Stefan Karner

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Stefan Karner im Jahr 2016

Stefan Karner (* 18. Dezember 1952 in St. Jakob bei Völkermarkt) ist ein österreichischer Historiker. Er ist Vorstand des Institutes für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Gründer und Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung und Leiter des Medienlehrgangs der Universität Graz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Karner studierte Geschichte und Russisch. Er promovierte 1976 an der Universität Graz und erwarb dort im Jahr 1985 seine Habilitation für Neueste Wirtschafts- und Sozialgeschichte und für Österreichische Zeitgeschichte. Seine Dissertation über „Kärntens Wirtschaft 1938–1945“ erschien im Druck.[1]

Stefan Karner widmet sich der österreichischen Zeitgeschichte im wirtschafts- und sozialhistorischen Rahmen, der Zeitgeschichte Mittelost- und Osteuropas sowie der Geschichte der Sowjetunion. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erforschung dieser Thematik gründete er 1993 das Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung. Das Institut beschäftigt sich mit der Erforschung von politischen, wirtschaftlichen, humanitären und gesellschaftlichen Folgen nach Kriegen und Konflikten, besonders mit humanitären Kriegsfolgen des Zweiten Weltkrieges (Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene).

Karner beschäftigt sich mit Restitution, Wiedergutmachung, Zwangsarbeiterentschädigung und Entschädigung ehemaliger österreichischer Kriegsgefangener. Er arbeitet als wissenschaftlicher Berater für österreichische Ministerien, darunter zu Fragen zu den AVNOJ-Beschlüssen, den Beneš-Dekreten und der Volksgruppen-Frage in Kärnten.

Im Auftrag des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel arbeitete Stefan Karner 2005/2006 als Mediator im Kärntner Minderheitenkonflikt (Ortstafelstreit). Unter seiner Führung entstand der Vorschlag, der unter dem Namen „Karner-Papier“ bekannt wurde. Karner hat einige Großausstellungen wissenschaftlich geleitet, zuletzt 2009 die niederösterreichische Landesausstellung Österreich. Tschechien. geteilt – getrennt – vereint, zuvor 2008 Österreich. 90 Jahre Republik im Parlament und 2005 die Staatsvertragsausstellung auf der Schallaburg Österreich ist frei! Er ist seit 2001 Vorsitzender der bilateralen österreichisch-slowenischen Historikerkommission und seit 2008 Vorsitzender der österreichisch-russischen Historikerkommission sowie seit 2006 Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Bundesministeriums für Landesverteidigung.

Öffentliche Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1995 bis 2010 war Karner Vertreter Österreichs in der „European Commission against Racism and Intolerance“ (ECRI) des Europarates in Straßburg, zudem war er von 1995 bis 2010 Vizepräsident der politischen Akademie der ÖVP in Wien. Von 1997 bis 1999 übernahm er die Gesamtleitung der Denkwerkstatt „Österreich zukunftsreich“. Zwischen 1998 und 2004 war er Mitglied im Verwaltungsrat der „EU-Beobachtungsstelle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) in Wien.

Karner ist Mitglied des Kontaktkomitees der Österreichischen Bundesregierung zur Konzeption eines „Hauses der Geschichte der Republik Österreich“, zudem hat er seit 2004 einen Sitz im Präsidium des Karl-Kummer-Instituts für Sozialpolitik in Wien.

In den Jahren 2007 und 2008 leitete er ein Forschungsprojekt mit ca. 80 Historikern, die am Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Graz den Prager Frühling beleuchteten.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karner veröffentlichte über 300 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften und rund 20 Monographien, darunter:

  • Kärntens Wirtschaft 1938–1945. Klagenfurt 1976.
  • Die Steiermark im Dritten Reich 1938–1945. 1. und 2. Aufl. 1986, 3. Aufl. 1994, ISBN 3-7011-7171-8
  • Krieg aus der Luft. Kärnten und Steiermark 1941–1945. Graz 1992 (mit Siegfried Beer), ISBN 3-900310-38-6
  • Geheime Akten des KGB. Margarita Ottilinger. Graz 1992.
  • Im Archipel GUPVI. Kriegsgefangenschaft und Internierung in der Sowjetunion 1941–1956. Wien/München 1995, ISBN 3-7029-0399-2 (Wien), ISBN 3-486-56119-7 (München). Russisch: Moskau 2002.
  • „Beuteakten aus Österreich“. Der Österreichbestand im russischen „Sonderarchiv“ Moskau. Graz 1996 (mit Gerhard Jagschitz).
  • Die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien 1939–1997. Klagenfurt/Ljubljana/Wien 1998.
  • Haus der Geschichte der Republik Österreich (HGÖ): Machbarkeitsstudie im Auftrag des BMUK. Graz/Wien/Klagenfurt 1999 (mit Manfried Rauchensteiner).
  • Zwangsarbeit in der Land- und Forstwirtschaft auf dem Gebiet Österreichs 1939 bis 1945. Wien/München 2004 (mit Peter Ruggenthaler).
  • Die Steiermark im 20. Jahrhundert. Graz 2000, 2. Aufl. Graz 2005.
  • Der erste Schritt auf dem langen Weg zum Staatsvertrag. Sowjetische Überlegungen zum Staatsaufbau 1945/46. Wien 2005, ISBN 3-700732-50-3
  • Steiermark. Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Innsbruck-Wien 2012.
  • Wachstum in der Bewegung. 85 Jahre MIBA. Growth in Motion: 85 Years of MIBA. Herausgegeben von F. Mitterbauer – Therse Niss und MIBA. Laakirchen 2012 (mit Christoph H. Benedikter).

Karner fungierte als Herausgeber unter anderem für:

  • Als Mitteleuropa zerbrach. Graz/Wien 1990 (mit Gerald Schöpfer).
  • Gefangen in Russland. Graz/Wien 1995.
  • Menschen nach dem Krieg. Schicksale 1945–1955. St. Pölten 1995 (mit Gerhard Jagschitz).
  • Die Stabsbesprechungen der NS-Zivilverwaltung in der Untersteiermark. Graz/Wien 1996.
  • Der Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945. Graz/Wien 1998.
  • Kalter Krieg. Graz 2002 (mit Erich Reiter und Gerald Schöpfer).
  • Die Rote Armee in Österreich. Sowjetische Besetzung 1945–1955. Band 1: Beiträge, Band 2: Dokumente. 1. und 2. Aufl. Wien/München 2005.
  • Kärnten und die nationale Frage im 20. Jahrhundert. 5 Bände. Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2005.
  • Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges. Wien/München 2005 (mit Günter Bischof und Barbara Stelzl-Marx).
  • GrenzenLos. Österreich – Slowenien – Ungarn 1914–2004. Graz/Fehring 2007 (mit Wolfram Dornik und Rudolf Graßmug).
  • Widerstand in Österreich 1938–1945: Die Beiträge der Parlaments-Enquete 2005. Graz/Wien 2007 (mit Karl Duffek).
  • Wolfram Dornik – Stefan Karner (Hg.), Die Besatzung der Ukraine 1918. Historischer Kontext – Forschungsstand – wirtschaftliche und soziale Folgen (= Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung. Bd. 11). Graz/Wien/Klagenfurt 2008.
  • Österreich. Tschechien. geteilt – getrennt – vereint, Beitragsband und Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung 2009. Schallaburg 2009, mit Michal Stehlík.
  • Česko. Rakousko. Rozděleni – odloučeni – spojeni. Ve spolupráci s Arminem Lausseggerem a Philippem Lesiakem. Sborník a katalog Dolnorakouské zemské výstavy 2009. Schallaburg/Jihlava 2009 (mit Michal Stehlík).
  • The Prague Spring and the Warsaw Pact Invasion of Czechoslovakia in 1968. The Harvard Cold War Studies Book Series. Lanham/Boulder/New York/Toronto/Plymouth 2009 (mit Günter Bischof und Peter Ruggenthaler).
  • Nordberg. Der Weg in den Weltraum. Beitragsband zu Symposium und Ausstellung in Fehring 2010. Graz/Fehring 2010. (mit Bruno P. Besser und Walter M. Iber).
  • Österreichische Juden in Lettland. Flucht – Asyl – Internierung. Innsbruck/Wien/Bozen 2010 (mit Philipp Lesiak und Heinrichs Strods).
  • Der Wiener Gipfel 1961. Kennedy - Chruschtschow. Innsbruck/Wien/Bozen 2011 (mit Barbara Stelzl-Marx, Natalja Tomilina, Alexander Tschubarjan, Günter Bischof, Viktor Iščenko, Michail Prozumenščikov, Peter Ruggenthaler, Gerhard Wettig, Manfred Wilke).
  • Auf den Spuren Wallenbergs, Wien 2014
  • Im Kalten Krieg der Spionage: Margarethe Ottillinger in sowjetischer Haft 1948-1955, unter Mitarbeit von Sabine Nachbaur, Dieter Bacher und Harald Knol, Studien Verlag, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-7065-5521-0

Zu seinem 60. Geburtstag wurde ihm eine umfangreiche Festschrift mit Beiträgen führender Historiker gewidmet: Gerald Schöpfer - Barbara Stelzl-Marx (Hg.), Wirtschaft. Macht. Geschichte. Brüche und Kontinuitatsbruch im 20. Jahrhundert. Festschrift Stefan Karner. Graz-Wien 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Karner: Kärntens Wirtschaft 1938–1945. Unter besonderer Berücksichtigung der Rüstungsindustrie (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Landeshauptstadt Klagenfurt. Bd. 2). Mit einem Nachwort von Albert Speer. Magistrat/Kulturamt, Klagenfurt 1976.
  2. Prager Frühling: Die Angst der KP-Chefs vor der Droge Freiheit (Abgerufen am 22. August 2008)
  3. Karner ist Ehrendoktor an Moskauer Universität auf ORF vom 24. November 2016 abgerufen am 25. November 2016