Steinfurth (Bad Nauheim)

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Steinfurth
Wappen von Steinfurth
Koordinaten: 50° 23′ 57″ N, 8° 44′ 46″ O
Höhe: 146 m ü. NHN
Fläche: 8,61 km²[1]
Einwohner: 2830 (30. Jun. 2012)[2]
Bevölkerungsdichte: 329 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61231
Vorwahl: 06032

Steinfurth ist ein Stadtteil von Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main gelegen.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Weisel Oppershofen
Ostheim Nachbargemeinden Södel
Nieder-Mörlen Bad Nauheim Wisselsheim

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Steinfurth 1624 mit Allegorie auf die Wappentiere der Löw von Steinfurth im Thesaurus Philopoliticus

Steinfurth wurde das erste Mal im Jahr 914 urkundlich in einer Schenkungsurkunde König Konrads 1. an die Kirche zu Weilburg erwähnt. Seit dem Mittelalter war Steinfurth zu großen Teilen im Besitz der Löw von Steinfurth, die sich nach dem Ort benannten. Im Ortskern ist mit dem Löwschen Schloss ein Herrenhaus der Familie aus dem frühen 19. Jahrhundert erhalten.

1806 kam Steinfurth im Zuge der Mediatisierung an das Großherzogtum Hessen.[1] Die Niedere Gerichtsbarkeit blieb den Standesherren erhalten und wurde ab 1820 durch das Patrimonialgericht Steinfurt ausgeübt. 1822 wurde dann das zum Landratsbezirk Butzbach gehörige „Großherzogliche Hessische Landgericht der Freiherren zu Löw“ in Friedberg gegründet in dem das Patrimonialgericht aufging.[3] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[4]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Steinfurth am 1. August 1972 kraft Landesgesetz in die Stadt Bad Nauheim eingegliedert.[5][6] Für Steinfurth wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Die Einwohnerzahl hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg auf etwa 2800 Einwohner mehr als verdoppelt.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Steinfurth (Bad Nauheim)
Blasonierung: „In silbernem Schilde mit blauem Schildbord eine gefüllte rote Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern, darüber eine rote Blätterkrone.“[8]

Das Wappen wurde am 9. Juli 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 31. August 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt. Flaggenbeschreibung: „Auf der weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuchs das Wappen der Gemeinde Steinfurth.“[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektonischer und kultureller Mittelpunkt des Dorfes ist die spätgotische ev. Pfarrkirche. Den ansonsten schlicht gestalteten Innenraum des im späten 15. Jahrhundert errichteten, nach Teilzerstörung im Dreißigjährigen Krieg verändert wiederaufgebauten Gotteshauses zieren die sehenswerten Prunkgrabmäler einiger Mitglieder des ortsansässigen Adelsgeschlechts der Freiherren von Löw. Als Gemeindepfarrer amtierten 1954–1959 Hans Knorrek, 1959–1971 Rudolf Weber, 1971–1980 Alfred Rose, 1982–1990 Birgit Gröger, 1991–2008 Horst Rockel. Während des Jahres 2008 wurde er von Pfarrer Siegfried Nickel abgelöst.

Das Rosendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinfurther Rosenfest – Motivwagen mit ca. 60.000 Rosenblüten

Steinfurth ist ein in Fachkreisen international bekanntes Zentrum des Rosenanbaus und der Rosenzucht; etwa 40 ortsansässige Betriebe sind auf diesem Sektor tätig, darunter auch das 1868 gegründete älteste deutsche Rosenzuchtunternehmen.

Neben mehreren öffentlichen Blumenschaugärten, die in den Sommermonaten von zahlreichen Touristen besucht werden, beherbergt der Ort das Deutsche Rosenmuseum, das eine kulturgeschichtlich orientierte Dauerausstellung zeigt und über die weltweit größte Fachbibliothek zur Rosenzucht verfügt.

Geschichte des Rosenanbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1868 – Heinrich Schultheis gründete die erste Rosenbaumschule in Deutschland und begann mit seinen Brüdern, die Rosen baumschulmäßig anzubauen.
  • 1890 – Um die Jahrhundertwende gab es schon um die 50 Rosenanbaubetriebe in Steinfurth.
  • 1970 – Steinfurth hatte 210 Rosenanbaubetriebe mit einer jährlichen Produktion von 12 bis 14 Millionen Rosenpflanzen, d. h. ca. 40 % der gesamten deutschen Rosenproduktion.

Das Steinfurther Rosenfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Steinfurther Rosenfest

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinfurth verfügt über ein vielfältiges Vereinsleben. So gibt es u. a. einen Aerobic-Verein, Angelsportverein, Deutsche Lymphschulung e. V., Freiwillige Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr Steinfurth, Gesangverein Frohsinn, Heimat- und Geschichtsverein Steinfurth „Die Rosisten“ e. V., Kleintierzuchtverein, Landfrauenverein, Modellbausportclub, Oldtimer-Club-Steinfurth e. V., Radfahrverein, Seniorenclub, Sportverein SV 1930 Steinfurth, Tischtennisclub Steinfurth, Turnverein 1905 Steinfurth, VDK Steinfurth und die Zimmerschützengemeinschaft.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinfurth hat eine Grundschule, die seit 2005 den Namen Rosendorfschule trägt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Steinfurth verläuft die Landesstraße 3134, die Anschluss an die B 3 bzw. B 275 und von dort an die A 5 Richtung Kassel und Frankfurt am Main bietet.

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verkehren die von der Stroh Bus Verkehrs GmbH bedienten Stadtbus-Linien FB-12 und FB-15, die Bad Nauheim mit Steinfurth und den Stadtteilen Wisselsheim und Rödgen verbinden und am Kaiserberg bzw. Bahnhof Bad Nauheim enden. Außerdem verkehrt die Linie FB-53 der HLB Hessenbus durch den Ort, die Bad Nauheim über Steinfurth mit Oppershofen, Rockenberg, Griedel und Butzbach verbindet und am dortigen Bahnhof endet. Vereinzelt fährt diese Linie hauptsächlich zur Schülerbeförderung auch direkt nach Nieder- und Ober-Mörlen. Steinfurth gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnübergang in der Bad Nauheimer Straße

Steinfurth liegt an der Butzbach-Licher Eisenbahn, die heute von der Eisenbahnfreunde Wetterau e. V. (EFW) im Museumsbetrieb befahren wird. Der Bahnhof Steinfurth , dessen Empfangsgebäude mittlerweile zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, besitzt einen mittig zwischen dem Durchgangs- und Ausweichgleis angeordneten Bahnsteig.[10] Er befindet sich kurz hinter dem Bahnübergang in der Bad Nauheimer Straße.

Ungefähr 100 Meter vom Steinfurther Bahnhof entfernt direkt auf der anderen Seite dieses Bahnübergangs befindet sich zusätzlich der Haltepunkt Steinfurth Rosenbahnsteig , der von der EFW ausschließlich einmal alle zwei Jahre zur Beförderung von Fahrgästen zum Rosenfest angefahren wird.

Linien
Rockenberg Museumsbahn EFW-Museumsbahn
Butzbach-Licher Eisenbahn
Bad Nauheim Nord

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Kübler: Blatt für Blatt die Rose. Katalog des Rosenmuseums Steinfurth; Rosenmuseum Steinfurth, Steinfurth 1992; 107 Seiten, gebunden; ISBN 3-929319-00-4.
  • Reimer Stobbe: Die Löw von Steinfurth. Die Geschichte um das Herrenhaus von Löw in Steinfurth anlässlich der Wiederherstellung 1994. Deutscher Sparkassenverlag, Stuttgart 1994; 63 Seiten, gebunden; ISBN 3-09-303812-X.
  • Birgit Philippi: Die Wunderwelt der Rose. Von der Antike bis in die Neuzeit. Verlag Genealogie-Service.de GmbH, Reichelsheim 2004; 84 Seiten, 181 meist farbige Abb., gebunden; ISBN 3-9808739-6-X.
  • Sabine Kübler: Brot und Rosen. Steinfurth – Vom Dorf der arme Leute zur Rosenindustrie. In: Michael Keller, Herfried Münkler (Hrsg.): Die Wetterau – Landschaft zwischen Tradition und Fortschritt. Verlag Sparkasse Wetterau, Friedberg 1990, ISBN 3-924103-06-2, S. 131–143.
  • Literatur über Steinfurth in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steinfurth (Bad Nauheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Steinfurth, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. November 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Bad Nauheim: Einwohner HW und NW
  3. Großherzogliches Ministerium des Inneren und der Justiz: Die Vereinigung der beiden bisherigen Löwischen Patrimonialgerichte in ein Landgericht betr. vom 13. November 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1822 Nr. 36, S. 520 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 36,6 MB]).
  4. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 361.
  7. Bad Nauheim Daten und Fakten Einwohnerzahl auf Seite 5 der PDF-Datei (221 KB)
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Steinfurth im Landkreis Friedberg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 9. Juli 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 30, S. 729, Punkt 675 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,2 MB]).
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Steinfurth im Landkreis Friedberg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 31. August 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 38, S. 894, Punkt 915 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,5 MB]).
  10. Der Bahnhof Steinfurth. In: Das Magazin für Freunde und Förderer der Eisenbahnfreunde Wetterau e. V. Eisenbahnfreunde Wetterau e. V., Juni 2011, S. 2, abgerufen am 20. Oktober 2016 (PDF).