Steamboat Willie

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Filmdaten
Deutscher Titel Ein Schiff streicht durch die Wellen (1930)
Steamboat Willie (seit 1990)
Originaltitel Steamboat Willie
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1928
Länge 7:45 Minuten
Altersfreigabe FSK 0
Stab
Regie Ub Iwerks, Walt Disney
Drehbuch Walt Disney, Ub Iwerks
Produktion Walt Disney, Roy O. Disney
Musik Wilfred Jackson, Bert Lewis
Besetzung

Steamboat Willie ist der erste vertonte, öffentlich aufgeführte Zeichentrickfilm mit der Cartoonfigur Micky Maus.

Nachdem Walt Disney zuvor schon zwei Stummfilme mit Micky Maus produziert hatte, setzte er bei Steamboat Willie erstmals die Möglichkeiten des Tonfilms ein. Am 18. November 1928 wurde der Film uraufgeführt. Die beiden Stummfilme wurden nachvertont und anschließend veröffentlicht.

Regie und Drehbuch wurden von Walt Disney und Ub Iwerks übernommen, die Musik stammt von Wilfred Jackson (und nicht, wie oft angenommen, von Carl Stalling) und besteht aus populären Folkloresongs wie Steamboat Bill (der auch die Inspiration für den Titel war) und Turkey in the Straw.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mickey arbeitet unter dem Kapitän Pete (Kater Karlo) auf dem Dampfer Willie. Er steht fröhlich pfeifend auf der Brücke und steuert das Schiff, bis Kater Karlo ihn wütend von der Brücke wirft und selber das Ruder übernimmt. Wenig später nehmen sie an einem Ufer eine Kuh als Fracht auf. Kurz nachdem sie wieder abgelegt haben, erscheint Minnie am Ufer, kann aber das Boot nicht mehr erreichen. Mickey gelingt es dennoch, sie aufs Boot zu hieven – dabei verliert Minnie die Notenblätter zum Lied Turkey in the Straw, die von einer Ziege gefressen werden. Daraufhin dreht Minnie am Schwanz der Ziege, die daraufhin wie ein Phonograph das Lied spielt. Mickey spielt dazu auf unterschiedlichen Gegenständen und nutzt verschiedene Tiere als Instrumente, unter anderem die Kuh, auf deren Zähnen er wie auf einem Xylophon spielt. Von diesem „Lärm“ gestört, scheucht Kater Karlo die beiden auf und verdonnert Mickey zum Kartoffelschälen. Sein Papagei macht sich darüber lustig und wird kurzerhand von Mickey über Bord geworfen, sodass er zum Schluss lacht.

Ton im Zeichentrickfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steamboat Willie wird zu Unrecht oft als erster Trickfilm mit Ton bezeichnet. Dabei wurden bereits ab 1924 Cartoons mit Ton produziert und veröffentlicht, darunter Max Fleischers My Old Kentucky Home (1926) und Paul Terrys Dinner Time (1928). Steamboat Willie war aber der erste dieser Filme, der ein größeres Publikum erreichte. Für die Synchronisierung der künstlich geschaffenen Tonaufnahme mit den Bildern eines Zeichentrickfilms wurde von Disneys Studio ein spezielles Produktionsverfahren entwickelt, das dem Unternehmen für mehrere Jahre einen technologischen Vorsprung sicherte.

Aufführung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem bereits ab 1927 Disneys frühere Oswald- und Alice-Trickfilme in Deutschland aufgeführt wurden, kamen ab 1930 auch die Micky-Maus-Filme in die deutschen Kinos. Steamboat Willie durchlief unter dem Namen Ein Schiff streicht durch die Wellen am 11. Februar 1930 die Filmprüfstelle Berlin.

Erst 1999 wurde der Cartoon in Deutschland auf dem Video Mickys größte Hits veröffentlicht, diesmal unter seinem Originaltitel. Auf DVD ist der Film 2009 in der Reihe Walt Disney Kostbarkeiten – Micky Maus in schwarz-weiß – Volume 1: 1928–1935 erschienen.

Am 17. Januar 2014 war es der erste Zeichentrickfilm der auf dem neuen Fernsehsender Disney Channel (Deutschland) gezeigt wurde.

Urheberrechts-Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Copyright an dem Film stand schon mehrfach (1953, 1984, 2003) kurz vor dem Auslaufen, so dass das Werk anschließend gemeinfrei gewesen wäre. Jedes Mal gelang es dem Walt Disney Konzern, mit Hilfe des US-Kongress eine Verlängerung zu erwirken, so dass momentan das Copyright noch bis einschließlich 2023 gültig ist. Dies hat dem Konzern nicht nur Lobbyismus-Vorwürfe eingebracht, sondern auch einige Nachforschungen darüber ausgelöst, ob die ursprüngliche Copyright-Verlängerung überhaupt juristisch korrekt war.[1] Zwei Untersuchungen von 1999[2] und 2003[3] kamen zu dem Schluss, dass der Film längst gemeinfrei sei, was vom Walt Disney Konzern bestritten wird.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung wurde im Laufe der Zeit immer wieder aufgenommen. In einem Band der Lustiges Taschenbuch-Reihe (Nr. 267) wird eine Geschichte als Nachruf auf den Film veröffentlicht. Auch wurde der Film in der Fernsehserie Die Simpsons von Itchy & Scratchy parodiert.

Das von der Ziege „gespielte“ Lied „Turkey in the Straw“ war 1935 in „Mickey Mouse and Friends: Band Concert“ erneut zu hören, diesmal spielte es Donald Duck auf seiner Flöte.

Im Buch "The Green Mile" von Stephen King heißt die Maus von Block E zunächst „Steamboat Willie“ und wird erst später von Eduard Delacroix "Mr. Jingles" genannt

In der Episode Wie man ein Ober wird (How to be a Waiter) aus der Serie Neue Micky Maus Geschichten wurde Steamboat Willie ebenfalls aufgegriffen. Auf der Suche nach dem richtigen Film versucht sich Goofy im Stummfilm Steamboat Goofy. In der Anfangsszene wurden Micky und Minnie durch Goofy und Klarabella ersetzt. Abgesehen davon, dass nicht Micky Maus, sondern Goofy das Dampfschiff steuert und dazu pfeift, beginnt der Film wie gewohnt. Danach jedoch kollidiert "Steamboat Goofy" mit "Steamboat Willie". Nachdem sich Micky Maus beschwert, geht Goofys Schiff unter. (1 (Memento vom 26. Juni 2014 im Internet Archive))

Ein Ausschnitt aus Steamboat Willie wird im Vorspann von Produktionen der Walt Disney Animation Studios als animiertes Logo gezeigt.

1998 wurde Steamboat Willie in das National Film Registry aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Whose mouse is it anyway? Los Angeles Times – Joseph Menn, 22. August 2008, abgerufen am 23. April 2017.
  2. Mickey Mouse - A Truly Public Character. Arizona State University College of Law – Lauren Vanpelt, 1999, abgerufen am 23. April 2017.
  3. Free Mickey Mouse: Copyright Notice, Derivative Works, and the Copyright Act of 1909. University of Virginia School of Law – Douglas A. Hedenkamp, 2003, abgerufen am 23. April 2017.