Starogard Gdański

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Starogard Gdański
Wappen von Starogard Gdański
Starogard Gdański (Polen)
Starogard Gdański
Starogard Gdański
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Starogard Gdański
Fläche: 25,27 km²
Geographische Lage: 53° 58′ N, 18° 32′ OKoordinaten: 53° 58′ 2″ N, 18° 31′ 57″ O
Höhe: 70 m n.p.m.
Einwohner: 48.167
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 83-200 bis 83-202
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 22: (Berlin–) Kostrzyn nad OdrąGrzechotki
Schienenweg: Tczew–Chojnice
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 48.167
(31. Dez. 2016)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2213031
Verwaltung (Stand: 2009)
Stadtpräsident: Janusz Stankowiak
Adresse: ul. Gdańska 6
83-200 Starogard Gdański
Webpräsenz: www.starogard.pl



Starogard Gdański Audio-Datei / Hörbeispiel [sta'rɔgard 'gdaɲski]?/i (deutsch Preußisch Stargard) ist eine Stadt im Powiat Starogardzki der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktplatz

Die Stadt liegt in Pommerellen an dem kleinen Fluss Ferse, etwa 21 Kilometer südwestlich von Dirschau (Tczew), 40 Kilometer südlich von Danzig und 67 Kilometer nordöstlich von Konitz (Chojnice).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtwappen um die Mitte des 14. Jahrhunderts
Preußisch Stargard (Pr. Stargard) in Westpreußen, südlich von Danzig an der Danziger Bucht, westlich von Marienburg und nordwestlich von Marienwerder, auf einer Landkarte von 1908.
Preußisch Stargard südlich von Danzig (m Bild rechts) und westlich von Marienburg (am rechten Bildrand unten) auf einer Landkarte von 1910.
Rathaus in nächtlicher Beleuchtung
Front des Rathauses
St.-Katharinen-Kirche
Katholische St.-Matthäus-Kirche (ehemalige Pfarrkirche St. Marien, 14. Jh.)

Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert existierte eine Burg an der Stelle der heutigen Stadt.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen Starogard Gdański stammt vom 11. November 1198 als Starigrod. Die Urkunde erwähnt die angeblich 24 Jahre zuvor erfolgte Schenkung der Burg und ihrer Umgebung durch den pommerschen Herzog Grzymisław an den Johanniterorden.[2] Die Johanniterburg lag am linken Ufer der Ferse an der Stelle der 1655 zerstörten St.-Johannis-Kirche. Am Ort der Burg führte die „Kaufmannsstraße“ über die Ferse.[2] 1269 wurde der Ort als Stargarde (slawisch alte Burg) erwähnt. 1305 eroberte der Deutsche Orden den Ort. Unmittelbar südlich der Burg entstand nach 1309 die Stadt Preußisch Stargard als Gründung des Deutschen Ritterordens.[2] Um 1338 begannen die Einwohner mit dem Bau einer Befestigungsanlage für die Siedlung, ein Jahr später erhielt der Ort sein eigenes Wappen. Das Stadtrecht nach Kulmer Recht erhielt Starogard 1348 vom Hochmeister Heinrich Dusemer. Im Nordwesten erhebt sich über dem Fluss die katholische Pfarrkirche zu St. Marien, später auch »St. Mathaei Apostoli« genannt, eine dreischiffige Basilika aus dem 14. Jahrhundert.

1465 wurde die Stadt von der polnischen Armee belagert. Ein Jahr später wurde Preußisch Stargard Teil des autonomen Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Oberhoheit der polnischen Krone unterstellt hatte. Ein großes Feuer vernichtete 1484 die Hälfte der Stadt. Aus 1525 stammen die ersten Anzeichen der Anwesenheit von Lutheranern. 1557 wurde die St.-Katharinen-Kirche evangelisch und blieb es auch, als 1599 alle übrigen Kirchen den Katholiken ausgeliefert werden mussten. Sie wurde 1792 Opfer des großen Stadtbrandes und anschließend an ihrem heutigen Standort wieder aufgebaut.[2] 1566 wurde die Stadt erstmals Starogard genannt. Der Lauf der Ferse bildete bis in die Neuzeit hinein die Nordgrenze der Stadt, obwohl der Johanniterbesitz bereits 1370 vom Deutschen Orden erworben wurde.[2] 1624 wurde der nördliche und 1749 der südliche Stadtteil gänzlich durch Feuer zerstört.[3]

Während des Zweiten Nordischen Kriegs wurde die Stadt 1655 von den Schweden eingenommen und zwei Jahre lang besetzt.

Durch die erste polnische Teilung von 1772 wurde Stargard Teil Preußens. 1792 wüteten mehrere Feuer in der Stadt und zerstörten sie nahezu vollständig. 1789 hatte Preußisch Stargard, das von einer Stadtmauer umgeben war, innerhalb der Ringmauer 102 Häuser, »größtenteils nach alter Art mit Vorlauben« erbaut, und die Bürgerschaft mitsamt dem Magistrat bestand »fast durchgehends aus Deutschen und Protestanten«, während die Bewohner der Vorstadt größtenteils Polen und Katholiken waren.[3] Mitten auf dem großen viereckigen Marktplatz stand das 1766 errichtete Rathaus »mit einem sehr alten Turme«, auf dem sich die Stadtuhr befand. An allen vier Ecken des Marktplatzes befanden sich öffentliche Brunnen, die mittels einer Wasserkunst aus der Ferse gespeist wurden.[3] Die Anlage einer Wasserkunst mit kupfernen Röhren wird bereits 1514 erwähnt.[2] Mit Hilfe derselben Wasserkunst wurde auch Wasser in das Stadt-Brauhaus geleitet.[3]

1807 besetzten für Napoleon kämpfende Truppen unter Jan Henryk Dąbrowski kurzzeitig die Stadt. Der Beginn des 19. Jahrhunderts bedeutet für den Ort eine zunehmende Industrialisierung und die Stadt, die seit 1818 Kreissitz des Landkreises Preußisch Stargard war, wurde zu einem wichtigen Zentrum für die Getreide-, Tabak-, Leder-Produktion. 1862 erhielt der Ort als einer der ersten im heutigen Polen eine Feuerwehr und zwei Jahre später wurde die Wodka-Fabrik Winkelhausen eröffnet. 1871 erfolgte der Anschluss an das Schienennetz und 1900 wurde ein Wasser- und Gasnetz in der Stadt errichtet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Preußisch Stargard eine evangelische Kirche, eine katholische kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt und eine Reihe von gewerblichen Betrieben.[4]

Bis 1920 war Preußisch Stargard Kreisstadt des Landkreises Preußisch Stargard im Regierungsbezirk Danzig der preußischen Provinz Westpreußen.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Januar 1920 die Bestimmungen des Versailler Vertrags in Kraft traten und der Polnische Korridor durch deutsches Reichsgebiet verlegt wurde, wurde die Stadt ohne Volksabstimmung in die Zweite Polnische Republik eingegliedert. Die deutschen Einwohner wurden aufgefordert, entweder die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen oder die Stadt zu verlassen.

Mit dem deutschen Überfall auf Polen kam Preußisch Stargard wieder in das Reichsgebiet. Nach dem 2. September 1939 sollen in der Stadt etwa 7.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Im Herbst 1939 fanden Krankenmorde an 2.342 psychisch Kranken der Anstalt Konradstein (Koczborwo) statt.[5] In der Stadt wurde ein Außenkommando des KZ Stutthof eingerichtet.

Von 1939 bis 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Preußisch Stargard im Regierungsbezirk Danzig der neuen Provinz Reichsgau Danzig-Westpreußen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Preußisch Stargard am 6. März 1945 von der Roten Armee besetzt. In der Folgezeit wurden die allermeisten deutschen Bewohner aus Preußisch Stargard vertrieben.

1950 erhielt die Stadt Starogard den Zusatznamen Gdański.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Bemerkungen
1772 01.103 [3]
1782 01.410 ohne die hier seit 1776 stationierte Garnison (fünf Kompanien eines 1774 gegründeten Infanterie-Regiments)[3]
1802 02.778 [6]
1810 0 2.235 [6]
1816 02.540 davon 1.118 Evangelische, 967 Katholiken und 450 Juden[6]
1821 0 2.675 [6]
1831 03.145 meist Evangelische[7]
1867 05.568 davon 2.676 Evangelische, 2.082 Katholiken und 796 Juden[8]
1875 06.022 [9]
1880 06.253 [9]
1890 07.080 davon 3,212 Evangelische, 3.366 Katholiken und 454 Juden[9]
1905 10.485 davon 4.252 Protestanten und 352 Juden[4] (6.297 mit deutscher Muttersprache)[2]
1921 13.360 davon 1.780 Deutsche[10]
1943 17.895 [2]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Bemerkungen
2012 49.072

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwei größten Unternehmen des Ortes sind Polpharma SA und Destylarnia Sobieski SA, du unter anderem den bekannten WodkaKrupnik“ herstellt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bahnhof Starogard Gdański kreuzt die nur noch südlich, und auch nur noch im Güterverkehr, betriebene Bahnstrecke Skórcz–Skarszewy die Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze (frühere Preußische Ostbahn).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Stadié (1833–1895), evangelischer Pfarrer, Lokalhistoriker von Preußisch Stargard und Westpreußen

Landgemeinde Starogard Gdański[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Starogard Gdański, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 196,16 km² und hat 16.078 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Arnold (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981 (unveränderter Nachdruck der von Erich Weise herausgegebenen Erstauflage von 1966), ISBN 3-520-31701-X, S. 181.
  • Bernhard Stadié: Geschichte der Stadt Stargard. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Kreises. Preußisch Stargard 1864 (Volltext)
  • Bernhard Stadié: Der landräthliche Kreis Stargard in Westpreußen in historischer Beziehung von den ältesten Zeiten bis jetzt. Teil II: Historische Notizen über die einzelnen Ortschaften des Kreises. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 72, Königsberg 1869, S. 699–726, insbesondere 709-710 (Volltext).
  • Isaac Gottfried Gödtke: Kirchengeschichte der Stadt Stargard, vom Jahre 1577 bis zum Jahre 1758. In: Archiv für vaterländische Interessen. Neue Folge, Jahrgang 1845, Marienwerder 1845, S.192–212.
  • Martin Steinkühler: Preußisch Stargard: 800 Jahre Geschichte – 650 Jahre Stadtrechte. Ausstellungskatalog. Westpreußisches Landesmuseum, Münster 1998

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Starogard Gdański – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c d e f g h Udo Arnold (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981 (unveränderter Nachdruck der von Erich Weise herausgegebenen Erstauflage von 1966), ISBN 3-520-31701-X, S. 181.
  3. a b c d e f Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 62–63.
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, S. 857, Ziffer 2).
  5. Walter Grode: Deutsche "Euthanasie"-Politik in Polen während des Zweiten Weltkrieges pdf, In: Psychologie und Gesellschaftskritik 16 (1992), abgerufen 11. Oktober 2015.
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 386–387, Ziffer 698.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 388–389, Nr. 21.
  8. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 43–44, Ziffer 5.
  9. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Westpreußen, Kreis Preußisch Stargard (2006).
  10. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 15, Leipzig 1933, S. 114.