Stammham (bei Ingolstadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Stammham
Stammham (bei Ingolstadt)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Stammham hervorgehoben

Koordinaten: 48° 51′ N, 11° 28′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Eichstätt
Höhe: 483 m ü. NHN
Fläche: 39,04 km2
Einwohner: 4061 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 104 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 85134, 85092
Vorwahl: 08405
Kfz-Kennzeichen: EI
Gemeindeschlüssel: 09 1 76 161
Gemeindegliederung: 5 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Nürnberger Str. 3
85134 Stammham
Website: www.stammham.de
Bürgermeister: Hans Meier (UW)
Lage der Gemeinde Stammham im Landkreis Eichstätt
Landkreis Donau-RiesLandkreis RothLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Neumarkt in der OberpfalzLandkreis RegensburgLandkreis KelheimLandkreis Pfaffenhofen an der IlmLandkreis Neuburg-SchrobenhausenIngolstadtHaunstetter ForstAdelschlagAltmannsteinBeilngriesBöhmfeldBuxheim (Oberbayern)Denkendorf (Oberbayern)DollnsteinEgweilEichstättEitensheimGaimersheimGroßmehringHepbergHitzhofenKindingKipfenbergKöschingLentingMindelstettenMörnsheimNassenfelsOberdollingPollenfeldPförringSchernfeldStammham (bei Ingolstadt)TittingWaltingWellheimWettstettenKarte
Über dieses Bild

Stammham ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Eichstätt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammham liegt in der Region Ingolstadt (etwa zehn Kilometer nördlich der Stadt), ist aber dem Landkreis Eichstätt zugehörig.

Die Gemeinde hat fünf amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Die Gemeindeteile Stammham und Westerhofen bilden einen gemeinsamen Ortskern und sind komplett miteinander verschmolzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umgebung von Stammham wurden Kelten- und Römergräber gefunden. Im westlich gelegenen Wald befindet sich eine große Keltenschanze. Im Gemeindeteil Westerhofen befand sich eine römische Villa.

1296 findet Stammham erstmals in einer Urkunde Erwähnung, als Gebhard VII., der letzte Graf von Hirschberg, das Patronatsrecht der Kirche von Stammham dem Kloster Rebdorf im Hochstift Eichstätt übergibt. 1326 wurde der Ort zur Pfarrei erhoben. Von der Besitzgeschichte des Ortes ist nur so viel bekannt, dass 1411 Sweiker von Gundelfingen das Dorf mit seinen Rechten an Friedrich und Kunrad Roßthaler verkaufte, die es noch im gleichen Jahr an Erhard Muggenthaler von Schloss Sandersdorf abtraten. Muggenthaler erhielt 1418 von Kaiser Siegmund die Hochgerichtsbarkeit für seinen neuen Besitz zugesprochen. 1446 kaufte Herzog Albrecht III. dieses Recht dem Jobst Muggenthaler ab. Die niederen Rechte, die noch bei Eichstätt lagen, erwarb 1478 Herzog Ludwig der Reiche von Fürstbischof Wilhelm von Reichenau. Stammham, nun endgültig dem Herzogtum Bayern einverleibt, wurde sechs Jahre später Sitz des Pfleggerichts Stammham-Etting und gehörte zum Rentamt München des Kurfürstentums. Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass bereits 1750 eine Wasserleitung von Stammham nach Hepberg verlegt wurde. Im Jahre 1818 entstand die heutige politische Gemeinde Stammham.

Im Ersten Weltkrieg verloren 26 Männer aus Stammham und Westerhofen ihr Leben, im Zweiten Weltkrieg waren es 58 Menschen. Von 1951 bis 1955 wurde die Wasserversorgung gebaut.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1830 wurde Westerhofen nach Stammham eingemeindet. Von 1937 bis 1947 wurde eine Flurbereinigung durchgeführt; die Einwohnerzahl lag damals bei rund 850. Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Appertshofen eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1487 Einwohner
  • 1970: 1892 Einwohner
  • 1984: 2402 Einwohner
  • 1987: 2547 Einwohner
  • 1991: 2793 Einwohner
  • 1995: 2989 Einwohner
  • 2001: 3385 Einwohner
  • 2005: 3525 Einwohner
  • 2010: 3687 Einwohner
  • 2015: 3989 Einwohner

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrei Stammham gehört dem Dekanat Pförring dem Bistum Regensburg an. Der Pfarrer von Stammham ist zugleich zuständig für die Pfarrei Appertshofen und die Kirche in Westerhofen. Die evangelisch-lutherischen Christen gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Johannes, deren Gemeindegebiet vom Pius-Viertel Ingolstadts bis zum Köschinger Forst reicht und die Ortschaften Etting, Wettstetten, Echenzell, Stammham und Appertshofen umfasst.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Stammham hat 16 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 1990 Hans Meier von der Unabhängigen Wählerschaft.

Steuereinnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2013 2,35 Millionen €, davon waren 0,20 Millionen € (netto) Gewerbesteuereinnahmen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenansicht der Pfarrkirche St. Stephanus
Linker Seitenaltar in St. Stephan

Stammham[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das Augustiner-Chorherrenstift Rebdorf bei Eichstätt die Patronatsrechte für die Kirche von Stammham erhalten hatte, ist 1295 erstmals von einer Kirche in „Steinheim“ die Rede. Zur Baugeschichte der mittelalterlichen Kirche gibt es keine Quellen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste die Kirche 1657, 1668 und 1677 repariert werden; drei neue Altäre wurden aufgestellt. 1701 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein, der daraufhin wiederaufgebaut werden musste. In der Barockzeit wurde die Kirche 1737–40 durch einen Neubau ersetzt, errichtet vom Ingolstädter Stadtmaurermeister Michael Anton Prunthaller (1684–1750). 1904/05 veränderte man die Altäre und stattete das Langhaus mit Stuckzier und Deckengemälden neu aus. Die heutige Pfarrkirche St. Stephanus, in welcher die Barockkirche als Chorraum integriert ist, wurde 1973–75 durch den Architekten Josef Naumann aus Regensburg erbaut; die Glasfenster fertigte Professor Peter Recker (1913–2003) aus Eichstätt. Der Kirchturm von 1701/02 ist in seinem Unterbau gotisch geprägt und besitzt noch einen romanischen Kern. Der Turmabschluss stammt von Kameralbaumeister Joseph Deiglmayer.

In der integrierten alten Kirche zeigt ein Deckengemälde die Steinigung des Kirchenpatrons, die Diakonweihe, Notburga, Isidor und im Chorbogen Christus Salvator, gemalt 1903 von dem Kirchenmaler Josef Wittmann, der 1880 in Windischeschenbach geboren ist. Der Hochaltar stammt aus der Barockzeit, zeigt aber gotische Plastiken von ca. 1510. Das Altarbild schuf der Ingolstädter Maler Johann Evangelist Hölzl, während zwei Ovalbilder im Innern des Durchgangsbogens zwischen alter und neuer Kirche 1773 von Joseph Anton Hölzl freskiert wurden.

Arma-Christi-Kreuz westlich von Appertshofen

Appertshofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Appertshofen liegt in einer flachen Mulde der zur Donau hin abfallenden Jurafläche, früher wohl von einem Gewässer umgeben, denn die wohl um 1200 errichtete erste Kirche, 1350 erstmals erwähnt, war „Unser Lieben Frauen Maria am See“ geweiht. Sie war bis vor 200 Jahren eine beliebte Wallfahrtskirche; eine Quelle, die hier sprudelte, sollte bei Augenleiden helfen. Ab 1444 Filialkirche von Kösching, brannte sie 1580 ab und wurde ab 1581 wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Dorf großen Schaden, worunter auch der Erhaltungszustand der Kirche litt. Der starke Bevölkerungsschwund, der während dieser Zeit auftrat, wurde im Zuge der sich an den Westfälischen Frieden anschließenden Restrukturierung Bayerns unter Kurfürst Maximilian I. durch sesshaft werdende fahrende Leute kompensiert. Auch heute noch macht sich dieser kulturelle Einfluss bemerkbar. Im Jahr 1737 wurde sie vom Ingolstädter Stadtmaurermeister Michael Anton Prunnthaller barock umgebaut; der barocke Hochaltar kam erst 1966 aus Hepberg nach Stammham. In der Hochaltarnische steht das gotische Gnadenbild, eine Madonna mit dem Jesuskind. Das Deckenfresko von 1720 zeigt Maria als Heil der Kranken. Die Kirche besitzt eine berühmte Barockorgel, die 1735 von dem Ingolstädter Caspar König gebaut wurde. Aus dem 18. Jahrhundert stammt ein kostbares Messgewand.

Ein altes Sprichwort lautet: „Appertshofen am See, Hitzhofen im Klee, Pettenhofen am Sand, drei Kirchen wohlbekannt.“

Schloss Westerhofen, wiederaufgebaut nach dem Dreißigjährigen Krieg. Kupferstich von Michael Wening, 1701
Ortsteil Westerhofen mit Filialkirche St. Martin und Schloss

Westerhofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Hofmark Westerhofen gehörte um 1000 zur Pfarrei Kösching und ist 1309 erstmals urkundlich erwähnt. Im 16. Jahrhundert erbaute der Edle Bartholomäus Marendl ein Schloss, das im Dreißigjährigen Krieg 1618–48 zerstört, ab 1670 wiederaufgebaut wurde und heute als Bauernanwesen dient. 1879 erfolgte die Eingemeindung des Dorfes mit etwa 140 Einwohnern nach Stammham. 1983 war die Einwohnerzahl auf 480 angewachsen.

Die Kirche St. Martin mit schiefem Turm hat als Vorgängerbau eine romanische Kirche, die 1120/30 geweiht wurde. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die heutige Kirche um 1700 erbaut und 1834 nach Westen erweitert. Sie birgt eine „Anna selbdritt“ aus dem 16. Jahrhundert.

Bei Grabungsarbeiten wurden 1856 westlich von Westerhofen die Grundmauern einer großen römischen Villa entdeckt. Das Prachtstück der Ausgrabungen ist der heute in der Prähistorischen Staatssammlung München ausgestellte Mosaikfußboden mit Jagdszenen und Tieren. Selbst König Maximilian II. kam 1857 nach Westerhofen, um die Fundstelle zu besichtigen.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Stammham gibt es insgesamt 41 Vereine und Gruppierungen aus verschiedensten Bereichen.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1998 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 25, im produzierenden Gewerbe 124 und im Bereich Handel und Verkehr 69 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 60 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1186. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 31 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 842 ha, davon waren 796 ha Ackerfläche und 46 ha Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autobahn A 9 verläuft knapp östlich von Stammham und Appertshofen. Nächste Auffahrt ist Lenting (etwa fünf Kilometer südlich). Auf dem Gebiet der Gemeinde unterquert die Neubaustrecke Nürnberg–Ingolstadt die Bundesautobahn 9 im Stammhamtunnel.

Es bestehen Busverbindungen nach Ingolstadt (Linien 9226, 30 und N5 der INVG) und Beilngries (Linie 9226 der RBA).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit gibt es in Stammham folgende Einrichtungen:

  • Kinderkrippen: zwei (je eine in Stammham und Appertshofen)
  • Kindergärten: drei (zweimal in Stammham, einer in Appertshofen)
  • Schulen: eine Grundschule 1. bis 4. Klasse
  • Bücherei: eine Gemeindebücherei gegenüber der Kirche
  • Sonstige: Heilpädagogische Tagesstätte Forsthaus Stammham

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Kuffer (* 1947 in Appertshofen), Jurist, ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Hartmann: Stammhamer und Westerhofener Geschichten. In: Ingolstädter Heimatblätter 20 (1957), Nr. 7–8
  • G. Brenninger: Ausstattung der Kirchen des ehemaligen Landkreises Ingolstadt. In: Ingolstädter Heimatblätter 39 (1976), S. 31 ff.
  • Hans J. Utz: Wallfahrtskirche Zu unserer Lieben Frau in Appertshofen. In: Wallfahrten im Bistum Regensburg, 1981, S. 93
  • K. Zecherle: Kirchen und Klöster im Kreis Eichstätt, Eichstätt 1983, S. 39, 124
  • Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart, Eichstätt, 2. erweiterte Auflage 1984, S. 156 f., 286 f., 301 f.
  • Klaus Mayer: Stammham – Appertshofen – Westerhofen. Heimatbuch, 1985
  • Siegfried Hofmann: Die Kirche in Stammham. Ihre Schicksale seit dem Dreißigjährigen Krieg. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 84 (1975), S. 131–152
  • E. Ettel und Siegfried Hofmann: Appertshofen, Mariä Heimsuchung. Regensburg: Schnell & Steiner 1981
  • Die Kirchen der Pfarrei Stammham. Regensburg: Schnell & Steiner 2005, ISBN 3-7954-6528-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stammham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Stammham in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 14. September 2019.
  3. http://www.stammham.de/Geschichte.aspx
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 599.
  5. Gemeinde Stammham: Vereine /Gruppen. In: www.stammham.de. Abgerufen am 17. Oktober 2016.