Stephan (England)

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Stephan von Blois in einer zeitgenössischen Darstellung

Stephan von Blois (englisch Stephen of Blois, französisch Étienne de Blois, * 1192 oder 1196/97 in Blois; † 25. Oktober 1154 in Dover) war König von England von 1135 bis 1154. Er war der Sohn des Kreuzfahrers Stephan II. Heinrich. Sein Anspruch auf den englischen Thron gründte sich auf seine Mutter Adela von Blois, eine Tochter Wilhelms des Eroberers.

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephans Vater fiel 1102 als Kreuzfahrer Palästina. Der Sohn kam daher bereits in jungen Jahren an den Hof seines Onkels, König Heinrichs I. von England. Dort wuchs er auf, erhielt reichen Grundbesitz und wurde zu einem der mächtigsten Männer in der Umgebung des Königs. Seit 1112 war er Graf von Mortain in der Normandie. 1125 heiratete er Mathilda von Boulogne, die Tochter und Erbin des Grafen Eustach III. von Boulogne. Stephan kam damit in den Besitz dieser strategisch wichtigen Grafschaft. Mathilda gilt als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Königinnen Englands. Sie erzielte militärische Erfolge, gehörte zu den wichtigsten Förderern des Templerordens und gründete die Abtei Faversham, wo sie und Stephan bestattet sind. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor (s.u.).

Erbfolgekrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der englische König Heinrich I. war 1135 ohne männlichen Nachfolger gestorben, hatte aber von den Baronen seine Tochter Mathilde, genannt Maud, die Witwe des römisch-deutschen Kaisers Heinrich V., als Nachfolgerin einsetzen lassen. Sie wurde damit zur ersten regierenden Herrscherin in der Geschichte Englands. Als Enkel Wilhelms des Eroberers beanspruchte aber auch Stephan den Thron für sich. Unterstützung fand er bei einigen Adeligen, Bischöfen sowie Bürgern Londons. Nachdem er der römisch-katholischen Kirche Zugeständnisse gemacht hatte, erkannte auch Papst Innozenz II. seinen Anspruch an. Am 22. Dezember 1135 wurde Stephan in Westminster Abbey gekrönt.[1]

Kämpfe gegen die Unterstützer von Mauds Thronanspruch entwickelten sich 1139 zu einem umfassenden Bürgerkrieg, als die Königin mit ihrem neuen Ehemann, Gottfried Plantagenet, Graf von Anjou, in England landete. Die Stände Englands spalteten sich in zwei Lager, die jeweils eine Seite unterstützten. Zwölfjährige, heftige Kämpfe waren die Folge. Als Stephan 1141 nach der Belagerung von Lincoln gefangen genommen wurde, nahm seine Frau Mathilda, die sich bereits zuvor als Heerführerin betätigt hatte, die militärische Führung in die Hand. Mit Unterstützung der Londoner Bevölkerung verdrängte sie Königin Maud aus der Hauptstadt. Später wurde Stephan gegen Robert von Gloucester ausgetauscht. Der Halbbruder und wichtigsten Berater von Königin Maud war 1142 in der Schlacht bei Winchester gefangen genommen worden.

Keine der beiden Parteien konnte einen entscheidenden Sieg erringen. Zudem gelang es König Stephan 1152 nicht, seinem Sohn Eustach die allgemeine Anerkennung als Thronfolger zu verschaffen. Als er im Jahr darauf einen Waffenstillstand mit seinen Gegnern anstrebte, stieß dies auf den offenen Widerstand Eustachs. Dessen plötzlicher Tod am 10. August 1153 öffnete schließlich den Weg zu einem Kompromiss. Im November dieses Jahres handelte der König mit seinen Gegnern den Vertrag von Wallingford aus. Danach adoptierte Stephan Mauds und Gottfrieds Sohn, den späteren Heinrich II., der inzwischen in die Kämpfe in England eingegriffen hatte, und setzte ihn als seinen Nachfolger ein. Stephans jüngster Sohn Wilhelm musste sich mit den ursprünglichen Herrschaftsgebieten seiner Eltern, den Grafschaften Mortain und Boulogne begnügen. Der Vertrag von Wallingford beendete den Bürgerkrieg. Königin Maud zog sich in die Normandie zurück. König Stephan regierte noch knapp ein Jahr bis zu seinem Tod im Oktober 1154.

Verfassungspolitische Folgen der Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Stephans Herrschaft verschoben sich die Machtverhältnisse in der englischen Monarchie. Der König scheint kirchlichen Amtsinhabern als Trägern der Verwaltung misstraut zu haben und stärkte dafür die Macht und die Anzahl der Earls. Der Titel Earl, zuvor nur wenig mehr als ein Ehrentitel, wurde von ihm ausgebaut. Davon erhoffte Stephan sich die verbesserte Verteidigung der ihm loyalen Gebiete im Bürgerkrieg. Letztendlich hatte die Stärkung der Earls unter den turbulenten Zuständen im Land aber die Entstehung halbautonomer Herrschaftsgebiete und damit eine Schwächung des Königtums zur Folge. 1149 überließ Stephan Northumbria König David von Schottland.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Mathilda von Boulogne († 1152) hatte König Stephan fünf Kinder:

  • Balduin (* 1126)
  • Eustace IV. (* 1130; † 1153), 1150–1153 Graf von Boulogne
  • Matilda (* 1133)
  • Wilhelm (* 1134; † 1159), 1153–1159 Graf von Boulogne, Graf von Surrey, Herr von Norwich und Pevensey
  • Maria (* 1136; † 1180), 1159 Gräfin von Boulogne, ∞ Matthäus von Elsass

Mit der adligen Kammerfrau Dameta von der Normandie (Haus Giroie) hatte er drei uneheliche Kinder.

  • Gervaise (* 1117), Abt von Westminster
  • Almaric
  • Ralph

Außerdem hatte er zwei weitere uneheliche Kinder:

  • Wilhelm
  • Sybilla

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stephen of England – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hubert Houben: Die Normannen. C.H.Beck 2012. ISBN 9783406637278
Vorgänger Amt Nachfolger
Robert II. von Vitry Graf von Mortain
1112–1135
Eustach IV.
Eustach III. Graf von Boulogne
(de iure uxoris)

1125–1151
Eustach IV.
Heinrich I. Herzog der Normandie
1135–1144
Gottfried Plantagenet
Heinrich I. König von England
1135–1141
Matilda
Matilda König von England
1141–1154
Heinrich II.