Stanley Donen

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Stanley Donen 2010

Stanley Donen (* 13. April 1924 in Columbia, South Carolina; † 21. Februar 2019 in Manhattan, New York) war ein US-amerikanischer Regisseur und Choreograf. Er galt als einer der wichtigsten Regisseure in der Geschichte des Musicalfilms und drehte Filmklassiker wie Singin’ in the Rain und Charade. Für sein Lebenswerk erhielt er 1998 den Ehrenoscar sowie 2004 den Goldenen Löwen.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donen begann als Kind mit Tanzunterricht und gelangte nach einem abgebrochenen Psychologiestudium an der University of South Carolina bereits als 17-Jähriger an den Broadway. Sein Broadway-Debüt hatte er 1941 als Mitglied des Chors in dem Musical Pal Joey von Richard Rodgers und Lorenz Hart. George Abbott, der einflussreiche Bühnenregisseur von Pal Joey, wurde auf Donen aufmerksam und machte ihn zum Assistenten des Bühnenmanagers. Die Titelrolle des Pal Joey spielte Gene Kelly, mit dem sich Donen befreundete. 1943 erhielt er einen Vertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer unter dem Filmproduzenten Arthur Freed, wo er eine kleine Rolle als Kadett in dem Musical Best Foot Forward erhielt und in der Folgezeit als Choreograf für die MGM arbeitete.

Donens Aufgaben wuchsen mit den Jahren und da sein Vorgesetzter Arthur Freed seine Arbeiten als Choreograf schätzte, gab er ihm Ende der 1940er-Jahre die Chance, gemeinsam in Ko-Regie mit Gene Kelly das Musical On the Town von Leonard Bernstein zu verfilmen. Der letztliche Film Heut’ gehn wir bummeln war ein Erfolg bei Kritikern und Publikum, woraufhin Donen einen festen Vertrag als Regisseur bei MGM erhielt und dort neben Vincente Minnelli zum wichtigsten Musicalregisseur der 1950er-Jahre wurde. 1952 drehte Donen in Ko-Regie mit Gene Kelly seinen wohl bekanntesten Film, Singin’ in the Rain, der als Filmklassiker gilt und den viele Kritiker für eines der besten Filmmmusicals, sogar einen der besten Filme aller Zeiten halten.[1][2] Die letzte gemeinsame Ko-Regie von Donen mit Kelly war It’s Always Fair Weather, bei dessen Dreharbeiten die Stimmung kippte: Donens Freundschaft mit Gene Kelly löste sich auf, woraufhin in den folgenden Jahrzehnten zwischen Kelly und Donen, aber auch zwischen Filmhistorikern teilweise harte Diskussionen entstanden, ob und wer von den beiden größeren Anteil am Erfolg der gemeinsamen Filme hatte. It’s Always Fair Weather, obwohl er an den Kinokassen profitabel war, führte auch zum Bruch Donens mit der MGM und Arthur Freed, woraufhin er fortan als eigenständiger Regisseur arbeitete.

Ohne Kelly hatte Donen sich bereits durch die erfolgreichen Musicals Königliche Hochzeit (1951) mit Fred Astaire, der in einer berühmt gewordenen Szene an der Decke tanzt, und Eine Braut für sieben Brüder (1954) mit Howard Keel und Jane Powell als Soloregisseur etabliert. 1952 hatte er mit dem Elizabeth-Taylor-Film Die süße Falle auch eine Filmkomödie ohne Musicalelemente gedreht. Sein erster Film ohne MGM war 1957 der für Paramount Pictures gedrehte Ein süßer Fratz mit Fred Astaire und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Ein süßer Fratz wurde bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt und erhielt vier Oscar-Nominierungen. Nach den Musicalfilmen Picknick im Pyjama und Damn Yankees, die er mit seinem alten Broadway-Chef George Abbott drehte, wandte Donen sich auch anderen Genres zu. Mit Cary Grant drehte er so die Komödien Kiss Them for Me (1957), Indiskret (1958, mit Ingrid Bergman) und Vor Hausfreunden wird gewarnt (1960, mit Deborah Kerr und Robert Mitchum).

Einer seiner bekanntesten Filme ist die in Paris spielende Kriminalkomödie Charade (1963) mit Grant und Audrey Hepburn, bei der Donen von Alfred Hitchcocks Filmen, insbesondere auch Der unsichtbare Dritte, inspiriert wurde. Charade wird oft als „der beste Hitchcock-Film, den Hitchcock nie gemacht hat“[3] bezeichnet und war ein großer Erfolg bei Kritikern und Publikum. Mit Arabeske (1966), in dem Gregory Peck und Sophia Loren die Hauptrollen spielten, drehte Donen im Jahr 1966 nochmals einen Hitchcock-ähnlichen Film. 1967 drehte Donen mit dem Liebesdrama Zwei auf gleichem Weg einen seiner bemerkenswertesten Filme, insbesondere wegen seiner nichtlinearen Erzählweise. Der Film war nicht sonderlich erfolgreich, erhielt aber über die Jahrzehnte mehr Anerkennung. 1969 drehte er die Komödie Unter der Treppe mit Rex Harrison und Richard Burton als schwulem Paar.

Nach 1970 und dem endgültigen Ende von Hollywoods klassischer Studioära wurde Donens Output als Filmregisseur unregelmäßiger, unter anderem drehte er 1974 eine gleichnamige Verfilmung von Der kleine Prinz sowie 1984 die Komödie Schuld daran ist Rio mit Michael Caine, die sein letzter Kinofilm wurde. Er arbeitete anschließend wieder als Theaterregisseur, unter anderem bei einer Bühnenversion von Die roten Schuhe, und produzierte die Oscarverleihung 1986. Er plante in den 1990er-Jahren als Regisseur eine Musicaladaption von Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde mit Michael Jackson, die aber nach den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gegen Jackson wieder auf Eis gelegt wurde. Zuletzt inszenierte Donen im Jahr 1999 den Fernsehfilm Love Letters nach dem gleichnamigen Stück von Albert Ramsdell Gurney.

Für seine Arbeiten erhielt Donen nie einen regulären Oscar. Erst 1998 wurde ihm der Oscar für sein Lebenswerk verliehen. 2004 erhielt er bei den Filmfestspielen von Venedig den Ehrenlöwen.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stanley Donen war insgesamt fünfmal verheiratet, alle Ehen wurden geschieden: Von 1948 bis 1951 mit Jeanne Coyne, von 1952 bis 1959 mit Marion Marshall, von 1960 bis 1970 mit Adelle O’Connor Beatty, von 1972 bis 1985 mit Yvette Mimieux sowie von 1990 bis 1994 mit Pamela Braden. Seit 1999 lebte er in einer Beziehung mit der Schauspielerin und Filmemacherin Elaine May. Aus seinen früheren Ehen hatte er drei Kinder.

Donen starb am 21. Februar 2019 in Manhattan an Herzversagen.[4][5] Zum Zeitpunkt seines Todes galt er als der letzte bedeutende lebende Regisseur aus Hollywoods „goldener Ära“ im Studiosystem.[6][7]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise (Auswahl)
Jahr Organisation Preis Resultat
1952 Directors Guild of America Awards Bester Regisseur, Singin’ in the Rain (mit Gene Kelly) Nominiert
1954 Directors Guild of America Awards Bester Regisseur, Seven Brides for Seven Brothers Nominiert
1957 Directors Guild of America Awards Bester Regisseur, Funny Face Nominiert
1958 Directors Guild of America Awards Bester Regisseur, Damn Yankees! (mit George Abbott) Nominiert
1967 Directors Guild of America Awards Bester Regisseur, Two for the Road Nominiert
1967 San Sebastián International Film Festival Golden Seashell Award, Two for the Road Gewonnen
1986 Drama Desk Award Beste Choreographie (Originalversion), Singin’ in the Rain Nominiert
1989 Los Angeles Film Critics Association Awards Preis für das Lebenswerk Gewonnen
1989 University of South Carolina Ehrendoktorwürde Gewonnen
1995 National Board of Review Billy Wilder Award Gewonnen
1995 San Francisco International Film Festival Akira Kurosawa Award Gewonnen
1996 Palm Springs International Film Festival Bester Regisseur Gewonnen
1998 Academy Awards Preis für das Lebenswerk Gewonnen
1999 Palm Beach International Film Festival Preis für das Lebenswerk Gewonnen
1999 Joseph Plateau Awards Preis für das Lebenswerk Gewonnen
1999 American Cinema Editors Awards Golden Eddie Filmemacher des Jahres Preis Gewonnen
2000 ASCAP Film and Television Music Awards Opus Award Gewonnen
2001 Savannah Film Festival Johnny Mercer Award Gewonnen
2002 American Society of Cinematographers Awards Board of the Governors Award Gewonnen
2004 Internationale Filmfestspiele von Venedig Goldener Löwe für das Lebenswerk Gewonnen
2009 The Astaire Awards Douglas Watt Award für das Lebenswerk Gewonnen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stanley Donen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staff, agencies: In brief: Singin' in the Rain 'best ever' musical. In: The Guardian. 5. September 2006, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 24. Februar 2019]).
  2. TSPDT - 1,000 Greatest Films (Full List). Abgerufen am 24. Februar 2019 (englisch).
  3. The Best Hitchcock Movie that Hitchcock Never Made. In: On Art and Aesthetics. 6. Februar 2016, abgerufen am 24. Februar 2019 (englisch).
  4. Stanley Donen, ‘Master of the Musical’ Who Directed ‘Singin’ in the Rain,’ Dies at 94, New York Times vom 23. Februar 2019, abgerufen am 23. Februar 2019 (englisch)
  5. Stanley Donen, Famed Director of Mirthful Movie Musicals, Dies at 94. Abgerufen am 24. Februar 2019 (englisch).
  6. Carmel Dagan,Tim Gray, Carmel Dagan, Tim Gray: Stanley Donen, Director of Iconic Movie Musicals, Dies at 94. In: Variety. 23. Februar 2019, abgerufen am 24. Februar 2019 (englisch).
  7. Stanley Donen, Famed Director of Mirthful Movie Musicals, Dies at 94. Abgerufen am 24. Februar 2019 (englisch).