Steinbart-Gymnasium

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Steinbart-Gymnasium
Logo
Logo des Steinbart-Gymnasiums
Schulform Gymnasium
Schulnummer 164586
Gründung 1831 (als Realprogymnasium)
Adresse

Realschulstraße 45

Ort Duisburg
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 25′ 39,6″ N, 6° 45′ 56,2″ OKoordinaten: 51° 25′ 39,6″ N, 6° 45′ 56,2″ O
Träger Stadt Duisburg
Schüler über 1300
Lehrkräfte über 100
Leitung Ralf Buchthal
Website www.steinbart-gymnasium.de

Das Steinbart-Gymnasium wurde 1831 als Realprogymnasium in Duisburg gegründet und ist dort die zweitälteste weiterführende Schule. 1875 erhielt die Schule ihr eigenes Gebäude, und ihr heutiger Namensgeber Quintin Steinbart trat die Direktorenstelle an. Im Schuljahr 1882/1883 wurde die Schule zum Realgymnasium.

Das Steinbart-Gymnasium besitzt ein umfassendes Schulprogramm.

Im Jahr 2007 erhielt es von der Landeselternschaft den Preis für sein zukunftsweisendes Sprachenkonzept.

Das Steinbart Gymnasium zählte im Schuljahr 2011/2012 mehr als 1300 Schüler. Auf dem Gelände der Schule befindet sich auch das Leistungszentrum Sport der Stadt Duisburg.

Jedes Jahr finden ein großes Schulkonzert sowie zahlreiche weitere musikalische Aufführungen in der Aula des Gymnasiums statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quintin Steinbart
Wilhelm Canaris, ehemaliger Schüler, Leiter des Amtes Ausland/Abwehr (Geheimdienst) im Oberkommando der Wehrmacht und Widerstandskämpfer, 1940

Das Steinbart-Gymnasium ist nach dem Landfermann-Gymnasium die zweitälteste weiterführende Schule in Duisburg. Es wurde 1831 gegründet, weil man die Notwendigkeit sah, alternativ zur damaligen Lateinschule junge Menschen stärker mit den sogenannten Realien vertraut zu machen, das heißt mit modernen Fremdsprachen und Naturwissenschaften. Die Absolventen des „Realgymnasiums“ sollten zu größtmöglicher Weltoffenheit geführt werden. Auch heute ist das Steinbart-Gymnasium – natürlich in modernisierter Form – in besonderer Weise den Ideen verpflichtet, die ihre Gründung und ihre lange Geschichte geprägt haben.

Von 1945 bis 1949 waren das heutige Steinbart-Gymnasium und das heutige Mercator-Gymnasium zur „Städtischen Oberschule für Jungen, Duisburg-Mitte“ zusammengelegt.[1]

Das Steinbart-Gymnasium war ursprünglich eine reine Jungenschule. In den 1970er Jahren ging es zur Koedukation über. Noch heute ist der Anteil der Jungen höher als der der Mädchen, was jedoch auch auf das in der Nähe befindliche bischöfliche St. Hildegardis-Gymnasium zurückgeführt werden kann, das bis 2014 der Konzeption als reines Mädchengymnasium geblieben war.

Über Quintin Steinbart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quintin Steinbart (* 9. Februar 1841 in der Mark Brandenburg; † 5. Juni 1912) war seit 1875 Schulleiter des Realprogymnasiums und des späteren Realgymnasiums Duisburg.

Zuvor hatte er die Reifeprüfung abgelegt und sich an der Universität in Berlin immatrikuliert. Er studierte dort Mathematik, Physik und neuere Sprachen und war schon mit 22 Jahren Lehrer am Victoria-Institut in Falkenberg in der Mark. Nach mehreren Schulwechseln und dem Deutsch-Französischen Krieg übernahm er die Leitung einer Schule in Rawitsch.

Schulprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule bietet ein Schulprogramm, das auf dem Wert „Selbständigkeit entwickeln, erleben, erweitern“ basiert. Es umfasst unter anderem Begabtenförderung, Austauschprogramme mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich und anderen Ländern, die Teilnahme an Jugend forscht, ein innovatives Sprachkonzept und die Schülerzeitung „Steinbart-Blätter“. Außerdem enthält das Schulprogramm ein Konzept zum Übergang von Grundschule zu Gymnasium, Gesundheitsförderung, das Präventionsprogramm „Lions Quest“ zum Erwachsenwerden, das Talentzentrum Sport, das Fach „Lernen lernen“, eine Kooperation zur Lese- und Medienkompetenz mit der Stadtbibliothek, klassen- und jahrgangsbezogene sowie übergreifende Angebote mit Arbeitsgemeinschaften und Workshops, ein Konzept zur Elternmitarbeit, Kooperationen mit dem Verein der Ehemaligen, dem Verein der Freunde und Förderer, der Wirtschaft, der Universität und Veranstaltungen zur Berufsvorbereitung.

Sprachkonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitat des ehemaligen Schülers des Steinbart-Gymnasiums und Widerstandskämpfer Harro Schulze-Boysen am Bundesministerium der Finanzen

Für sein zukunftsweisendes Sprachenkonzept wurde das Steinbart-Gymnasium im Jahr 2007 von der Landeselternschaft der Gymnasien ausgezeichnet. Die Dachorganisation der Schulpflegschaften der Gymnasien hatte im Rahmen ihres fünfzigjährigen Jubiläums den Schulpreis „Qualität des Unterrichts“ ausgelobt. Eine Jury unter dem Vorsitz des Bielefelder Professors Rainer Dollase wählte unter den 34 eingereichten Konzepten sechs Sieger in drei Kategorien aus. Das Steinbart-Gymnasium erhielt den Schulpreis in der Kategorie „Fachdidaktische Konzepte“. Das Steinbart-Gymnasium bietet ein innovatives Sprachenkonzept, das Schülern der Klasse 5 einen nach Begabung differenzierten und risikolosen Einstieg ins Sprachenlernen ermöglicht. Entscheidend für die Jury war die „einfache, aber geniale Konzeption“, die in jedem Gymnasium leicht umzusetzen wäre und die den Schülern Chancen zum Erwerb einer zweiten Fremdsprache gleich zu Beginn der Gymnasialzeit ermöglicht. Der Preis wurde von der Schulministerin Barbara Sommer überreicht.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit folgenden Schulen pflegt das Gymnasium Partnerschaften und Schüleraustausche:

Seit 1986 bestand über mehrere Jahre ein Schüleraustauschprogramm mit der East High School in Duluth, Minnesota.

Verein der Ehemaligen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Canaris ungefähr zur Zeit seiner Reifeprüfung am Steinbart-Gymnasium und kurz vor seinem Eintritt in die Kaiserliche Marine, 1905

Die Mittel des Vereins dienen in erster Linie dazu, die Arbeit der Schule zu unterstützen. Dies geschieht hauptsächlich bei der Anschaffung von Lehrmitteln, Unterrichtsmaterialien und technischen Geräten und durch die Förderung der Schulpartnerschaften und des Schüleraustausches.

Der Verein ist der Schule auch behilflich bei der Berufsorientierung der Schüler. So veranstaltet er einmal im Jahr einen Berufsinformationsabend, bei dem Fachleute den angehenden Abiturienten über Studium und Beruf Rat und Auskunft geben.

An besonderen Gedenktagen werden verstorbene ehemalige Lehrer und Schüler geehrt, auf einem der Duisburger Friedhöfe oder in Bad Mergentheim-Stuppach, wo 1945 neun Steinbart-Schüler ums Leben kamen.

Die Vereinssatzung verpflichtet den Verein auch zur Pflege der Tradition der Schule. So erhalten alle Abiturienten bei ihrer Entlassungsfeier die Geschichte des Steinbart-Gymnasiums sowie die Albertine, die von Ehemaligen des Löbenicht-Realgymnasiums gestiftet wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Steinbart-Gymnasium liegt ruhig am grünen Kant-Park im Bezirk Mitte der Stadt Duisburg. Die Gebäude stehen an der Realschulstraße 45. Kurioserweise liegen in der Realschulstraße zwei Gymnasien (außer dem Steinbart- auch das bischöfliche St. Hildegardis-Gymnasium für Mädchen jenseits der Düsseldorfer Straße) und keine Realschule; die Straße ist nach dem Vorläufer der Schule benannt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juli 2013 wurde bekannt, dass seit Jahrzehnten ein zu großen Teilen aus den 1950er Jahren stammendes Buch an die Abiturienten der Schule verschenkt wurde, welches die Geschichte des Steinbart-Gymnasiums nachzeichnet, jedoch weitgehend unkommentiert Begriffe und Wendungen enthält, die dem NS-Sprachgebrauch nahekommen bzw. diesem entliehen sind, so z.B. die Bezeichnung alliierter Bombenangriffe auf Duisburg als „Terrorangriffe“. Die Schulleitung gab daraufhin bekannt, dass das Buch und eine dazugehörige Ehrennadel nicht weiter verschenkt würden. Der Ehemaligenverein der Schule als Herausgeber des Buches kündigte eine Neuauflage mit kritischer Kommentierung an.[2][3][4][5]

Bekannte ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikolaus Schneider am 1. Juni 2012 beim Ökumenischen Gottesdienst beim Hessentag im Wetzlarer Dom; Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland; Vorsitzender des Rates der EKD

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quintin Steinbart: Größere Reisen mit Schülern. Duisburg, 1885 (Digitalisat)
  • Das Steinbart-Gymnasium zu Duisburg, Köln und Duisburg 1981
  • Geschichte des Steinbart-Gymnasiums zu Duisburg, Festschrift zur Hundertfünfundzwanzigjahr-Feier 1956

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mercator mal hundert. (PDF; 4,1 MB) Festschrift, 2001; abgerufen 19. Februar 2011
  2. Rechte Propaganda als Abi-Geschenk, ZDF heute (31. Juli 2013)
  3. Abitur-Geschenk an Duisburger Gymnasium erregt die Gemüter, WAZ.de
  4. Rechte Propaganda in Schulfestschrift: Duisburger entsetzt über Abi-Geschenk (Memento vom 10. Januar 2014 im Internet Archive), WDR vom 31. Juli 2013
  5. Abi-Anstecknadel „Alberte“ hat keinen rechtsextremen Hintergrund, WAZ.de
  6. Commerzbank-Opposition kam nicht zum Zuge. In: Die Zeit, Nr. 16/1958
  7. Webseite des Bürgervereins Wanheim
  8. Webseite WDR
  9. Oliver Schmeer: Architekt hält „Gläsernen Hut“ für Duisburger Bahnhofsplatte nicht realisierbar, WAZ Online, 14. November 2012 (online).
  10. Webseite von Thomas Schierlitz
  11. Pressemitteilung Stadt Köln, 29. Juli 2011.