Stephan Harding

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Stephan Harding, auch Stephen Harding, (* um 1059 in Dorset, England; † 28. März 1134 im Kloster Cîteaux) war ein Abt des Zisterzienserordens und ist ein katholischer Heiliger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Unterschied zu den Zisterzienseräbten vor ihm ist Stephans Leben in der Literatur recht gut belegt. In den Gesta Regum Anglorum schreibt Wilhelm von Malmesbury über ihn; schließlich schrieb Stephan selber viel: Das Vorwort zu einem Hymnarium, Briefe und nicht zuletzt die unten zu besprechenden Texte Exordium Parvum und die Carta Caritatis.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harding stammte aus Dorset an der Südwestküste Englands. Seine Geburtsname war Harding. Den Namen Stephan nach dem biblischen Erzmärtyrer Stephanus nahm er erst an, nachdem er England verlassen hatte.[1] In mittelalterlichen Texten wird er nur Stephan genannt. Der Doppelname kam erst in der Frühen Neuzeit auf.

Benediktinermönch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harding kam schon als Kind als Oblate ins Benediktinerkloster Sherborne. Mit ungefähr 16 Jahren legte er das Mönchsgelübde ab. Dieses Kloster verließ er allerdings und hielt sich vielleicht zunächst in Schottland und danach sicher in Frankreich auf. In dieser Zeit machte er mit seinem Freund Petrus auch eine Romwallfahrt. Seinen Lebensunterhalt verdiente er vielleicht als Schreiber, Kopist und Buchillustrator.

Der Wallfahrtsweg führte mit großer Wahrscheinlichkeit über die toskanischen Reformklöster Vallombrosa und Camaldoli. Nach ihrer Rückkehr aus Rom traten Petrus und Stephan um 1085 in Molesme ein. 1098 gehörten sie zu jener Gruppe von Mönchen, aus der die Gründung von Cîteaux hervorging. Stephan war dort vermutlich als Schreiber des ersten Abts Robert von Molesme tätig. Nachdem Robert nach Molesme zurückgekehrt war, um auch dieses Kloster entsprechend der ursprünglichen Benediktinerregel zu reformieren, leitete Stephan als Prior gemeinsam mit dem neuen Abt Alberich von Cîteaux das Kloster Cîteaux.

Abt in Cîteaux[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Alberichs Tod 1109 stand Stephan als dritter Abt der Abtei Cîteaux vor. In dieser Zeit entstand im Mutterkloster der Zisterzienser ein blühendes Skriptorium, in dem Abt Stephan wahrscheinlich selbst arbeitete. Die Zisterzienser verdanken Stephan Harding viele Texte, darunter die Erstfassung ihrer Verfassung, der Carta Caritatis, das Exordium parvum (die Geschichte der Klostergründung), ein Hymnarium und eine Revision der Bibel. Um 1113 nahm Stephan Harding den jungen Bernhard von Clairvaux in Cîteaux auf und entsandte ihn nur zwei Jahre danach zur Gründung eines neuen Klosters in Clairvaux.

Stephan trug durch seine Forschungen zur zisterziensischen Reform bei; er war am Entstehen des Zisterzienserritus beteiligt, an einer Säuberung des Hymnars durch Kompositionen, die er sich aus Mailand erbat, da die Benediktsregel ausdrücklich die Ambrosianischen Hymnen erwähnt. Ebenso geht das Stephanusbrevier auf ihn zurück.

Als Stephan Harding im Jahr 1134 starb, zählte Cîteaux zahlreiche Tochterklöster, die ihrerseits nach dem zisterziensischen Filiationsprinzip wiederum zu Mutterklöstern geworden waren.

Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephan wurde erst verhältnismäßig spät 1623 heiliggesprochen. Von 1623 bis 1683 wurde sein Gedenktag am 17. April gefeiert, danach bis zur Neuordnung des Zisterzienserkalendariums war es der 16. Juli.[2] Heute feiert der Zisterzienserorden die drei Gründeräbte von Cîteaux (Robert, Alberich und Stephan) gemeinsam am 26. Januar.

In der bildenden Kunst wird er oft mit der Jungfrau Maria dargestellt, die ihm ein Stoffzingulum überreicht,[3] oder mit Kirchenmodell.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stephan Harding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. E. J. Cowdrey: Stephan Harding. In: Oxford Dictonary
  2. E. Hoffmann, Stephan Harding, in: LThK 9 (1937), S. 802.
  3. Chrysostomus Henriquez, Menologium Cistertiense, Antwerpen 1630, Bd. 2, S. 253: Sancto Stephano, eiusdem loci tertio antistiti, cingulum laeneum, quo scapulare stringeret, ei visibiliter apparens, obtulit. Diese Übergabe ist nicht zu verwechseln mit weißen Kukulle, die nach der Überlieferung Abt Alberich geschenkt worden war.