Staufenberg (Hessen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Staufenberg
Staufenberg (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Staufenberg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 40′ N, 8° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Gießen
Höhe: 195 m ü. NHN
Fläche: 28,6 km2
Einwohner: 8314 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 291 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35460
Vorwahl: 06406
Kfz-Kennzeichen: GI
Gemeindeschlüssel: 06 5 31 017
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Tarjanplatz 1
35460 Staufenberg
Webpräsenz: www.staufenberg.de
Bürgermeister: Peter Gefeller (SPD)
Lage der Stadt Staufenberg im Landkreis Gießen
NiederdorfeldenBiebertalWettenbergLollarStaufenberg (Hessen)Allendorf (Lumda)Rabenau (Hessen)Heuchelheim (Hessen)GießenBuseckGrünberg (Hessen)FernwaldLinden (Hessen)LanggönsPohlheimReiskirchenLichHungenLaubachWetteraukreisVogelsbergkreisLandkreis Limburg-WeilburgLandkreis Limburg-WeilburgLandkreis Marburg-BiedenkopfLahn-Dill-KreisKarte
Über dieses Bild
Historischer Ortskern mit Ober- und Unterburg des Ortsteils Staufenberg

Staufenberg ist eine Stadt im Norden des mittelhessischen Landkreises Gießen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bebauung der Stadt geht im Westen unmittelbar in die der Nachbarstadt Lollar über. Die Universitätsstadt Gießen, ein Zentrum Mittelhessens, ist Staufenbergs südliche Nachbarstadt. Marburg an der Lahn liegt knapp 20 km nördlich.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staufenberg grenzt im Norden an die Gemeinden Fronhausen und Ebsdorfergrund (beide Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Osten an die Stadt Allendorf (Lumda), im Süden an die Gemeinde Buseck sowie im Westen an die Stadt Lollar (alle im Landkreis Gießen).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Staufenberg gehören die Stadtteile Daubringen, Mainzlar, Staufenberg und Treis an der Lumda.[2]

Die rund 8500 Einwohner verteilen sich auf die vier Stadtteile Staufenberg (2600), Treis (2300), Mainzlar (1800) und Daubringen (1800). Der Stadtteil Staufenberg besitzt seit mindestens 1336 Stadtrechte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtteil Staufenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staufenberg wurde 1226 erstmals urkundlich erwähnt.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Staufenberg unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]

  • Stophinberg, de (1226) [Kopiar Riedesel zu Eisenbach 2, Nr. 2 = Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 2, Nr. 2 S. 634]
  • Stouphenberch, in castro (1233) [Wenck, Hessische Landesgeschichte 2,1, Nr. 114]
  • Staufinberg, de (1315) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 437]
  • Stoffenberg (1336) [Kopiar Klosterarchive 3: Oberhessische Klöster, Band 1, Nr. 832]
  • Stoyfenberg, tzu (1349) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 849]
  • Staufenburg, zu (1369) [XVI Jh. Mittermaier, Verzeichnis von Urkunden, S. 18]
  • Stauffenberg (1409) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 33]

Ausgliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1974 wurde Gebietsteile mit damals etwas weniger als 100 Einwohnern an die Nachbarstadt Lollar abgetreten.[4]

Stadt Staufenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1974 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Daubringen, Mainzlar und Treis an der Lumda mit der Stadt Staufenberg zur neuen Stadt Staufenberg zusammengeschlossen.[4] Diese gehörte vom 1. Juli 1974 bis zur Wiedereinrichtung des Landkreises Gießen am 1. August 1979 dem Lahn-Dill-Kreis an.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

  • 1577: 84 Hausgesesse
  • 1648: 48 Untertanen, 15 Witwen, 2 Befreite
  • 1742: 03 Geistliche/Beamte, 92 Untertanen, 38 Junge Mannschaften
Staufenberg: Einwohnerzahlen von 1669 bis 2015
Jahr  Einwohner
1669
  
382
1830
  
537
1834
  
541
1840
  
608
1846
  
632
1852
  
621
1858
  
577
1864
  
586
1871
  
578
1875
  
559
1885
  
623
1895
  
650
1905
  
729
1910
  
820
1925
  
950
1939
  
1.010
1946
  
1.526
1950
  
1.582
1956
  
1.522
1961
  
1.609
1967
  
1.656
1972
  
1.806
1976
  
7.325
1984
  
7.162
1992
  
7.627
2000
  
7.800
2010
  
8.139
2015
  
8.200
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; 1972:[5]; 1976:[6]; 1984:[7]; 1992:[8]; 2000, 2015:[9]; 2010:[10]
Ab 1976 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

1830: 537 evangelische Einwohner
1961: 1295 evangelische, 302 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

1961: Erwerbspersonen: 126 Land- und Forstwirtschaft, 450 Prod. Gewerbe, 107 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 99 Dienstleistungen und Sonstiges.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Staufenberg unterstand im Überblick:[3][11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[14] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[15][16]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Insgesamt 27 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD SPD 38,6 10 43,5 12 49,9 13 48,7 13
CDU CDU 25,4 7 26,0 7 28,9 8 30,8 8
FW Freie Wähler 22,9 6 14,8 4 18,0 5 16,8 5
GAL Grün-Alternative Liste 13,1 4 12,8 3
FDP FDP 2,8 1 3,2 1 2,5 1
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 1,1 0
Gesamt 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 27
Wahlbeteiligung in % 49,4 53,6 39,3 50,2

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sozialdemokrat Peter Gefeller wurde am 27. März 2011 zum neuen Bürgermeister von Staufenberg gewählt. Der 44-jährige Rechtsanwalt erhielt 54,66 Prozent der Wählerstimmen. Sein Herausforderer Dennis Pucher (FDP) konnte 41,1 Prozent der Stimmen für sich verbuchen, Sabine Lochnit (parteilos) erreichte 4,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,02 Prozent. Peter Gefeller trat damit die Nachfolge von Horst Münch (SPD) an, der nicht mehr zur Wahl angetreten war.[17]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Mainzlar von der Burg Staufenberg
Blick auf den Ortskern von Staufenberg von der Burg Staufenberg
Staufenberg - Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Boden- und Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Totenberg im Ortsteil Treis auf der Gemarkungsgrenze zu Allendorf birgt mehrere archäologische Besonderheiten. Bei Nachforschungen an sogenannten Quarzitabris am südöstlichen Hangfuß kamen altsteinzeitliche Steinwerkzeuge zutage; ein Ringwall auf dem Bergplateau erbrachte archäologische Streufunde unterschiedlicher Zeitstellung, insbesondere der Michelsberger Kultur, der älteren Eisenzeit und des Frühmittelalters.[18]

Die Burg Staufenberg, eine Höhenburg auf dem namengebenden Staufenberg, bildete die Keimzelle zur Entwicklung des Marktstädtchens Staufenberg im Mittelalter. Noch heute prägt der Stadtteil Staufenberg mit den Ruinen der Oberburg, der gastronomisch genutzten Unterburg und seiner vom spätmittelalterlichen Torturm geschmückten Altstadt das Landschaftsbild im nördlichen Kreis Gießen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bedeutendste Sportverein der Stadt ist der TV 05 Mainzlar, dessen Damen-Handball-Mannschaft lange Zeit in der ersten Bundesliga und im Europapokal gespielt hat und einmal den DHB-Pokal nach Staufenberg holte. Aktuell spielt die erste Mannschaft in der Landesliga Mitte (Hessen). In jedem Stadtteil existieren Sportvereine mit einem breiten Angebot an Breiten- und Leistungssport. Wichtigste Feste eines jeden Jahres ist die Staufenberger und Mainzlarer und Treiser Kirmes, die jeweils im Ortskern der jeweiligen Stadtteilen stattfinden. Veranstalter ist in Staufenberg die Burschenschaft "Germania" e.V., In Mainzlar die Burschenschaft "Frohsinn" e.V. und in Treis die "Träser Muspretzer" e.V.

Staufenberg in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schriftsteller Peter Kurzeck, als Flüchtlingskind in Staufenberg aufgewachsen, machte das „Dorf seiner Kindheit“, das Staufenberg der 1950er Jahre, zum Gegenstand seines Romans Kein Frühling (1987; erweitert 2007), für den Kurzeck 1991 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet wurde.

Seine Erinnerungen an das Staufenberg der Nachkriegszeit hat Kurzeck außerdem in Form mündlicher Erzählung als Tondokument festgehalten (Ein Sommer, der bleibt, 2007), das von hr2 als Hörbuch des Jahres 2008 ausgezeichnet wurde.[19] Das Werk wurde als „literaturhistorisches Ereignis“ gefeiert[20] und insgesamt als authentisches Stück Erinnerung bezeichnet, da es ganz ohne Textvorlage entstand und dennoch als Roman angesehen wird.[21]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehem. Bahnhof in Treis

Auto: direkte Anschlüsse an die B3a nördlich des Gießener Nordkreuzes, über das Anschluss an die Bundesautobahn 480 Wetzlar-Reiskirchen besteht. Die Landesstraße (L 3146) führt durch das Lumdatal.

Die Personenbeförderung per Busbedienung erfolgt mit der Linie 520 auf der Relation Grünberg - Londorf - Lollar - Gießen sowie die Schülerbeförderung mit der Linie 52.

Von 1902 bis 1981 gab es Personenverkehr auf der Lumdatalbahn, die vom Bahnhof Lollar über Londorf nach Grünberg führt. Bahnhöhe gab es in den Stadtteilen Mainzlar und Treis. Aktuell findet Güterverkehr bis zum Anschluss der Didier-Werke statt.

Seit 1993 gibt es regelmäßig Sonderfahrten, die seit 1997 im Bahnhof Mainzlar enden. In Daubringen befindet sich ein weiterer Haltepunkt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Staufenberg (Hessen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2016 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Staufenberger Ortsteile. Website der Stadt Staufenberg
  3. a b c d e f Staufenberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 365 und 387.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden  vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  9. Gemeindedatenblatt: Staufenberg. In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH; (PDF; 222 kB).
  10. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 30. Juni 2010. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 11, archiviert vom Original am 7. Februar 2018; abgerufen am 20. März 2018 (PDF; 552 kB).
  11. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  12. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 413, Weimar 1821
  14. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  15. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  16. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  17. Staufenberg: Peter Gefeller gewinnt die Wahl zum Bürgermeister. 27. März 2011, abgerufen am 25. November 2016.
  18. Projekt Regionalarchäologie Totenberg/Kreis Gießen AG Archäologie beim Oberhessischen Geschichtsverein Gießen e.V.
  19. hr-online über die Preisverleihung
  20. Die Zeit über Ein Sommer, der bleibt
  21. Überblick beim Perlentaucher über die verschiedenen Rezensionen von Ein Sommer, der bleibt.