Maschinelles Lernen

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Maschinelles Lernen ist ein Oberbegriff für die „künstliche“ Generierung von Wissen aus Erfahrung: Ein künstliches System lernt aus Beispielen und kann diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern. Das heißt, es werden nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern es „erkennt“ Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten. So kann das System auch unbekannte Daten beurteilen (Lerntransfer) oder aber am Lernen unbekannter Daten scheitern (Überanpassung).[1][2]

Aus dem weiten Spektrum möglicher Anwendungen seien hier genannt: automatisierte Diagnose­verfahren, Erkennung von Kreditkartenbetrug, Aktienmarkt­analysen, Klassifikation von Nukleotidsequenzen, Sprach- und Texterkennung sowie autonome Systeme.

Das Thema ist eng verwandt mit „Knowledge Discovery in Databases“ und „Data-Mining“, bei dem es jedoch vorwiegend um das Finden von neuen Mustern und Gesetzmäßigkeiten geht. Viele Algorithmen können für beide Zwecke verwendet werden. Außerdem können Methoden der „Knowledge Discovery in Databases“ genutzt werden, um Lerndaten für „maschinelles Lernen“ zu produzieren oder vorzuverarbeiten, und Algorithmen aus dem maschinellen Lernen finden beim Data-Mining Anwendung.

Symbolische und subsymbolische Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim maschinellen Lernen spielt Art und Mächtigkeit der Wissensrepräsentation eine wichtige Rolle. Man unterscheidet zwischen symbolischen Systemen, in denen das Wissen – sowohl die Beispiele als auch die induzierten Regeln – explizit repräsentiert ist, und subsymbolischen Systemen wie neuronalen Netzen, denen zwar ein berechenbares Verhalten „antrainiert“ wird, die jedoch keinen Einblick in die erlernten Lösungswege erlauben; hier ist Wissen implizit repräsentiert.

Bei den symbolischen Ansätzen werden aussagenlogische und prädikatenlogische Systeme unterschieden. Vertreter der ersteren sind ID3 und sein Nachfolger C4.5. Letztere werden im Bereich der induktiven logischen Programmierung entwickelt.

Algorithmische Ansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die praktische Umsetzung geschieht mittels Algorithmen. Verschiedene Algorithmen aus dem Bereich des maschinellen Lernens lassen sich grob nach diesem Schema einteilen:[3]

Überwachtes Lernen (engl. supervised learning)
Der Algorithmus lernt eine Funktion aus gegebenen Paaren von Ein- und Ausgaben. Dabei stellt während des Lernens ein „Lehrer“ den korrekten Funktionswert zu einer Eingabe bereit. Ziel beim überwachten Lernen ist, dass dem Netz nach mehreren Rechengängen mit unterschiedlichen Ein- und Ausgaben die Fähigkeit antrainiert wird, Assoziationen herzustellen. Ein Teilgebiet des überwachten Lernens ist die automatische Klassifizierung. Ein Anwendungsbeispiel wäre die Handschrifterkennung.
Teilüberwachtes Lernen (engl. semi-supervised learning)
Nur für einen Teil der Eingaben sind die dazugehörigen Ausgaben bekannt.[4]
Unüberwachtes Lernen (engl. unsupervised learning)
Der Algorithmus erzeugt für eine gegebene Menge von Eingaben ein Modell, das die Eingaben beschreibt und Vorhersagen ermöglicht. Dabei gibt es Clustering-Verfahren, die die Daten in mehrere Kategorien einteilen, die sich durch charakteristische Muster voneinander unterscheiden. Das Netz erstellt somit selbständig Klassifikatoren, nach denen es die Eingabemuster einteilt. Ein wichtiger Algorithmus in diesem Zusammenhang ist der EM-Algorithmus, der iterativ die Parameter eines Modells so festlegt, dass es die gesehenen Daten optimal erklärt. Er legt dabei das Vorhandensein nicht beobachtbarer Kategorien zugrunde und schätzt abwechselnd die Zugehörigkeit der Daten zu einer der Kategorien und die Parameter, die die Kategorien ausmachen. Eine Anwendung des EM-Algorithmus findet sich beispielsweise in den Hidden Markov Models (HMMs). Andere Methoden des unüberwachten Lernens, z. B. Hauptkomponentenanalyse, verzichten auf die Kategorisierung. Sie zielen darauf ab, die beobachteten Daten in eine einfachere Repräsentation zu übersetzen, die sie trotz drastisch reduzierter Information möglichst genau wiedergibt.
Bestärkendes Lernen (engl. reinforcement learning)
Der Algorithmus lernt durch Belohnung und Bestrafung eine Taktik, wie in potenziell auftretenden Situationen zu handeln ist, um den Nutzen des Agenten (d. h. des Systems, zu dem die Lernkomponente gehört) zu maximieren. Dies ist die häufigste Lernform eines Menschen.
Aktives Lernen (engl. active learning)
Der Algorithmus hat die Möglichkeit für einen Teil der Eingaben die korrekten Ausgaben zu erfragen. Dabei muss der Algorithmus die Fragen bestimmen, welche einen hohen Informationsgewinn versprechen, um die Anzahl der Fragen möglichst klein zu halten.[5]

Des Weiteren unterscheidet man zwischen Batch-Lernen, bei dem alle Eingabe/Ausgabe-Paare gleichzeitig vorhanden sind, und kontinuierlichem (sequentiellem) Lernen, bei dem sich die Struktur des Netzes zeitlich versetzt entwickelt.

Außerdem unterscheidet man zwischen Off-line-Lernen, bei dem alle Daten gespeichert sind und somit wiederholbar zugreifbar sind, und On-line-Lernen, bei dem die Daten nach einmaligem Ausführen und Anpassen der Gewichte verloren gehen. Batch Training ist immer off-line, On-line-Training ist immer inkrementell. Inkrementelles Lernen kann jedoch on-line oder off-line erfolgen.[6]

Lernkategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund folgender Kategorien kann eine Maschine lernen:

  • Parameter
  • Strukturen
  • versteckte Konzepte

Übersicht über wichtige Ansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei verschiedene Ansätze von Maschinellem Lernen: Deep Learning und Shallow Learning.[7]

  Deep Learning Shallow Learning
(Surface Learning)
Überwacht
(Supervised Learning, Input: Daten + Klassifikation)
Unüberwacht
(Unsupervised Learning, Input: nur Daten)

Die Schnittmenge der beiden Ansätze Unsupervised oder Supervised nennt sich Semi-supervised oder Self-supervised.

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deeplearning4j ist eine in Java programmierte Open-Source-Software[8], die ein künstliches neuronales Netz implementiert.
  • ELKI ist eine in Java programmierte Open-Source-Software mit Schwerpunkt auf unüberwachtem Lernen und mit Indexunterstützung zur Beschleunigung von Algorithmen.
  • GNU R ist eine auf vielen Plattformen verfügbare, freie Statistiksoftware mit Erweiterungen zum maschinellen Lernen (z. B. rpart, randomForest) und Data-Mining.
  • KNIME ist eine Open-Source-Datamining-, Workflow- und Data-Pipelining-Software.
  • OpenNN ist eine in C++ geschriebene Programmbibliothek, die ein künstliches neuronales Netz implementiert.
  • RapidMiner ist eine operatorbasierte graphische Oberfläche für maschinelles Lernen mit kommerziellem Support, aber auch einer Community-Edition.
  • Shogun ist eine Open-Source-Toolbox für Kernel-Methoden.
  • WEKA ist eine auf Java basierende Open-Source-Software mit zahlreichen Lernalgorithmen.
  • TensorFlow ist eine von Google entwickelte Open-Source-Software-Bibliothek für maschinelles Lernen.
  • Das seit 2008 entwickelte Encog ist ein Framework zum maschinellen Lernen für Java, C++ und .NET. Die Stärken befinden sich bei Algorithmen für neuronale Netze.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher M. Bishop: Pattern Recognition and Machine Learning. Information Science and Statistics. Springer-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-0-387-31073-2.
  • David J. C. MacKay: Information Theory, Inference and Learning Algorithms. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-64298-9 (Online).
  • Trevor Hastie, Robert Tibshirani, Jerome Friedman: The Elements of Statistical Learning. Data Mining, Inference, and Prediction. 2. Auflage. Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-0-387-84857-0.
  • Thomas Mitchell: Machine Learning. Mcgraw-Hill, London 1997, ISBN 978-0-07-115467-3.
  • D. Michie, D. J. Spiegelhalter: Machine Learning, Neural and Statistical Classification. In: Ellis Horwood Series in Artificial Intelligence. E. Horwood Verlag, New York 1994, ISBN 978-0-13-106360-0.
  • A.P. Dempster, N.M. Laird, D.B. Rubin: Maximum Likelihood from Incomplete Data via the EM Algorithm. In: Journal of the Royal Statistical Society. 39, Nr. 1, 1977. JSTOR 2984875.
  • Maschinen lernen – ohne Verstand ans Ziel, Wissenschaftsfeature, Deutschlandfunk, 10. April 2016. Audio, Manuskript

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias Reitmaier: Aktives Lernen für Klassifikationsprobleme unter der Nutzung von Strukturinformationen. kassel university press, Kassel 2015, ISBN 978-3-86219-999-0, S. 1 (Google books).
  2. Lillian Pierson: Data Science für Dummies. 1. Auflage. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2016, ISBN 978-3-527-80675-1, S. 105 f. (Google books).
  3. ftp://ftp.sas.com/pub/neural/FAQ.html#questions
  4. Ralf Mikut: Data Mining in der Medizin und Medizintechnik. KIT Scientific Publishing, 2008, ISBN 978-3-86644-253-5, S. 34 (Google books).
  5. Paul Fischer: Algorithmisches Lernen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-663-11956-2, S. 6–7 (Google books).
  6. ftp://ftp.sas.com/pub/neural/FAQ2.html#A_styles
  7. Yanming Guo: A Comparison between Artifical Neural Network and Cascade-Correlation Neural Network in Concept Classification. In: Advances in Multimedia Information Processing. Springer-Verlag, 2014, S. 248 (Google Books).
  8. Deeplearning4j on Github
  9. Encog Machine Learning Framework. 2017, abgerufen am 22. April 2017.