Steifhaariger Löwenzahn

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Steifhaariger Löwenzahn
Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus)

Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Löwenzahn (Leontodon)
Art: Steifhaariger Löwenzahn
Wissenschaftlicher Name
Leontodon hispidus
L.

Der Steifhaarige Löwenzahn (Leontodon hispidus), auch Gewöhnliches Raues Milchkraut[1], Rauer oder Rauher Löwenzahn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Leontodon (Löwenzahn) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laubblattrand mit Sternhaaren
Blütenköpfchen
Korb mit Früchten
Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus) in der Unterart subsp. hyoseroides
Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. hyoseroides), Herbarbeleg mit den charakteristisch schief wachsenden Wurzeln

Der Steifhaarige Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze und ein Hemikryptophyt, die Wuchshöhen zwischen 10 und 60 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist einzeln oder zu mehreren und unverzweigt. Er ist einköpfig mit bis zu zwei Schuppenblättern. Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet und vielgestaltig länglich, ganzrandig bis fiederspaltig und von grasgrüner bis gräulichgrüner Farbe. Die Blätter sind bei den einzelnen Unterarten nicht bis sehr dicht behaart.

Die Art blüht von Juni bis Oktober, wobei die Blüten etwa von 5 bis 15 Uhr geöffnet sind. Die Blütenhülle erreicht einen Durchmesser von 12 bis 17 mm und besteht aus lanzettlichen, dunkelgrünen bis schwärzlichen Hüllblättern. Die eigentliche Blüte ist gelb und deutlich länger als die Hülle. Der Pappus ist schmutzig weiß oder bräunlich. Die innere Reihe ist fedrig, die äußere borstig.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 14.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist in Europa, in Westasien und im Kaukasusraum heimisch.[3] Sie wurde nach Nordamerika eingeschleppt. Dort kommt sie in Ontario, Connecticut, Kansas, New York, Ohio, Georgia und Pennsylvania vor.

Die nominotypische Unterart der Gattung kommt auf nährstoffreichem Grünland, auf Nasswiesen und auf Halbtrockenrasen vor. Die Pflanze findet sich oft an Weg- und Straßenrändern. Wichtige Begleitarten sind Gemeine Schafgarbe, Spitzwegerich oder Gewöhnliches Ruchgras. Die Unterart subsp. hyoseroides bevorzugt Kalkfelsen, Geröll- und Schutthalden. Hier sind wichtige Begleitarten Kalk-Blaugras, Huflattich oder Berg-Reitgras. In den Allgäuer Alpen steigt die Art in ihrer Unterart Leontodon hispidus subsp. montanus im Tiroler Teil auf der Rothornspitze bis zu 2300 m Meereshöhe auf.[4]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steifhaarige Löwenzahn wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[5]

Innerhalb der Gattung ist es die Art mit der stärksten Variabilität. Sie ist jedoch nicht in allen ihren Verbreitungsgebieten gleich variabel; besonders variabel zeigt sich Leontodon hispidus im Alpen- und Voralpengebiet, wo er in zahlreiche Unterarten gegliedert wird.[6] Nach De Groot (1977) sind sie aber nur von geringer Stabilität. Diese Unterarten sind wahrscheinlich nicht genetisch fixiert, sondern wohl eher Standortmodifikationen. In Kulturversuchen zumindest erwiesen sich die meisten Merkmale als hochvariabel. Die einzige Ausnahme bildet wohl Leontodon hispidus subsp. hyoseroides (Rchb.) Murr, die vor allem hinsichtlich der Blattdicke und Form eine gewisse Konstanz aufweist. Die Abgrenzung von Leontodon hispidus subsp. hispidus und Leontodon hispidus subsp. glabratus beruht wohl ausschließlich auf der Dichte der Behaarung und ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten.[7]

Es können folgende Unterarten unterschieden werden[8]:

  • Leontodon hispidus subsp. brumatii (Rchb.) Wraber (Syn.: Leontodon brumatii Rchb.): Sie kommt nur in Italien und in Slowenien vor.[8]
  • Loentodon hispidus subsp. dubius (Hoppe) Pawłowska (Syn.: Leontodon scaber Miel. ex Hoppe): Sie kommt in den Nördlichen und Südlichen Kalkalpen zwischen Bayern, Österreich, Slowenien und N-Italien (Dolomiten) vor.[9]
  • Leontodon hispidus subsp. hastilis (L.) Corb. (Syn.: Leontodon hastilis L.): Sie kommt in Europa und in Vorderasien vor.[8]
  • Leontodon hispidus subsp. hispidus
  • Leontodon hispidus subsp. hyoseroides (Rchb.) Murr (Syn.: Leontodon hyoseroides Rchb., Leontodon hyoseroides subsp. pseudocrispus (Bisch.) Greuter): Sie kommt in Frankreich, Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, Liechtenstein, Italien, Slowenien und in der Slowakei vor.[8]
  • Leontodon hispidus subsp. montanus (Ball) Greuter (Syn.: Leontodon hastilis subsp. montanus Ball, Leontodon hispidus subsp. alpinus (Jacq.) Finch & P. D. Sell): Sie kommt in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Polen, in der Slowakei und in Rumänien vor.[8]
  • Leontodon hispidus subsp. opimus (W.D.J. Koch) Finch & P.D. Sell: Sie kommt in Italien, in der Schweiz, in Deutschland, Liechtenstein, Österreich, Montenegro, Bulgarien und Rumänien vor.[8]
  • Leontodon hispidus subsp. pseudoincanus (Hayek) Soó: Sie kommt nur in Ungarn vor.[8]

Verglichen mit europäischen Aufsammlungen bieten Pflanzen aus dem vorderen Orient (Iran) ein wesentlich einheitlichere Bild. So fehlen kahle Formen völlig, die Pflanzen variieren in der Größe und in der Blattlänge. Den iranischen Pflanzen ist die Blattbehaarung mit zweistrahligen Haaren (Gabelhaare) eigen, was in Europa selten vorkommt.[10] Als einzige Varietät wird aus dem Nord-Iran die var. mazanderanicus Rech. mit besonders auffällig langschäftigen und kleinköpfigen Pflanzen anerkannt.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln des Steifhaarigen Löwenzahns enthalten Inulin. In Kriegszeiten wurden diese als Kaffeeersatz genutzt. Die Pflanze wird von Vieh gerne gefressen, wobei die Zunge der Rinder die angedrückten Blattrosetten aufnehmen kann, den zähen Blütenschaft jedoch meist stehen lässt.[11]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 6: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Valerianaceae bis Asteraceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3343-1, S. 313–316.
  • Christian Zidorn: Phytochemie, Pharmakologie, Chemotaxonomie und Morphologie von Leontodon hispidus. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-3935-4 (Dissertation Universität Innsbruck).
  • David J. Bogler: Leontodon. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (Mutisieae–Anthemideae). Oxford University Press, New York / Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530563-9, S. 295 (englisch, online auf efloras.org).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leontodon hispidus s. str.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Leontodon im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 10. April 2018.
  4. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 659.
  5. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 799, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D799%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  6. Helga Pittoni 1977: Leontodon L. In: K.H. Rechinger (Hrsg.): Flora Iranica. Compositae II - Lactuceae, Lfg. Cont. No. 112, Juni 1977. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz. Hier S. 125
  7. De J. De Groot: Variation and reproductive behaviour in some Swiss populations of Leontodon hispidus s.l. – a preliminary report. In: Berichte des Geobotanischen Institutes der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Stiftung Rübel. Band 44, 1977, S. 147–180, DOI:10.5169/seals-377688.
  8. a b c d e f g Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Leontodon hispidus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  9. Wolfgang Lippert & Solveig Maria Tietz 2000: Beitrag zur Kenntnis des Formenkreises Leontodon hispidus L. - Leontodon hispidus L. subsp. dubius (Hoppe) Pawłowska, eine verkannte Sippe. Preslia, 72: 519-528
  10. Helga Pittoni 1977: S. 125
  11. Annette Saitner: Pflanzengeschichten, Brauchtum, Sagen und Volksmedizin zu 283 Pflanzen. Deutscher Alpenverein e.V., München, Mai 2002, (PDF-Datei; 2,2 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien