Sternenfels

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Sternenfels im Enzkreis, für das gleichnamige schwäbische Adelsgeschlecht siehe Sternenfels (Adelsgeschlecht).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sternenfels
Sternenfels
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sternenfels hervorgehoben
49.0502777777788.8505555555556397Koordinaten: 49° 3′ N, 8° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 397 m ü. NHN
Fläche: 17,32 km²
Einwohner: 2765 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75447
Vorwahlen: 07045, 07043 (Diefenbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 061
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Maulbronner Straße 7
75447 Sternenfels
Webpräsenz: www.sternenfels.de
Bürgermeisterin: Sigrid Hornauer
Lage der Gemeinde Sternenfels im Enzkreis
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Über dieses Bild

Sternenfels ist die nördlichste Gemeinde des Enzkreises in Baden-Württemberg. Sie liegt zwischen Kraichgau und Stromberg ca. 20 km Luftlinie in nordöstlicher Richtung von der Kreisstadt Pforzheim entfernt.

Sternenfels ist und war aufgrund seiner besonderen exponierten Lage und Umgebung wie auch der besonderen Verbundenheit der Sternenfelser mit ihrer Gemeinde Gegenstand etlicher kommunalpolitischer Studien und Untersuchungen - unter anderem im Bereich Dorfentwicklung zur Modellplanung Holländere,[2] im Bereich Beschäftigungskonzepte für den ländlichen Raum bzw. anhand der sogenannten Sternenfels-Umfrage zur Telearbeit.[3]

In und für Baden-Württemberg wurde Sternenfels bei der EXPO 2000 [4] und etlichen Kongressen auch auf europäischer Ebene als Musterbeispiel zur Planung im ländlichen Raum angeführt.

Geographie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sternenfels liegt am westlichen Ausläufer der durch eine Reliefumkehr geprägten, ost-westwärts verlaufenden Strombergschüssel. Durch Sternenfels verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar im Übergangsbereich zwischen Kraichgau und Stromberg. Im Ortsteil Diefenbach liegt die Quelle der Metter, die sich über die Enz in den Neckar entwässert, in Sternenfels die des Kraichbaches, der direkt in den Rhein mündet.

Landwirtschaft war mit Ausnahme des Weinbaus in Sternenfels und dem Teilort Diefenbach eher untergeordnet. Wichtig war die frühe Industrialisierung, die in den lokalen Steinbrüchen und in der Herstellung von Stubensand, einem früher sehr gebräuchlichen Putz- und Scheuermittel, einsetzte. Bekannt war Sternenfels auch für die Korbmacherei. Sternenfels ist bis heute ein industriell geprägtes Dorf; viele Einwohner sind als Nebenerwerbslandwirte tätig.

Die Zentralität und Herrschaftsfunktion durch die frühere Burg der Herren von Sternenfels ist in der Anlage des Ortes nach wie vor spürbar.

Die exponierte Lage – auch erkenntlich an der Lage und am Aufeinandertreffen der vier Landkreise (Karlsruhe, Heilbronn, Ludwigsburg und Enzkreis) – prädestinierte Sternenfels später auch als regionalen Ausflugsort mit mehreren Brauereien und Gaststätten und Ausgangspunkt von Wanderrouten. Sternenfels liegt an der Württemberger Weinstraße, die von Weikersheim nach Metzingen führt.

Die Nachbargemeinden von Sternenfels im Uhrzeigersinn sind, beginnend im Westen: Knittlingen (Enzkreis), Oberderdingen, Kürnbach (beide Landkreis Karlsruhe), Zaberfeld (Landkreis Heilbronn), Sachsenheim (Landkreis Ludwigsburg), Illingen und Maulbronn (beide Enzkreis).


Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Wappen Diefenbachs

Zur Gemeinde Sternenfels gehört die ehemalige Gemeinde Diefenbach. Zur ehemaligen Gemeinde Diefenbach gehören das Dorf Diefenbach, der Weiler Füllmenbacher Hof und die Höfe Burrainhof und Mettenbacher Mühle. Zur Gemeinde Sternenfels in den Grenzen von vor der Gemeindereform in den 1970er Jahren gehört das Dorf Sternenfels. Im Gebiet der früheren Gemeinde Sternenfels liegt die Wüstung Waldbruderhütte.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Blick vom Schlossberg über Sternenfels
Blick auf Diefenbach
Ortsbild von Diefenbach

In Sternenfels bestand seit dem Hochmittelalter eine Burg, die Burg Sternenfels, der Herren von Kürnbach, die diese zu ihrem Stammsitz machten und sich fortan Herren von Sternenfels nannten. Der bei Sternenfels anstehende weiße Stubensandstein wurde bereits als Baumaterial für den Bau der Burg abgebaut und feinere Qualitäten im benachbarten Häfnerhaslach für die Häfner- bzw. Töpferei verwandt. In Sternenfels waren die Steinbrüche wichtiger Erwerbszweig der Bewohner des unter der Burg liegenden Weilers. Sternenfels kam im Laufe des 14. Jahrhunderts an Württemberg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort verwüstet und lag danach für einige Zeit brach. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden einige der Wälle und Gräben der Eppinger Linien in und um Sternenfels errichtet. Die Burg wurde 1778 abgetragen.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich ein eigener Erwerbszweig, der Sandbau, bei dem Sandstein zu Scheuersand zermahlen wurde. Um 1860 bestanden rund 35 Sandmühlen in Sternenfels und viele Sternenfelser arbeiteten als Sandbauern. Der Gemeindewald auf dem Sandberg litt sehr unter dem exzessiven Steinabbau, so dass um 1920 die Abfuhr von Stubensandstein untersagt wurde. Gleichzeitig sank aufgrund veränderter Bodenbeläge und Putzmaterialien auch die Nachfrage nach Stubensand, so dass die letzte Sandmühle 1935 schloss. Der Stubensandstein ist in geringem Maße goldhöffig, was u.a. von Christopher Bechtler versucht wurde auszunutzen. Der aus Pforzheim stammende Bechtler war 1818 mit einem Goldwaschversuch in Sternenfels [6] nicht sehr erfolgreich gewesen, wurde aber während des Goldrausches in den USA zum Millionär mit eigenem Münzrecht und prägte unter anderem die ersten Golddollar.

Die wichtige Rolle der Industrie machte sich auch politisch bemerkbar, in Sternenfels wurde bereits 1875 der sogenannte Sternenfelser Arbeiterverein gegründet, auf dessen Tradition sich die lokale SPD[7] heute noch beruft - und bei Wahlen regelmäßig Ergebnisse um 50 % erzielt, was in Baden-Württemberg wie in der Umgebung nicht selbstverständlich ist.

Während der Bismarckschen Sozialistengesetze wie auch während des Dritten Reiches wichen Sternenfelser, die unter ihrem Ruf als „Rotem Dorf“ zu leiden hatten, in unpolitischere Vereine wie den Volkschor und den Badverein aus. In den letzten freien Reichstagswahlen erzielte 1932 die SPD 33,7 %, die KPD 45 % und die NSDAP 15,2 %. Eine gemeinsame Liste von SPD und KPD kam niemals zustande. Die SPD in Sternenfels versuchte schon 1922 bei den örtlichen Bauern und Weingärtnern Stimmen zu gewinnen[7]. Nach dem Krieg erzielten in den ersten freien Kommunalwahlen 1947 die SPD 4 Sitze im Gemeinderat, die KPD 3 und die Freien Wähler 5[7].

Sternenfels wurde ursprünglich vom württembergischen Oberamt Güglingen aus verwaltet, gehörte ab 1816 zum Oberamt Maulbronn und nach 1938 zum Landkreis Vaihingen, der 1973 im Enzkreis aufging. Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 1974 durch Vereinigung der beiden Gemeinden Sternenfels und Diefenbach.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 61,2 % folgende Sitzverteilung:

SPD 5 Sitze (-1) 44,5 %
FWG 7 Sitze (+1) 55,5 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke und Besonderheiten[Bearbeiten]

Wasserturm von Sternenfels
  • Der 14 Meter hohe Wasserturm mit Aussichtsplattform in Sternenfels hat ein Fassungsvermögen von 150 Kubikmeter Wasser und wurde 1967 auf dem Schlossberg im Stile eines Bergfrieds erbaut. Im Turm befindet sich auch eine Ausstellung zur Geschichte der Herren von Sternenfels und zur Geologie von Stromberg und Heuchelberg.
  • Die evangelische Pfarrkirche in Sternenfels wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut, die evangelische Pfarrkirche von Diefenbach entstand 1621 nach Plänen von Heinrich Schickhardt.
  • Das bereits 1939 erbaute Sternenfelser Freibad ist eine Besonderheit in einer so kleinen Gemeinde und gilt aufgrund seiner landschaftlichen Einbindung als eines der schönsten Freibäder im Landkreis. Der 1969 gegründete Freibadverein Sternenfels ist mit über sechshundert Mitgliedern einer der wichtigsten Vereine bzw. Bürgerinitiativen am Ort und sorgte Anfang der 70er Jahre für eine grundlegende Erneuerung. Die Mitglieder teilen sich nach wie vor die Badeaufsicht. Mittlerweile gibt es auch ein Beachvolleyballfeld.
  • Typisch für die Bereitschaft zu so ungewöhnlichen wie schwäbisch-sparsamen kommunalen Lösungen in Sternenfels ist die sowohl für Sport wie auch als Einsegnungshalle bei Totenfeiern genutzte echte Mehrzweckhalle in der Nähe von Kraichquelle, Friedhof und Freibad
  • Das neugebaute Gemeindezentrum ist nach dem pietistischen Prediger und frühen SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Blumhardt benannt.


Bildung[Bearbeiten]

Neben der staatlichen Grundschule Sternenfels besteht die Freie Schule Diefenbach (als Grund-, Haupt- und Realschule), die auf Rudolf Steiners Pädagogik basiert.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sternenfels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Forsten Baden-Württemberg (Hrsg.) (1987): Dorfentwicklung - Landschafts- und siedlungsökologische Grundsätze. Modellplanung - Holländere in Sternenfels.- Stuttgart.
  3. Glaser, W.R./ Glaser, M.O./ Kuder, T.: Bevölkerungsbefragung zum Innovationszentrum „Fabrik Schweitzer“ und zu Telearbeit in Sternenfels; Abschlussbericht.
  4. [1] (PDF; 601 kB) europäisches Modelldorf und ausgezeichnete Erfahrungen mit Telearbeit
  5. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 552–553
  6. Goldrausch in Sternenfels 1818
  7. a b c [2] Rede zur 125. Jahrfeier der SPD Sternenfels 2000, OV Webpage, Zugriff 10/2008
  8. Sternenfels: Bildungseinrichtungen