Tommy Robinson

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Tommy Robinson (2015)

Tommy Robinson (* 1983 in Luton; weitere Pseudonyme: Andrew McMaster, Paul Harris; bürgerlich Stephen Yaxley-Lennon)[1] ist ein britischer politischer Aktivist. Er ist Gründer und ehemaliger Leiter der English Defence League (EDL), welche von verschiedenen Kritikern als rechtspopulistisch bis rechtsextrem und als islamfeindlich eingestuft wird, eine Einschätzung die Robinson teilt und die ihn nach eigener Aussage zum Rücktritt veranlasste. Er ist auch Mitgründer der European Defence League und war 2012 kurzzeitig Vizevorsitzender der rechtsgerichteten und islamkritischen British Freedom Party (BFP). Er unterstützt außerdem die PEGIDA-Bewegung und beteiligt sich an der Organisation des britischen Ablegers.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tommy Robinson wurde als Stephen Yaxley-Lennon 1983 im britischen Luton geboren und betreibt dort ein Sonnenstudio. Im August 2009 stieg Robinson zur Führungsfigur der neu gegründeten English Defence League auf, nachdem er aus einem Richtungsstreit als Sieger hervorgegangen war. Zunächst trat er aus Sorge vor islamistischen und linksextremen Übergriffen in der Öffentlichkeit nur maskiert auf, bis es im April 2010 einem Fotografen gelang, sein Gesicht zu fotografieren. Im Juni des gleichen Jahres enthüllte das antifaschistische Searchlight Magazine, dass es sich bei Robinson um Yaxley-Lennon handele, der wegen des Angriffs auf einen Polizisten außer Dienst zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt worden war, und entgegen seiner vorgeblichen Distanzierung von der rechtsextremen British National Party (BNP) für zwölf Monate deren Mitglied gewesen sei.[2] 2011 bestritt Robinson Behauptungen von Anders Behring Breivik, wonach jener über umfangreiche Kontakte zur EDL verfüge und an einer ihrer Demonstrationen in Bradford teilgenommen habe.[3][4][5]

Am 7. Januar 2013 wurde Robinson von einem britischen Gericht zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, weil er mit dem Reisepass eines Freundes illegal in die USA eingereist war.[1] Er legte gegen das Urteil Berufung ein und wurde am 22. Februar 2013 mit einem elektronischen Ortungssystem ausgestattet und aus der Untersuchungshaft, in welcher er sich seit Ende Oktober des Vorjahres befunden hatte, entlassen.[6][7]

Am 6. Juli 2013 schloss die English Defence League einen Kooperationsvertrag mit der rechtspopulistischen Partei British Freedom um den Vorsitzenden Paul Weston, dabei wurden er und der EDL-Vizeleiter Kevin Carroll zu stellvertretenden Vorsitzenden ernannt.[8] Die Partei wurde nach mäßigem Erfolg im Dezember 2012 jedoch wieder aufgelöst.

Am 8. Oktober 2013 gab die Quilliam Foundation bekannt, dass Tommy Robinson und Kevin Carroll die gemeinsame Führung der English Defence League verlassen wollen, da sie Bedenken wegen der zunehmenden Instrumentalisierung durch Rechtsextreme hätten. Sie seien zwar nach wie vor gegen den Islamismus, wollen diesem jedoch mit demokratischen Mitteln entgegentreten.[9][10]

Am 19. Oktober 2015 nahm er als einer von mehreren internationalen Gastrednern am einjährigen Jubiläum von PEGIDA in Dresden teil; seine Rede wurde von Götz Kubitschek auf Deutsch übersetzt bzw. vorgelesen.[11]

9. Juni 2018, Trafalgar Square: Demo für die Freilassung von Robinson

Im Mai 2017 wurde Robinson in Canterbury wegen Missachtung des Gerichts zu einer dreimonatigen Haftstrafe mit 18 Monaten Bewährung verurteilt, nachdem er in unzulässiger Weise über ein laufendes Strafverfahren wegen bandenmäßiger Vergewaltigung berichtet hatte. Am 25. Mai 2018 wurde er in Leeds unter dem Vorwurf der Missachtung des dortigen Gerichts festgenommen, während er illegal über ein laufendes Strafverfahren wegen Kindesmissbrauchs berichtete. In diesem Zusammenhang wurden ihm Landfriedensbruch (englisch Breach of the peace) und Aufhetzung vorgeworfen.[12][13]

Bibliografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tommy Robinson, Tommy Robinson Enemy of the State. The Press News Ltd (9. Dezember 2015). 344 Seiten. ISBN 978-0957096493 [14]
  • Peter McLoughlin, Tommy Robinson, Mohammed’s Koran: Why Muslims Kill for Islam. CreateSpace Independent Publishing Platform (21. Juni 2017). 400 Seiten. ISBN 978-0995584907

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nigel Copsey: The English Defence League: Challenging our Country and our Values of Social Inclusion, Fairness and Equality. Faith Matters, www.faith-matters.com, 2010. (Online als PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b EDL leader Stephen Lennon jailed for false passport offence. In: BBC News, 7. Januar 2013. Archiviert vom Original am 9. April 2017. Abgerufen am 22. März 2017. 
  2. Copsey 2010, S. 13–14.
  3. Mark Hughes: The Daily Telegraph: Norway killer Anders Behring Breivik had extensive links to English Defence League. In: The Daily Telegraph, 25. Juli 2011. Abgerufen am 17. September 2011. 
  4. Gordon Rayner: Norway killer Anders Behring Breivik emailed 'manifesto' to 250 British contacts, Telegraph. 26. Juli 2011. Abgerufen am 29. November 2011. 
  5. BigJay: Official Statement – Anders Breivik. BigJay. Abgerufen am 20. Oktober 2013.
  6. Christopher Arden: English Defence League leader 'released from jail', Guardian. 22. Februar 2013. 
  7. Dominic Gover: EDL Leader Tommy Robinson Faces Trial for Passport Allegation after 9/11 US Speech, International Business Times. 22. Oktober 2012. Abgerufen am 22. Februar 2013. 
  8. EDL and British Freedom Press Conference 6. Juli 2013 auf YouTube, abgerufen am 16. September 2018.
  9. Quilliam facilitates Tommy Robinson leaving the English Defence League. In: quilliaminternational.com. 8. Oktober 2013, abgerufen am 30. Mai 2018 (englisch).
  10. EDL leader Tommy Robinson quits group. In: bbc.com. 8. Oktober 2013, abgerufen am 27. Mai 2018 (englisch).
  11. Demo in Dresden am 19.10.2015 – Pegida – Rede 11 – Tommy Robinson 21. Oktober 2015 auf YouTube, abgerufen am 14. September 2018.
  12. Lizzie Dearden: Tommy Robinson arrested for 'breaching the peace' outside court during grooming trial. In: The Independent vom 25. Mai 2018
  13. Benjamin Konietzny: Neue Freiheitsikone der Rechten – Warum Tommy Robinson wirklich einsitzt. In: n-tv.de. 30. Mai 2018, abgerufen am 3. August 2018.
  14. What's it like to be Britain's most hated man? Ask Tommy Robinson. In: Daily Telegraph, 4. Februar 2016.