Stefan Bernhard Eck

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Stefan Bernhard Eck (* 8. Januar 1956 in Homburg) ist ein deutscher Politiker (parteilos, zuvor Tierschutzpartei). Von September 2007 bis zu seinem Parteiaustritt Ende 2014 war er Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei, für die er bei der Europawahl 2014 ins Europäische Parlament als einziger erfolgreicher Kandidat der Partei einzog und dort Mitglied der GUE/NGL-Fraktion wurde.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eck verbrachte größere Teile seines Lebens in Frankreich und Südostasien.[2] Nach dem Besuch der Grundschule und des Gymnasiums studierte er an einer Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen. Anschließend absolvierte er eine Berufsausbildung zum Werbekaufmann, die eine Spezialisierung auf den Bereich Film- und Fotowerbung beinhaltete. Von 1978 bis Mitte 1993 war er mit Schwerpunkten im Import und Export selbständig tätig. Von 1990 bis 1993 folgten Arbeiten im Kunstbereich. Seit 1981 ist er verheiratet, seit 1998 Vegetarier und seit Ende 2001 Veganer. Zudem ist er Theravada-Buddhist.[3][4] Eck lebt in Saarbrücken.[5]

Engagement für Tierrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 und 2000 war Eck Leiter der Arbeitsgruppe Tierrechte des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner. Von 2001 bis 2006 war er Leiter des Arbeitskreises Tierrechte und Ethik (A.K.T.E.). 2010 wurde A.K.T.E. schließlich in einen Arbeitskreis der Tierschutzpartei umgewandelt.[6] 2006 wurde er außerdem Sprecher der Allianz für Tierrechte, die ein Bündnis verschiedener Tierschutzorganisationen darstellt.[7] Im selben Jahr sorgte er für Aufsehen, da er vor der KZ-Gedenkstätte Dachau mit einem Schild, das die Aufschrift „Für Tiere ist jeden Tag Dachau“ trug, demonstrierte.[8]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierschutzpartei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 trat Eck in die Tierschutzpartei ein[9] und gründete den saarländischen Landesverband mit, dessen Vorsitzender er wurde.[10][11] Auf dem Bundesparteitag am 29. September 2007 wurde er als Nachfolger von Jürgen Gerlach zum Bundesvorsitzenden der Partei gewählt.[12] Letzterer hatte bereits bei seiner Wiederwahl im Jahr 2005 angekündigt, für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen.[13] Zur Europawahl 2009 war er Spitzenkandidat seiner Partei, die auf 1,1 % aller Stimmen kam.[14] Ab dem 31. Bundesparteitag am 12. Januar 2013 wurde er bedingt durch eine Satzungsänderung einer von drei gleichberechtigten Bundesvorsitzenden; seither teilte er sich dieses Amt mit Horst Wester und Barbara Nauheimer.[15] Bis November 2013 blieb er außerdem saarländischer Landesvorsitzender, seither war er dort Stellvertreter.[5]

Bei der Europawahl 2014 war er erneut Spitzenkandidat seiner Partei. Für sie zog er als einziger erfolgreicher Kandidat ins Europäische Parlament ein. Das wurde durch den juristisch erstrittenen Wegfall jeglicher Sperrklauseln für Europawahlen möglich.[16] Dort schloss er sich zusammen mit Anja Hazekamp von der Partij voor de Dieren der Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke an; zuvor hatte die Fraktion der Grünen/Europäische Freie Allianz ihm ebenfalls den Beitritt angeboten.[17][1]

Parteilos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 31. Dezember 2014 gab Eck seinen Austritt aus der Tierschutzpartei bekannt.[18][11][19] Als Begründung gab er als öffentliche Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite an: „Im Bundesvorstand gibt es eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Mitgliedern, bei denen weder die Einsicht noch der Wille vorhanden ist, sich von Parteimitgliedern oder Personen in ihrem politischen Umfeld mit rechtspopulistischer oder sogar rechtsextremer Vergangenheit konsequent zu distanzieren und jedwede Kooperation mit ihnen abzulehnen. Ich kann aufgrund meiner innersten Überzeugung und als überzeugtes Mitglied der Fraktion GUE/NGL keiner Partei angehören, die dies duldet.“[18]

Die Co-Vorsitzende Barbara Nauheimer sowie acht weitere Bundesvorstandsmitglieder traten im Anschluss daran ebenfalls von ihren Posten zurück und aus der Partei aus.[20] Gleichzeitig gab Eck bekannt, sein Mandat im Europäischen Parlament behalten zu wollen.

Der verbliebene Bundesvorstand der Partei gab bekannt, dass bereits seit seinem Einzug ins Europaparlament eine Entfremdung zwischen ihm sowie seinen parteiinternen Unterstützern einerseits und den restlichen Vorstandsmitgliedern andererseits stattgefunden habe. Zudem habe die Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken, der Eck angehört, den innerparteilichen Konflikt maßgeblich beeinflusst. Darüber hinaus sei die zeitgleiche Ausübung seines Mandats mit dem Amt des Bundesvorsitzenden problematisch gewesen. Dies habe dazu geführt, dass die Partei aus dem Fokus seines Wirkens geraten sei. Hinzu kam außerdem, dass Eck bereits auf dem 33. Bundesparteitag, der am 8. November 2014 in Kassel stattfand, mit Konsequenzen gedroht habe. Hintergrund war, dass die Partei es per Annahme eines Initiativantrags ablehnte, einen Tierrechtspreis nach Peter Singer wegen dessen Haltung zu Tierversuchen zu benennen.[21] Viele Parteimitglieder hätten sich dennoch mit Kritik zurückgehalten, um ein geschlossenes Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit zu bewahren. Eck und seine ehemalige Partei bestritten alle wechselseitigen Vorwürfe. Nach Auffassung der Partei sei die Trennung für beide Seiten und im Interesse der gemeinsamen Ziele eine gute Lösung.[22]

Arbeit im Europäischen Parlament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Europaparlament ist er Vizepräsident der Intergroup on Animal Welfare and Conservation [23] und Vollmitglied des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ferner ist er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie im Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und der Delegationen für die Beziehungen zur Volksrepublik China, zu den Ländern Südasiens, für die Länder Südostasiens und der Vereinigung südostasiatischer Staaten sowie für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel.[24] Des Weiteren ist er Gründungsmitglied der Interparlamentarischen Interessensgruppe „MEPs for Wildlife“.

Seine Hauptaktivitäten umfassen neben dem Bereich Tier- und Menschenrechte auch den Umweltschutz.[25]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b spiegel.de: Buhlen um Europas Schmuddelkinder. Abgerufen am 8. April 2015.
  2. tierschutzpartei.de: 20.07.2014: Bericht aus Strasbourg. Abgerufen am 8. April 2015.
  3. taz.de: Spitzenkandidat der Tierschutzpartei - Der Wachrüttler. Abgerufen am 8. April 2015.
  4. tierrechte-kaplan.org: Kompendium - Online-Texte nahestehender Autorinnen & Autoren. Abgerufen am 8. April 2015.
  5. a b tierschutzpartei.de: Stefan Bernhard Eck (Bundesvorsitzender 1) (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)
  6. tierrechteportal.de: Zur Kenntnisnahme (Memento vom 18. Juni 2012 im Internet Archive)
  7. digitalfernsehen.de: Tier TV: Masse statt Klasse zur Grillsaison. Abgerufen am 8. April 2015.
  8. tagesspiegel.de: Neue Allianzen im Europaparlament - Die Linke, der Tierschutz und ein Holocaust-Vergleich. Abgerufen am 10. April 2015.
  9. https://www.tierschutzpartei.de/partei/parteichronik/bundesparteitage/21-bundesparteitag/
  10. tierschutzpartei.de: ZEITENWENDE Januar-März 2007 Nr. 25 (Memento vom 25. Mai 2010 im Internet Archive)
  11. a b heise.de: Europa-Abgeordneter tritt aus Satirepartei aus. Abgerufen am 8. April 2015.
  12. zeitenwende-online.de: ZEITENWENDE Okt.-Dez. 2007 Nr. 28 (Memento vom 25. Mai 2010 im Internet Archive)
  13. zeitenwende-online.de: ZEITENWENDE Juli.-Sep. 2007 Nr. 27 (Memento vom 31. März 2010 im Internet Archive)
  14. zeitenwende-online.de: ZEITENWENDE März-Mai 2009 Nr. 34 (Memento vom 7. April 2015 im Internet Archive)
  15. tierschutzpartei.de: 31. Bundesparteitag (Sonderparteitag) - 12. Januar 2013 in Frankfurt a. Main. Abgerufen am 8. April 2015.
  16. zeit.de: EUROPAWAHL 2014 - Sieben Einzelkämpfer für Europa. Abgerufen am 8. April 2015.
  17. tierschutzpartei.de: 10.09.2014 / Kurzmeldung aus Brüssel (Pressemeldung) - PACMA-Petition “Toro de la Vega” im Europäischen Parlament überreicht. Abgerufen am 10. April 2015.
  18. a b https://www.facebook.com/Stefan.Bernhard.Eck.MEP/photos/a.871857806175494.1073741828.871853459509262/993469847347622/?type=1
  19. http://www.huffingtonpost.de/2015/03/31/rechte-tierschuetzer_n_6976034.html
  20. http://jungle-world.com/artikel/2015/03/51247.html
  21. tierschutzpartei.de: 33. Bundesparteitag / 08.November 2014 in Kassel - „Für Tiere und Menschlichkeit“. Abgerufen am 10. April 2015.
  22. tierschutzpartei.de: Stellungnahme des Bundesvorstandes zum Rück- und Austritt Stefan B. Ecks und weiterer Vorstandsmitglieder. Abgerufen am 10. April 2015.
  23. http://www.animalwelfareintergroup.eu/wp-content/uploads/2011/08/TAGESORDNUNG-304.pdf
  24. http://www.europarl.europa.eu/meps/de/124863/STEFAN_ECK_home.html
  25. http://www.treffpunkteuropa.de/einzelkampfer-im-eu-parlament-stefan-bernhard-eck-parteilos

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikinews: Stefan Bernhard Eck – in den Nachrichten