Sternbrücke (Hamburg)

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Sternbrücke von der Max-Brauer-Allee in Richtung Norden gesehen
Sternbrücke von der Stresemannstraße in Richtung Westen gesehen
Astra-Stube im nordöstlichen Widerlager

Die Sternbrücke ist eine diagonal über die Straßenkreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße führende Eisenbahnbrücke in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und Sternschanze. Sie wurde 1893 im Zuge der Trassierung der Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn erbaut und besteht in ihrer heutigen Form als Stahl-Balkenbrücke seit 1925/1926. Über ihr verlaufen je zwei Gleise der Fernbahn und der Hamburger S-Bahn. Sie ist ein Kulturdenkmal mit der Nummer 43773.

Konstruktion und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht die Brücke ist sternförmig, sondern sie hat ihren Namen aufgrund des hier sternförmig zusammenlaufenden Verkehrs aus sieben Richtungen: Außer den Bahnlinien, der in Ost-West-Richtung verlaufenden Stresemannstraße und der von Südwest nach Nordost verlaufenden Max-Brauer-Allee endet die aus Süden kommende Wohlers Allee an diesem verkehrsreichen Ort. Deren Einmündung ist durch einen Fußgängerweg überbaut und für den Autoverkehr gesperrt.

Brückenelemente und Doppelpfeiler auf der Fahrbahn
Erhöhte und aufgeständerte Stahlstütze, ebenfalls auf der Fahrbahn

Der Bau ist eine 75 Meter lange und 17 Meter breite stählerne Balkenbrücke, aufgelöst in zwei Brückenelementen mit je zwei Gleisen, deren Felder von drei durchlaufenden Vollwandträgern abgegrenzt sind. Verwendet wurde hochfester Stahl St 48. Die Überbauten haben eine Höhe von 2,80 Metern und ein Gesamtgewicht von 888 Tonnen. Die Brücke liegt auf vier einfachen und zwei doppelten Stahlstützen im Straßenraum sowie zwei verklinkerten, mit Ladenräumen und Toiletten ausgebauten Widerlagern.[1] Für die Vergrößerung der Durchfahrtshöhe auf vier Meter legte man um 1970 das Straßenniveau tiefer und ständerte die Stahlstützen um bis zu 50 Zentimeter auf. In den Widerlagern und Brückengewölben sind Gewerberäume untergebracht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der sternförmige Kreuzungsbereich entstand zwischen 1846 und 1848 mit dem Bau der Allee, die später in Max-Brauer-Allee umbenannt wurde. Sie kreuzte hinter den Feldern des sogenannten Lammerskamps die Landstraße nach Bahrenfeld, heute Stresemannstraße, an der Stelle, in die seit 1836 die Wohlers Allee mündete. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen Hamburg und Altona im Jahr 1866 wurde die Bahntrasse dieser Verbindungsbahn, ebenerdig vom damaligen Bahnhof Schulterblatt kommend, diagonal über die Kreuzung geführt, so dass aus dem fünf- ein siebenstrahliger Stern wurde.

Beschrankte Bahnübergänge regelten die Vorfahrt für den Personen- und Güterverkehr auf der Schiene, doch bereits Ende des 19. Jahrhunderts führte die Zunahme sowohl des Bahn- als auch des Straßenverkehrs zu langen Staus vor den immer häufiger geschlossenen Schranken. Altona und Hamburg einigten sich schließlich, parallel zum notwendigen vierspurigen Ausbau der Eisenbahntrasse die gesamte Streckenführung der Verbindungsbahn auf einen Bahndamm hochzulegen und die kreuzenden Straßen, insbesondere den Stern, zu überbrücken.[2]

1893 wurde die erste eiserne Sternbrücke gebaut, eine Vollwandbalken- und Fachwerkbogenbrücke mit reich verziertem Geländer.[1] In den Brückengewölben wurden schon damals Gewerbebetriebe untergebracht. So eröffnete zur Stresemannstraße hin (bei der heutigen Hausnummer 116) ein Restaurant, in dem Offiziere der nahe gelegenen Viktoria-Kaserne einkehrten.[2]

Nach wenigen Jahrzehnten konnte die Brücke die steigenden Verkehrslasten nicht mehr tragen, so dass 1925/1926 ein Neubau erforderlich war. Unter Bauleitung der Eisenbahndirektion Altona und deren Reichsbahnoberrat Kilian und Reichsbahnrat Blunck führte die Louis Eilers Stahlbau GmbH & Co aus Hannover den Bau aus. Das Vorhaben galt aufgrund der beengten Platzverhältnisse durch die Wohnbebauung und insbesondere durch die Inbetriebhaltung des Eisenbahnverkehrs mit 300 Fern- und 400 Stadtbahnzügen täglich, des Straßenverkehrs und der zahlreichen Versorgungsleitungen als kühn.[1]

Die wachsende Verkehrsbelastung seit der Nachkriegszeit, insbesondere der Ausbau der Stresemannstraße zu einer Hauptverkehrsachse bei gleichzeitig enger Wohnbebauung, macht die Sternbrückenkreuzung weiterhin zu einem neuralgischen Verkehrsknoten. Eine im Hamburger Generalverkehrsplan vom Ende der 1960er Jahre vorgesehene, aufgeständerte Schnellstraße über Stresemannstraße und Sternbrücke hinweg wurde nicht realisiert.

Seit etwa 2005 plant die Deutsche Bahn einen Neubau der Brücke. Wegen verschiedener Probleme verzögerte sich das Projekt, der Baubeginn ist nun für 2023 geplant. Erwartet werden Kosten von 125 Millionen Euro, die zwischen Bund und Stadt geteilt werden. Die denkmalgeschützte Brücke soll durch eine 108 Meter lange Stabbogenbrücke ohne Stützen ersetzt werden. Die Kasematten werden dafür verfüllt werden, einige Nachbargebäude müssen abgerissen werden.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den vier Gleisen der Brücke verkehren pro Tag etwa 1000 Züge des Nah- und Fernverkehrs, nachts auch Güterzüge.[4] Die Straßenkreuzung unter der Brücke wird täglich von etwa 48.000 Fahrzeugen passiert. Die sonst vierspurige, vom LKW-Fernverkehr als Verbindung zwischen den Bundesautobahnen 7 und 24 genutzte Stresemannstraße ist durch die Brückenpfeiler hier auf drei Spuren verengt und gerät so zu einem Flaschenhals.

An der Kreuzung liegt außerdem die Bushaltestelle Sternbrücke mit den HVV-Linien 3 auf der Stresemannstraße und 15 auf der Max-Brauer-Allee. Die Situation für Fußgänger und Radfahrer ist unübersichtlich und gilt als gefährlich. Verkehrstechnische Lösungen werden seit Jahren gesucht, sollen jedoch erst mit dem Neubau der Brücke realisiert werden.

Infrastruktur und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasematten hinter dem Brückenlager

Die zu den Liegenschaften der Bundesbahn gehörenden Widerlager, Brückengewölbe und Kasematten der Sternbrücke wurden von jeher gewerblich genutzt. Seit Jahrzehnten befindet sich im südwestlichen Widerlager ein Ladengeschäft für Tabakwaren und Zeitschriften. In den sich anschließenden Kasematten war bis in die 1990er Jahre das Fundbüro der Bundesbahn untergebracht, in dem regelmäßig Fundsachen versteigert wurden.[5] Seit etwa 1998 etablierten sich hier zunehmend Szeneclubs wie Astrastube, Fundbureau und Waagenbau (seit März 2003, zuvor war hier seit 1933 die Firma Altonaer Waagenbau Artz & Richter[6]), deren Existenz durch den geplanten Neubau der Brücke jedoch zeitlich beschränkt ist.[7] Zuletzt wurden die Mietverträge der Clubs bis Ende 2015 verlängert.[8]

Insgesamt gruppierten sich an der Kreuzung rund zwanzig Läden und Geschäfte, neben den Kneipen und Musikclubs sind dies in der Hauptsache Kioske und Imbisse unterschiedlicher Küche. Langjährig existierende Einzelhandels- und Fachgeschäfte, so zum Beispiel ein Friseur, ein Fotogeschäft, ein Käseladen, ein Blumengeschäft und eine Apotheke haben geschlossen und stehen zeitweise leer.[9]

Die Sternbrücke ist auf dem Cover des 2009 erschienenen Albums Wir Kinder vom Bahnhof Soul von Jan Delay abgebildet. Einige Szenen von Fatih Akıns Film Soul Kitchen wurden unter der Brücke und in der Astrastube gedreht. Die Brücke ist mitsamt Straßenkreuzung und angrenzenden Gebäuden auch ein detailgetreu abgebildeter Schauplatz in dem Comic Rast(h)aus von Wolfgang Sperzel aus dem Jahr 1991.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sternbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sven Bardua: Brückenmetropole Hamburg. Baukunst-Technik-Geschichte bis 1945. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-937904-88-7, S. 157.
  2. a b Helga Magdalena Thienel: Ein Stern für Altona. In: Altona-Nord im Blick Nr. 39, Hamburg 2009, S. 6.
  3. Peter Wenig: Sternbrücke vor Abriss – Neubau kostet 125 Millionen Euro, www.abendblatt.de vom 15. April 2020, abgerufen am 15. April 2020
  4. Sven Bardua: Brückenmetropole Hamburg. Baukunst-Technik-Geschichte bis 1945. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-937904-88-7, S. 20 f.
  5. Foto einer Versteigerung im März 1950
  6. Waagenbau: Locker abtanzen zum Rhythmus der S-Bahn, Hamburger Abendblatt vom 12. November 2005
  7. Jana Millrath: Die Brammerfläche: Konzepte für angrenzende Quartiere und Akteure, Hamburg 2012
  8. Sternbrückenfestival 2013, Interessensseite der Clubs unter der Sternbrücke
  9. Peter Brandhorst: Höllisch laut. Über das Leben an einem lärmenden Ort mit dem himmlischen Namen Sternbrücke Hinz&Kunzt Ausgabe Dezember 2003
  10. Wolfgang Sperzel: Rast(h)aus. Semmel, Kiel 1991(2.), ISBN 3-922969-82-8

Koordinaten: 53° 33′ 41″ N, 9° 57′ 18″ O