Stephanskloster (Heidelberg)

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Der Michelsberg von der Theodor-Heuss-Brücke
Umrisse (rot der Heiligenbergturm)

Das Stephanskloster auf dem 375,5 m ü. NHN[1] hohen Michelsberg in Heidelberg ist ein im 11. Jahrhundert dort neben dem Michaelskloster als zweite Filiale des Klosters Lorsch gegründetes Kloster, von dem heute lediglich Fundamentreste erhalten sind. Der Michelsberg ist dem Heiligenberg südlich vorgelagert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Stephan war neben dem nahe gelegenen Michaelskloster das zweite Kloster auf dem Heiligenberg und wurde um das Jahr 1090 von dem Benediktiner Arnold gegründet. Dieser war erst kurz zuvor in den Benediktinerorden eingetreten. Er errichtete sich eine Klause und eine Kapelle auf dem vorderen Gipfel des Aberinsberges.

Zundebold, Propst im Michaelskloster, fand Gefallen an der Zelle Arnolds und ließ 1094, mit Erlaubnis des Klosters Lorsch, Klostergebäude anfügen. Die Klosterkirche wurde im gotischen Stil im 12. Jahrhundert erbaut. Maßgeblicher Stifter war ein Handschuhsheimer Kreuzritter. Seine Witwe Hazecha liegt im Westteil der ehem. Kirche begraben, wie ihre Grabplatte belegt. Nachdem sich die benediktinischen Klostersitten immer mehr gelockert hatten, übernahmen ab Mitte des 13. Jahrhunderts die strengen Prämonstratensermönche aus Allerheiligen/Schwarzwald das Kloster. Der Konvent wurde im 16. Jahrhundert nach der Reformation aufgelöst, die Gebäude verfielen. Im Jahr 1589 beschloss die Heidelberger Universität als Erbin des Klosters, dieses als Steinbruch an Heidelberger Bürger freizugeben. 1885/86 baute man aus den verbliebenen Klostersteinen den Aussichtsturm auf Schloss und Neckartal.

Zu Klosterzeiten konnte man von hier aus jede Bewegung im Neckartal schon von weitem beobachten, denn die Kuppe war kahl. Durch Bau und Heizung war ein großer Teil des Waldes abgeholzt worden. Gleichzeitig wurde die alte Zisterne (das Heidenloch) wieder instand gesetzt. St. Stephan bekam einen eigenen Bezirk zugewiesen und war damit wirtschaftlich unabhängig.

Von der Anlage sind heute lediglich Fundamentreste und eine Kopie der Grabplatte der Stifterswitwe Hazecha mit lateinischer Inschrift erhalten. Die Inschrift lautet: HAZECHA RICFRIDII DEPOSCENS HIC SEPELIRI PREDII QUARTUM SUI CESSIT HUIC DOMUI HIC CONSISTENTES EIUS OBITUM RECOLENTES SINT UT PERPETUO VIVAT ET IPSA DEO VIIII KL DECEMBRIS OBIIT HAZECHA. Übersetzung: Hazecha [Frau des] Rickfried begehrte hier begraben zu werden und überliess den vierten [Teil ihres Besitzes] diesem Haus/Orden, [damit] diejenigen, die sich hier niedergelassen haben, an ihren Tod erinnern und sie das ewige Leben habe in Gott. An den 9. Kalenden des Dezember [23. Nov., Todesjahr unbek., Anf. 12. Jahrhd.] verstarb Hazecha.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 25′ 11″ N, 8° 42′ 15″ O

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)