Stadtwerke Flensburg

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Koordinaten: 54° 48′ 18″ N, 9° 25′ 48″ O

Stadtwerke Flensburg GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1854
Sitz Flensburg, Deutschland

Leitung

  • Maik Render (Geschäftsführer)
  • Rolf Helgert (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 627 (2015)
Umsatz 380 Mio. € (2015)
Branche Energie
Website www.stadtwerke-flensburg.de
Altes Logo bis 2014

Die Stadtwerke Flensburg sind ein Versorgungsunternehmen der Stadt Flensburg mit Sitz am Flensburger Hafen. Das Unternehmen ist in Flensburg in den Geschäftsbereichen Elektrizitäts-, Fernwärme-, Wasser- und Industriegasversorgung sowie Telekommunikation (Breitband) aktiv. 1999 stiegen die Stadtwerke Flensburg im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland in die deutschlandweite Elektrizitätsversorgung ein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854 begann die Gasversorgung in Flensburg, wobei zuerst Kohlengas aus dem Gaswerk in der Gasstraße erzeugt wurde, ab 1910 in dem Gaswerk in der Batteriestraße. Im Jahr 1963 erfolgte die Umstellung auf Butangaserzeugung. 1982 wurde die alte Stadtgasversorgung stillgelegt. Eine Erdgasversorgung für einzelne Industriekunden gibt es erst seit 1988.

Mit der zentralen Wasserversorgung in Flensburg wurde 1881 begonnen. In den Jahren 1894–1913 erfolgte die Inbetriebnahme des Wasserwerks Ostseebad, welches ab 1970 durch das zweite Wasserwerk Süd ergänzt wurde.

Stadtwerke Flensburg (Eingangsbereich)

1894 begann die Elektrizitätsversorgung in Flensburg mit dem Gleichstrom-Elektrizitätswerk in der Karlstraße. Im Jahr 1913 wurde das heutige Kraftwerk am Strandweg in Betrieb genommen. Seit 1928 arbeitete das Flensburger Kraftwerk mit dem Kraftwerk in Apenrade in Dänemark in der Elektrizitätsversorgung zusammen. Aufgrund der Liberalisierung des Strommarktes und der Beendigung der Stromproduktion in Apenrade ist die Zusammenarbeit seit einigen Jahren beendet. In der Zeit von 1969 bis 1971 erfolgte eine Umrüstung des Flensburger Kraftwerks zu einem Heizkraftwerk. Während der Umbauzeit haben die Stadtwerke die Versorgung Flensburgs mit Fernwärme über provisorische mobile Heizzentralen in Flensburger Stadtteilen sichergestellt. In den Folgejahren wurde das Fernwärmenetz weiter ausgebaut. Seit 1983 erfolgt eine grenzüberschreitende Fernwärme-Versorgung in das grenznahe Padborg in Dänemark. Etwa 98 % aller Flensburger werden mit der aus Kraft-Wärme-Kopplung stammenden Fernwärme vom Heizkraftwerk Flensburg versorgt.

Gelände der Stadtwerke Flensburg
Die Stadtwerke in Flensburg gesehen vom Ostufer des Hafens.

Inzwischen werden neben dem Hauptbrennstoff Steinkohle auch Sekundärbrennstoffe und in geringen Mengen Holzhackschnitzel als Brennstoffe eingesetzt, wobei der Anteil der Ersatzbrennstoff max. 25 % betragen kann. Da etwa die Hälfte der Sekundärbrennstoffe sowie die Holzhackschnitzel als regenerative Energieträger gelten, werden dadurch je nach Einsatzmenge zwischen 30.000 und 40.000 t CO2 pro Jahr eingespart. Im Rahmen des Projektes greenco2ncept wollen die Stadtwerke Flensburg bis zum Jahr 2050 CO2-neutral werden. Dafür müssen Teile des Heizkraftwerkes umgebaut werden.[1]

Im Januar 2013 hat das Unternehmen am Standort Batteriestraße einen Elektroden-Heißwasserkessel mit 30 MW thermischer Leistung in Betrieb genommen.[2] Dabei handelt es sich um einen mit elektrischer Energie betriebenen Heizkessel. Wenn viel Strom am Markt vorhanden ist z.B. wenn viel Wind weht und/oder die Sonne scheint und viel regenerativer Strom ins Netz eingespeist wird, ist der Strom günstig. Diesen Strom nehmen die Stadtwerke ab, um damit über den Elektrodenheizkessel ihr Fernwärmewasser zu erhitzen. Dieses Wasser wird in einem 29 Millionen Liter großen Wärmespeicher „zwischengelagert“ und dann zur Flensburger Fernwärmeversorgung eingesetzt, wenn es benötigt wird. Dieses Verfahren wird als Power-to-Heat bezeichnet und entlastet die Stromnetze, wenn es notwendig ist.

Derzeit müssen in einigen Teilen Deutschlands, darunter insbesondere Nord-Schleswig-Holstein, während Sturmphasen Windkraftanlagen in ihrer Leistung gedrosselt oder vom Netz genommen werden, da die Kapazitäten des Stromnetzes nicht ausreichen. Deshalb konnten z. B. 2010 insgesamt ca. 150 GWh elektrischer Energie nicht eingespeist werden[3], was etwa 0,4 % der Gesamtwindstromeinspeisung dieses Jahres (ca. 37,8 TWh) entspricht. Da in solchen Phasen der Strompreis an der Börse durch den Merit-Order-Effekt auf sehr niedriges Niveau fällt und gelegentlich sogar negativ wird, wird es wirtschaftlich, den Strom zu Heizzwecken einzusetzen.[4] Darüber hinaus soll sich mit dem „Verheizen“ des Stromes die Zwangsabschaltung von Windkraftanlagen reduzieren lassen, wodurch diese mehr Strom erzeugen können, während zugleich ein positiver Beitrag zur Netzstabilität erreicht wird. Ebenfalls wird der Primärenergiebedarf der konventionell betriebenen Heizkessel reduziert. Die Investitionskosten betrugen 2 Mio. Euro.

Von 2011 – 2015 haben die Stadtwerke Flensburg für rund 128 Millionen Euro ihr Heizkraftwerk modernisiert. Es war die größte Einzelinvestition der Stadtwerke Flensburg seit mehr als 25 Jahren. Im April 2016 wurde eine hochmoderne Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) in Betrieb genommen, die zwei alte Kohlekessel ersetzt. Die GuD-Anlage hat eine Leistung von rund 75 Megawatt (MW) thermisch und rund 75 MW elektrisch. Ihr Gesamtwirkungsgrad von 92 Prozent liegt rund zehn Prozent über dem alten Gesamtwirkungsgrad des Heizkraftwerks. Mit dem Ersatz von Kohle durch Erdgas reduzieren die Stadtwerke Flensburg bei gleicher Energieproduktionsmenge den CO2-Ausstoß um rund 40 Prozent und gewinnen zusätzliche Variabilität in der Produktion des in umweltschonender Kraft-Wärme Kopplung erzeugten Stroms. Durch die Flexibilität der neuen Anlage wird die begrenzte Steuerbarkeit der erneuerbaren Energieträger kompensiert und kurzfristig immer dann Strom geliefert, wenn nicht genügend Strom aus den „Erneuerbaren“ am Markt vorhanden ist.

Beteiligungen und Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke Flensburg haben ihr Beteiligungsgeschäft komplett neu aufgebaut und betreiben vorrangig Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge wie die Aktiv Bus GmbH (ÖPNV), den Flensburger Hafen, den Flugplatz Flensburg-Schäferhaus und ein Abfallwirtschaftszentrum sind. Die Stadtwerke sind Betreiber des Flensburger Campusbades. Darüber hinaus halten sie einen 6%igen Anteil an dem kommunalen Off-shore Windpark Borkum, der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt.[5]

Alleiniger Gesellschafter des Unternehmens ist die Stadt Flensburg.[6]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke Flensburg bieten deutschlandweit Strom für Privat- und Geschäftskunden an. Für die lokale Region um Flensburg bieten die Stadtwerke Trinkwasser, Fernwärme und Telekommunikation an.

Das Angebot Flensburg eXtra öko bietet Ökostrom aus 100 % Wasserkraft und ist vom TÜV-Nord mit dem Umweltschutz-Zertifikat deklariert.[7] und mit dem ok-Power-Label signiert.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtwerke Flensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. greenco2ncept. Website der Stadtwerke Flensburg. Abgerufen am 28. Januar 2012.
  2. Elektrodenheizkessel – Stadtwerke Flensburg nehmen Stromheizung in Betrieb. Website der Stadtwerke Flensburg. Abgerufen am 21. Februar 2013.
  3. Anlagen werden immer öfter abgeschaltet. In: Sonne Wind und Wärme, 2. November 2011. Abgerufen am 28. Januar 2012.
  4. Stadtwerke heizen bald mit Gratis-Strom. In: Flensburger Tageblatt, 28. Januar 2012. Abgerufen am 07. März 2017.
  5. Töchter & Beteiligungen, Stadtwerke Flensburg, abgerufen am 18. April 2013.
  6. https://www.stadtwerke-flensburg.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/geschaeftsbericht-swfl-2013_01.pdf
  7. a b [1], Stadtwerke Flensburg, abgerufen am 7. November 2013.