Stanisław Szczęsny Potocki

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Johann Baptist Lampi der Ältere: Stanisław Szczęsny Potocki mit seinen Söhnen Szczęsny Jerzy (1776–1810) und Stanisław (1782–1831), 1789/90.

Stanisław Szczęsny Potocki auch Stanisław Feliks Potocki (* 1751 oder 1752; † 15. März 1805 in Tultschyn) war ein polnischer Magnat und Politiker. Er war eine der maßgeblichen Persönlichkeiten hinter der Konföderation von Targowica gegen die Verfassung von 1791. Er ist nicht zu verwechseln mit Stanisław Kostka Potocki.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Baptist Lampi der Ältere: Zofia Wittowa Potocka als Siegreiche Venus, ca. 1795.

Er stammte aus der Linie Tultschyn der Familie Potocki und war Sohn des Palatins von Kiew Franciszek Salezy Potocki und der Mutter Anna Elżbieta Potocka. Er selbst war mehrfach verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Gertruda Komorowska sind keine Kinder hervorgegangen. Aus der zweiten Ehe mit Józefina Amalia Miniszech entstammten elf Nachkommen. In einer dritten Ehe war er mit Zofia de Witt verheiratet. Diese stammte aus einer einfachen griechischen Familie, war zunächst mit General Józef de Witt verheiratet und war zeitweise Geliebte von König Stanislaus II. August Poniatowski und Grigori Alexandrowitsch Potjomkin. Potocki veranlasste Witt, sich von Zofia scheiden zu lassen, um sie selbst heiraten zu können.[1] Sie hieß von nun an Sophie Potocka. Aus dieser Ehe stammten weitere acht Kinder.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potocki bekleidete seit 1774 öffentliche Ämter. Ab 1782 war er Palatin von Ruthenien. Er war Generalleutnant und seit 1789 General der Artillerie. Potocki war einer der reichsten Magnaten und besaß Ländereien mit 240.000 Untertanen. Er galt ursprünglich als liberaler Aristokrat. Wie sein Verwandter Stanisław Kostka Potocki war er Freimaurer und war zeitweise Großmeister einer Loge.[3]

Allerdings war er Gegner politischer Reformen und bestrebt den politischen Einfluss der Magnaten zu bewahren. Er stand daher in Opposition zu König Stanislaus August und den politischen Reformbestrebungen. Potocki strebte eine Art föderale Republik unter Kontrolle der Magnaten an. Er verband sich 1788 mit den Magnaten Franciszek Ksawery Branicki und Seweryn Rzewuski während des vierjährigen Sejms, konnte sich aber nicht durchsetzen. Er ging nach Wien und protestierte gegen die Verfassung von 1791 und bemühte sich vergeblich um Unterstützung durch Leopold II.

Er reiste nach St. Petersburg, um für russische Unterstützung für seine Ziele zu werben. Dort erhielt er Unterstützung durch Kaiserin Katharina II. Er war im Mai 1792 einer der maßgeblichen Mitbegründer der Konföderation von Targowica mit dem Ziel die Verfassung von 1791 zu beseitigen. Er war Marschall der Konföderation und leitete die militärischen Operationen des Bündnisses von seinem Schloss bei Tultschyn. Die Bestrebungen wurden durch Russland im Krieg mit Polen unterstützt. Der König sah sich daraufhin selbst gezwungen der Konföderation beizutreten. Potocki war maßgeblich am Zusammentreten des Sejms von Grodno beteiligt, auf dem die Verfassung aufgehoben wurde, eine Allianz mit Russland geschlossen und der zweiten Teilung Polens zugestimmt wurde. Dies beendete die Reformpolitik, während die Nachbarstaaten Preußen und Russland in der zweiten polnischen Teilung große Teile des bisherigen polnisch-litauischen Staatsgebiets besetzten. Potocki war enttäuscht, dass der König nicht seinen Thron verlor. Er unternahm 1793 eine diplomatische Mission nach St. Petersburg. Er soll nach der Teilung geäußert haben: "Die Polen sollten jegliche Erinnerung an ihr Vaterland fahren lassen; ich bin für immer ein Russe."[4]

Nachdem der Kościuszko-Aufstand 1794 die Russen aus Warschau und Wilna vertrieben hatte, musste Potocki nach Russland fliehen. Das höchste polnische Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit als Staatsfeind und Verräter zum Tode. Sein Vermögen wurde konfisziert. Ein Bild von ihm wurde symbolisch an einen Galgen geschlagen.

Die dritte polnische Teilung machte diese Bestrebungen zunichte. Potocki wurde 1795 von Katharina zum General ernannt. Schon früher war ihm auch der Alexander-Newski-Orden verliehen worden. Er lebte bis zu seinem Tod wieder auf seinem Schloss bei Tulczyn und widmete sich der Verbesserung seiner Ländereien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alex Storozynski: The Peasant Prince: Thaddeus Kosciuszko and the Age of Revolution New York 2009 Teildigitalisat
  2. Genealogische Hinweise (Memento des Originals vom 2. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/genealogia.grocholski.pl
  3. C. Lenning: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei, Band 2, Leipzig 1865, S. 594
  4. Norman Davis: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. München 2000, S. 164