Stefan Troebst

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Stefan Troebst

Stefan Troebst (* 10. Januar 1955 in Heidelberg) ist ein deutscher Historiker, Slavist und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Troebst studierte von 1974 bis 1979 Geschichte, Slavistik, Balkanologie, Politikwissenschaft und Islamwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Freien Universität Berlin (West) und der Kliment-Ochridski-Universität in Sofija (Bulgarien) und schloss mit dem Magisterexamen ab. 1979/80 war er Austauschstudent an der Kyrill und Methodius-Universität Skopje (Makedonien, damals Jugoslawien) und Gastwissenschaftler am Skopjoter Institut für Nationalgeschichte. 1980/81 war er Graduiertenstipendiat im Department of History der Indiana University in Bloomington, Indiana (USA) sowie 1982–1984 Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

1984 promovierte er am Fachbereich Geschichtswissenschaften der FU Berlin mit einer Untersuchung zur Balkanpolitik Mussolinis und war danach bis 1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Hochschulassistent in der Sektion Zeitgeschichte des Osteuropa-Instituts der FU Berlin.

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes war er von 1992 bis 1995 als deutsches Mitglied in den Langzeitmissionen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Makedonien und in Moldova tätig. 1995 habilitierte er sich an der FU Berlin für Neuere sowie Ost- und Südosteuropäische Geschichte mit einer Arbeit zur Moskau-Politik der frühneuzeitlichen Großmacht Schweden.

Nach Tätigkeiten als Senior Analyst der International Commission on the Balkans des Carnegie Endowment for International Peace und des Aspen Institute Berlin, einer Vertretung der Professur für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, unter besonderer Berücksichtigung Mittel- und Osteuropas an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und einem Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft fungierte er von 1996 bis 1998 als Gründungsdirektor des dänisch-deutschen European Center for Minority Issues (ECMI) in Flensburg.

Seit 1999 ist er Professor für Kulturstudien Ostmitteleuropa im Institut für Slavistik, seit 2015 Professor für Kulturgeschichte des östlichen Europa am Global and European Studies Institute der Universität Leipzig sowie stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), ebenfalls in Leipzig.

2005/06 hatte er eine Forschungsprofessur der VolkswagenStiftung am Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław und am Collège d’Europe in Warschau-Natolin inne. 2011/12 war er Fellow des Imre Kertész Kollegs „Europas Osten im 20. Jahrhundert“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Forschungs- und Publikationsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitsschwerpunkte von Stefan Troebst sind die Geschichte der internationalen Beziehungen in der Neuzeit, die Zeitgeschichte Südosteuropas, die Kulturgeschichte Ostmitteleuropas, die Wirtschaftsgeschichte Nordosteuropas sowie die Erinnerungskulturforschung und der Forschungsansatz der Visuellen Geschichtskultur.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Troebst ist ausländisches Mitglied der Geisteswissenschaftlichen Sektion der Societas Scientiarium Fennica in Helsinki und Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und sitzt dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung vor.

Des Weiteren ist er Mitglied des Board of Trustees des Centre for Advanced Study in Sofija, des Fachbeirates Wissenschaft der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Kuratorien des Willy Brandt Zentrums für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław und des Forums Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag, der Wissenschaftlichen Beiräte des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität/European Network Remembrance and Solidarity und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge/German War Graves Commission, der Commission Internationale des Études Historiques Slaves innerhalb des Comité International des Sciences Historiques, des Direktoriums des Global and European Studies Institute der Universität Leipzig sowie der Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde und des Center for Area Studies der Universität Leipzig, desgleichen versieht er Funktionen in den Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften ("Slavic Review", "East Central Europe", "Jahrbuch für historische Kommunismusforschung", "Inter finitimos", "Zeitgeschichte" und "Comparativ" u. a.).

An der Universität Leipzig leitet er das Masterprogramm „European Studies“ und das Internationale Promotionsprogramm „The New Europe“. Darüber hinaus ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender des bundesweiten Dachverbandes „Clio.online – Historisches Fachinformationssystem“.

Seit 2014 ist Troebst Honorarkonsul der Republik Kosovo für Sachsen und Sachsen-Anhalt.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Arktis, Adria und Armenien. Das östliche Europa und seine Ränder. Aufsätze, Essays und Vorträge 1983-2016. Köln, Wien, Weimar 2017, ISBN 978-3-412-50757-2.[1]
  • West-östliche Europastudien. Rechtskultur, Kulturgeschichte, Geschichtspolitik/West-Eastern European Studies. Legal Culture, Cultural History, Politics of History. Leipzig 2015, ISBN 978-3-86583-840-7.
  • Erinnerungskultur – Kulturgeschichte – Geschichtsregion. Ostmitteleuropa in Europa. Stuttgart 2013, ISBN 978-3-515-10384-8.
  • Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen nationalrevolutionärer Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893-2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, ISBN 978-3-486-58050-1.
  • Kulturstudien Ostmitteleuropas. Aufsätze und Essays. Frankfurt/M. 2006, ISBN 3-631-54581-9.
  • Conflict in Kosovo: Failure of Prevention? An Analytical Documentation, 1992-1998. Flensburg 1998, ISBN 3-88242-301-3.[2]
  • Handelskontrolle - "Derivation" - Eindämmung. Schwedische Moskaupolitik 1617-1661. Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03880-2.
  • Bugarsko-jugoslovenskata kontroverza za Makedonija 1967-1982. Skopje 1997, ISBN 9989-624-26-7.
  • Mussolini, Makedonien und die Mächte 1922-1930. Die ”Innere Makedonische Revolutionäre Organisation” in der Südosteuropapolitik des faschistischen Italien. Köln-Wien 1987, ISBN 3-412-01786-8.
  • Die bulgarisch-jugoslawische Kontroverse um Makedonien 1967-1982. München 1983, ISBN 3-486-51521-7.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auswärtiges Amt, Vertretungen Kosovo