Stadtwerke Stuttgart

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Stadtwerke Stuttgart

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Rechtsform GmbH
Gründung 2011
Sitz Stuttgart,DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Olaf Kieser, Martin Rau (Geschäftsführer)
Branche Strom- und Gasversorgung
Website www.stadtwerke-stuttgart.de

Die Stadtwerke Stuttgart GmbH ist ein 2011 gegründeter kommunaler Strom- und Gasversorger, der zu 100 Prozent der Landeshauptstadt Stuttgart gehört. Seit der Liberalisierung des Energiemarkts 1998 war die Gründung der Stadtwerke Stuttgart die zweite Gründung eines Stadtwerks in einer deutschen Großstadt.[1] Die

Die Stadtwerke Stuttgart setzen ausschließlich auf Erneuerbare Energien, verzichten vollständig auf Kern- und Kohlekraft für die Stromerzeugung und vermeiden klimaschädliche CO2-Emissionen.[2] Seit Februar 2013 bieten die Stadtwerke Stuttgart Ökostrom und Gas für Privat- und Geschäftskunden an.[3] Auch erzeugen die Stadtwerke Stuttgart selbst Ökostrom aus eigenen Wind- und Photovoltaik-Anlagen. Zudem bietet das Unternehmen Lösungen zur ökologischen Strom- und Wärmeerzeugung und zur Steigerung der Energieeffizienz. Im August 2019 zählten die Stadtwerke Stuttgart mehr als 27.000 Kunden.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 1996 gab es mit der Technische Werke der Stadt Stuttgart (TWS) ein kommunales Versorgungsunternehmen in Stuttgart.[1] Es war zuständig für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Die TWS wurden 1997 mit der Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs-AG (NW) in Esslingen am Neckar zusammengeschlossen.[5] Nach dieser Fusion zur Neckarwerke Stuttgart (NWS) ging das Unternehmen im Oktober 2003 in der EnBW Energie Baden-Württemberg (EnBW) auf.[1] Im Jahr 2002 verkaufte die Landeshauptstadt Stuttgart ihre Anteile an den Neckarwerken Stuttgart – und damit ihre Versorgungsnetze für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme – an die EnBW.[6][7] Der Gemeinderat fasste den Beschluss über das größte Geschäft in der Geschichte der Landeshauptstadt einstimmig.[6] Der Verkaufserlös in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro wurde angelegt.[5] Die Konzessionsverträge liefen bis zum 31. Dezember 2013.[8]

Gründung der Stadtwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart beschloss am 26. Mai 2011 die neuerliche Gründung eines eigenen städtischen Energieunternehmens.[8] Dessen Geschäftsfelder sollten unter anderem bestehen aus

  • den Netzen der allgemeinen Versorgung für Strom und Gas,[9]
  • dem Vertrieb von Ökostrom und Erdgas,[9]
  • der Ökoenergieerzeugung[9] und
  • weiteren Energiedienstleistungen.[9]

Die Stadtwerke sollten Ökostrom und Erdgas liefern, eventuell in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern; daneben war für die Wasserversorgung ein kommunaler Eigenbetrieb vorgesehen.[8] Bereits ab 2012 waren städtische Investitionen in die Erzeugung von Ökostrom vorgesehen.[8]

Der Gesellschaftsvertrag der Stadtwerke Stuttgart GmbH wurde am 8. August 2011 geschlossen, die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 6. September 2011.[10]

Die Landeshauptstadt Stuttgart ist mittelbar hundertprozentiger Eigentümer des Unternehmens.[11] Das Stammkapital beträgt fünf Millionen Euro und wird vollständig von der Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH gestellt.[10][12] Die Stuttgarter Stadtwerke sind über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Unternehmen verbunden.[13] Dem Aufsichtsrat gehören heute Oberbürgermeister Fritz Kuhn, die Bürgermeister Thomas Fuhrmann, Peter Pätzold und Dirk Thürnau sowie elf Stadträte und vier nicht stimmberechtigte Gäste an.[14]

Im Februar 2012 wurden die Elektrizitätswerke Schönau als Partner für die Versorgung mit Ökostrom und Gas gewonnen und die Gründung einer gemeinsamen Tochtergesellschaft– der Stadtwerke Stuttgart Vertriebsgesellschaft mbH[15] – beschlossen.[16] Die EWS Schönau ist mit 40 Prozent an der SWSV beteiligt. Die strengen Kriterien an dem Stadtwerke-Ökostrom wurden gemeinsam mit den EWS Schönau festgelegt: Der Strom wird ausschließlich aus erneuerbaren Quellen in maximal sechs Jahre alten Anlagen produziert.[1] Damit wird die Energiewende gefördert und Anreize für den Bau neuer Kraftwerke gesetzt, die Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen liefern. Bei der Erzeugung des Ökostroms entstehen keine klimaschädlichen CO2-Emissionen. Darüber hinaus arbeiten die Stadtwerke Stuttgart ausschließlich mit Energieerzeugern zusammen, die keinerlei wirtschaftliche Beziehungen zu Atomkraftwerksbetreibern unterhalten. Die Qualität des angebotenen Ökostroms wird vom TÜV Nord regelmäßig überprüft und zertifiziert. 2019 hat Focus Money die Stadtwerke Stuttgart mit dem Siegel „Bester Stromanbieter für Stuttgart“ ausgezeichnet. Die Stadtwerke Stuttgart Vertriebsgesellschaft mbH wird von Martin Rau und Michael Sladek geführt.[3]

Vergabe des Strom- und Gasnetzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2012 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, das über 5.000 km lange Stromnetz und mehr als 1.700 lange Gasnetz zu rekommunalisieren.[17] Bis Ende 2013 hielt die EnBW die Nutzungsrechte und zahlte dafür eine jährliche Gebühr von 50 Millionen Euro an die Stadt.[17]

Beim darauf folgenden Vergabeverfahren gingen für die Konzession des Gas- und Stromnetzes vier Gebote ein.[18] Am 13. März 2014 empfahl der Stuttgarter Gemeinderat – rückwirkend zum 1. Januar 2014[19] – eine über 20 Jahre laufende Konzession für den Betrieb des Strom- und Gasnetzes an eine Kooperation der Stadtwerke Stuttgart und der EnBW-Tochter Netze BW.[20] Das Kooperationsmodell hatte den Angaben zufolge sowohl für das Strom- als auch für das Gasnetz die höchste Punktzahl erhalten. An zweiter und dritter Stelle standen die Stadtwerke Stuttgart und die Netze BW als Alleinbewerber.[21] Mitte April 2014 beantragten die Elektrizitätswerke Schönau als unterlegener Mitbewerber ein Missbrauchsverfahren beim Bundeskartellamt. Das Vergabeverfahren sei aus einer Reihe von Gründen „grundsätzlich fehlerhaft“ gewesen.[19] Die Behörde wies am 1. Juli 2014 die Beschwerde als unbegründet zurück und machte damit den Weg für die Gründung des Konsortiums frei.[20]

Am 16. Oktober 2014 stimmte der Stuttgarter Gemeinderat mehrheitlich für die Kooperation.[22] Die entsprechenden Verträge wurden am 24. Oktober 2014 von Oberbürgermeister Fritz Kuhn, dem damaligen Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Maxelon und Harald Hauser, Leiter des Regionalzentrums der Netze BW GmbH, unterschrieben.[23] Das Konsortium wurde im Herbst 2014 mit Rückwirkung zum 1. Januar 2014 ins Handelsregister eingetragen.

Das Kooperationsmodell sah für eine Zeit des Übergangs die Gründung von zwei gemeinsamen Netzgesellschaften vor: An der neu gegründeten Netzeigentumsgesellschaft halten die Stadtwerke 74,9 Prozent der Anteile, die übrigen 25,1 Prozent die Netze BW. An der Netzbetriebsgesellschaft waren die Eigentumsverhältnisse zunächst genau umgekehrt.[21] Nach einer fünfjährigen Übergangszeit sollten 2019 beide Gesellschaften zu einer großen Netzgesellschaft mit dem Namen Stuttgart Netze GmbH verschmelzen. An dieser großen Gesellschaft sollten die Stadtwerke Stuttgart fortan die Mehrheit von 74,9 Prozent halten.[24]

Strittig ist zwischen den beiden Partnern indes, ob die Hochspannungs- und Hochdruckleitungen auf der Gemarkung Stuttgart ebenfalls unter die Konzessionsvergabe fallen. Aus diesem Grund reichte die Stuttgart Netze GmbH am 1. Dezember 2015 vor dem Landgericht Stuttgart Klage auf Herausgabe des Strom-Hochspannungs- und Gas-Hochdrucknetzes ein.[25] Das Landgericht Stuttgart und das Oberlandesgericht Stuttgart haben eine Herausgabepflicht an die Stuttgart Netze in erster und zweiter Instanz bejaht.[26][27] Für Herbst 2019 wird das letztinstanzliche Urteil des Bundesgerichtshofs erwartet. Die Klage bleibt im Einvernehmen der Vertragspartner ohne Einfluss auf die weitere Kooperation der beiden Unternehmen bei der Stuttgart Netze.

So betreibt seit dem 1. Januar 2016 die gemeinsame Netzbetriebsgesellschaft das Stuttgarter Stromnetz. Die Stuttgart Netze Betrieb GmbH mit Sitz in der Stöckachstraße 48 in Stuttgart-Ost wird von Dr. Arvid Blume und Harald Hauser geleitet. Der dritte Geschäftsführer Klaus Brändle schied vereinbarungsgemäß zum Jahresende 2018 aus der Geschäftsführung aus. Die Stuttgart Netze ist für die sichere Verteilung des Stroms an die rund 380.000 Stuttgarter Haushalte zuständig. Die etwa 220 Mitarbeiter betreiben das 5.400 Kilometer lange Stromnetz der Mittel- und Niederspannung und halten Leitungen, Netzstationen und Umspannwerke auf dem neuesten technischen Stand. Außerdem erweitert und verstärkt die Stuttgart Netze das Netz, wenn zum Beispiel Ladestationen für Elektrofahrzeuge benötigt werden, Bürger Solaranlagen installieren oder neue Wohngebiete entstehen.[28]

Das Stuttgarter Gasnetz wird bisher noch von der Netze BW betrieben. Aufgrund des anhängigen Rechtsstreits wurde die aufwendige Entflechtung des Hochdruck-Gasnetzes auf die Zeit nach der gerichtlichen Klärung verschoben, um eine unnötige doppelte Entflechtung zu vermeiden. Nach der Entflechtung geht der Betrieb des Gasnetzes ebenfalls auf die Stuttgart Netze GmbH über.

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökostrom und Erdgas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Erdgeschoss des Tagblatt-Turms (Abbildung) betreiben die Stadtwerke seit 2013 ein Kundenzentrum.

Am 2. Februar 2013 begannen die Stadtwerke Stuttgart den Vertrieb von Ökostrom und Gas unter der Marke stuttgartEnergie.[1][29] Am gleichen Tag wurde ein Kundenzentrum im[30] historischen Tagblatt-Turm eröffnet.[3] Bei der Eröffnung sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn, mit den Stadtwerken werde „das Zeitalter einer erneuerbaren und bürgernahen Energieversorgung“ eingeläutet.[31] Für die Sparte Strom wurden die Stadtwerke Stuttgart 2014 und 2015 vom Energieverbraucherportal als Top-Lokalversorger ausgezeichnet.[32] Im Frühjahr 2018  verlieh Focus Money auf Grundlage einer Verbraucherumfrage den Stadtwerken Stuttgart das Siegel „Bester Stromversorger in Stuttgart“.[31]

Das Unternehmen zählte im Juni 2019 mehr als 27.000 Kunden.[4]

Einer der prominenten Ökostrom-Kunden ist der Stuttgarter Fernsehturm.[33] Aus der Energiepartnerschaft mit der SWR Media Services GmbH entstand das bekannte Kampagnen-Motiv „Fernsehturm liebt Ökostrom“, welches bis heute im Einsatz ist.  

Kampagnenmotiv Fernsehturm liebt Ökostrom

Neben dem Fernsehturm Stuttgart setzen zahlreiche weitere bekannte  Stuttgarter Institutionen auf die Belieferung mit Ökostrom der Stadtwerke Stuttgart, darunter die Stuttgarter Kickers, die Mercedes-Benz Arena, die Hanns-Martin-Schleyer-Halle, das Wizemann, das Theaterhaus Stuttgart, die Rosenau, Wilhelmer Gastronomie und diverse Stuttgarter Großveranstaltungen wie der Stuttgarter Weihnachtsmarkt oder das Weindorf. Auch die meisten großen Liegenschaften der Landeshauptstadt Stuttgart werden seit 2018 mit Stadtwerke-Ökostrom beliefert.[34]

Blau-Weißer Strom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke Stuttgart sind seit 1. Juli 2016 Energiepartner des Fußballvereins SV Stuttgarter Kickers. Die Stadtwerke beliefern die Geschäftsstelle, den Fanshop, den Kabinentrakt, das Jugendhaus sowie die Flutlichtanlage der Stuttgarter Kickers mit regenerativem Strom bzw. Erdgas. Damit vermeiden die Kickers künftig jährlich 38 Tonnen klimaschädliche CO2-Emissionen gegenüber einer konventionellen Stromerzeugung.

Energieerzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen verfolgt das Ziel, rechnerisch den Strom für alle 303.000[35] Haushaltsstromkunden in Stuttgart vollständig aus erneuerbaren Energiequellen liefern zu können.[36] Die dafür benötigte Strommenge beträgt rund 850 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.[35] Zur Erreichung des Ziels investieren die Stadtwerke Stuttgart in Erzeugungsanlagen.[36]

Mit seinen Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen kann das Unternehmen aktuell (Stand August 2019) rechnerisch mehr als 72.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen.[4]

Windenergie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke haben in Onshore-Windkraftanlagen an sechs Standorten in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen investiert.[36] Dort betreiben sie acht Windparks mit insgesamt 31 Windenergieanlagen.[37]

Bislang wurden folgende Projekte realisiert:

  • 2013 kauften die Stadtwerke acht Windkraftanlagen in Everswinkel (Nordrhein-Westfalen). Deren Nennleistung beträgt 16 Megawatt und soll die Versorgung von etwa 10.000 durchschnittlichen Haushalten ermöglichen.[38]
  • 2013 ging in Alpirsbach die erste Windkraftanlage der Stadtwerke Stuttgart in Baden-Württemberg ans Netz. An der 2,3-Megawatt-Anlage erwarben die Stadtwerke einen Anteil von 40 Prozent. Das Besondere an diesem Repowering-Projekt ist, dass die neue Anlage zehn Mal mehr Ökostrom produzieren kann als die alte.[39][40]
  • 2014 nahmen die Stadtwerke fünf Windräder in Schwanfeld in Bayern mit einer Nennleistung von je 2,4 Megawatt in Betrieb.[36]
  • Seit 2014 besitzen die Stadtwerke zudem einen Windpark im hessischen Bad Hersfeld mit einer Gesamtleistung von 15 Megawatt.[37]
  • Im bayrischen Dinkelsbühl stehen seit 2015 vier Windenergieanlagen der Stadtwerke Stuttgart. Mit einer Nennleistung von 3,3 Megawatt pro Anlage können sie mehr als 12.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen.[41]
  • 2015 erwarben die Stadtwerke Stuttgart darüber hinaus die beiden Windparks Lieskau I und II in Brandenburg. Die beiden Windparks im Landkreis Spree-Neiße können über 20.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen und damit 41.000 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr einsparen.[42]
Windrad der Stadtwerke Stuttgart in der Gemeinde Schwanfeld.

Darüber hinaus entwickeln die Stadtwerke weitere Windprojekte in Eigenregie aber auch in Zusammenarbeit mit Partnern:

  • Gemeinsam mit den Stadtwerken Heidenheim und der Windenergie Baden-Württemberg GmbH entwickeln die Stadtwerke Stuttgart seit 2013 einen Windpark im Staatsforst Welzheimer Wald im Rems-Murr-Kreis.[35] Im November 2017 übernahm die EnBW das Projekt.
  • In Stuttgart prüften und entwickelten die Stadtwerke ab 2012 den potentiellen Windenergie-Standort im Tauschwald. Der diskutierte Standort liegt auf einem Höhenzug (bis zu 430 Meter ü. NN) in einem Waldgebiet zwischen den Stadtbezirken Feuerbach, Weilimdorf und Botnang. Der Tauschwald war der einzige Standort auf Stuttgarter Gemarkung, der realistisch für neue Windenergieanlagen in Frage kam. Möglich wären zwei Anlagen gewesen, die jährlich Ökostrom für rund 5.000 Haushalte liefern. Eine einjährige Windmessung (Start: September 2013) zeigte, dass ein wirtschaftlicher Betrieb von zwei Windenergieanlagen mit jeweils 3,3 Megawatt Leistung möglich ist. Im Mai 2015 beauftragte der Stuttgarter Gemeinderat die Stadtwerke, den Standort bis zur Genehmigungsreife weiterzuentwickeln. Im September 2015 wurde der Windenergie-Standort Tauschwald von der Regionalversammlung des Verbandes Region Stuttgart – anders als im Entwurf der Planung der Windvorranggebiete angegeben – nicht als Windvorranggebiet ausgewiesen. Am 20. Oktober 2015 beschlossen der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der Stadtwerke Stuttgart, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Für die Umsetzung der urbanen Energiewende in der Landeshauptstadt bedeutet dies, dass die jährlich veranschlagten 14 Millionen Kilowattstunden Ökostrom der beiden geplanten Windenergieanlagen am Standort „Tauschwald“ durch andere Erneuerbaren Energien ersetzt werden müssen.[43][44][45][46]

Urbane Energiesysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solarenergie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Stuttgart sind rund 75 Prozent aller Dachflächen für Photovoltaikanlagen sehr gut oder gut geeignet. Allein unter den Ein- und Zweifamilienhäusern sind rund 30.000 Gebäude für Photovoltaik prädestiniert.[47]

Die Stadtwerke unterstützen Stuttgarter Bürger und Unternehmen bei der Realisierung ihrer Photovoltaikanlage. Seit 2012 haben sie in der Landeshauptstadt knapp 250 Photovoltaik-Anlagen mit einer Nennleistung von über 2.040 Kilowatt-Peak (kWp) realisiert (Stand: August 2019).[48]

Die größten Photovoltaik-Anlagen der Stadtwerke befinden sich unter anderem auf dem Dach des Großmarkts in Wangen, des Nachwuchsleistungszentrums des VfB Stuttgart, der Jugendhäuser Mitte und Bad Cannstatt oder des Handwerkbetriebs Kiess Innenausbau.[49][50][51]

Bei Photovoltaik können Gewerbe- und Privatkunden zwischen Kauf- und Pachtlösung wählen.[52] Dabei liefern die Stadtwerke die komplette Planung und Realisierung der Anlage. Die Installation übernimmt ein örtlicher Fachhandwerker.[52]

Wärmeerzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke beraten Kunden auch zum Einsatz innovativer Wärmelösungen, etwa Solarthermie. Die Leistungen umfassen Planung, Finanzierung, Errichtung und dem langfristigen Betrieb von Heizungsanlagen für Bestands- und Neubauten ab einer gewissen Größe.[53]

Elektromobilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stella-Sharing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kampagnenmotiv stella-sharing.

Die Stadtwerke Stuttgart bieten als erster Energieversorger in Deutschland die Vermietung von Elektrorollern an. Die Nutzung von stella-sharing läuft fast vollständig digital – von der Anmeldung, über das Fahren bis hin zur Abrechnung. Lokalisierung und Anmietung der E-Roller erfolgt über die App. Aktuell stehen 200 E-Roller stationsunabhängig in einem Geschäftsgebiet von 48 Quadratkilometern bereit (Innenstadtbezirke, Botnang, Degerloch, Feuerbach, Sillenbuch, Teile von Cannstatt und die Universitätsstandorte Vaihingen und Hohenheim).[54][55] Gefahren werden können die stella-E-Roller aber auch außerhalb dieses Gebiets. Wo der nächste E-Roller steht, zeigt die App an.[56]

Für die Stadtwerke Stuttgart ist Elektromobilität ein wichtiger Baustein der Energiewende in Stuttgart. stella-sharing ergänzt die bestehenden Mobilitätslösungen in der Landeshauptstadt und hilft, die Verkehrsbelastung und Luftverschmutzung zu reduzieren. Elektromobilität ist nur unter Verwendung Erneuerbarer Energien sinnvoll.[57][58] Deshalb werden die stella-E-Roller nur mit 100-prozentigem Ökostrom der Stadtwerke geladen.[56] Auch die Elektrofahrzeuge, die zum Wechsel der Akkus der E-Roller eingesetzt werden, sind mit 100 Prozent Ökostrom der Stadtwerke unterwegs.

Die stella-E-Roller stammen vom niedersächsischen Hersteller Emco und fahren maximal 45 km/h.[59] Die Reichweite der Akkus beträgt ca. 100 Kilometer.[60][61] stella-sharing kann ab dem 18. Lebensjahr (inklusive ein Jahr Fahrpraxis) bei Besitz eines regulären Motorrad- oder Autoführerschein genutzt werden.[62] Seit dem Projektstart im August 2016 haben sich mehr als 15.000 Nutzer für das Angebot registriert (Stand: August 2019).[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Bernward Janzing: Stuttgart startet Stadtwerke, Stromrebellen mit im Boot. In: Die Tageszeitung. 4. Februar 2013, S. 8 (taz.de).
  2. Saubere Energie für Stuttgart. Abgerufen am 22. August 2019.
  3. a b c Wolfgang Schulz-Braunschmidt: „Stuttgart Energie“ steht in den Startlöchern. In: Stuttgarter Zeitung. 29. Januar 2013, S. 1 (unter anderem Titel stuttgarter-zeitung.de).
  4. a b c d Ökostrom und Erdgas für alle Stuttgarter. Abgerufen am 22. August 2019.
  5. a b Laura Köhlmann: Neue Energie für die Stadt. In: LIFT Stuttgart. Januar 2013, S. 10 f.
  6. a b Kritik an Plänen für Stadtwerke. In: Neue Württembergische Zeitung. 12. Mai 2011, S. 17.
  7. Julia Giertz: Wasser soll wieder städtisch werden. In: Heilbronner Stimme. 23. Mai 2011, S. 7.
  8. a b c d Elke Hauptmann: Stadtwerke kommen. In: Neue Württembergische Zeitung. 28. Mai 2014, S. 17.
  9. a b c d Landeshauptstadt Stuttgart (Hrsg.): Neuordnung der Energie- und Wasserversorgung: Gründung der Stadtwerke Stuttgart. Gemeinderatsdrucksache 118/2011 Ergänzung. 25. Mai 2011.
  10. a b Stadtwerke Stuttgart GmbH. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 12.09.2011. In: Bundesanzeiger. 11. September 2011.
  11. Entscheidung der Landeshauptstadt Stuttgart über die Einräumung des Wegenutzungsrechts für das Elektrizitätsversorgungsnetz der allgemeinen Versorgung in der Landeshauptstadt Stuttgart gemäß § 46 Abs. 2 Energiewirtschaftsgesetz und die Gründung von Kooperationsunternehmen. Gerichtl. und sonst. Bekanntmachungen Ausgabe elektronisch vom 01.04.2014. In: Bundesanzeiger. 1. April 2014.
  12. Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (Hrsg.): Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH. 26. Juni 2012.
  13. Stadtwerke Stuttgart GmbH. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 28.11.2011. In: Bundesanzeiger. 28. November 2011.
  14. Torsten Ströbele: Die Entscheidung fällt erst 2015. In: Stuttgarter Nachrichten. 16. Dezember 2013, S. 2.
  15. Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH (Hrsg.): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2012 bis 31.12.2012. Schönau 13. Dezember 2013.
  16. Bernward Janzing: Ein kleiner Quantensprung. In: Die Tageszeitung. 20. Februar 2012, S. 8 (taz.de).
  17. a b Thomas Faltin: Der neue Herr der Netze wird bestimmt. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 7, 10. Januar 2014, S. 22 (stuttgarter-zeitung.de).
  18. Vier Bewerber für Konzession des Stromnetzes. In: Neue Württembergische Zeitung. 24. Dezember 2013, S. 18.
  19. a b Elke Hauptmann: Schönauer rufen das Kartellamt an. In: Neue Württembergische Zeitung. 17. April 2014, S. 16.
  20. a b Kartellamt bestätigt Vergabe der Netze. In: Neue Württembergische Zeitung. 2. Juli 2014, S. 20.
  21. a b Elke Hauptmann: Landeshauptstadt kauft Energienetze zurück. In: Neue Württembergische Zeitung. 25. Februar 2014, S. 17.
  22. Letzte Hürde für Netzgesellschaft. Stuttgarter Zeitung, 16. Oktober 2014.
  23. Strom- und Gas-Verträge unterzeichnet. In: Cannstatter Zeitung. 25. Oktober 2014, S. 8.
  24. Neues Logo für neuen Betreiber. In: Stuttgarter Nachrichten. 30. Juni 2015, S. 22.
  25. Klage gegen Netze BW eingereicht. In: Stuttgarter Nachrichten. 1. Dezember 2015.
  26. Feststellungsklage der Stuttgarter Netze GmbH gegen die Netze BW GmbH erfolgreich. Landgericht Stuttgart, 20. Dezember 2016, abgerufen am 16. August 2019.
  27. Wachholz Diana: Oberlandesgericht Stuttgart zur Übertragung der Hochdruck- und Hochspannungsnetze im Gemeindegebiet Stuttgart. 26. Juli 2018, abgerufen am 26. August 2019.
  28. Josef Schunder: Bei Stromausfall gilt neue Nummer. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 32, 9. Februar 2016, S. 18.
  29. Elke Hauptmann: Stadtwerke gehen ans Netz. In: Cannstatter Zeitung. 30. Januar 2013, S. 1.
  30. Stadtwerke erweitern ihr Kundencenter. In: Neue Württembergische Zeitung. 17. April 2014, S. 16.
  31. a b Michael Isenberg: Kein Selbstläufer. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 123, 31. Mai 2013, S. 17.
  32. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart als Top-Lokalversorger ausgezeichnet. Presseinformation vom 30. Januar 2014.
  33. Rostbraten aber nur unten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 30. Januar 2016 (Rostbraten aber nur unten).
  34. Pressearchiv und Pressemitteilungen Stadtwerke Stuttgart. Abgerufen am 26. August 2019.
  35. a b c Alexander Ikrat: Windpark mit acht Anlagen auf dem Schwäbischen Wald geplant. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 106, 8. Mai 2013, S. 21.
  36. a b c d Nike Bodenbach: Freitagmittag auf 141 Metern. In: Schweinfurter Tagblatt. Band 70, Nr. 107, 10. Mai 2014, S. 32 (mainpost.de).
  37. a b Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart erwerben Windpark Bad Hersfeld – Sechs Windenergieanlagen sollen Ende 2014 in Betrieb gehen. Presseinformation vom 24. Juli 2014.
  38. Alexander Ikrat: 25 Millionen Euro investiert – Strom für mehr als 10 000 Haushalte. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 243, 19. Oktober 2013, S. 21.
  39. Michael Isenberg: Energieversorger investiert nahezu 50 Millionen Euro in Windräder. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 257, 6. November 2013, S. 17.
  40. Wolfgang Schulz-Braunschmidt: Stadtwerke wollen Handwerk als Partner. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 12, 16. Januar 2014, S. 18 (stuttgarter-zeitung.de).
  41. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Arbeiten am Windpark Dinkelsbühl-Wilburgstetten laufen nach Plan. Presseinformation vom 19. September 2015.
  42. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart erwerben Windparks Lieskau I und II Ökostrom für mehr als 20 000 Haushalte. Presseinformation vom 11. November 2015.
  43. Stadtwerke müssen umplanen. In: Eßlinger Zeitung Online. 6. Oktober 2015 (esslinger-zeitung.de).
  44. Alexander Ikrat: 2500 Hektar für Windräder. In: Stuttgarter Nachrichten. Nr. 227, 1. Oktober 2015, S. 18.
  45. 41 Standorte für Windkraft. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 227, 1. Oktober 2015.
  46. Stadtwerke Stuttgart: Kein Windpark im Tauschwald. In: energate. Nr. 192, 6. Oktober 2015, S. 2.
  47. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart bieten Solarstromanlage zum Pachten an – Viel Potenzial für Sonnenstrom ist bisher ungenutzt. Presseinformation vom 1. August 2014.
  48. Photovoltaikanlagen für Stuttgart. Abgerufen am 28. August 2019.
  49. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Firma Kiess Innenausbau in Möhringen Vorbild bei Umstellung auf nachhaltige Energie. Presseinformation vom 18. November 2016.
  50. Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke realisieren in Kooperation mit dem VfB Stuttgart Photovoltaikanlage auf dem neuen VfB Nachwuchsleistungszentrum . Presseinformation vom 22. Juni 2014.
  51. Oliver Schmale: Suche nach Ersatz. In: Südwest Presse. 13. November 2015 (swp.de).
  52. a b Sonnenstrom für Stuttgart mit ihren Stadtwerken. Abgerufen am 28. August 2019.
  53. Strom und Wärme effizient erzeugen mit ihren Stadtwerken. Abgerufen am 28. August 2019.
  54. Thomas Braun: Mit dem E-Roller mobil durch die City. Hrsg.: Stuttgarter Zeitung. 10. August 2016, S. 22.
  55. E-Roller-Sharing: Stuttgart verdoppelt Stella-Flotte. 5. April 2019, abgerufen am 28. August 2019 (deutsch).
  56. a b stella - So funktioniert's. Abgerufen am 28. August 2019.
  57. Martin Wietschel, Matthias Kühnbach, David Rüdiger: Die aktuelle Treibhausgasemissionsbilanz von Elektrofahrzeugen in Deutschland. In: Working Paper Sustainability and Innovation No. S 02/2019. Fraunhofer ISI, 1. Februar 2019, abgerufen am 28. August 2019.
  58. CO2 reduzieren - "Elektroautos sind nicht die sofortige Wunderwaffe". Abgerufen am 28. August 2019 (deutsch).
  59. Stadtwerke Stuttgart starten Mietkonzept für Elektroroller. In: eMobilServer. 11. August 2016.
  60. stella - E-Roller in Stuttgart mieten. Abgerufen am 28. August 2019.
  61. Philipp-Marc Schmid: So gut sind Stuttgarts Leih-Roller. In: Bild Zeitung. 11. August 2016.
  62. stella - AGB. Abgerufen am 28. August 2019.