Stearin

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Stearin ist ein Gemisch aus Stearin- und Palmitinsäure, das aus den entsprechenden Triglyceriden (pflanzliche und tierische Fette und Öle) durch Verseifung und Ansäuern[1] der Seifenlauge gewonnen wird.[2] Es wird unter anderem benutzt, um Kerzen und Seifen herzustellen.

Stearin wurde 1818 als geeigneter Kerzenrohstoff entdeckt. Stearin wird ebenfalls als Zusatz von industriell angewendeten Schmierstoffen eingesetzt, um die Trennfähigkeit zu erhöhen. Der Schmelzbereich von Stearin liegt je nach Zusammensetzung zwischen 60 und 70 °C. Im Gegensatz zu Paraffin, das ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung ist, wird Stearin hauptsächlich aus pflanzlichem Palmöl oder aus tierischem Fett gewonnen. Palmöl ist biologisch abbaubar. Stearin-Kerzenreste, die nur natürliche oder naturidentische Farbstoffe enthalten, können kompostiert werden.

Marktanteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stearin wird seltener für die Kerzenherstellung verwendet, da Paraffin günstiger und universeller einsetzbar ist. Von den 163.532 Tonnen Kerzen, die im Jahr 2005 auf dem deutschen Markt verkauft wurden, betrug der Anteil der Stearinkerzen nach Schätzungen der Industrie 7 %. Bei steigenden Rohölpreisen kann sich der Anteil zu Gunsten der davon unabhängigen Stearinkerzen verschieben. Viele Kerzen bestehen aus einem Gemisch von Paraffin und Stearin, beispielsweise im Verhältnis 80 % Paraffin zu 20 % Stearin.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Produktionsprozess unterscheidet sich vom herkömmlichen Prozess dadurch, dass Stearinkerzen nur im Gießverfahren hergestellt werden können. Das Gießverfahren wird teilweise auch für Paraffinkerzen verwendet, um durchgefärbte und qualitativ hochwertige Kerzen zu produzieren. Ansonsten werden Paraffinkerzen gepresst, gezogen und extrudiert.

Qualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stearinkerzen sind fester und rußen weniger als Paraffinkerzen. Stearinkerzen haben im Vergleich zu Paraffinkerzen durch den höheren Schmelzpunkt den Vorteil einer höheren Formstabilität unter Wärmeeinwirkung. Stearin bleibt bis ca. 54 bis 55 °C fest und wird dann flüssig, ohne weich zu werden. Paraffin wird dagegen ab etwa 40 °C weich und bei etwa 55 °C flüssig. Bei direkter Sonneneinstrahlung verbiegen sich Paraffinkerzen, während Stearinkerzen bis etwa 54 °C formstabil bleiben.

Umweltbilanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stearin wird zu 100 % aus pflanzlichen, bzw. tierischen, und somit nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und kann – im Gegensatz zum Paraffin aus Erdöl – im Idealfall als CO2-neutral gelten. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn zur Gewinnung pflanzlichen Öls oder Fettes zunächst Natur-Vegetation beseitigt wird, wie dies beispielsweise bei der Verwendung von Palmöl sehr häufig der Fall ist. Im Extremfall kann durch die Brandrodung von Torfwald das bis zu Siebenfache der CO2-Emissionen im Vergleich zu Paraffin entstehen.[3] Als Bio-Kerzen dürfen daher nur Stearinkerzen bezeichnet werden, die aus nachhaltig angebautem Palmöl hergestellt werden. Die Produktion nach RSPO-Richtlinien („Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“ – englisch: Roundtable on Sustainable Palm Oil – unter Beteiligung des WWF)[4] ist neben dem Siegel für kontrolliert biologischen Anbau bislang das einzige existierende so genannte Nachhaltigkeits-Siegel für Palmöl auf dem Markt. Bei vielen Umwelt- und Naturschutzorganisationen ist der RSPO jedoch umstritten, unter anderem, weil die Palmölfirmen ihre Zertifizierer selbst auswählen und bezahlen, weil der RSPO keine unabhängigen Prüfungen der Zertifikate beinhaltet und weil die Palmöl-Industrie im RSPO stimmenmäßig dominiert.[5]

Eine angeblich höhere Schadstoffbelastung beim Abbrand von Paraffinkerzen im Vergleich zu Stearinkerzen durch Bildung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Dioxinen und Furanen wurde durch Untersuchungen nicht bestätigt.[6][7]

Zur Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der internationalen Literatur wird mit Stearin das Glyceroltristearat (Tristearin) angedeutet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Neubauer: Kekules Träume, Springer Spektrum, Springer-Verlag, 2014, ISBN 978-3-642-41709-2, S. 100.
  2. Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher (Hrsg.): Lexikon der Chemie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2001.
  3. Rettet den Regenwald e.V. - Themenfeld Palmöl. In: www.regenwald.org. Abgerufen am 23. Dezember 2016.
  4. RSPO-Website
  5. Mein name: Robin Wood  e.V. - Themenfeld Tropenwald. In: www.robinwood.de. Abgerufen am 23. Dezember 2016 (deutsch).
  6. Untersuchung von Brandgasen bei Paraffin-Duftkerzen (PDF; 462 kB)
  7. VDK – Geben brennende Kerzen Schadstoffe ab?