Stadtresidenz Landshut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Außenansicht Stadtresidenz Landshut von Osten (2014), im Vordergrund die temporär ausgestellte Skulptur Tanz IV von Robert Schad
Innenhof, Blick zum Nord- und Westflügel des Italienischen Baus (2009)
Kassettendecke im Italienischen Saal (2010)

Die Stadtresidenz Landshut in ein Palastbau inmitten der Landshuter Altstadt, der unter Herzog Ludwig X. in den Jahren 1536 bis 1543 erbaut und von verschiedenen Adligen zu Wohnzwecken genutzt wurde. Sie gilt gemeinhin als früheste, sich auf italienische Vorbilder beziehende Werk der Renaissancearchitektur nördlich der Alpen. Vor allem der Palazzo del Te in Mantua wird als Vorbild für den Landshuter Palastbau angesehen. Nach jüngeren Forschungsergebnissen kann sie jedoch als ein Hauptwerk der Hochrenaissance angesehen und war als solches auch Vorbild für spätere Palastbauten in Italien. Besonders der berühtme oberitalienische Architekt Andrea Palladio scheint in seinem späteren Werk von dem Landshuter Bau stark beeinflusst worden zu sein.[1]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst errichtete der Augsburger Baumeister Bernhard Zwitzel in den Jahren 1536/37 den so genannten Deutschen Bau, der heute den Ostflügel der Residenz und damit auch deren Schaufassade zur Altstadt hin bildet. Etwa zur gleichen Zeit fand Herzog Ludwig X. bei einem Italienbesuch großen Gefallen an dem Palazzo del Te in Mantua und engagierte dessen berühmten Architekten Giulio Romano für eine Erweiterung seiner Stadtresidenz. Dieser errichtete ab 1537 zur Rückseite, also zur Ländgasse hin den so genannten Italienischen Bau, einen typisch italienischen Renaissance-Palazzo. Dieser besteht aus Nord-, West- und Südtrakt und umschließt daher gemeinsam mit dem viergeschossigen Deutschen Bau einen rund 27 × 20 Meter großen Innenhof. Während der Bauzeit war Romano mindestens einmal, nämlich im Jahr 1539, in Landshut anwesend, um die Umsetzung seines Entwurfs durch die Handwerker zu begutachten und sein Gestaltungskonzept daraufhin leicht zu modifizieren.[2][3]

Die drei Flügel des Italienischen Baus sind zum Innenhof hin mit rustizierten Arkaden versehen. Diese werden von Säulen mit kreisrundem Querschnitt getragen. Hiermit weicht Romano eklatant von dem Antike her motivierten Architekturverständnis seiner Zeit ab; dieses sähe unter rustizierten Bögen quadratische Pfeiler mit einem Architrav vor. Die von Romano gefunde Lösung taucht zum ersten Mal in Landshut auf und findet anschließend in Italien große Verbreitung – ein Beleg dafür, dass die Landshuter Stadtresidenz auch international als Schlüsselwerk der Hochrenaissance angesehen werden darf. Ein weiteres Stilelement, das Romano erstmals in Landshut benutzte, ist die achteckige Kassettierung im Durchgang vom Innenhof zur rückwärtigen Ländgasse. Diese ist perspektisch so verzogen, dass sie dem Betrachter von unten richtig erscheint. Bei dem beinahe identischen Eingangsgewölbe des Palazzo del Te hatte der Baumeister die Verzerrung der Kassettenformen noch hingenommen. Der von außen nicht zu erahnende Innenhof, der bei dem langgestreckten Grundstück der Landshuter Residenz für ausreichende Beleuchtung und Belüftung der Räume sorgt, sowie die zur Erbauungszeit einzigartige symmetrische Treppenanordnung in der Eingangshalle des Deutschen Baus wurden beispielsweise von Andrea Palladio bei der Konzeption des Palazzo Porto in Vicenza aufgegriffen.[1][3]

Die Prunkräume der Stadtresidenz mit reichen Stuckarbeiten und Freskomalereien sind heute eine Touristenattraktion der Stadt. Während die Stuckarbeiten von Italienern besorgt wurden stammen die Gemälde zu biblischen, mythologischen und historischen Themen von Künstlern wie Hermanus Posthumus, Hans Bocksberger d. Ä. und Ludwig Refinger.[4]

Die Schaufassade zur Altstadt hin wurde klassizistisch umgestaltet, als Pfalzgraf Wilhelm von Birkenfeld-Gelnhausen hier von 1780 bis 1799 residierte. Aus dieser Zeit stammen auch die nach ihm sogenannten Birkenfeld-Zimmer im Deutschen Bau. Da Kronprinz Ludwig während seines Studiums in Landshut hier lebte, erhielten im Jahre 1803 einige Räume heute selten gewordene, frühe Wandtapeten. Diese aus Frankreich stammenden Tapeten wurden der Innenrenovierung in den Jahren 1993 bis 2003 wieder freigelegt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Langer (Hrsg.): "Ewig blühe Bayerns Land". Herzog Ludwig X. und die Renaissance. Begleitbuch zur Ausstellung in der Stadtresidenz Landshut 28. Mai bis 27. September 2009. Regensburg 2009.
  • Helmut Kronthaler: Die Ausstattung der Landshuter Stadtresidenz unter Herzog Ludwig X. (1536–1543). (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München 21). München 1987.
  • Gerhard Hojer (Hrsg.): Der Italienische Bau. Materialien und Untersuchungen zur Stadtresidenz Landshut. Landshut-Ergolding 1994.
  • Iris Lauterbach; Endemann Klaus; Christoph Luitpold Frommel (Hrsg.): Die Landshuter Stadtresidenz. Architektur und Ausstattung (= Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte XIV). München 1998.
  • Heike Werner, Matthias Wallner: Architektur und Geschichte in Deutschland. Edition Werner, München 2006, ISBN 3-9809471-1-4, S. 64–65.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtresidenz Landshut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Klaus Endemann: Giulio Romano und Andrea Palladio. Die Landshuter Residenz Herzog Ludwigs X. und ihre Rezeption in den frühen Palastkonzepten Palladios. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Ausgabe 1/2017, S. 35–82. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin.
  2. Howard Burns: Giulio Romano and the Palazzo Thiene, Vicenza. In: Guido Beltramini, Howard Burns (Hrsg.): Palladio, Royal Academy of Arts, London 2008, ISBN 978-1-905711-24-6, S. 42.
  3. a b Landshuter Zeitung vom 21. Oktober 2017: , S. 28.
  4. a b Stadtresidenz Landshut – Informationen für Besucher. Online auf www.burg-trausnitz.de; abgerufen am 6. November 2017.

Koordinaten: 48° 32′ 10,4″ N, 12° 9′ 3,2″ O