Steinbruch-Methode

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Steinbruch-Methode oder Beweistextmethode[1] (engl. proof-texting) ist das Herausgreifen von Zitaten aus einem Text, um eine Behauptung zu untermauern. Kritiker bemerken, dass solche aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate die ursprüngliche Absicht des Autors möglicherweise nicht genau wiedergeben[2] und dass ein Dokument, das so zitiert wird, die Behauptung, für die es zitiert wird, möglicherweise gar nicht stützt, wenn man es ganz liest.[3][4][5][6]

Davon zu unterscheiden sind aus als gegnerisch geltenden Quellen entnommene Zitate, die ungewollt zugunsten ihrer Gegner einen Punkt untermauern. Sogar aus dem Zusammenhang gerissen, gelten solche Feststellungen als tragfähig.

Ursprung der Beweistextmethode[Bearbeiten]

Die Vorgehensweise ist Ende des 16. Jahrhunderts aus Vorstellungen protestantischer Scholastiker hervorgegangen, die davon überzeugt waren, dass jeder Bibelvers unabhängig von seinem Kontext das Wort Gottes und wahr sei.[1]

Beispiel[Bearbeiten]

Eine geläufiger Witz demonstriert die Gefahren der Steinbruch-Methode im Umgang mit der Bibel:

Ein Mann, der mit seinem Leben unzufrieden war, konsultierte die Bibel. Mit geschlossenen Augen schlug er das Buch auf und stach mit dem Finger auf eine Stelle der Seite. Dann öffnete er seine Augen und las den Bibelvers unter seinem Finger: ‚[…] [er] ging fort und erhängte sich.‘ (Matthäus 27,5b LUT). Dann schloss er nochmals die Augen und wählte ebenso zufällig einen anderen Bibelvers: ‚[…] Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!‘ (Lukas 10,37b LUT)[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Aleksandar Vuksanovic: Die Beweistextmethode. In: Biblischer Monotheismus. Abgerufen am 3. Mai 2014: „In vielen heutigen Bibelschulen und Theologischen Seminaren wird das Studium der Heiligen Schrift über die sogenannte ‚Beweistextmethode‘ gelehrt. Der Ursprung dieser Vorgehensweise liegt am Ende des 16. Jahrhunderts. Protestantische Scholastiker [...] behaupten, dass jeder einzelne Bibelvers – unabhängig vom Kontext – das Wort Gottes darstellt. Dies bildet die Grundlage für die Vorstellung, dass jeder Bibelvers in sich wahr ist und zur Untermauerung einer Lehre herangezogen werden kann.“
  2. "The Use of a Doctrinal Catechism in Sunday-School Instruction: A Symposium", Jesse L. Hurlbut et al; The Biblical World, Vol. 16, No. 3 (Sept 1900); retrieved via JSTOR
  3. March 24, 2010: Problem with Proof-Texting. Covenant of Love. 24. März 2010. Abgerufen am 14. November 2013.
  4. problems with proof-texting (1). In: Peripatetic Learning. Carlsweatman.wordpress.com. 4. August 2010. Abgerufen am 14. November 2013.
  5. Is Bible Verse Proof-Texting Problematic?. Mainsailministries.org. Abgerufen am 14. November 2013.
  6. Kathy McDonough: The Subtle Power of Spiritual Abuse, Chapter 7: Abuse and Scripture. Recovering Grace, 19. Juli 2012, abgerufen am 14. November 2013 (englisch): „[…] the method is to use ‘proof-texting’. Proof-texting is when you start with a point you want to prove and then cherry-pick verses to support the point, regardless of the context and original meaning of those verses.“
  7. Eine Version dieser Anekdote findet man in Elizabeth Tokar, "Humorous Anecdotes Collected from a Methodist Minister" Western Folklore, Vol. 26, No. 2 (April, 1967), 92; retrieved via JSTOR