Gegenstempel

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Französischer Taler mit Berner Gegenstempel

Ein Gegenstempel, auch Kontermarke und Stempelzeichen genannt, ist eine von der Antike bis ins 20. Jahrhundert mit einem kleinen Stempel oder einer Punze angebrachte Markierung (Buchstaben, Zahlen oder Zeichen) auf einer Münze, die in Münzen oder Medaillen nachträglich eingeschlagen wurde, um anzuzeigen, dass eine bisher ungültige Münze Geltung erhält, oder dass der Wert einer bisher kursierenden Münze verändert worden ist.

Meist wurden Münzen mit Gegenstempeln versehen, wenn sie im Lauf einer Münzreform einen neuen Nennwert erhalten sollten oder wenn ausländische (zum Beispiel von Nachbarländern) Münzen eines anderen Währungsgebietes zu einem fixen Kurs für den einheimischen Zahlungsverkehr (Umlauf) zugelassen werden sollten. Der Gegenstempel kann auch zum Zweck der Auf- oder Abwertung und zur Anerkennung des Wertes bei gleichzeitig umlaufenden wertgeminderten ähnlichen Geldstücken erfolgt sein (siehe Münzstätte Freiberg, Groschenzeit). Bekannt ist auch die Gegenstempelung von Gulden im Fränkischen Kreis, mit der die Festsetzung auf 60 Kreuzer erfolgte.[1] Somit konnten auch Kurantmünzen mit Kleinmünzen durch Gegenstempelung in ein festes Verhältnis gesetzt werden, wobei hier der Maßstab ausnahmsweise die Kleinmünze war.

Gelegentlich versahen auch Privatpersonen oder Unternehmen Münzen mit Gegenstempeln, beispielsweise zu Prüfzwecken oder als Werbemittel.

Siehe auch: Beispiel: Die Schmalkaldischen Bundestaler werden durch Gegenstempel zu russischen Talermünzen (Ende der Münzprägung des Schmalkaldischen Bundes).

Münze von Sanne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1996 in der kaiserzeitlichen Siedlung bei Sanne im Landkreis Stendal gefundene Kupfermünze steht in Bezug zur Varusschlacht. Es handelt sich um ein zwischen 10 und 3 v. Chr. in Lyon geprägtes As. Die Rückseite zeigt den Altar von Lugudunum, die Vorderseite ein Portrait des Augustus. Unter dem Kinn befindet sich ein kleiner eckiger Gegenstempel. Die Nachprägungen kennzeichnen in den meisten Fällen Geldgeschenke von Truppenkommandeuren an ihre Soldaten. Die Prägung VAR verweist auf den Feldherrn Varus, der die Münzen zwischen 7 und 9 n. Chr. ausgegeben hat. Die meisten Varusmünzen stammen aus den Militärlagern am Niederrhein, 14 stammen vom Schlachtfeld in Kalkriese.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Fassbender: Lexikon für Münzsammler. Über 1800 Begriffe von „Aachener Mark“ bis „Zwittermünze“. Battenberg, Augsburg 1991, ISBN 3-89441-016-7.
  • Helmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte. Ein Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, Lizenzausgabe Mannheim/Wien/Zürich 1987, ISBN 3-411-02148-9, S. 383 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kölner Münzkabinett, 105. Auktion, 16. September 2016, Los 679, Gulden von Sachsen-Henneberg-Ilmenau, Jahr 1692