Stephan Grätzel

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Stephan Grätzel (* 1953 in Wermsdorf) ist ein deutscher Professor für Philosophie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephan Grätzel wurde 1953 in Wermsdorf (Hubertusburg) in Sachsen geboren.

1972 legte er sein Abitur ab und begann eine Ausbildung und Tätigkeit als Organist und Chorleiter. Er nahm ein Studium der Philosophie, Germanistik und Pädagogik auf. 1979 promovierte er in Philosophie mit der Arbeit: „Der Idealismus Bradleys als Methode der Reflexion“. 1988 habilitierte er mit der Arbeit: „Die Entdeckung der leiblichen Vernunft; Systematische Darstellung der philosophischen Problematik eines leiblichen Selbstbewußtseins im 19. und 20. Jahrhundert“.

Seit 1979 lehrte er am Philosophischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, an der Université de Bourgogne Dijon und an der Universität Lyon 3. Von 1998 bis 2019 war Grätzel Universitätsprofessor für Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er leitete den Arbeitsbereich für praktische Philosophie.

1981 legte Grätzel sein Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Philosophie und Germanistik ab. Von 1996 bis 1998 war er Leiter des Graduiertenkollegs „Theater als Paradigma der Moderne; Drama und Theater im 20. Jahrhundert (ab 1880)“.

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz war er von 1998 bis 2008 Wissenschaftlicher Leiter der Lehrerweiterbildung im Fach Ethik.

Seit 2005 leitete er die Internationale Maurice-Blondel-Forschungsstelle am Arbeitsbereich Praktische Philosophie in Mainz, seit 2009 die Internationale Eugen-Fink-Forschungsstelle und das Fink-Archiv, ebenfalls an der Universität Mainz.

Er ist Mitherausgeber der Eugen Fink-Gesamtausgabe.

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grätzel behandelt in seinen Monografien wie in seinem veröffentlichten Vorlesungszyklus Fragestellungen der philosophischen Ethik und Anthropologie, die Thematik einer Philosophie des Spiels, die Grenzbereiche des Lebens, die Philosophie der Kunst, die Philosophie des Mythos und die Hermeneutik.

In seinen Schriften zur Ethik geht Grätzel mit Albert Schweitzer von der Mystik als höchster Form ethischen Handelns aus. Er sieht dabei Mystik in enger Verbindung mit dem Mythos. Beide entgrenzen den Menschen, indem sie ihn aus der Gebundenheit an sein Ich befreien. Mystik ist dabei verinnerlichtes und vergeistigtes Mysterium.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Organische Zeit: Zur Einheit von Erinnerung und Vergessen. Alber, Freiburg a. Br. 1993; 2., erw. und überarb. Auflage, Turnshare, London 2009.
  • Was soll ich tun? Orientierungen für den Ethikunterricht in der Oberstufe. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009 [zusammen mit J. Größchen].
  • Raum – Zeit – Kausalität: Propädeutik der praktischen Philosophie. Turnshare, London 2008 (Grundlagen der praktischen Philosophie; 4).
  • Der Ernst des Spiels: Vorlesungen zu einer Philosophie des Spiels. 2., erw. Auflage. Turnshare, London 2007.
  • Ethische Praxis: Anwendungen der praktischen Philosophie im Alltag und Beruf. Turnshare, London 2007 (Grundlagen der praktischen Philosophie; 3).
  • Methoden der praktischen Philosophie: Phänomenologie, Hermeneutik, Dialektik. Turnshare, London 2007 (Grundlagen der praktischen Philosophie; 2).
  • System der Ethik: existenzielle Fragestellungen der praktischen Philosophie. Turnshare, London 2006 (Grundlagen der praktischen Philosophie; 1).
  • Die Masken des Dionysos: Vorlesungen zu Philosophie und Mythologie. Turnshare, London 2005.
  • Die Vollendung des Denkens: Vorlesungen zu Philosophie und Mystik. Turnshare, London 2005.
  • Die Wahrheit der Fiktion: Vorlesungen zur Hermeneutik. Turnshare, London 2005.
  • Philosophische Aspekte in der Mystik von Ernst Barlach. Mainzer Texte aus Projekten der Evangelischen Stadtkirchenarbeit. Mainz 2005.
  • Dasein ohne Schuld: Dimensionen menschlicher Schuld aus philosophischer Perspektive. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00045921-8.
  • Kunst ohne Ende: Vorlesungen zur Philosophie der Kunst. Turnshare, London 2004.
  • Über die Grenzen des Lebens: Vorlesungen zur philosophischen Anthropologie. Turnshare, London 2004.
  • Utopie und Ekstase: Vernunftoffenheit in den Humanwissenschaften. Gardez!-Verlag, St. Augustin 1997 (Philosophie im Kontext; 1).
  • Verstummen der Natur: zur Autokratisierung des Wissens. Königshausen & Neumann, Würzburg 1997.
  • Die philosophische Entdeckung des Leibes. Steiner-Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1989.
  • Der Idealismus Bradleys als Methode der Reflexion. Univ. Diss., Mainz 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]