Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern
| Film | |
| Titel | Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2015 |
| Länge | 124 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Miguel Alexandre |
| Drehbuch | Kit Hopkins, Thilo Röscheisen |
| Produktion | Michael Souvignier, Dominik Frankowski |
| Musik | Dirk Leupolz |
| Kamera | Jörg Widmer |
| Schnitt | Ingo Recker |
| Besetzung | |
| |

Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern ist ein deutsches Fernsehdrama aus dem Jahr 2015. Regie führte Miguel Alexandre, das Drehbuch wurde von Kit Hopkins und Thilo Röscheisen verfasst. Zentrales Thema des Films ist die Starfighter-Affäre im Deutschland der 1960er Jahre. Der Einsatz technisch mangelhafter Kampfflugzeuge führte seinerzeit zu zahlreichen Abstürzen und Todesfällen.
Handlung
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Westdeutschland, 1962: Harry Schäfer und sein Freund Richie Weichert sind angehende Kampfpiloten der Luftwaffe der 1955 neu aufgestellten Bundeswehr. Bei der Generalprobe für eine Flugschau werden sie auf dem Fliegerhorst Nörvenich Zeuge wie alle vier Formationspiloten mit ihren Kampfjets vom Typ Lockheed F-104 „Starfighter“ tödlich verunglücken (→ Flugunfall einer Starfighter-Formation der Luftwaffe der Bundeswehr 1962). Dessen ungeachtet, rüstet sich die Bundeswehr weiterhin in großer Zahl mit den hochmodernen, aber auch umstrittenen Maschinen aus.
Drei Jahre später, im Sommer 1965 – In einem Club in Köln lernt Harry die schöne Bettina "Betti" Altmann kennen; sie arbeitet als Verkäuferin in einem Warenhaus. Die beiden verabreden sich erneut, diesmal auf einer Wupperbrücke. Harry offenbart mit einem erst über- und dann waghalsigen Unterfliegen der Brücke, welchen Beruf er ausübt. Während Betti dies äußerst imponiert, hat Harrys Aktion für ihn beruflich Konsequenzen. Zwar ist er der beste Pilot der Staffel ist, doch wird ihm der Rang des Staffelkapitäns verwehrt, da sein Verhalten als unverantwortlich und leichtsinnig gewertet wird und ihm damit die Fähigkeiten zum Führen einer Fliegerstaffel fehlen würden.
Während Betti und Harry sich immer näher kommen, muss Harry miterleben, wie einer seiner Fliegerkameraden wegen technischer Probleme seines F-104-Jets zu Tode kommt. Er setzt sich für Verbesserungen im Wartungsablauf der hochsensiblen Flugzeuge ein. Der Absturz bleibt auch für Betti nicht ohne Folgen, da sie sich die Frage stellt, ob nicht dasselbe auch Harry zustoßen könnte. Harry schafft es nicht ihre Ängste auszuräumen, sie jedoch davon zu überzeugen, dass er mit ihr sein Leben verbringen will. Die beiden heiraten und ihr Glück scheint perfekt, als Betti kurz darauf schwanger wird. Nur wenig später verunglückt auch Staffelkommandant Dieter Mertens tödlich mit seinem F-104-Jet. Als Betti davon hört, glaubt sie in Panik, dass es Harry getroffen hat, und bricht beim Versuch, auf das Gelände des Fliegerhorsts zu gelangen, zusammen. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert und verliert ihre ungeborene Tochter.
Harry versucht sich um seine Frau zu kümmern, doch Betti leidet seelisch schwer unter der Fehlgeburt, zudem lastet auf ihr die Sorge um ihren Ehemann und das auch er bei einem Absturz ums Leben kommen könnte. Sie versucht es ihm schmackhaft zu machen, die Bundeswehr zu verlassen und als Pilot bei der Lufthansa zu arbeiten, doch Harry will davon nichts wissen. Als Harry zum Staffelkapitän befördert wird, kann sich Betti darüber in keiner Weise freuen. Sie offenbart ihre Sorge und ihre tägliche Angst ihn am selben Tag nicht mehr wiederzusehen. Als Harry erwidert, sie habe gewusst, welchen Beruf er ausübe, als sie die Beziehung zu ihm einging, erwidert Betti: "Ja, da hatte ich ja noch kein Kind verloren!" Im Streit verlässt Harry das Haus. Sein Kollege Richie bestärkt ihn darin, auf seine Frau zu hören. Betti sucht Rat bei ihrer Freundin Helga. Sie entscheidet sich dagegen, Harry zu verlassen. Kurz darauf erhält sie von Richie die schreckliche Nachricht, dass Harry ebenfalls mit seinem F-104-Jet abgestürzt und ums Leben gekommen ist.
Betti versucht mehr über Umstände des Umsturzes zu erfahren, stößt jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Zudem stellt sie fest, dass sie von Harry erneut schwanger ist. Als sie mit Richie die Absturzstelle besucht, wird ihr deutlich, dass es kein menschliches Versagen gewesen sein kann und die Ursachen des Absturzes vertuscht wird. Angesichts der zahlreichen anderen Abstürze ist sie sich sicher, es mit einer größeren Affäre zu tun zu haben.
Betti gibt sich als Vorsitzende eines Piloten-Hinterbliebenen-Vereins aus, kommt in Kontakt mit anderen Witwen von verunglückten F-104-Piloten und erstellt eine Liste der Abstürze und deren vermeintliche Ursache. Es wird deutlich, dass die allermeisten Abstürze menschlichem Versagen zugeschoben werden; jedoch bei weitem wahrscheinlicher ist, dass das Verteidigungsministerium einen Flugzeugtyp für die Luftwaffe gekauft hat, der schwerwiegende Mängel aufweist. Richie eröffnet ihr zudem, dass die Bundeswehr-Generäle ursprünglich nicht den Starfighter, sondern die französische Mirage III für die Luftwaffe haben wollten. Als sie tiefer graben, finden sie heraus, dass die F-104-Jets in den USA nie unter deutschen Wetterbedingungen getestet und ursprünglich als Abfangjäger konzipiert waren, der damalige deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß sie aber unbedingt modifiziert etwa auch als Bomber haben wollte. Zudem war die Herstellerfirma Lockheed bis zur Erteilung des Auftrags für die Bundeswehr fast bankrott, sodass auch der Verdacht der Korruption im Raum steht. Betti bringt ihre Tochter Anne-Marie zur Welt.
Die Starfighter-Affäre wird zum politischen Thema für Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU). Er versucht Betti als Agitatorin eines Rachefeldzugs darzustellen und spekuliert über Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten wie dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Zudem würde er seinen eigenen Sohn (Joachim von Hassel) – ja wohl nicht selbst als Kampfpilot die F-104 fliegen lassen, wenn es mit dem Flugzeug Probleme gebe. Zugleich radikalisiert sich in Deutschland die politische Lage, beim Besuch des Schah von Persien, Reza Pahlavi, wird eine Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gewaltsam aufgelöst, wobei der Student Benno Ohnesorg erschossen wird. Während sich die Presse auf Betti stürzt und andere Piloten und deren Ehefrauen sie als Nestbeschmutzerin ansehen, bekommt sie auch Besuch vom Militärischen Abschirmdienst und wird einem psychologischen Kreuzverhör unterzogen. Richie verlässt die Luftwaffe und beginnt als Pilot bei einer zivilen Fluggesellschaft zu arbeiten.
Als klar wird, dass es keine Möglichkeit gibt, die Luftwaffe zu verklagen, sieht Betti eine Chance stattdessen den Hersteller Lockheed zu verklagen. Sie nimmt Kontakt zu dem amerikanischen Staranwalt Melvin Belli (dargestellt als Gordon Marks) auf. Sie planen eine Sammelklage von Witwen abgestürzter F-104-Piloten, wozu Betti die Witwen aufsuchen will. Als im Winter 1968 die angestrebte Sammelklage bekannt wird, beginnen Verteidigungsministerium und Luftwaffe die Witwen einzuschüchtern und Betti zu verleumden. Nacheinander tritt eine Witwe nach der nächsten von der Idee zurück. Auch Betti lässt die Idee ruhen.
Im Frühjahr 1970 kommt der Sohn des Verteidigungsministers bei einem F-104-Absturz ums Leben, woraufhin sich dessen Witwe Ute bereit erklärt, sich Bettis Sammelklage anzuschließen. Schließlich gelingt es ihnen, auch andere Pilotenwitwen zu überzeugen. Sie reichen in den USA Klage ein. 1975 einigen sich beide Seiten auf einen Vergleich, in dessen Folge die Starfighter-Witwen 3 Millionen DM Entschädigung erhalten.
Im Abspann wird erwähnt, dass Deutschland 916 F-104-Starfighter-Flugzeuge erwarb, von denen 262 abstürzten und bei denen 116 Piloten ums Leben kamen. Bis heute hat niemand dafür Verantwortung übernommen. Es folgt eine Liste mit den Namen der getöteten deutschen Starfighter-Piloten. Der erste tödliche Absturz war 1962, der letzte 1984.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, die sich während der 1960er Jahre ereignet haben und als Starfighter-Affäre in die Geschichte der Bundeswehr eingegangen sind.
- Ende Juni 2014 kündigte RTL an, dass es gemeinsam mit „Zeitsprung Pictures“ die Geschehnisse verfilmen werde.[2]
- Unter dem Arbeitstitel Witwenmacher wurde der Film zwischen dem 23. Juni und dem 17. August 2014 in Berlin, Hopsten, Rheindahlen, Köln, Stuttgart, Nürtingen und Neunburg vorm Wald[3] produziert. Gedreht wurde an 38 Tagen.[4]
Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursprünglich für den 29. März 2015 angekündigt, sollte der Spielfilm am 2. April 2015 zur Hauptsendezeit auf RTL ausgestrahlt werden. Im Anschluss an den Film war die Dokumentation Mein Mann war Nummer 57 – Peter Kloeppel über das Schicksal der Starfighter-Witwen vorgesehen.[5]
Nach dem Absturz des Germanwings-Flug 9525 am 24. März 2015 in den französischen Alpen verschob RTL den Film jedoch zunächst auf unbestimmte Zeit. Frank Hoffmann, Geschäftsführer Programm RTL Television, begründete die Entscheidung damit, dass man „aus Respekt vor den Gefühlen aller Betroffenen des Germanwings-Unglücks (…) die Ausstrahlung des Films und der nachfolgenden Dokumentation verschieben“ werde, da der Film „hoch emotional“ und „durch den Schmerz der Hinterbliebenen und die bis heute offenen Fragen“ erzählt sei.[6] Insbesondere die Szene, in der ein Starfighter in einen Berg fliegt und zerschellt, wurde wegen der Parallele zum Germanwings-Flug als zu diesem Zeitpunkt nicht präsentierbar angesehen.
Im September desselben Jahres gab RTL bekannt, dass der Film am 12. November 2015 um 20:15 Uhr ausgestrahlt und Peter Kloeppels Starfighter-Dokumentation im Anschluss gesendet würde.[7]
Der Film erschien bereits am 27. März 2015 auf DVD und Blu-ray. Er ist inzwischen auch im Streamingportal RTL+ abrufbar.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einschaltquote
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Erstausstrahlung von Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern am 12. November 2015 wurde in Deutschland von 3,28 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte für RTL einen Marktanteil von 11,1 %.[8]
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]„Regisseur Miguel Alexandre ist es gelungen, einen der größten Skandale der wiederbewaffneten Bundesrepublik für ein breites Publikum aufzubereiten. Dabei bedient er sich durchaus ‚amerikanischer‘ Kinotugenden, die alle Sinne bedienen, und verliert doch über zwei Stunden nie den Plot aus den Augen oder gar die erzählerische Balance. Weder opfert er die Dramaturgie der Genauigkeit, noch stehen die Fakten der Zuspitzung im Weg. […] Im Paket ergeben Spielfilm und Doku einen stolzen Themenabend, wie ihn sich RTL gern häufiger leisten darf.“
„Aber RTL wäre nicht RTL, wenn es aus diesem Stoff kein künstliches Kaugummi-Entertainment voller Klischees und Knalleffekte im Beschuss permanenter Soundkaskaden stricken würde. […] Trotzdem unterscheidet sich dieses Eventmovie von den üblichen RTL-Produktionen. Es gibt glaubhafte Empathie und leidenschaftliche Empörung über das kriminelle System des bayrischen Paten Franz Josef Strauß. Dem Profitinteresse des militärisch-politischen Komplexes hatte Strauß damals nicht nur Milliarden an Steuergeldern, sondern auch das Leben von 116 Piloten geopfert.“
"Geglückte Zeitreise: schnörkellos erzählt und schwungvoll gespielt" – TV Spielfilm[11]
Wissenswertes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- In der etwa dreiminütigen Auftaktszene wird der tatsächlich stattgefundene Flugunfall einer Starfighter-Formation der Luftwaffe der Bundeswehr 1962 auf dem Fliegerhorst Nörvenich romantisiert nachgestellt. Dabei verfolgen die Protagonisten als junge Piloten zusammen mit Freundinnen begeistert die Generalprobe einer Kunstflugschau, um dann entsetzt den abschließenden Unfall und Tod der vierköpfigen Diamond-Formation zu erleben, nachdem deren Anführer mit der Fehlfunktion eines Instrumentes zu kämpfen hatte.
- Die im Film gezeigte waghalsige Unterfliegung einer Brücke, wegen der Harry Schäfer scharf gerügt und nicht zum Staffelkapitän befördert wird, findet vor dem Hintergrund der Wuppertalsperre statt.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2015 (PDF; Prüfnummer: 150 106 V).
- ↑ Timo Nöthling: RTL-Event beschäftigt sich mit „Starfighter-Skandal“. Quotenmeter.de, 26. Juni 2014, abgerufen am 12. März 2015.
- ↑ Karl-Heinz Probst: Starfighter über dem Eixendorfer Stausee. In: Mittelbayerische Zeitung. 11. November 2015, abgerufen am 5. Februar 2018.
- ↑ Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern bei crew united, abgerufen am 12. März 2015.
- ↑ Sidney Schering: Die «Starfighter» fliegen über RTL-Standards hinweg. Quotenmeter.de, 19. Februar 2015, abgerufen am 12. November 2015.
- ↑ Manuel Weis: RTL verschiebt «Starfighter»-Film. Quotenmeter.de, 26. März 2015, abgerufen am 29. März 2015.
- ↑ Alexander Krei: RTL holt "Starfighter"-Drama im November nach. In: DWDL.de. 16. September 2015, abgerufen am 24. Februar 2024.
- ↑ Kevin Kyburz: Primetime-Check: Donnerstag, 12. November 2015. Quotenmeter.de, 13. November 2015, abgerufen am 13. November 2015.
- ↑ Arno Frank: Der Albtraum vom Fliegen. In: Spiegel Online. 12. November 2015, abgerufen am 12. November 2015: „Mit „Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern“ rollt RTL den Skandal um den „Witwenmacher“ der Luftwaffe neu auf. Und stellt tatsächlich die Witwen in den Mittelpunkt.“
- ↑ Jan Freitag: Die Flugzeuge des FJS. In: Die Zeit. 12. November 2015, abgerufen am 12. November 2015.
- ↑ TV Spielfilm Online: Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern - Filmkritik - Film - TV SPIELFILM. Abgerufen am 27. November 2025 (deutsch).