Stechpalmen

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Stechpalmen
Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium), Illustration.

Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium), Illustration.

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Stechpalmenartige (Aquifoliales)
Familie: Stechpalmengewächse
Gattung: Stechpalmen
Wissenschaftlicher Name der Familie
Aquifoliaceae
Bercht. & J.Presl
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Ilex
L.

Die Stechpalmen (Ilex), auch Winterbeeren, Christdorn, Hülsdorn, Stechhülsen oder (in Österreich) auch Schradler genannt, sind die einzige Pflanzengattung der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Einige Arten und Sorten sind Zierpflanzen für Parks und Gärten. Die Zweige mit den roten Früchten werden in Großbritannien, in Frankreich und Nordamerika als Weihnachtsdekoration verwendet und werden zunehmend auch in Mitteleuropa populär.

Etymologie[Bearbeiten]

Alle westgermanischen Sprachen haben ein indogermanisches Stammwort als hul- (ahd. hulis, huls > Stechhülsen; mittelniederländisch huls > niederländisch hulst; altenglisch holeġn > englisch holly, daraus Hollywood) behalten. Als einzige unter den romanischen Sprachen hat die französische Sprache das germanische Wort *hulis als houx entliehen. Das gleiche indogermanische Stammwort erklärt keltische Worte wie walisisch celyn, bretonisch kelen(n) und irisch cuilleann.

Im Gegensatz dazu behielten die meisten romanischen Sprachen das lateinische Wort acrifolium, das später als aquifolium falsch interpretiert wurde. So verwenden das Italienische agrifoglio und das Okzitanische grefuèhl ((a)grifou(i)l, daraus die falsche Französisierung Aigrefeuille).

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium): Die Blätter sowie die (roten) Beerenfrüchte sind stark giftig. Stechpalmen enthalten das Nitril Menisdaurin sowie die Stoffe Rutin, Ursolsäure und Ilicin. In den Früchten sind Triterpene, in den Blättern Saponine enthalten. Dabei gelten 20 bis 30 rote Beeren für Erwachsene als tödliche Dosis, bei Kindern entsprechend weniger.[1]

Symptome einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Lähmungen, Nierenschäden, Durchfall, Magenentzündung, Schläfrigkeit.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Ilex-Arten sind sommer- oder immergrüne Bäume und Sträucher, die Wuchshöhen von 2 bis 25 m erreichen. Sie haben oft ledrige Laubblätter. Die Nebenblätter sind klein.

Sie sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blüten sind klein und unscheinbar und haben neben den Blütenhüllblättern nur einen Staubblattkreis und vier verwachsene Fruchtblätter. Der Fruchtknoten ist oberständig. Die roten, braunen bis schwarzen, selten grün bleibenden, Steinfrüchte enthalten je einen bis zehn Samen.

Untergattung Prinos: Ilex serrata ohne Blätter mit Früchten
Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)
Japanische Stechpalme (Ilex crenata)
Mate-Strauch (Ilex paraguariensis)
Zweig mit gestielten, einfachen Laubblättern und Blütenstand von Ilex pedunculosa
Laubblätter und Früchte von Ilex verticillata
Habitus von Ilex yunnanensis

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Ilex wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 125 aufgestellt. Typusart ist Ilex aquifolium L. Synonyme Ilex L. sind: Agrifolium Hill, Aquifolium Mill., Nemopanthus Raf., Prinos L., Ilicioides Dum. Cours. nom. rej., Pileostegia Turcz. nom. illeg. non Hook. f. & Thomson. Als gültige Erstveröffentlichung für die Familie Aquifoliaceae wurde Friedrich von Berchtold und Karl Bořiwog Presl: O Přirozenosti rostlin, aneb rostlinar, 2, 110, 1825, S. 440, 438 festgelegt.[2] Ein Synonym für Aquifoliaceae Bercht. & J.Presl nom. cons. ist Ilicaceae Dumort.[3]

Die Gattung Stechpalmen (Ilex) ist weltweit in allen Klimazonen verbreitet. Die meisten Arten gedeihen in den Tropen und Subtropen. In China gibt es 204 Arten, von denen 149 Arten nur dort vorkommen. Nur wenige Arten dringen in Nordamerika und Ostasien auch in die gemäßigten Breiten vor. In Mitteleuropa ist nur eine Art, die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium), heimisch; sie ist in Westeuropa und im Mittelmeerraum verbreitet.

Die Gattung Ilex umfasst etwa 400 bis 600 Arten und wird in drei Untergattungen gegliedert:[4]

  • Untergattung Byronia: Sie enthält nur eine Art:[4]
    • Ilex polypyrena C.J.Tseng & B.W.Liu: Dieser Endemit gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 1000 Meter nur in Shiwan Dashan im südlichen Teil der chinesischen Provinz Guangxi.[4]
  • Untergattung Prinos (L.) A.Gray: Sie enthält etwa zwölf Arten:[4]
    • Ilex aculeolata Nakai: Sie gedeiht in Höhenlagen von 100 bis 1200 Meter nur in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangxi sowie Zhejiang (Taishun).[4]
    • Ilex asprella (Hook. & Arn.) Champ. ex Benth.: Sie ist in China sowie auf den Philippinen und vielleicht in Vietnam verbreitet.[4]
    • Ilex chapaensis Merr.: Sie ist im nördlichen Vietnam und in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan sowie im südlichen Yunnan verbreitet.[4]
    • Ilex fragilis Hook. f.: Sie ist in Indien, Bhutan, Nepal, nördlichen Myanmar und in den chinesischen Provinzen Guizhou (Weining), Sichuan, Yunnan, im südlichen sowie südöstlichen Xizang verbreitet.[4]
    • Ilex kiangsiensis (S.Y.Hu) C.J.Tseng & B.W.Liu: Sie gedeiht in Höhenlagen von 700 bis 1000 Meter nur in den chinesischen Provinzen nördlichen Guangdong (Ruyuan), Hunan (Xinhuang, Zhijiang) sowie Jiangxi.[4]
    • Ilex kusanoi Hayata: Sie kommt in Japan und in Taiwan nur in Huoshao Dao sowie Lan Yu vor.[4]
    • Großfrüchtige Stechpalme[5] (Ilex macrocarpa Oliv.): Sie gedeiht in Höhenlagen von 400 bis 4500 Meter nur in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, südlichen Shaanxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang.[4]
    • Ilex macropoda Miq.: Sie ist in China, Japan und Korea verbreitet.
    • Ilex micrococca Maxim: Sie ist in China, Japan und Vietnam verbreitet.[4]
    • Ilex polyneura (Hand.-Mazz.) S.Y.Hu: Sie gedeiht in Höhenlagen von 1000 bis 2600 Meter nur in den chinesischen Provinzen Guizhou (Bijie), südwestlichen Sichuan, Yunnan sowie in Xizang.[4]
    • Ilex serrata Thunb.: Sie ist Japan und in den chinesischen Provinzen Fujian (Nanping), Hunan, Jiangxi, Sichuan sowie Zhejiang verbreitet.[4]
    • Ilex tsoi Merr. & Chun: Sie gedeiht in Höhenlagen von 300 bis 2000 Meter nur in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Sichuan sowie Zhejiang.[4]
  • Untergattung Ilex L.: Sie enthält die restlichen über 400 Arten und wird in sechs Sektionen gegliedert (Auswahl):[4]
    • Sektion Ilex L.
    • Sektion Lauroilex S.Y.Hu
    • Sektion Lioprinus S.Y.Hu
    • Sektion Paltoria (Ruiz & Pavon) Maxim.
    • Sektion Pseudoaquifolium S.Y.Hu: Die über 30 Arten kommen hauptsächlich im südlichen China vor.
Die panaschierte Sorte Ilex ×altaclerensis 'Golden King'

Es gibt einige Hybriden:

  • Großblättrige Stechpalme (Ilex ×altaclerensis (Loudon) Dallim.) = Ilex aquifolium × Ilex perado
  • Ilex ×attenuata Ashe = Ilex opaca × Ilex cassine
  • Ilex ×koehneana Loes. = Ilex aquifolium × Ilex latifolia
  • Ilex ×meserveae S.Y.Hu = Ilex aquifolium × Ilex rugosa
  • Ilex ×wandoensis C.F.Mill. & M.Kim

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage 1994 ecomed
  2. Stechpalmen bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 27. März 2014.
  3. Stechpalmen im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 27. März 2014.Vorlage:GRIN/Wartung/Keine Nummer angegeben
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x Shu-kun Chen, Haiying Ma, Yuxing Feng, Gabrielle Barriera & Pierre-André Loizeau: Aquifoliaceae, S. 359 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 11: Oxalidaceae through Aceraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2008. ISBN 978-1-930723-73-3
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  6. Zeitschrift Mein schönes Land, Ausgabe Januar/Februar 2012, S. 38: Buchs-Ersatz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stechpalmen (Ilex) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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