Steinakirchen am Forst

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Steinakirchen am Forst
Wappen von Steinakirchen am Forst
Steinakirchen am Forst (Österreich)
Steinakirchen am Forst
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Scheibbs
Kfz-Kennzeichen: SB
Fläche: 34,92 km²
Koordinaten: 48° 4′ N, 15° 3′ OKoordinaten: 48° 4′ 0″ N, 15° 2′ 50″ O
Höhe: 324 m ü. A.
Einwohner: 2.287 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 65 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3261
Vorwahl: 07488
Gemeindekennziffer: 3 20 14
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 13
3261 Steinakirchen am Forst
Website: www.steinakirchen-forst.gv.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Pöhacker (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(21 Mitglieder)
16
4
1
16 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Steinakirchen am Forst im Bezirk Scheibbs
Gaming Göstling an der Ybbs Gresten Gresten-Land Lunz am See Oberndorf an der Melk Puchenstuben Purgstall an der Erlauf Randegg Reinsberg (Niederösterreich) Scheibbs St. Anton an der Jeßnitz St. Georgen an der Leys Steinakirchen am Forst Wang Wieselburg Wieselburg-Land Wolfpassing NiederösterreichLage der Gemeinde Steinakirchen am Forst im Bezirk Scheibbs (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick auf Kirche und Schule von Steinakirchen; vom Fuße des Lonitzberges aus gesehen
Blick auf Kirche und Schule von Steinakirchen; vom Fuße des Lonitzberges aus gesehen
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Urkunde Kaiser Ottos II. mit erstmaliger Erwähnung „Steininachiricha“
Steinakirchen um 1899

Steinakirchen am Forst ist eine Marktgemeinde mit 2287 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinakirchen am Forst liegt im Mostviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 34,96 Quadratkilometer. 25,22 Prozent der Fläche sind bewaldet. Die Marktgemeinde Steinakirchen kooperiert als Teil eines Gemeindeverbandes mit den Gemeinden Wang und Wolfpassing. Dieser ist unter anderem für den Betrieb des Freizeitzentrums und die Herausgabe einer Gemeindeinformation verantwortlich. Steinakirchen ist mit 30 % am interkommunalen Betriebsgebiet kleines Erlauftal beteiligt. Steinakirchen ist außerdem Eisenstraßengemeinde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 29 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015[1]):

  • Altenhof (49)
  • Amesbach (29)
  • Brandstatt (15)
  • Dürnbach (15)
  • Edelbach (32)
  • Edla (40)
  • Ernegg (20)
  • Felberach (38)
  • Götzwang (134)
  • Haberg (60)
  • Hausberg (42)
  • Kerschenberg (11)
  • Kleinreith (7)
  • Knolling (113)
  • Lonitzberg (92)
  • Oberstampfing (17)
  • Ochsenbach (45)
  • Oed bei Ernegg (71)
  • Oedt (15)
  • Reith bei Weinberg (33)
  • Schollödt (31)
  • Schönegg (47)
  • Steinakirchen am Forst (970)
  • Straß (13)
  • Stritzling (42)
  • Unterstampfing (22)
  • Windpassing (47)
  • Zehetgrub (52)
  • Zehethof (167)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Außerochsenbach, Ernegg, Lonitzberg, Steinakirchen am Forst und Zehetgrub.

Nachbargemeinden

Ferschnitz Blindenmarkt Neumarkt an der Ybbs
Wang Nachbargemeinden Wolfpassing
Gresten-Land Reinsberg Purgstall an der Erlauf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs.

Nach der Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen bekam das Kloster Mondsee den Ort, richtete hier ein Missionszentrum für das neue Baierische Ostland ein[2] und besiedelte es mit Leuten aus dessen Umgebung.[3] Erstmals urkundlich erwähnt wurde Steinakirchen („Steininachiricha“) am 14. Oktober 979 in einer Urkunde Kaiser Ottos II. Daraus geht hervor, dass der Ort durch Bischof Wolfgang von Regensburg nach den Ungarneinfällen wiederbesiedelt wurde. Das Original der Urkunde ist im Bayrischen Hauptstaatsarchiv zu finden.

Der Name Steinakirchen stammt von der Steinernen Kirche - damals die einzige, da rundum die Kirchen aus Holz gebaut wurden. Rund um das Jahr 1100 wurden im Mondseer Güterverzeichnis (Codex traditionum) die Pfarrgrenzen von Steinakirchen festgeschrieben.

1652 war der überwiegende Teil der Steinakirchner Bevölkerung protestantisch.[4] In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wanderten mehr als 200 Protestanten aus Steinakirchen nach Franken aus.[5]

1665 werden die Geyer von Edelbach (auch Edelpach, Edlpach) Kaiser Leopold I. in den Freiherrnstand erhoben.

Im Rahmen der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 erreichten türkische Truppen am 18. Juli 1683 Steinakirchen und brannten Kirche und Ort nieder. Die Übergriffe kamen überraschend, für den Vormittag dieses Tages ist sogar noch eine Trauung in den Matriken eingetragen. Durch die Brände gingen die Privilegien des Marktes verloren, welche 1699 erneuert wurden und nun auch einen Jahrmarkt am Michaelifest anführten.[6]

1713 wütete die Pest im Gebiet der Pfarre Steinakirchen und forderte zahlreiche Todesopfer.

Im Jahr 1866 erschütterte ein Großbrand den Ort, als am 2. Juni aus ungeklärter Ursache ein Hausbrand entstand, der Dach und Turm der Kirche sowie die Schule und 13 Häuser zerstörte.[7]

Bei der Landtagswahl 1932 erzielte die NSDAP 23,75 % der Stimmen.[8] Zwei Träger des Blutordens aus Steinakirchen belegen illegale nationalsozialistische Aktivitäten während des Verbotes der NSDAP ab 1933. Während des Nationalsozialismus 1938 bis 1945 nahmen Steinakirchner führende Rollen in der Kreisleitung Scheibbs ein (Kreisbauernführer, Kreisbeauftragter f. Kriegsopfer).[9] Zumindest 2 Mitglieder der der IKG Ybbs/Amstetten aus Steinakirchen fielen der Shoah zum Opfer.[10]

Am 1. Jänner 1967 wurde die Gemeinde Ernegg zu Steinakirchen am Forst eingemeindet. Es folgten die Gemeinde Lonitzberg am 1. Jänner 1970 und schließlich am 1. Jänner 1971 Außerochsenbach und Zehetgrub.[11]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 lebten in Steinakirchen 2244 Einwohner.[12] Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 2.370 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 2.319 Einwohner, 1981 2.119 und im Jahr 1971 2.091 Einwohner.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Einwohner ist Römisch-Katholisch (96,5 %), Konfessionslos (1,6 %) und Evangelisch (0,9 %) stellen die zweit- bzw. drittgrößte Gruppierung dar.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
71,21 %
(-6,35 %p)
21,75 %
(n. k.)
7,04 %
(n. k.)
n. k.
(-22,44 %p)
LUST
2010

2015

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Der Gemeinderat hat 21 Sitze.

Bei der Gemeinderatswahl 2005 erreichte die ÖVP 15, die SPÖ 4 und die Liste Leben in Steinakirchen (L.I.STE.) 2 Mandate. Bei der Gemeinderatswahl 2010 trat L.I.STE. nicht mehr an, die ÖVP gewann zwei Sitze.[13] Bei der Gemeinderatswahl 2015 verliert die ÖVP 1 Mandat, die Liste Unabhängiges Soziales Steinakirchen[14] gewann bei ihrem ersten Antreten 4 Mandate, die FPÖ zog wieder mit einem Mandat ein.[15] Die SPÖ trat nicht mehr an.[16]

Bürgermeister
  • 1850–1864 Adalbert Pokorny
  • 1864–1873 Franz Schwarz
  • 1873–1882 Konrad Porkorny
  • 1882–1888 Engelbert Bayer
  • 1888–1915 Georg Preindl
  • 1915–1917 Ferdinand Senoner
  • 1917–1931 Anton Aigner
  • 1931–1938 Josef Eppensteiner
  • 1938–1945 Anton Aigner
  • 1945–1955 Johann Bruckner
  • 1955–1972 Josef Eppensteiner
  • 1972–1989 Josef Hörhan
  • 1989–1998 Bruno Gabler
  • 1998–2014 Johann Schagerl
  • seit 2014 Wolfgang Pöhacker

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Steinakirchen am Forst

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blasmusikverein Steinakirchen
  • Jugendchor TonARTisten
  • Musikschule Ybbsfeld

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beachvolleyball-Platz im Freibad
  • Tennisplatz
  • Golfplatz Ernegg
  • Fußballplatz

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sommer- und Wintersonnenwende am Sonnwendkreis Jun./Dez.
  • Frühlingskirtag 2. Sonntag im April
  • Marktfest Ende Juli (zuletzt 2011)
  • Michaelikirtag - Ende September/Anfang Oktober

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 70, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 165. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1.103. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,51 Prozent. Nennenswerte industrielle Betriebe konnten sich in Steinakirchen nicht nachhaltig etablieren. Einige wenige vormals existierende Industriebetriebe (Möbelerzeugung Pitlicek, Holzverarbeitung Leitner) sind seit vielen Jahren stillgelegt. Im Jahre 2008 wurde in der Nachbargemeinde Wolfpassing ein interkommunales Betriebsgebiet errichtet, in dem sich Firmen verkehrsgünstig ansiedeln können. 2012 wurde das Betriebsgebiet in Kooperation mit der Landesagentur Ecoplus um 30 Hektar erweitert.[18] Im Jahr 2010 wurde die in nordwestlicher Richtung verlaufende Umfahrung eröffnet. Eine weitere in südwestlicher Richtung verlaufende Umfahrungsstraße wurde 2014 fertiggestellt um den Ortskern vom Schwerverkehr zu entlasten.[19][20] Die Autobahnanschlussstelle Amstetten Ost (A1/E60) befindet sich in 10 Kilometer Entfernung. Weiters verläuft durch das Gemeindegebiet eine Bahnlinie (Wieselburg-Gresten), die vor der Umspurung eine Zweiglinie der Mariazellerbahn war. Heute dient die Bahnlinie nur dem Güterverkehr, der Personenverkehr wurde mit der Umspurung eingestellt. Der nächstgelegene Bahnhof ist Purgstall an der Erlauf mit Anschluss an die Westbahn in Pöchlarn.

Nahversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ortsmitte betreibt Spar einen Lebensmittelmarkt. Weiters gibt es zwei Bäckereien im Ort und einen Fleischhauer, sowie seit Ende 2015 einen Feinkostenladen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Schragl: Steinakirchen am Forst. Geschichte der Pfarre und ihrer Orte. Pfarrgemeinde Steinakirchen, Gemeinde Steinakirchen am Forst, Wang und Wolfpassing 1975.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steinakirchen am Forst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  2. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  3. Pfarrgeschichte auf der Webpräsenz der Pfarre Steinakirchen/Forst
  4. Manfred Enzner, Eberhard Krauß: Exulanten aus der niederösterreichen Eisenwurzen in Franken. 2005.
  5. Hans Krawarik: Exul Austriacus: konfessionelle Migrationen aus Österreich in der Frühen Neuzeit. 2010.
  6. Friedrich Schragl: Steinakirchen am Forst, S. 194
  7. Friedrich Schragl: Steinakirchen am Forst, S. 77
  8. Klaus-Dieter Mulley: Nationalsozialismus im politischen Bezirk Scheibbs 1930-1945(= Heimatkunde des Bezirkes Scheibbs 8). Scheibbs 1988.
  9. Klaus-Dieter Mulley: Nationalsozialismus im politischen Bezirk Scheibbs 1930-1945(= Heimatkunde des Bezirkes Scheibbs 8). Scheibbs 1988.
  10. Johannes Kammerstätter: Tragbares Vaterland. Wieselburg 2012.
  11. Statistik Austria: Auflösungen bzw. Vereinigungen von Gemeinden ab 1945. Abgerufen am 14. Dezember 2012.
  12. Statistik Austria - Blick auf die Gemeinde
  13. Endergebnis der Gemeinderatswahl 2010
  14. Webauftritt der Liste Unabhängiges Soziales Steinakirchen (LUST)
  15. Endergebnis der Gemeinderatswahl 2015
  16. Kurier Bericht über die Gemeinderatswahl 2015 in Steinakirchen
  17. Mostviertler Sonnwendkreis. In: Kulturpark Eisenstrasse. Abgerufen am 17. Februar 2014.
  18. Wirtschaftspark Wolfpassing. In: ecoplus.at. Abgerufen am 9. Februar 2014.
  19. Bauverhandlung Südumfahrung. SPÖ Steinakirchen, 2014, abgerufen am 9. Februar 2014.
  20. L 96 Umfahrung Steinakirchen am Forst. Amt der NÖ Landesregierung, abgerufen am 9. Februar 2014.
  21. Toni Distelberger: Menschen schreiben Geschichte. (Dollfuß in Wolfpassing [abgerufen am 8. März 2016]).