Stappenbeck

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Stappenbeck
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 48′ 51″ N, 11° 13′ 47″ O
Höhe: 31 m
Fläche: 12,12 km²
Einwohner: 186 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 15 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2005
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039032
Stappenbeck (Sachsen-Anhalt)

Lage von Stappenbeck in Sachsen-Anhalt

Stappenbeck ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stappenbeck, ein Straßendorf mit zwei Kirchen, liegt etwa sieben Kilometer südöstlich von Salzwedel in der Altmark. Südlich des Dorfes strömt der Schleggraben nach Westen in die Jeetze.[2]

Nachbarorte sind Buchwitz, Pretzier und Mahlsdorf.

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ortschaft Stappenbeck gehören die Ortsteile Stappenbeck und Buchwitz.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Jahre 1311 wird Gheseke Tochter des Hynrici Stappenbeke in Salzwedel genannt.[4]

Im Jahre 1348 wurde das dorpe Stappenbeke in einer Urkunde erwähnt, als Markgraf Ludwig den von der Schulenburg Renten aus verschiedenen Dörfern überließ.[5] Im Jahre 1360 wurde das Dorf als villa Stappenebeke aufgeführt, als Hebungen aus dem Dorf einem Altar in Salzwedel vereignet wurden.[6][7][8]

Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf Stappenbeke mit 28 Zinshufen sehr detailliert beschrieben.[9] Bereits 1687 wurde der heutige Name Stappenbeck verwendet.[10]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jürgen Udolph führt den Ortsnamen auf das mittelniederdeutsche Wort „Stope“ für „Stufe“ oder „Treppe“ zurück.[8]

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1843 wurde eine außergewöhnlich große Spiralplattenfibel zusammen mit zwei Rippenarmringen beim Planieren eines Hügels entdeckt. Sie stammen aus der Bronzezeit[11][12]

1994 wurde bei Untersuchungen eine kaiserzeitliche Siedlung gefunden.

In den Jahren 1955 und 1958 sind bei Stappenbeck Oberflächenfunde (Scherben) aus einer altslawischen Siedlung des 9. bis 10. Jahrhundert geborgen und an das Danneil-Museum in Salzwedel übergeben worden.[13]

Burg Schulenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burghügelreste der Schulenburg an der Jeetze

Etwa 3 km westlich des Ortes in der Gemarkung Stappenbeck lag auf der rechten Seite der Jeetze die Schulenburg als Stammburg des Geschlechts derer von der Schulenburg. Die Burg entstand hier einige Kilometer südlich von Salzwedel vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts, war aber schon im 14. Jahrhundert wieder wüst gefallen. Die kleine Burgstelle mit den Ausmaßen von 20×25 m lag verborgen in den Jeetzesümpfen. Sie hatte den Charakter einer Turmhügelburg. Davon ist heute nur noch ein Erdhügel vorhanden. Bei Nachforschungen im 19. Jahrhundert waren noch Burgturm, Wohnhaus und Keller als Ruinen vorhanden.[14] Landesdirektor Wilhelm von der Schulenburg richtete seinerzeit die Burgstelle wieder her und grub mittelalterliche Waffen sowie Geräte aus. Im Jahr 2016 nahm die Universität Göttingen archäologische Untersuchungen an der Burgstelle vor. Dabei wurden Reste des achteckigen Burgturms mit 12 Meter Durchmesser und des Palas entdeckt sowie zum Teil freigelegt.[15]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonnenuhr an der Kirche St. Marien
Epitaph des Pfarrers Nikolaus Seidel (1681–1703) an der Kirche St. Marien

Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Buchwitz aus dem Landkreis Salzwedel in die Gemeinde Stappenbeck eingegliedert.[16] Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Stappenbeck mit ihrem Ortsteil Buchwitz in die Gemeinde Mahlsdorf eingemeindet. Als politisch selbstständige Gemeinde entstand Stappenbeck durch Ausgliederung aus Mahlsdorf am 1. Mai 1990 neu.[17] Vermutlich wurde der neuen Gemeinde Stappenbeck im Jahre 1990 der Ortsteil Buchwitz wieder zugeordnet.

Die Gemeinde Stappenbeck verlor am 1. Januar 2005 durch Eingemeindung in die Stadt Salzwedel ihre politische Selbstständigkeit erneut.[18] Später entstand die Ortschaft Stappenbeck mit den Ortsteilen Stappenbeck und Buchwitz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 167
1774 153
1789 145
1798 184
1801 215
1818 182
Jahr Einwohner
1840 274
1864 319
1871 296
1885 310
1892 [00]304[19]
1895 300
Jahr Einwohner
1900 [00]245[19]
1905 286
1910 [00]293[19]
1925 278
1939 252
1946 422
Jahr Einwohner
1964 405
1971 396
2003 415

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1971:[10]

Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2005 [00]205[20]
2010 [00]193[20]
2014 [0]190[1]
2015 [0]186[1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche St. Marien

Die evangelische Kirchengemeinde Stappenbeck gehörte früher zur Pfarrei Stappenbeck[21] und gehört heute zum Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg[22] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister der Ortschaft Stappenbeck ist Heiko Genthe.[23]

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 stellte sich die Wählergemeinschaft „Stappenbeck-Buchwitz“ zur Wahl. Sie errang alle fünf Sitze. Gewählt wurden drei Ortschaftsrätinnen und zwei Räte. Die Wahlbeteiligung betrug 63,9 Prozent.[24]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klauskirche in Stappenbeck
  • Die evangelische Dorfkirche St. Marien in Stappenbeck ist ein spätromanischer Feldsteinbau.[25]
  • Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof der Dorfkirche.
  • Aus östlichen Ortsausgang steht die evangelische Klauskirche, eine Feldsteinkirche aus dem 15. Jahrhundert.[26] An der Nordseite befindet sich eine kleine vermauerte Pforte, um die sich eine Sage rankt.[27]
  • In Stappenbeck steht in der Ortsmitte ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.[28]

Sagen aus Stappenbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Krüger überlieferte 1859 eine Sage über einen großen Granitblock in der Flur namens „Klappensoll“. Diesen Stein soll der kleine David aus dem Nachbardorf Pretzier dem Riesen Goliat an den Kopf geworfen haben.[29]

1848 berichteten Kuhn und Schwarz in der Sage „Das Loch in der Stappenbecker Kirche“, dass Stappenbeck eine evangelische und eine lutherische Kirche gehabt hätte. In der katholischen hätte es früher viel Zulauf von Kranken gegeben. In der Mauer war ein Loch, wer durchkroch war augenblicklich gesund. Einmal ließ man krankes Vieh hindurchkriechen, da hörte das Wunder auf. Das Loch wurde zugemauert, die Kirche verfiel.[27] Wilhelm Zahn berichte 1907, dass der untere Teil des Kirchturms der östlich vor dem Dorf stehenden Kirche „dat slangenloch“ hieß und dass sich bei der Kirche eine sogenannte Klus, also eine Kapelle befand. Nördlich vor der Mitte des Dorfes stand früher noch eine Kapelle, die zuletzt nur bei Begräbnissen benutzt wurde.[30]

Einer weiteren Überlieferung nach soll die Klauskirche für die Wenden gebaut worden sein, welche von den Deutschen nicht in ihre Dorfkirche aufgenommen wurden.[31]

Söhne und Töchter von Stappenbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stappenbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Hauptsatzung der Hansestadt Salzwedel. Lesefassung (2. Änderung 10.08.2016). 5. September 2016 (salzwedel.de [PDF; 317 kB; abgerufen am 30. April 2019]).
  4. Zitiert nach Peter P. Rohrlach: Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel. Land und Leute vom Landesausbau bis zur Zeit der Wirren (= Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 17). Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-631-54808-0, S. 390.
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 5. Berlin 1845, S. 325 (Digitalisat – LIV).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857, S. 120 (Digitalisat).
  7. Matthias Friske meint hingegen, diese Erwähnung in der Urkunde bezieht sich auf das Jahr 1319 und nicht auf das Jahr 1360.
  8. a b Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen in der nordwestlichen Altmark (= Bernd Janowski und Dirk Schumann [Hrsg.]: Kirchen im ländlichen Raum. Band 9). Lukas, Berlin 2021, ISBN 978-3-86732-379-6, S. 517–518.
  9. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 389 (uni-potsdam.de (Memento vom 21. April 2019 im Internet Archive)).
  10. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2115–2120, doi:10.35998/9783830522355.
  11. Lothar Mittag: Schätze der Bronzezeit. Archäologische Kostbarkeiten aus der Altmark (= Schriften zur Regionalgeschichte der Museen des Altmarkkreises Salzwedel. Band 14). Initia Medien und Verlag UG, Uelzen 2018, ISBN 978-3-947379-03-3, S. 69–71, Eine Beinberge aus…und eine große Spiralplattenfibel aus Stappenbeck.
  12. Generalbericht für 1842. 2. Aus der Zeit der Kegelgräber. In: Johann Friedrich Danneil (Hrsg.): Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 6. Jahresbericht, 1843, S. 8–9 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10013291~SZ%3D00009~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  13. Joachim Herrmann und Peter Donat (Hrsg.): Bezirke Rostock (Westteil), Schwerin und Magdeburg. Textteil. (= Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der DDR. Lieferung 1). Berlin 1973, DNB 740209957, S. 166, 18/16 Stappenbeck.
  14. Johann Friedrich Danneil: Das Geschlecht der von der Schulenburg (= Das Geschlecht der von der Schulenburg. Band 1). Schmidt, Salzwedel 1847, S. 201 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10428053~SZ%3D00213~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  15. Burgreste entdeckt. In: Volksstimme, 15. August 2016
  16. Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr. 18, 5. August 1950, ZDB-ID 511105-5, S. 279 (PDF).
  17. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 360, 361, 362.
  18. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2005
  19. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 132–133.
  20. a b Hansestadt Salzwedel: Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2020. Juni 2015, S. 79 (salzwedel.de [PDF; abgerufen am 25. September 2021]).
  21. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 25 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  22. Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg. Abgerufen am 7. April 2019.
  23. Stappenbeck und Buchwitz. Abgerufen am 26. September 2021.
  24. Stadt Salzwedel: Salzwedel: Kommunalwahl 2019 – Ortschaftsrat. In: salzwedel.de. Abgerufen am 25. September 2021.
  25. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 457.
  26. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 458.
  27. a b Adalbert Kuhn, Wilhelm Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 129, Nr. 148 Das Loch in der Stappenbecker Kirche (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10020094~SZ%3D00177~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  28. Stappenbeck. In: denkmalprojekt.org. Onlineprojekt Gefallendenkmäler, 1. April 2018, abgerufen am 4. Mai 2019.
  29. Friedrich Krüger, Johann Friedrich Danneil: Altmärkische Sagen und Gewohnheiten. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 12. Jahresbericht, 1859, S. 27, 10. Mannigfaliges (altmark-geschichte.de [PDF]).
  30. Wilhelm Zahn: Die altmärkischen Dorfkirchen und ihre Geistlichen im Mittelalter. (Anmerkungen zu 212 Kirchen von Abbendorf bis Ziethnitz). In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 34. Jahresbericht, 1907, S. 82, 184. Stappenbeck (altmark-geschichte.de [PDF]).
  31. Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 149–150, Wie das Dorf Stappenbeck zu zwei Kirchen kam.