Stepan Tymoschenko

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Stepan Tymoschenko

Stepan Prokopowytsch Tymoschenko (ukrainisch Степан Прокопович Тимошенко, wiss. Transliteration Stepan Prokopovyč Tymošenko; englische Transkription Stephen Timoshenko, * 23. Dezember 1878 in Schpotiwka bei Poltawa, Ukraine, Russisches Reich; † 29. Mai 1972 in Wuppertal-Elberfeld) war ein Pionier der angewandten Mechanik (Technische Mechanik).

Nach einem Ingenieurstudium (1896 bis 1901 in Sankt Petersburg und 1904 bis 1906 an der Universität Göttingen), einem zweijährigen Wehrdienst 1901/02 und einer Dozentur in Sankt Petersburg (1903/04 am Polytechnischen Institut) wirkte er von 1906 bis 1911 als Professor an der Bau-Ingenieurfakultät des Polytechnischen Instituts in Kiew. Er wurde dort aus politischen Gründen entlassen. Daraufhin nahm er 1913 am Polytechnischen Institut St. Petersburg die Stelle von Alexei Nikolajewitsch Krylow ein (Professor für technische Mechanik). 1916 wurde er Professor am Polytechnischen Institut in Kiew und Begründer (sowie auch Direktor) des Forschungsinstituts für Mechanik an der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, die neu errichtet worden war. Er lehrte kurze Zeit in Zagreb (1921–1922) und ging dann in die USA. Er arbeitete hier zuerst bei Westinghouse und wurde dann Professor an der University of Michigan (1928–1935), danach ab 1936 an der Stanford University (bei San Francisco), mit einem breiten Wirkungsfeld. 1944 wurde er Professor Emeritus in Stanford. 1947 erhielt er die James-Watt-Medaille.

Tymoshenko schrieb Erinnerungen, in denen er die Struktur der Wissenschaften im Zaren- und im Deutschen Reich, in der UdSSR und in den USA nach seinen Erfahrungen schildert, als Physiker im „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm). Das Buch ist ein seltenes Beispiel der Autobiographien eines Ingenieurwissenschaftlers, einer Persönlichkeit, in deren Leben sich Technik und Zeitgeschichte eng verband.

Tymoshenko ist für Arbeiten in der Elastizitätstheorie bekannt und entwickelte unter anderem Gleichungen in der Balkentheorie. Er beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Elastizitätstheorie.

1964 zog er nach Wuppertal, wo er 1972 starb. Seine sterblichen Überreste wurden in Palo Alto beigesetzt.

Die American Society of Mechanical Engineers (ASME) verleiht jährlich einen renommierten Preis, die Timoschenko-Medaille.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Erinnerungen (engl. As I remember, van Nostrand 1968) Dt. Übers. Albert Duda, Berlin: Ernst & Sohn, 2006, ISBN 3-433-01816-2
  • mit James Gere: Mechanics of Materials, Van Nostrand 1972
  • Strength of Materials, 3. Auflage, Van Nostrand 1955/56 (zuerst 1930)
  • mit W. Weaver, D. H. Young: Vibration problems in engineering, 5. Auflage, Wiley 1990 (zuerst von Timoshenko bei Van Nostrand 1928)
  • Theory of Plates and Shells, McGraw Hill 1940
  • Theory of elastic stability, McGraw Hill 1936, 2. Auflage 1961
  • mit D.H.Young: Theory of Structures, McGraw Hill 1945
  • dieselben: Engineering mechanics: Statics, McGraw Hill 1937
  • mit James N. Goodier: Theory of Elasticity, 3. Auflage 1969
  • History of strength of materials, Dover 1983
  • Collected papers, McGraw Hill 1953
  • Festigkeitslehre, Springer 1928
  • Schwingungsprobleme der Technik, Springer 1932
  • Engineering education in Russia, McGraw Hill 1959

Weblinks[Bearbeiten]