Steigerwald (Erfurt)

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Steigerwald
(Steiger)
Höchster Gipfel Stunzelberg (347,9 m ü. NHN)
Lage kreisfreies Erfurt (Thüringen)
Teil der Ilm-Saale-Platte,
Ilm-Saale- und Ohrdrufer Platte
Einteilung nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands/Die Naturräume Thüringens
Steigerwald (Thüringen)
Steigerwald
Koordinaten 50° 57′ N, 11° 1′ OKoordinaten: 50° 57′ N, 11° 1′ O
Gestein Stufen der Germanischen Trias
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Informationstafel über den Steigerwald bei Erfurt (2013)
Gasthof Schloss Hubertus
Waldhaus Rhoda im Steigerwald
Bismarckturm im Steigerwald

Der Steigerwald, umgangssprachlich auch kurz (der) Steiger genannt, ist ein rund 8 km² großes und maximal 347,9 m ü. NHN[1] hohes Waldgebiet im Stadtgebiet von Erfurt in Thüringen und gehört zum Nordwestrand der Ilm-Saale-Platte.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das früher in allen Richtungen viel ausgedehntere Waldgebiet hieß im Mittelalter die Wawet oder „Wawit“. Urkundlich wurde die Bezeichnung „Wawithe“ erstmals 1196 genannt, später Waweyd, Wanwid, Wanwed und Wawet, 1456 Wagweide und zuletzt Wagd. Die am damaligen Südrand des Waldes gelegenen neun Dörfer führten alle den Beinamen „an der Wagd“, heute noch Bechstedt-Wagd. Der Name ist wohl zurückzuführen auf das althochdeutsche wacwitu (wac = stehendes Wasser, witu = Holz) und bedeutet damit „Sumpfholz“. Eine andere Deutung liefert A. Kirchhoff: Wagweide entspricht danach „Wages Wohnung“ oder „Wages Hain“, Wage war danach eine germanische Gottheit, vielleicht dem Wodan entsprechend.[2]

Erst mit der Entstehung der steilen Fahrstraße aus dem Bereich des späteren Schützenhauses zum Waldschlösschen Richtung Arnstadt kam die Bezeichnung Steiger in Gebrauch. Zunächst war damit die Straße (= „der Steig“) gemeint, dann die Anhöhe, das benachbarte und schließlich das ganze Waldgebiet: Steigerwald. Althochdeutsch: stigan = steigen, mittelhochdeutsch stig oder steige, der steile Aufstieg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steigerwald, der die Ausdehnung der Kernstadt in Richtung Süden verhindert, liegt zwischen diesen Erfurter Stadtteilen: Löbervorstadt im Norden, Daberstedt im Nordosten, Wiesenhügel im Osten, Egstedt und Waltersleben im Süden und den im Tal des Flusses Gera gelegenen Stadtteilen Rhoda, Bischleben und Hochheim im Südwesten bis Westen.

Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine höchste Erhebung ist mit 347,9 m[1] der Stunzelberg. Weitere Erhebungen sind die weiter westlich gelegene Kahlplatte (341,4 m), der Schindleichsberg (ca. 280 m) südlich der Löbervorstadt und der Weiße Berg (ca. 257 m) östlich von Hochheim.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steigerwald ist als Landschaftsschutzgebiet (LSG) und FFH-Gebiet ausgewiesen und vor allem mit Buchen und Eichen bestanden. Am Rand des Waldes, der von zahlreichen Wanderwegen durchzogen ist, liegen einige Kasernen, wie beispielsweise die Steigerkaserne oder die Löberfeldkaserne. Das Waldgebiet wird in Nord-Süd-Richtung von der Bundesstraße 4 durchschnitten, an der sich das Ausflugslokal Hubertus und das frühere Waldschlösschen befinden. Im Nordostteil des Waldes steht der Erfurter Bismarckturm.

Nach dem Steigerwald sind in Erfurt unter anderem das nordnordöstlich von ihm gelegene Steigerwaldstadion, die Heimstätte von Rot-Weiß Erfurt, und die nördlich befindliche Steigerstraße benannt.

Im Steigerwald gibt es mehrere Naturdenkmale, Grabhügel unbestimmter Zeit und andere Objekte vergangener Zeit wie beispielsweise das Steigerkreuz.

Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaststätten, Hotels und Restaurants im und am Steigerwald sind oder waren (alphabetisch sortiert):

Noch existierend (2016):

  • Bachstelzencafe (in Erfurt-Bischleben)
  • Am Bismarckturm (früher Steigerhaus; am Erfurter Bismarckturm; Hotel und Restaurant)
  • Gasthof Schloss Hubertus (im Waldgebiet an Arnstädter Chaussee; Hotel und Restaurant; erbaut 1900)
  • Waldhaus Rhoda (nahe Erfurt-Rhoda; 1888 im Auftrag der Actien-Brauerei erbaut, die sich an der Arndtstraße, südlich des Geländes der Schuhfabrik Lingel befand)
  • Waldkasino (früher Waldcafe bzw. Blumes Villa; an früherer Jahnstraße (jetzt Am Waldkasino), am Waldrand nahe Arnstädter Chaussee)

Nicht mehr existierend:[3]

  • Actien-Felsenkeller (zur DDR-Zeit Steiger-Terrasse; oberhalb früherer Actien-Brauerei; war größter Biergarten am Waldrand)
  • Augustaburg (an früherer Jahnstraße, rechts neben Waldkasino; jetzt dessen Gästehaus)
  • Baumanns Felsenkeller (westlich der Straße Arnstädter Hohle)
  • Kurhaus oder Kurheim (erbaut um 1892) an der Hochheimer Ecke (bei Hochheim); nach langem Leerstand etwa 2010 abgebrannt (Gelände wurde neu bebaut)
  • Lokal Wilhelmshöhe (östlich von Hochheim, nahe heutiger katholischer Bildungseinrichtung St. Sebastian)
  • Schedels Felsenkeller (bis nach der Wende Sportlerklause; rechts vom Schützenhaus, an der Straße Arnstädter Hohle)
  • Schöne Aussicht (an früherer Jahnstraße, links neben Waldkasino; im Bereich von dessen jetzigem Biergarten)
  • Schützenhaus (an früherer Schützenstraße (jetzt Werner-Seelenbinder-Straße); teilweise für die Thüringenhalle abgetragen, erhaltenes Gebäude heute vom Landessportbund genutzt)
  • Schützenhaus der Steigerschützen (im oberen Teil des Augustaparks; Ruine abgerissen)
  • Steigergarten (hinter Steigerbrauerei; im Bereich der späteren Erweiterungsbauten des heutigen Innenministerium)
  • Waldesruh (an Arnstädter Hohle, auf halbem Weg aufwärts Richtung Weg Am Tannenwäldchen)
  • Waldschlösschen (oberhalb Gaststätte Schloss Hubertus, an Bundesstraße 4)

Die Felsenkeller wurden im Zweiten Weltkrieg während der Luftangriffe auf Erfurt als bombensichere Schutzräume ausgebaut und genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Timpel: Der Steigerwald bei Erfurt: Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Thüringerwald-Vereins, Zweigverein Erfurt. Verlag des Thüringerwald-Vereins, Erfurt, 2. verbesserte Auflage, 1910; DNB 57668791X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steigerwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Max Timpel: Der Steigerwald bei Erfurt. Verlag des Thüringerwald-Vereins, Erfurt 1910. S. 20
  3. Hartmut Schwarz: Von einem Fass zum nächsten. 12. Teil: Die Steiger-Gastronomie. Thüringische Landeszeitung, 2. März 2016