Steinsches Schloss (Barchfeld)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Stein’sche Schloss ist ein ehemaliger Adelssitz in Barchfeld im Wartburgkreis. Es befindet sich auf dem Grundstück Schlossweg 5 am Westrand der historischen Ortslage an der Stelle einer früheren Wasserburg in der Talaue der Werra. Das Schloss ist eine Ruine und ein geschütztes Baudenkmal. Es wurde von der Gemeinde erworben und soll saniert werden, möglicherweise für eine Nutzung als Versammlungs- und Festsaal.

Die Schlossruine (Mai 2012)
Teilansicht der Schlossruine (2009)
Teilansicht der Nordfassade
Hinweisschild zum Schlossverlies

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stein’sche Schloss war Sitz der in Barchfeld ansässigen Familie Stein-Liebenstein zu Barchfeld, die den Ort bis 1387 als Lehen der Grafen von Henneberg und alleinige Gerichtsherren in Besitz hatten. Das Schloss wurde 1571–1581 auf Veranlassung von Georg Ernst von Stein am Burggraben und auf den Resten einer im Jahre 1387 erstmals erwähnten Wasserburg erbaut. Dort hatte zuvor bereits ein Wohngebäude der Familie Stein gestanden, ein dreigeschossiger und im Grundriss quadratischer Steinbau, der von Bauhistorikern wegen der 2,55 m starken Mauern als Stumpf eines Wehrturmes gedeutet wird. Ein als Ökonomiegebäude genutzter Teil des Vorgängerbaus bestand bis um 1790.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Stein’schen Schloss entstand im Auftrag des neuen Landesherrn[1] zwischen 1690 und 1732 das Schloss Wilhelmsburg als ein im Grundriss dreiflügeliges Barockschloss, das ab 1721 Residenz der Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld wurde.

Um dieser Aufwertung des Ortes zu entsprechen, entschloss sich der damalige Schlossbesitzer, Daniel Raban von Stein, ab 1729 an der Nordfassade seines Schlosses, die dem Ort Barchfeld zugewandt ist, eine große Freitreppe mit Steingeländer anbringen zu lassen. Sie ersetzte den zuvor an selber Stelle benutzten Treppenturm. Der dreigeschossige, fünfachsige Mittelbau des Schlosses mit seinen fünf Mansardenfenstern im Dachgeschoss war an beiden Enden von einem viergeschossigen Eckpavillon begrenzt, die nicht vor die Fassade des Mittelteils hinausragten, aber höher waren. Sie hatten je eine Tür im Erdgeschoss und zwei große Sprossenfenster in den drei oberen Etagen, und endeten in schönen Renaissancegiebeln.

Im Jahr 1768 erfolgte eine nochmalige Vergrößerung der Schlossanlage durch die Anfügung von zwei Seitenflügeln. Diese Anbauten hatten den Zweck, die nun durch das südlich vorgelagerte landgräfliche Schloss dauerhaft im Schatten liegenden Repräsentationsräume und Säle zu verlagern. Insgesamt hatte das Schloss nunmehr über 30 beheizbare Räume. Der sich bis fast ans Werraufer erstreckende Schlosspark besaß den Charakter eines Landschaftsparks und nutzte eine Gruppe alter Baumveteranen am Werra-Ufer als Kulisse.

Die aus weichem Sandstein errichtete Bausubstanz des Stein'schen Schlosses musste 1840 einer grundlegenden Sanierung unterzogen werden. Dabei wurde ein in Vergessenheit geratener Wappenstein in der verputzten Fassade freigelegt, der dem Erbauer Georg Ernst von Stein und seiner Gattin Anna (aus der Familie Hundt von Wenckheim) zugeordnet wurde. Dieser Wappenstein wurde in der Folgezeit mehrfach versetzt. Ein zweiter Wappenstein verweist auf Raban von Stein und dessen Gattin Sophie Dorothea von Webern.

Zu den Sehenswürdigkeiten des (heute nicht zugänglichen) Schlosses gehört eine im Kellerverlies entdeckte Anzahl von Ritzfiguren, die wohl als Zeitvertreib von dort eingekerkerten Häftlingen eingeritzt wurden.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dreigeschossige Schloss ist heute eine Ruine mit ungesicherten dunklen Fensterhöhlen. Der Verfall setzte bereits 1945 ein, als die damaligen Besitzer beider Schlösser den Ort Barchfeld fluchtartig verließen und später enteignet wurden. Vom Hauptbau stehen heute nur noch die Außenmauern und das 1994 angebrachte provisorische Dach. Die 1768 angebauten Seitenflügel und die prachtvollen Giebel der beiden Eckpavillons sind verschwunden. Ebenso verschwand die gesamte Innenausstattung einschließlich der Innenwände, der eichenen Zwischendecken und der Treppen, im Laufe der Jahre, teilweise sogar erst 1992. Auch die Wirtschaftsgebäude, die halbkreisförmig im Norden und Osten entlang des Südufers der Schweina standen, existieren nicht mehr.

Mit Mitteln eines Notsicherungsprogramms wurde 1994 das Dachgeschoss provisorisch gesichert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Thüringen. Deutscher Kunstverlag, München 1998, ISBN 3-422-03050-6, S. 107.
  • Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). Auf Grund der Urkundensammlung der Freifrau Frieda Stein-Schlotheim dargestellt. Selbstverlag der Gemeinde, Barchfeld 1933. (auch als Reprint erschienen)
  • Klaus Schmidt: Natur- und Heimatbuch Barchfeld/Werra. Eine Darstellung von Natur, Landschaft und historischer Entwicklung. Eigenverlag Naturschutzbund Deutschland, Barchfeld 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steinsches Schloss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barchfeld war mit der Herrschaft Schmalkalden bereits mit dem Erbvertrag von 1360 teilweise, und 1583 vollständig an die Landgrafen von Hessen gefallen.

Koordinaten: 50° 48′ 0″ N, 10° 17′ 47,8″ O