Stephan Thome

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Stephan Thome (2009)

Stephan Thome (* 23. Juli 1972 in Biedenkopf, Hessen; bürgerlich Stephan Schmidt) ist ein deutscher Philosoph und Schriftsteller. Bekanntheit erlangte er 2009 durch sein erfolgreiches Romandebüt Grenzgang.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephan Thome legte das Abitur an der Lahntalschule Biedenkopf ab. Nach dem Zivildienst in einer sozialpsychiatrischen Einrichtung in Marburg[3] studierte Thome Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie an der Freien Universität Berlin. Studien führten ihn nach China, Taiwan und Japan.[4] Im Jahr 2004 schloss er sein Studium an der FU Berlin mit der Dissertation Interkulturelle Hermeneutik und die Herausforderung des Fremden ab, die ein Jahr später unter dem Titel Die Herausforderung des Fremden: Interkulturelle Hermeneutik und konfuzianisches Denken unter seinem Geburtsnamen Stephan Schmidt im deutschen Buchhandel veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft stattete ihn hierzu mit einem Doktorandenstipendium aus.

Von 2005 bis Mitte 2011 lebte Thome in Taipeh, wo er als DFG-Stipendiat am Institut für Chinesische Literatur und Philosophie der Academia Sinica tätig war.[5] Er forschte über konfuzianische Philosophie des 20. Jahrhunderts[2] und übersetzte unter anderem Chun-chieh Huangs Werk Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung ins Deutsche.

2009 gab Thome mit Grenzgang sein vielbeachtetes Debüt als Romanautor. Titelgebend für das Werk ist das gleichnamige Volksfest im mittelhessischen Biedenkopf, wo Thome geboren wurde und aufwuchs, das dem Leser im Roman aber als „Bergenstadt“ begegnet. Im Rhythmus des alle sieben Jahre stattfindenden Grenzgangs-Festes folgt Thome in zeitlichen Sprüngen seinen beiden Hauptfiguren, einer geschiedenen Hausfrau und Mutter und einem Gymnasiallehrer, deren Lebensentwürfe sich als nicht tragfähig erweisen.

Die deutsche Fachpresse äußerte sich einstimmig lobend über Grenzgang. Literaturkritiker Volker Hage (Der Spiegel) pries den Autor als „Meister der Dialogkunst“ und das Buch als „reifes Debüt“, wie es in der deutschen Literatur seit langem nicht vorgekommen sei.[4] Tilman Krause (Die Welt) bezeichnete Thome als „großen Meister seelischer Zwischentöne“.[6] Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung) zeigte sich beeindruckt von der realistischen Schilderung des Romans mit pessimistischem Grundton: „[…] es ist erstaunlich, wie präzise er [Thome] nicht nur die oberhessische Landschaft und die Eigenart ihrer Menschen einfängt, sondern hin und wieder auch das spezielle Idiom der Nordhessen einfließen lässt“, so Kegel.[7] Die Filmrechte am Roman erwarb der WDR, in dessen Auftrag die TV-Produktionsfirma Teamworx im Herbst 2012 den Roman mit Claudia Michelsen und Lars Eidinger in den Hauptrollen verfilmte; überwiegend vor Ort in Biedenkopf. Brigitte Maria Berteles Film wurde am 27. November 2013 zur Hauptsendezeit ausgestrahlt[8][9] und 2014 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Sein zweites belletristisches Werk, ein Reiseroman mit dem Titel Fliehkräfte, erschien im September 2012.[10] Im September 2012 gelangte Fliehkräfte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Januar 2015 erschien sein Roman Gegenspiel.[11] Zur Vorbereitung und Arbeit an seinen Werken unterhält Thome wechselnde Wohnsitze; so z.B. außer Deutschland zuletzt auch Lissabon und zum wiederholten Mal Taipeh.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph Stephan Thomes

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Kaminski, Astrid: „Auf der Suche nach dem Teilerfolg“. In: Berliner Zeitung, 8. Oktober 2009, Ausg. 234, S. 36
  2. a b vgl. Busse, Mark-Christian von: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.hna.de„20 Titel fürs Finale: Der beste Roman des Jahres wird gesucht“ bei hna.de, 21. August 2009 (aufgerufen am 17. September 2009)
  3. Stephan Thome. In: Suhrkamp.de. Abgerufen am 20. Januar 2014.
  4. a b Volker Hage: Alle sieben Jahre. In: Der Spiegel. Nr. 34, 2009, S. 136 (online17. August 2009).
  5. vgl. „Buchvorstellung“ bei transcript-verlag.de (aufgerufen am 18. Oktober 2009)
  6. vgl. Krause, Tilman: „Gebt den Buchpreis Stephan Thome“. In: Die Welt Nr. 219 vom 19. September 2009 („Literarische Welt“), S. 29 (hier nachgewiesen durch die Online-Version, aufgerufen am 7. November 2012)
  7. vgl. Kegel, Sandra: „Vorsicht, die Provinz ist überall“ bei faz.net, 28. August 2009 (aufgerufen am 16. September 2009)
  8. Badouin, Uwe: „Grenzgang bald auf der Mattscheibe“; Oberhessische Presse vom 22. August 2012 (aufgerufen am 7. November 2012)
  9. Bader, Mareike: „Letzte Klappe fällt für Grenzgang“; Oberhessische Presse vom 18. Oktober 2012 (aufgerufen am 7. November 2012)
  10. Buchpreis-Kandidat Thome: Wenn im Westen die Bonner Sonne im Meer versinkt Der Spiegel 13. September 2012
  11. Gegenspiel bei Suhrkamp
  12. Lenz, Guntram: „Eine Frau unter Einfluss schlägt zurück“; Wetzlarer Neue Zeitung/Dill-Post vom 29. März 2015 (aufgerufen am 30. März 2015)