von dem Orgelbauer Siegfried Schmid aus Knottenried bei Immenstadt umgebaut. Dabei wurde ein Großteil des vorhandenen Pfeifenmaterials wiederverwendet, die Gesamt-Disposition allerdings deutlich verringert. Deutliche Dispositions-Veränderungen erfuhren die beiden Seitenwerke (Positive). Neu gebaut wurde die gesamte Trakturen sowie der Spieltisch.[3] Das Schleifladen-Instrument verfügt seitdem über 60 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch. Von der Hauptorgel aus lässt sich auch die Chororgel anspielen, die 6 Manualregister und 2 Pedalregister hat.[4]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 16′
2. Octave 8′
3. Nachthornged. 8′
4. Gamba 8′
5. Octave 4′
6. Rohrflöte 4′
7. Spitzquinte 223
8. Octave 2′
9. Mixtur 113
10. Cornett V 8′
11. Trompete 16′
12. Trompete 8′
II Positiv (Süd) C–g3
13. Principal 8′
14. Rohrflöte 8′
15. Spitzflöte 4′
16. Sesquialter II 223
17. Octave 2′
18. Quinte 113
19. Scharff III 1′
20. Trompete 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
21. Bordun 16′
22. Geigenprinzipal 8′
23. Hohlflöte 8′
24. Salicional 8′
25. Voix céleste 8′
26. Principal 4′
27. Traversflöte 4′
28. Nasat 223
29. Octavin 2′
30. Terz 135
31. Plein jeu 2′
32. Voix humaine 8′
33. Basson 16′
34. Hautbois 8′
35. Trompette harmon. 8′
36. Clairon harmonique 4′
Tremulant
IV Positiv (Nord) C–g3
37. Gedeckt 8′
38. Quintade 8′
39. Principal 4′
40. Waldflöte 2′
41. Octave 1′
42. Cymbel III 12
43. Cromorne 8′
Tremulant

Bombardenwerk C–g3
44. Tuba mirabilis 8′
45. Chamade 16′
46. Chamade 8′
47. Chamade 4′
48. Flûte harmonique 8′
Pedal C–f1
49. Untersatz 32′
50. Principalbass 16′
51. Subbass 16′
52. Quintbass 1023
53. Octavbass 8′
54. Gedecktbass 8′
55. Choralbass 4′
56. Rauschbass 223
57. Bombarde 32′
58. Bombarde 16′
59. Trompete 8′
60. Trompete 4′
  • Koppeln
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, IV/I, IV/II, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppel: III/I
    • Bombarden: an I, an II, an III, an IV, an P
  • Nebenregister: Schellencymbel, Glockencymbel, Glockenspiel
  • Spielhilfen: 4000-fache elektronische Setzeranlage, Sequenzer, Crescendowalze

Die Chororgel hat 8 Register auf einem Manual und Pedal

I Hauptwerk C–g3
1. Coppel 8′
2. Salicional 8′
3. Prinzipal 4′
4. Flöte 4′
5. Oktave 2′
6. Mixtur III 113
Pedal C–f1
7. Subbass 16′
8. Flöte 4′

Mittelalterliche Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist das Gebäude als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[5] Die Beschreibung lautet:

„stattliche dreischiffige Pfeilerbasilika mit Polygonalchor, Langhausflankenturm und zwei Vorhallen im Nord- und Südwesten, nach Plänen Matthäus Ensingers unter Mitwirkung von Valentin Kindlin und Veit Maurer, 1458 bis 1488, Barockisierung 1680 bis 1710; mit Ausstattung“

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heide Weißhaar-Kiem: Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt Landsberg am Lech. 18. vorläufige Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-4011-4, (Kleine Kunstführer 88).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerische Staatszeitung vom 6. November 2009, Seite 17, „Sanierung der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg am Lech; Schutz für die Glasmalereien“
  2. Ausführlich zur Geschichte der Orgeln der Stadtpfarrkirche
  3. Ausführlich zur Reorganisation der Orgel
  4. Zur Disposition der Orgel
  5. Denkmalliste für Landsberg am Lech beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-1-81-130-76
  6. Denkmalliste für Landsberg am Lech beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mariä Himmelfahrt (Landsberg am Lech) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 3′ 3″ N, 10° 52′ 37″ O